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Generationen im Vergleich und der Umgang miteinander

XSonneX

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Öfter habe ich mir die Frage gestellt, in wie weit sich die Generationen früher und heute unterscheiden.
Ob das Miteinander und die Art der Kommunikation, Gefühls Benennung, Respekt usw sich verändert hat .

Partnerschaften hielten früher länger, so ist meine Wahrnehmung. Aber sind die Paare wirklich glücklich gewesen?
Liegt es vllt. aber auch daran,dass nicht viel gesprochen wurde,man funktioniert hat ? Das Selbstbewusstsein und die Unabhängigkeit nicht so präsent waren,wie heute?
Man,als Familie zusammen gehalten hat,weil es zum guten Ton gehörte,man sich Eltern nicht widersetzt?

Schulzeiten heute und früher. Von Streng und Gewalttätigen Lehrkräften zu überforderten Lehrkräften ,großen Klassen. Wo lernen Kinder das Mitarbeiter und was vom Leben,wenn es zuhause nicht vorgelebt wird,sollte das nicht mehr in die Schule eingebaut werden?

Die Erziehung prägt Kinder,Eltern leben uns durch Ihre Partnerschaft etwas vor.
Wenn aber die Eltern, nichts aufgearbeitet haben und verdrängen, funktionieren Sie dann nicht einfach nur? Was macht das mit den Kindern?
Was hat Gehorsam aus Ihnen gemacht und was wurde an die Kinder weiter gegeben? Wie gehen Kinder und Jugendliche heute allgemein mit Konflikten um,haben sie gelernt miteinander zu reden,welchen Einfluss hat das Elternhaus?

Wie reagieren Kinder der neuen Generation ,wenn Konflikte innerhalb der Familie bestehen? Wird es ernst genommen oder wie früher unterdrückt? Oder ist das zu pauschal?

Die Zahl der Kontaktabbrüche steigt. Immer mehr Kinder brechen den Kontakt zu Ihren Eltern ab. Das ist für Kinder der letzte Ausweg und ein Kampf. Der Begriff Familie ist im wesentlichen ein so enorm wichtiger Halt.
Wenn Kinder dieses also tun und nicht mehr funktionieren und sich und ihre Gefühle und Bedürfnisse unterdrücken,dann ist es ihr gutes Recht. Wenn Kinder/Jugendliche /junge Erwachsene die Therapie Kliniken füllen,weil sie unter der Erziehung gelitten haben,welche sie bis heute prägt, wie haben das die Kinder der alten Generation gemacht? Jugendämter überfordert sind und es schlimme Zustände gibt die nicht bewältigt werden können, gab es das früher auch?

Es gibt immer mehr Menschen die Vereinsamen, mehr Single Haushalte, Enige kennen Ihre Nachbarn nicht richtig oder flüchten,um kein großes Gespräch zu führen, isolieren sich. Liegt es an der Zeit oder vllt. an der Konsumgesellschaft, am Leistungsdruck oder oder oder?

Wertschätzung des kleinen/Nachkriegszeit VS Kosumwahnsinn/
Wegwerfgesellschaft
Früher spielten die Kinder,weil es meist nicht anderes gab,mit dem was sich finden ließ. Es wurde selbst etwas repariert, viel sich beigebracht ,viel draußen gespielt uvm.
Heute hängen die Kinder mit gebücktem Hals am Mobiltelefon ,Jugendliche sitzen nebeneinander und schauen aufs Smartphone, statt miteinander zu reden,Paare sitzen im Restaurant oder ähnliches und gucken auch beide aufs Smartphone. Reden wir heute weniger persönlich und sind Faul geworden andere Menschen zu besuchen und chatten ist ausreichend? Ist die Digitale Welt mehr Vorteil oder Nachteil? Haben wir uns dadurch entfremdet? Ist der Hass und das Mobbing,was sonst auf dem Schulhof stattgefunden hat,mehr geworden, auf alle Bereiche,verschuldet durch die leichte anonyme Digitalisierung ?

