Guten Morgen : )
ich melde mich mal zu gestern Abend. Ich kann gar nicht so viel sagen, außer dass es insgesamt nett war.
Ich war dann gar nicht mehr aufgeregt. Zur Begrüßung gab es so eine kurze halbseitige Umarmung. Danach sind wir ein bisschen spazieren gegangen und anschließend in einen ruhigen Biergarten.
Es hat sich so angefühlt, als würde ich eine alte Freundin nach langer Zeit wiedersehen. Im Prinzip war es so, als wäre überhaupt nichts gewesen. Ich habe ihm ganz viele kleine Anekdoten aus meinem Leben erzählt und wir haben uns einfach unterhalten.
Jemand hatte geschrieben, dass sich in wenigen Wochen niemand verändert. Bei uns liegt die Trennung ja inzwischen schon seit Dezember 2024 zurück, also ist doch einiges an Zeit vergangen. Trotzdem hat es sich überhaupt nicht so angefühlt, als hätten wir uns so lange nicht gesehen.
Ich hatte schon den Eindruck, dass er sich Mühe gegeben hat. Ich habe auch gemerkt, dass er immer mal wieder versucht hat, Augenkontakt aufzunehmen. Das konnte ich aber irgendwie nicht richtig erwidern und habe dann eher in die Ferne geschaut.
Insgesamt war es – zumindest für mich – total unaufgeregt. Ich habe keine großen Emotionen gespürt, weder positive noch negative. Ich habe mich einfach ruhig, entspannt und ausgeglichen gefühlt.
Mir ist auch aufgefallen, dass es mir in diesem Jahr nach der Trennung deutlich besser gegangen ist als ihm. Bei mir haben sich viele Dinge positiv entwickelt: die Therapie, der Sport, mein Umfeld, meine Arbeit, meine Wohnung. Irgendwie ist vieles einfach gut geworden.
Bei ihm hingegen hat sich wohl gar nicht so viel verändert. Er ist mittlerweile unzufrieden mit seinem Job. Er meinte, er hätte es geschafft, für ein paar Wochen mit dem Rauchen und Trinken aufzuhören, sei aber vor einigen Wochen wieder rückfällig geworden. Außerdem gehe es ihm generell nicht besonders gut, er wisse aber selbst nicht so genau, woran das eigentlich liegt. Ich habe dazu gar nicht so viel gesagt, sondern eher zugehört.
Ich habe nicht dieses Gefühl gehabt, dass plötzlich wieder die große Liebe über mich hereinbricht. Was mich erleichtert. Ich habe mich nicht besonders zu ihm hingezogen gefühlt.
Eine Situation gab es allerdings noch, die ich erwähnenswert finde. Wobei ich gar nicht genau weiß, ob ich sie jetzt speziell mit ihm negativ verbinden sollte.
Es ging um meinen Hund. Ich reagiere eigentlich nur in ganz wenigen Situationen in der Öffentlichkeit wirklich emotional – aber wenn es um meinen Hund geht, dann schon. Er versteht sich leider nicht mit anderen Rüden. Im Biergarten hat sich dann ein anderer Hund losgerissen und ist auf uns zugelaufen. Kann passieren. Ich bin sofort aufgesprungen und habe mich zwischen die Hunde gestellt, weil ich wusste, dass meiner in so einer Situation nicht freundlich reagiert.
Mein Ex meinte dann sinngemäß irgendetwas wie: “Ist doch alles gut.” Er hat nicht genau das gesagt, aber es ging in die Richtung. Ich war aber total aufgewühlt. Ich weiß selbst, dass ich in solchen Situationen oft sehr stark reagiere. Gleichzeitig muss man bei Hunden eben manchmal schneller handeln, bevor überhaupt etwas passiert.
Ich habe mich dann am Ende viel mehr über die Halterin des anderen Hundes aufgeregt. Sie meinte noch zu mir, ich solle mich entspannen, hat ihren Hund aber nicht wirklich weggenommen. Es ging alles wahnsinnig schnell und war total stressig. Als sie ihren Hund dann endlich hatte, hat sie mich noch angemotzt, ich habe zurückgemotzt – und danach sind mir direkt die Tränen gekommen.
Die Situation wäre auch ohne meinen Ex blöd gewesen. Die hätte mich einfach generell total gestresst. Trotzdem hätte ich mir in dem Moment von ihm einfach einen Satz gewünscht wie: “Ach Mensch, das war jetzt echt blöd.”
Stattdessen hatte ich wieder dieses Gefühl von: “Ist doch nicht so schlimm.” Daraufhin habe ich versucht, ihm zu erklären, warum mich das so getroffen hat. Lustigerweise war genau dieses Thema – die Invalidierung von Gefühlen – auch erst kürzlich Thema in meiner Therapie im Zusammenhang mit meinen Eltern.
Ich habe ihm das erklärt und er hat es verstanden und auch angenommen (wäre damals sicher nicht so gewesen).
Zumindest in dieser kleinen Situation konnte ich also eine Veränderung wahrnehmen. Ob das am Ende irgendeine Bedeutung hat, wahrscheinlich nicht.
Das Treffen ging viel länger als gedacht, bestimmt fünf oder sechs Stunden. Beim Abschied bin ich dann einfach gegangen. Es gab auch keine Umarmung mehr oder Ähnliches.
Jetzt muss ich mir erst einmal selbst darüber klar werden, was ich von dem Treffen eigentlich mitnehme. Im Moment bin ich auf jeden Fall ziemlich ruhig, mir geht es gut und ich spüre keine besonders starken Emotionen – weder in die eine noch in die andere Richtung.
Habe mich auch gefragt, was ich von ihm denke würde, wenn das ein erstes Date mit einem fremden Mann gewesen wäre. Besonders spannend hätte ich ihn vielleicht nicht gefunden.
So, das erstmal die ersten ungefilterten Gedanken
