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Gehen oder Bleiben

S
Zitat von SeySan:
wenn ich ein bisschen mehr mein eigenes Ding mache, ändert es sich insgesamt auch, aber es ändert sich so nichts

Ich glaube, es funktioniert nicht, wenn ich etwas mache, damit sich der andere ändert. Die Resonanz ist die gleiche wie vorher. Ich muss es einfach machen, weil es mir gut tut. Punkt. Unabhängig von ihm. Es ist zu spüren, wenn da jemand immer auf der Lauer liegt, ob ich etwas verändere. Ich glaube bei mir würde das ein trotziges nö auslösen. Erst wenn sich einer komplett in sich selbst ruhend nur für sich selbst verändert, dann kann, muss nicht, das eine Änderung bei anderen auslösen.

Ich wollte noch etwas zu deiner Tochter sagen. Wenn ich mir vorstelle, ich müsste die ganze Zeit zwischen 2 Menschen vermitteln, wäre das sehr anstrengend, weil ich mich dann gar nicht um mich kümmern könnte. In meinem Fokus wären dann immer die beiden anderen Menschen. Die beiden werden dann immer neue Probleme produzieren und es wird nicht aufhören. Als deine Tochter noch klein war, kann ich das verstehen. Es ging ja auch um die Entwicklung eines Kindes. Aber jetzt ist sie erwachsen. Ich würde ihr sagen, dass sie selbst heraus finden muss, wie eine ordentliche respektvolle Kommunikation mit ihrem Vater sein könnte. Damit würde ich ihr ihre Verantwortung überlassen und mich würde das entlasten. Was soll schon schlimmes passieren.

x 3 #106


Hola15
Zitat von Sincerite:
dass sie selbst heraus finden muss, wie eine ordentliche respektvolle Kommunikation mit ihrem Vater sein könnte.

Ich hatte eher den Eindruck, dass sie die Tochter vorm Vater schützt. Nicht andersrum.

x 2 #107


A


Gehen oder Bleiben

x 3


R
Zitat von SeySan:
Ich möchte keine Kompromisse mehr machen. Möglicherweise bin ich damit auch sehr spät dran. Hätte ich vielleicht auch viel früher alles schon machen müssen. Ich weiß es nicht.

Ich möchte viel mehr mein eigenes Ding. Ich möchte aber auch nicht alleine sein, dass ist die andere Seite: Ich habe Angst vorm Alleinsein. Ich brauche eigentlich die starke Schulter. Einen Menschen, der mir immer den Rücken stärkt. ...


Die starke Schulter hast Du bereits an Deiner Seite.

Nur, dass über die Jahre hinweg die Anziehung eine Andere geworden ist.

Jeder neue Partner bringt auch wieder neue Probleme mit sich. Manch einer hat Glück und findet spät nochmal eine neue Liebe, aber ich sag das mal mit den Worten einer guten Freundin:

"In unserem Alter muss man nicht jeden Tag durchs Bett hüpfen, man muss sich aufeinander verlassen können"

x 3 #108


R
Zitat von SeySan:
@Brightness2 meine Kids sind 22 und 23 Jahre alt und werden gerade erst erwachsen, wir haben ein ziemlich gutes Verhältnis. Sie verstehen sich auch gut mit ihrem Vater, aber da er so wenig redet und recht konservative Vorstellungen hat, kommt es mitunter zu Spannungen. Und wie ich jetzt gerade schreibe, muss ich ...

Wir haben zwar nur 1 Sohn (21), aber ich sehe da auch immer mal Spannungen.

Ich komm mit ihm besser klar, wenn wie aktuell meine Frau mal paar Tage mit ihren Freundinnen ne mehrtägige Radtour macht. Ist komisch zu erklären, aber wir haben da erziehungstechnisch oft auch unterschiedliche Meinungen gehabt, aber doch immer einen guten Kompromiss gefunden.

Ja und nun ist er groß und wird in den kommenden Wochen ausziehen. Tut auch mir weh, auch wenn ich das vielleicht auch nicht so zeige.

x 3 #109


Stella31
@SeySan
Bei allem, was du schreibst, vermisse ich ein wichtiges Detail!
Liebt ihr euch noch?
Und in was genau hast du dich mal verliebt bei ihm?

