Guten Morgen,
zunächst einmal möchte ich Folgendes noch zu meiner erwachsenen Tochter sagen, die bei uns zu Hause wohnt, und da fange ich bei meinem Mann an. Er ist sehr konservativ, das hab ich an einer Stelle schon mal geschrieben, d. h. er hat seine Grundsätze wie zum Beispiel: „Solange deine Füße unter meinem Tisch sind“ oder „Wenn du traurig bist, geh in den Sportverein“ oder „Ohne Fleiß kein Preis“ und so weiter und so fort, und die sind tatsächlich unumstößlich. Es fällt ihm sehr schwer, sich in den anderen hineinzuversetzen, und er ist manchmal schnell mit seinen Sprüchen und merkt nicht, wie er andere damit verletzt oder vor den Kopf stößt.
Meine Tochter hingegen – und da muss ich jetzt doch ein bisschen konkreter werden – ist labil und hat eine ganz eigene Geschichte hinter sich gebracht. Sie hat einen Teil ihrer Jugend in Kliniken verbracht, und wir sind natürlich froh, dass sie jetzt anfängt, ihren Weg zu gehen, und den soll sie auch ganz allein selbstbestimmt gehen können. Mein Mann ist da allerdings ein wenig schnell, manchmal in seinen Äußerungen, und merkt nicht, wie er damit manchmal mehr Schaden anrichtet, als dass es gut tut. Er merkt das selber nicht, kann es auch nicht verstehen.
In der Vergangenheit war ich ein großer Puffer. Jetzt bin ich nur noch ein ganz kleiner Puffer, aber die Angst steckt tief in mir drin, die werde ich wohl den Rest meines Lebens mit mir herumtragen. Ich hab nach wie vor Angst, dass da was schiefgehen könnte. Und nein, ich will es nicht drauf ankommen lassen, ganz sicher nicht. Das hat schon seine Gründe.
Und jetzt zum Thema Liebe: wir Lieben uns ja irgendwie schon. Am Anfang war die Liebe natürlich ganz anders, und über die Jahrzehnte ist sie jetzt so geworden, wie sie jetzt ist. Ich glaube, da ist mehr als nur sich mögen, wenngleich wir freundschaftlich miteinander umgehen. Es ist schon ein bisschen mehr. Das haben wir uns zumindest vor einiger Zeit bei unserer Aussprache gesagt, vor Kurzem, und das glaube ich auch.
Und ganz konkret zu sagen: entweder ändern oder Trennung. Ich will ja nicht, dass er sich komplett ändert. Ich will ihn ja nicht umkrempeln. Ich will natürlich bei mir anfangen und habe auch schon angefangen, aber je mehr ich für mich ändere und mich selbst sehe und mir gut tue, desto weniger scheint mir die Beziehung da zu sein. Ich frage mich tatsächlich oft: Was macht denn diese Beziehung aus oder was geben wir uns denn gegenseitig? Na, wir haben ein gemeinsames Haus, in dem ich nicht wohnen möchte. Wir machen auch gemeinsam Urlaub, der meistens schön ist, auch wenn ich mal gerne woanders hin wollen würde, und ihm gegenüber seh ich dann, was ich hätte, wenn wir – wenn ich keine Beziehung hätte. Ich würde meinen Urlaub mit anderen Freunden oder alleine verbringen, dort, wo ich hin möchte. Ich würde mich verkleinern.
An dieser Stelle fand ich die Ausführung von einem von euch so gut: das Haus, die ganze Arbeit, ja, das ist schon viel. Und ja, ich erhoffe mir von der Verkleinerung auch, dass es weniger anstrengend ist.
Ich hab das Gefühl, dass es mir wirklich zu viel mit diesem großen Haus, dem ganzen drumherum mit der Sorge für meine Tochter,mit unserer Beziehung, dieses ewige Hin und her dieses ewige, eine Entscheidung suchen und immer Kompromisse eingehen - ja ist auf jeden Fall zu viel und ja, ich kann einfach nicht mehr. Das ist ein bisschen die Reißleine…
Insgesamt weiß ich jetzt überhaupt gar nicht mehr, wo die Reise hingehen soll. Schwierig. Und ich denke, ich warte mal ab, was er mir denn dann zu sagen hat, wenn er wiederkommt aus seinem Kurztrip oder ob er mir überhaupt was sagen möchte. Das kann auch gut sein, und so schätze ich ihn ein, dass er so tut, als wäre alles ganz normal, als wenn nichts passiert wäre. Dann werde ich es einfordern müssen. Abwarten.