Moin,
der Spruch ist zwar alt und klingt abgedroschen, aber er trifft immer noch zu:
Eine Krise ist immer auch eine Chance und wenn das Handy wichtiger war als Partner, dann war es wohl höchste Zeit für eine Krise.
Zitat:>> Man nimmt alles für selbstverständlich hin und vernachlässigt die wichtigen Dinge im Alltag; ein Dankeschön, ein Kompliment oder auch die körperliche Nähe.<<
Ich entnehme deine Schilderung, dass das nicht nur einseitig war, sondern dass auch du das Gefühl hast , zu wenig für die Nähe und Intimität in euer Beziehung getan zu haben, richtig?
Zitat:>>Aus den immer tiefer gehenden Gesprächen haben sich von beiden Seiten aus Gefühle entwickelt. Er fühlte sich von ihr verstanden,sie hat ihm die Bestätigung usw gegeben,die er bei mir vermisst hat. Zu letzt war er abends allein in einer Männerrunde unterwegs,als er sie getroffen hat. Es folgten wieder lange intensive Gespräche,begleitet von Alk. und aus einem Flirt wurde ein Kuss.<<
Dabei ist nicht zu vernachlässigen, dass sich da ein Tsunami von Hormonen auf den Weg gemacht hat, vermutlich bei beiden Protagonisten. Es in dieser Phase wieder zu beenden, ist außerordentlich schwierig. Dein Mann hat also ebenso wie die andere Dame eine Ochsentour vor sich. Da wird ihnen nichts geschenkt.
Zitat:>>Nun,wo alles raus kam,gestand er mir,dass er sich seiner Gefühle nicht mehr sicher sei<<
Nee, natürlich nicht. Was sich da im Gefühlsleben der beiden abgespielt hat, ist so wunderbar frishc und vielversprechend, dass eine 11jährige Beziehung dem Vergleich nicht standhalten kann. Aber es soll ja auch gar nicht verglichen werden. Es muss ENTSCHIEDEN werden.
Zitat:>>und er weiß nicht,ob wir es schaffen werden,wieder richtig glücklich zu werden. Bereit für eine neue Chance sind wir beide. Wir hatten viele ehrliche Gespräche,viele Tränen und erste Ansätze,wie wir aus der Krise wieder rauskommen.<<
Glückwunsch dazu. Und das meine ich ernst. Ich finde es grandios, dass ihr euch einig seid, euch jetzt EURER Beziehung zuzuwenden. Dann kann man die auslösende Verliebtheit als Wecker verstehen, der heftig geschrillt hat. und es ist gut möglich, dass das gerade noch früh genug gewesen ist. Wären die beiden nicht durch den anderen Ehemann gestört worden, dann wäre es möglicherweise zu spät.
Zitat:>>Den Kontakt zu ihr hat er abgebrochen.<<
Wenn er das wirklich schafft, kann er stolz auf sich sein. und auch du solltest anerkennen, wenn er sich ernsthaft bemüht, die beginnende Affäre als Auslöser für einen Neuanfang bei euch anzusehen.
Zitat:>>Mein Problem bei der Sache ist: Ich schwanke zwischen den verletzten Gefühlen, durch die ich ihm am liebsten nur Ablehnung entgegen bringen würde ,in anderen Momenten will ich vieles besser machen,als früher und suche oft seine Nähe,weil ich ihn vermisse. <<
Ich rate dazu, alles zu seiner Zeit in Angriff zu nehmen. JETZT ist die Zeit für eine Krisenintervention. Das Zeitfenster, in dem das gelingen kann, ist oft klein. Und wenn ihr beide wirklich eure Kräfte bündelt und euch auch bestenfalls professionelle Hilfe dazu holt, besteht da eine reale Chance. Deine Verletzungen dürfen nicht vergessen oder verdrängt werden. Sie müsse geheilt werden und auch eine Wiedergutmachung sollte gemeinsam abgesprochen werden. E sist auch wichtig, dass er für die beginnende Affäre ALLEIN die Verantwortung übernimmt. Den Zustand euer Ehe aber, die ihn dazu geführt hat, habt ihr GEMEINSAM erschaffen. Diese beiden Dinge sind voneinander zu trennen.
Wenn ihr könnt, sucht nicht nach einem Schuldigen, sondern nach Ursachen. Und wenn ihr es ernst meint: Schaut euch mal wirklich tief und innig in die Augen und versprecht euch, dass ihr alles in euren Kräften Stehende tun wollt, um neu anzufangen.
Zitat:>>Wir sind wieder rücksichtsvoller und respektvoller im Umgang miteinander ,aber mich zerreißt die innerliche Unsicherheit,ob sich seine Gefühle wieder intensivieren oder ob er unsere Ehe eigentlich schon aufgegeben hat und sich nicht traut ,den endgültigen Schritt zu gehen.<<
Diese beiden Ebenen bestehen nebeneinander aber sie wirken sich aufeinander aus. Dazu ist aber auch wichtig, ob die andere Dame überhaupt bereit gewesen wäre sich zu trennen und ob die beiden als Paar schon Pläne geschmiedet hatten. Das macht es dann schwieriger.
Zitat:>>Ihm eine Frist zu setzen,um mir dann den Stand der Gefühle mitzuteilen ,finde ich in der Situation irgendwie unpassend. Aber was soll ich machen?<<
Ich finde es nicht unpassend, dass er dir den Stand seiner Gefühle mitzuteilen hat. Es ist dein gutes Recht zu erfahren, wie ernst du seinen Willen zu einem Neuanfang nehmen kannst. Ob dazu Fristen nötig sind, wage ich nicht zu beurteilen. Fristen bergen auch die Gefahr, dass die beiden sich noch mal wieder absprechen, denn ich wiederhole das ist eine Ochsentour, eine beginnende Verliebtheit vor die Wand zu fahren und kompromisslos zu beenden. Das schaffen nur wenig starke Menschen.
Zitat:>>Was kann uns im Alltag helfen,damit wir beide erkennen,ob es Liebe oder Gewohnheit ist,die uns zusammen hält?<<
Da gibt es viele Hilfen, die bestenfalls auch professionell besprochen werden. Bisher hat die Gewohnheit gesiegt, jetzt muss sich heraus stellen, was jeder von euch unter Liebe überhaupt versteht, denn da gibt es sehr unterschiedliche Vorstellungen. Dein Mann hatte gerade Verliebtheit gespürt. Die hat mit Liebe nichts zu tun, ist aber viel heftiger in den Gefühlsauswirkungen. Liebe entsteht erst nach der Verliebtheit. Wenn er also die beiden Gefühlslagen und die beiden Beziehungen stumpf miteinander vergleicht, siegt meist die Verliebtheit, aber halt nur ein paar Monate lang. Dann kommt der Kater. Und dann ist es meistens zu spät.
Ich rate dir also, ziemlich klar in deiner Meinung zu sein, wenn dir an der Ehe viel liegt. Er ist jetzt an der Reihe, sich klar zu positionieren. Und dann plant ihr als Team, wie ihr die Krise bewältigen könnt.