Mir fällt außerdem auf, dass du sehr häufig schreibst, dass du hoffst, er würde dies oder jenes merken.
Ihr kommuniziert kaum miteinander.
Redet wenig über Gefühle.

Aber da liegt der Schlüssel zu Nähe, besonders wenn auch auf der körperlichen Ebene nichts mehr läuft.
Ich finde alles da sehr schwierig. Gleichzeitig aber auch nicht unlösbar.

Vielleicht musst du noch viel deutlicher werden.
Nicht nur sagen, du wünscht dir Veränderung, sondern dass du jetzt an einem Punkt bist, wo es klar auf Trennung hinaus läuft, sollte sich nichts ändern.

Diese Klarheit brauchst du, um ihm das so zu vermitteln und dann wird auch ihm vermutlich bewusst, dass 5 vor 12 ist!

x 8 #110


Löwenzeh
Zitat von SeySan:
Und ich überlege, ob ich ohne ihn ausziehe.

Hast du ihm das jemals so klar gesagt?
Dass dein Wunsch nach neuen Wohnraum so groß ist, dass du es im Zweifelsfall ohne ihn machst?

Die Kunst ist es, vorwurfsfrei zu sprechen.

Nicht: "Wir müssen hier endlich ausziehen, alles rottet uns hier weg und du machst nie was!"
Da fahren die Schutzschilde hoch und alles was noch durchgehst ist "Du bist gegen mich"

Vielmehr so: "Ich ertrage es hier nicht mehr. Soviel Arbeit, die immerzu anfällt und sich so sinnentleert anfühlt, weil das, was nötig wäre, die finanziellen Mittel übersteigt.
Ich will so nicht mehr leben. Ich will mich jetzt verkleinern, sowohl vom Raum als auch den Kosten her. Ich will es so unbedingt, ich mache es im Notfall alleine. Ich brauche Veränderung.

Und wenn er dich fragt, was das denn heißen solle, dann erkläre dich. Erkläre es ihm. Wie es dir geht, was du brauchst und dir wünschst. Was du vermisst.

Aber neben dem ganzen Gequatsche, sei auch handelnd.
Mach vielleicht ne Paartherapie, lies über Gewaltfreie Kommunikation nach Rosenberg (mir hat es viel gebracht, sehr viel sogar).
Keine Ahnung, präsentiere ihm reizvolle Wohnungen.
Such doch einfach schonmal.

Beginne einfach, zu verändern.
Erst die Kommunikation, dann die Freizeit, dann das Wohnen.
Ob dein Mann dich begleitet, ob er wandlungsfähig ist und das überhaupt möchte, wird sich zeigen.

Mach du dein Ding.
Jetzt.
Stück für Stück.

x 7 #111


Löwenzeh
Zitat von SeySan:
Ich muss das doch nicht erfragen

Aber Gedankenlesen kann auch keiner.

Vielleicht initiieren?
Ich gehe auch zu meinem Mann und fordere: "Knuddel mich!"
Und dann knuddelt er mich
Und ich erläutere auch noch ungefragt die Hintergründe in ermüdender Detailtreue 😂

Schonmal so versucht?

x 4 #112


SeySan
Guten Morgen,

zunächst einmal möchte ich Folgendes noch zu meiner erwachsenen Tochter sagen, die bei uns zu Hause wohnt, und da fange ich bei meinem Mann an. Er ist sehr konservativ, das hab ich an einer Stelle schon mal geschrieben, d. h. er hat seine Grundsätze wie zum Beispiel: „Solange deine Füße unter meinem Tisch sind“ oder „Wenn du traurig bist, geh in den Sportverein“ oder „Ohne Fleiß kein Preis“ und so weiter und so fort, und die sind tatsächlich unumstößlich. Es fällt ihm sehr schwer, sich in den anderen hineinzuversetzen, und er ist manchmal schnell mit seinen Sprüchen und merkt nicht, wie er andere damit verletzt oder vor den Kopf stößt.

