Zitat von Razor_cgn: Wie du da rauskommst? Stell dir ehrlich die Frage, wann du dich zum letzten Mal völlig gesehen und angenommen gefühlt hast – ohne dich erklären zu müssen. Welche Personen waren das?
Und was macht man, wenn es diese Personen nicht gibt? War sicherlich in Beziehungen anfangs oft der Fall, später dann aber nicht mehr. So dass es mich eher nicht geheilt hat, ganz im Gegenteil. Ich habe große Schwierigkeiten zu vertrauen.
Zitat von Hedwig11: Ich erkenne mich in vielem, was du da beschreibst. "Angst vor mir selber" - leider war auch das mal ein vorherrschendes Thema bei mir in einer Zeit, in der ich mich völlig überfordert fühlte.
Magst du mir erzählen, was dir an dir selbst solche Angst gemacht hat?
Zitat von Hedwig11: Es ist sehr bedauerlich, dass wir allgemein viel zu selten offen darüber reden, wenn wir jemanden schätzen. Ich merke das auch an mir selbst.
Das finde ich auch! Wir sagen uns viel zu selten nette Sachen! Auch in der Erziehung wird viel zu selten gelobt, mit Ermahnungen sind wir dagegen schnell dabei. Da musste ich auch bei mir selber drauf achten, dass ich nicht immer nur auf unerwünschtes Verhalten reagiere, sondern positives Verhalten entsprechend anerkenne und verstärke. Mein ehemaliger Chef war mal in einem Seminar bei jemandem, der mit solchen Anerkennungen gearbeitet hat, die Tn sollten sich gegeneseitig sagen, was sie aneinander schätzen. Da sind erwachsene Männer heulend zusammengebrochen, wenn ihnen etwas Positives gesagt wurde.
Zitat von GarstigeGräte: Ich habe nämlich schon häufiger darüber nachgedacht, dass mein Gefühl des Andersseins, nicht dazu zu gehören, an meiner fehlenden emotionalen Verbindung liegt.
Das ist ein interessanter Gedanke. Ich überlege gerade, ob das bei mir auch zutrifft. Tendenziell wird es etwas weniger, je besser ich die Leute kenne = je mehr emotionale Verbindung da ist.
Zitat von Heavydreamy: Hast du ne Diagnose bezüglich deiner seelischen Erkrankung?
Ja. Ich habe auch schon einiges an Therapien durch. Am besten helfen mir Medikamente, wenn ich ehrlich bin, insbesondere was die Gedanken angeht. Ich habe mich auch selbst viel belesen und ausprobiert. Richitg weg werde ich es wohl nie bekommen, aber es war jahrelang auf einem sehr geringen Level. In Stressphasen flammt es dann aber wieder auf. Manchmal habe ich das Gefühl, das ist eine Art selbst auferlegte Beschäftigungstherapie gegen Depressionen
😅 .
Zitat von GreenTara: Ich glaube, es ist ein Lernprozess, unsere eigene Identität zu wahren, und gleichzeitig unserem Bedürfnis nach Gemeinsamkeit gerecht zu werden.
Oh ja! Ich kann mich daran erinnern, dass ich als Teenie oft lieber jemand anderes sein wollte als ich selbst.
Zitat von Zaungast: Wem gegenüber wärst du gerne gewaltätig? Dir oder jemanden anderen gegeüber?
Ich möchte überhaupt nicht und unter gar keinen Umständen gewalttätig sein! Deshalb finde ich diese Gedanken ja so verstörend und beängstigend. Ich habe diese Gedanken sowohl anderen als auch mir selbst gegenüber. Was ich insofern schwierig finde, weil man anderen noch ausweichen kann, sich selber aber nicht.
Zitat von Waris07: Ich habe nun mal - anders als die meisten anderen um mich herum - tiefeinschneidende Erlebnisse/ Schicksalsschläge in meiner Kindheit erlebt, die mich geprägt und zu der Person geformt haben, die ich nun einmal bin.
Das war bei mir sicherlich auch so.
Zitat von Sti: Könnte ein Gefühl anders zu sein, durch Wirkung von Außen entstehen?
Klar, sowas ist sicher möglich. Wenn du ständig von anderen gesagt bekommst, dass du ein Freak bist, hältst du dich selber irgendwann für einen. Abgesehen von meiner Mutter, die immer etwas an mir zu kritisieren hatte, war das bei mir persönloich weniger der Fall. Wahrscheinlich habe ich dadurch aber eine übermäßig kritische Haltung gegenüber mir selbst entwickelt.
Zitat von Sti: Seine Antwort war, da das Negative dominiert.
Was für ein trauriger Satz
😥 . Gut, dass der Kleine jetzt in einer anderen Umgebung ist. Bei mir ist es nicht die Krankheit allein, die zu diesem Gefühl führt, glaube ich. Ich hab das jedenfalls in der SHG auch
😅. Da passe ich auch schon wieder nicht richtig hin.
Zitat von Hola15: Mein Therapeut hat sich bei mir recht auf dieses Thema versteift.
Meine Therapeutin auch
🙄 . Ich will nicht abstreiten, dass das eine Rolle spielen könnte, hab aber gleichzeitig wenig Lust, dauernd in der Vergangenheit rumzuwühlen. In Bezug auf meine Zwänge hilft mir das herzlich wenig. Meine Gedanken sind nicht mit Wut verknüpft. Das ist das Verstörende, sie kommen aus dem Nichts. Wenn ich wütend bin und solche Gedanken bekomme, kann ich super damit umgehen. Für mich war/ist kognitive Defusion in Verbindung mit Abbau des Vermeidungsverhaltens mit Abstand die hilfreichste Technik. Aber das wird hier zu sehr OT. Ich denke wie gesagt nicht, dass es an meiner Zwangsstörung liegt. Vielleicht eher an dem anderen Erfahrungshintergrund.