Meine Tochter hingegen – und da muss ich jetzt doch ein bisschen konkreter werden – ist labil und hat eine ganz eigene Geschichte hinter sich gebracht. Sie hat einen Teil ihrer Jugend in Kliniken verbracht, und wir sind natürlich froh, dass sie jetzt anfängt, ihren Weg zu gehen, und den soll sie auch ganz allein selbstbestimmt gehen können. Mein Mann ist da allerdings ein wenig schnell, manchmal in seinen Äußerungen, und merkt nicht, wie er damit manchmal mehr Schaden anrichtet, als dass es gut tut. Er merkt das selber nicht, kann es auch nicht verstehen.

In der Vergangenheit war ich ein großer Puffer. Jetzt bin ich nur noch ein ganz kleiner Puffer, aber die Angst steckt tief in mir drin, die werde ich wohl den Rest meines Lebens mit mir herumtragen. Ich hab nach wie vor Angst, dass da was schiefgehen könnte. Und nein, ich will es nicht drauf ankommen lassen, ganz sicher nicht. Das hat schon seine Gründe.

Und jetzt zum Thema Liebe: wir Lieben uns ja irgendwie schon. Am Anfang war die Liebe natürlich ganz anders, und über die Jahrzehnte ist sie jetzt so geworden, wie sie jetzt ist. Ich glaube, da ist mehr als nur sich mögen, wenngleich wir freundschaftlich miteinander umgehen. Es ist schon ein bisschen mehr. Das haben wir uns zumindest vor einiger Zeit bei unserer Aussprache gesagt, vor Kurzem, und das glaube ich auch.

Und ganz konkret zu sagen: entweder ändern oder Trennung. Ich will ja nicht, dass er sich komplett ändert. Ich will ihn ja nicht umkrempeln. Ich will natürlich bei mir anfangen und habe auch schon angefangen, aber je mehr ich für mich ändere und mich selbst sehe und mir gut tue, desto weniger scheint mir die Beziehung da zu sein. Ich frage mich tatsächlich oft: Was macht denn diese Beziehung aus oder was geben wir uns denn gegenseitig? Na, wir haben ein gemeinsames Haus, in dem ich nicht wohnen möchte. Wir machen auch gemeinsam Urlaub, der meistens schön ist, auch wenn ich mal gerne woanders hin wollen würde, und ihm gegenüber seh ich dann, was ich hätte, wenn wir – wenn ich keine Beziehung hätte. Ich würde meinen Urlaub mit anderen Freunden oder alleine verbringen, dort, wo ich hin möchte. Ich würde mich verkleinern.

An dieser Stelle fand ich die Ausführung von einem von euch so gut: das Haus, die ganze Arbeit, ja, das ist schon viel. Und ja, ich erhoffe mir von der Verkleinerung auch, dass es weniger anstrengend ist.
Ich hab das Gefühl, dass es mir wirklich zu viel mit diesem großen Haus, dem ganzen drumherum mit der Sorge für meine Tochter,mit unserer Beziehung, dieses ewige Hin und her dieses ewige, eine Entscheidung suchen und immer Kompromisse eingehen - ja ist auf jeden Fall zu viel und ja, ich kann einfach nicht mehr. Das ist ein bisschen die Reißleine…

Insgesamt weiß ich jetzt überhaupt gar nicht mehr, wo die Reise hingehen soll. Schwierig. Und ich denke, ich warte mal ab, was er mir denn dann zu sagen hat, wenn er wiederkommt aus seinem Kurztrip oder ob er mir überhaupt was sagen möchte. Das kann auch gut sein, und so schätze ich ihn ein, dass er so tut, als wäre alles ganz normal, als wenn nichts passiert wäre. Dann werde ich es einfordern müssen. Abwarten.

x 4 #113


HeavyDreamy
Guten Morgen zusammen



Zitat von SeySan:
Insgesamt weiß ich jetzt überhaupt gar nicht mehr, wo die Reise hingehen soll. Schwierig. Und ich denke, ich warte mal ab, was er mir denn dann zu sagen hat, wenn er wiederkommt aus seinem Kurztrip oder ob er mir überhaupt was sagen möchte. Das kann auch gut sein, und so schätze ich ihn ein, dass er so tut, als wäre alles ganz normal, als wenn nichts passiert wäre. Dann werde ich es einfordern müssen. Abwarten.


Genau, schau was passiert, wenn er wieder heimkommt und danach handelst du dann.

Wegen deiner Tochter: Man macht sich immer Sorgen, auch dann, wenn sie nie in Kliniken waren - finde daher es völlig normal und auch in Ordnung, dass du dir Sorgen und Gedanken um deine Tochter machst.
Sollte dich aber nicht daran hindern, dir eine Wohnung zu nehmen und die Tochter eben mitzunehmen, da es genug Hilfen von aussen auch gibt, wenn du denkst, deine Tochter bräuchte Unterstützung.

Laut deiner Erzählungen denke ich auch, dass er weiterhin so tut, wie wenn alles schick wäre und einfordern, das hast du ja auch schon öfters gemacht, aber er teilte dir ja mit, dass alles so gut ist, wie es ist.

Aber ja, jetzt guggen wir mal gell Lachendes Gesicht

x 4 #114


Cagy
Guten Morgen SeySan,
Es ist deutlich zu spüren daß, du unbedingt eine Veränderung brauchst um aus der Tretmühle deines Alltags heraus zu kommen.
Was wäre denn WENN du dir eine eigene kleine Wohnung suchst ? Wäre das für dich gleichbedeutend damit ,daß eure Beziehung vorbei ist ?
Nüchternd betrachtet ,und nach dem was du hier schilderst, ist sie das sowieso schon...zumindest die Beziehung die DU eigentlich leben möchtest.
Eine Beziehung die in eine derbe Schieflage geraten ist rettet man nicht indem *jeder verstärkt sein eigenes Ding macht* und /oder indem man die Dinge jahrelang schleifen lässt und sich in verhaltenen Gesprächen mit * wir schaffen das schon irgendwie*-Parolen* selbst beruhigt .

Zitat von SeySan:
....Und ich denke, ich warte mal ab.....

Du wartest ab...

Zitat von SeySan:
Am Ende haben wir beschlossen es zunächst einmal zu verdauen und wieder aufzunehmen, wenn wir, jeder für sich, klarer sehen.

Im letzten Jahr hatten wir auch schon ein ähnliches Gespräch. Weniger emotional, eher nüchtern.

Ich für meinen Teil habe mehr für mich gemacht, mehr ohne ihn. Tut mir gut. Ändert aber nichts, außer bei mir natürlich.

s.o........
Du wartest eigentlich darauf das ER endlich DEINEN Wünschen und Bedürfnissen entgegenkommt.
Vermutlich denkt er das du ihm deine Vostellungen *aufzwingen* willst...und bedenkt nicht das er mit seinem Verhalten dasselbe tut.
DAS müsst ihr euch klar machen und wenn ein Gespräch helfen kann ,dann nur eines indem jeder seine Wünsche und Vorstellungen unmissverständlich formuliert .
Auch wenn es unangenehm, peinlich,egoistisch oder wie auch immer auf /für den anderen und/oder sich selbst wird....dieses rumgeeier und * wir warten mal ab*...bringt nichts.
Ich persönlich denke, wenn ich alles was mich glücklich macht nur alleine machen kann weil man Partner dazu keine Lust hat, nicht bereit ist oder es ihm irgendwie nicht passt....brauche ich keine Beziehung.
Selbstständigkeit ist auch in einer Partnerschaft wichtig.. aber wenn nur noch das und die Liebe und S. keine Rolle mehr spielen --- und der Alltag nur noch aus erdrückenden Routinen und ewigen Zugeständnissen besteht.....---
ist die Messe gesungen.
Werde dir klar was DU wirklich im Leben noch erreichen willst..und dann...mach es.
Nutze die Zeit, sie kommt nie wieder.
Alles Gute Dir.

x 5 #115


P
Zitat von SeySan:
das Haus, die ganze Arbeit, ja, das ist schon viel. Und ja, ich erhoffe mir von der Verkleinerung auch, dass es weniger anstrengend ist.

Ja, das war ich mit dem Kommentar. Und da würde ich gerne weiter drauf eingehen. Denn ich weiß, wie das ist, wenn man gefühlt nicht mehr aus einem Hamsterrad raus kommt.
Zurück zum Beispiel Haus. Obwohl er gut loslassen kann, hängt er am Haus. Gleichzeitig ist die Arbeit dazu anscheinend großteils oder genügend bei Dir, sodass es Dir in Kombination mit anderem zuviel ist.
Was könntet Ihr an Arbeit sein lassen oder auslagern?
Was musst nicht alles Du machen?
Wenn Du ausziehen solltest, dann würdest Du ja auch als Stütze wegfallen. Also jetzt mal überlegen, was kannst Du da an Arbeit und Aufwand reduzieren, damit Du wieder zu Luft kommst?

Gibt es andere Gebiete, Dinge, wo Du Dich im Moment quälst? Was davon kann reduziert oder ausgelagert/delegiert werden?
Auch hier gilt: wenn Du gehst, bist Du mit diesen Leistungen gar nicht mehr zur Verfügung.

Dann kann ich nur unterstützen:

Zitat von Löwenzeh:
Mach vielleicht ne Paartherapie, lies über Gewaltfreie Kommunikation nach Rosenberg (mir hat es viel gebracht, sehr viel sogar).

Besonders das Buch von Rosenberg über Gewaltfreie Kommunikation kann für einen selbst unglaublich hilfreich sein. Es gibt ordentliche Hinweise, wie aus der Sprachlosigkeit/nebulösen Beschreibung treffendere Worte gefunden werden können und man sich bewusster äußern kann. Das könnte Dir gerade sehr helfen. Ich habe den Tipp hier im Forum gelesen und bin sehr dankbar dafür.

x 3 #116


meineMeinung
@SeySan
neuer Gedanke. was machst du wenn dein Mann nach Hause kommt und sagt, dass er nach reiflicher Überlegung eine Trennung möchte und die Scheidung anstrebt?
Wäre das dann in deinem Sinne oder hättest du Angst etwas angestoßen zu haben was sich nicht mehr aufhalten lässt?

x 3 #117


Stella31
Zitat von SeySan:
Wenn du traurig bist, geh in den Sportverein“

Dieser Satz deutet weit weniger darauf hin, dass dein Mann konversativ ist, sondern darauf dass er überhaupt nicht mit Gefühlen umgehen kann.
Vermutlich weder mit seinen eigenen noch mit denen Anderer.

Dementsprechend fühlst du dich von ihm nicht abgeholt. Und deine Tochter gleich mit.
Wenn ihr dann überhaupt redet, dann sicher aneinander vorbei!
Und das zieht sich dann irgendwann in alle Bereiche.

Vielleicht erklärt das auch deine eigene Unsicherheit bzgl. der Entscheidungsfindung.

Was fühlst du, wenn du an all die Dinge denkst, die dich stören?
Und was, wenn du an die Idee denkst, woanders zu wohnen, alleine zu entscheiden usw?

Ich glaube, dieses Diffuse, Schwammige, was ich beim Lesen deiner Zeilen habe, hat damit auch zu tun. Nämlich dass auch du einen schlechten Zugang zu deinen eigenen Gefühlen hast.

x 2 #118


S
@SeySan
Du hast Angst vor dem Alleinsein. Das kann ich verstehen. Ihr geht respektvoll mit einander um. Gleichzeitig scheint dir zur Zeit alles zu viel zu sein. Ich glaube auch, dass er schlecht mitfühlen kann. Das kann man nicht ändern. Aber wenn du ihn brauchst z.B. Arzttermin, ist er da.

Vielleicht kann man alles in den Fokus nehmen. Es gibt ja nicht nur entweder oder bzw. schwarz oder weiß.

Ihr seid beide noch berufstätig. Wie verteilt ihr denn die Haus- und Gartenarbeit, die Wäsche, das Kochen usw.? Ich finde die Tochter könnte auch einen Teil übernehmen, so lange sie bei euch wohnt.

Bei den Urlauben könnte man es so regeln, dass ihr abwechselnd entscheidet, wo es hin geht. Dann bräuchtet ihr da keine Kompromisse zu suchen.

Was sollte mindestens an dem Haus repariert werden, damit du dich auch wohl fühlst? Es muss ja keine Generalüberholung sein. Vielleicht bringen ein Staubroboter und Mähroboter auch schon etwas Entlastung.

Wenn du lernst, mit dir selbst glücklich zu sein, dann könnte eine WG von euch beiden dazu kommen.

Was ist es genau, was dir fehlt? Was ist es genau, was du brauchst? Was fühlst du genau zur Zeit?

x 2 #119


M
Guten Morgen,
Deine Situation hat mich an mich früher erinnert, ich habe Ähnliches in meiner Beziehung vermisst wie du (25 Jahre Beziehung). Haus war mir auch zu groß, obwohl wir uns beide gekümmert haben. Ich hätte mich aber nie getrennt, weil: "wir lieben uns doch", "wir sind ein gutes Team" "wir haben so viel zusammen durchgestanden" "ich liebe meinen Mann" usw usf. Habe geredet und geredet und versucht, Gemeinsames zu initiieren. Er hat abgeblockt: "Ist doch alles gut". War es nicht (und letztlich hat sich mein Ex getrennt, ich habe erst da von mehrjährigen Affären erfahren, was schlimmer für mich war als das Beziehungsende).

Aber: Für mich war die Trennung gut - mit Abstand davon geschrieben. Ich bin froh darüber, auch wenn ich den Weg meines Ex raus aus der Beziehung mies finde. Aber ich weiß noch, wie oft ich zu meiner Freundin vorher sagte "Eigentlich müsste ich mich trennen. " Wir hatten uns klassisch auseinanderentwickelt und irgendwie kein Interesse mehr aneinander.

Was mir an deinen Posts auffällt:
Du schreibst, was du alles versuchst, aber meinst damit "nur" deine Kommunikationsversuche. Ich setze das "nur" in Anführungszeichen, das ist ja nicht nichts. Aber offenbar erzählst du in den Gesprächsversuchen deinem Mann, was Du Dir anders wünschst, und bist enttäuscht, dass er nicht darauf eingeht.

Ich glaube, so funktioniert das nicht. Und habe auch das Gefühl, dass du aufgrund dieser Enttäuschung eher die Erlaubnis suchst, dich zu trennen, weil du ja "alles" versucht hast. Es liest sich eben so, dass du alles versucht hast, dass *er* sich ändert.

Du kannst niemals eine andere Person ändern. Eine andere Person kann sich aber für dich versuchen zu ändern - wenn sie das möchte. Zum Beispiel offener zu werden oder anders zu kommunizieren. Das muss aber von deinem Mann ausgehen, nachdem du kommuniziert hast.

Ich habe neulich den Unterschied zwischen Erwartungen und Standards gelesen, der für deine "Sortierung " der Situation interessant sein könnte. Ich weiß nicht, ob du diesen Unterschied siehst:

- Erwartungen: Mir fehlt in der Beziehung was. Die andere Person soll sich ändern.
- Standard: Ich möchte eine Beziehung leben, in der wir miteinander reden und gemeinsame Pläne haben.

Ich hatte in meiner Beziehung die Erwartung, dass mein Ex sich in diesem Punkt ändert. Hat er nicht. Aber ich hatte meine Standards nicht klar, deswegen hätte ich mich nie getrennt, es ging mir aber nicht gut. Und ich hatte auch so ein unklares Gummiwand-Gefühl nach Gesprächen. Heute würde ich das anders machen - mein Standard ist eine Beziehung, in der beide reden, in der ich mich dem anderen nah fühle (ich habe einen Partner, wir leben nicht zusammen, wollte ich nicht, aber ich war nahezu verblüfft, wie gut sich Nähe anfühlen kann.)

In einer so langen Beziehung ändern sich Menschen entweder zueinander hin oder parallel oder voneinander weg. Das ist normal. Ob man dann noch in einer Beziehung sein will, entscheiden beide Partner, entweder durch Tun oder durch Nichtstun 😊 . Ich wünsche dir alles Gute.

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