Es gibt soviel was wir kaufen, wir laden uns die Wohnung voll,den Keller,den Dachboden, das Auto ,vllt noch ein zweites? Irgendwann gefällt es uns nicht mehr, nicht weil es kaputt ist kaufen wir neu. Wird das Geld knapp,weil wir zuviel Wert auf Kosum legen? Brauchen wir das wirklich alles? Oder können wir uns da etwas von der alten Generation angucken?

Wie sieht die Hilfsbereitschaft untereinander aus ? Laden wir uns gegenseitig nach Hause zum Essen oder Kaffee ein ,treffen wir uns nur noch auswärts oder hat heute jeder mich sich zu tun und pflegt sein Umfeld immer weniger ? Sind wir Egoistisch geworden, wo jeder nur noch auf sichuch schaut?

Sind die Menschen durch die Corona Situation nicht mehr gewöhnt gewesen, sich mit sich selbst zu befassen? Lag es wirklich daran,dass die Läden zu hatten oder weil der Konsum eingeschränkt war? War es wirklich die Angst der Einschränkung oder haben einige einfach nur verlernt in die Natur zu gehen? Waren wir genervt ,weil die Umstände Einschränkend waren oder waren wir überfordert mit soviel Entschleunigung vielleicht auch das Bewusstsein/Wahrnehmung gegenüber uns selbst?

Sind wir zu negativ in Erzählungen, unterhalten wir uns nur noch über negative Schlagzeilen oder wie schlecht es uns doch geht? Haben wir wenig Wertschätzung für das was wir an Reichtum haben?

Es könnte uns nicht schaden,wenn wir einen Austausch auf einer Sachlichen Ebene führe würden. Wenn Interesse besteht, freue ich mich über eure Sicht.

Nehmen wir uns mehr Zeit für unser Umfeld und uns selbst oder wollen wir weiter den Druck und die schnelllebigen Zeiten,war das früher auch so?

Wie gingen die Menschen früher mit Problemen und Stress um,vllt in die Kneipe oder Gewalt als Ventil oder gab's da schon sport/Johannes und Meditation die angewendet wurde?

Und warum haben wir heute so viele Dro. Konsumenten, dass die Kliniken, alle Altersgruppen vertreten und aus allen nähten Platzen? Bereits der Bereich des Jugend-Entzugs hat Polytoxe Minderjährige!
Haben viele verlernt mit unangenehmen Gefühlen umzugehen, können in dieser Gesellschaft nicht mehr mithalten? Werden diese von der Gesellschaft mit einem Stempel versehen?

Was beutet Zivilcourage heute und früher?

In welcher Gesellschaft möchtest du leben und welchen Beitrag würdest du dafür leisten?Was fällt dir auf in der Zeit früher und heute,wie bist du aufgewachsen, was wünscht du dir von deinem Umfeld?

Das schönste wäre, wenn Beleidigungen, Abwertungen und alles unmenschliche hier kein Raum hätte.

29.06.2022 21:39 • x 11 #1


ElGatoRojo

ElGatoRojo


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Ein sehr komplexes Thema, das du hier ansprichst. Schätze mal, dass der Zeitgeist so jede Generation, also ungefähr alle 25 Jahre - sich doch etwas ändert. Manches zum Vorteil und manches wird eben auch als negative Änderung empfunden.

Anmüsiere mich gerade über die Göttinger Diskussion über das oben ohne Baden von Frauen, dass teilweise erlaubt werden soll. War nach der Lockerung S. Moral in den 1970-er bis 1990-er Jahren überhaupt kein Thema, war weit verbreitet, habe meine Frau nahezu nie anders am Strand gesehen. Ging aber im Rahmen der neuen Prüderie um 2000 deutlich zurück. So ändern sich Wahrnehmungen auch durch mediale Präsenz und Pushing in vielen anderen Bereichen als nur in diesem simplen Beispiel. Manchmal erahnt man die finanziellen Interessen hinter manchen Trends.

Zitat von XSonneX:
Partnerschaften hielten früher länger, so ist meine Wahrnehmung. Aber sind die Paare wirklich glücklich gewesen?

Sie hielten länger, weil man vielleicht weniger empfindlich war. Wenn ich bedenke, was meine Frau und ich gegenseitig tolerierten - da wären wir nach Grundsätzen der Youtube-Uni schon 1000 mal getrennt. Verläßlichkeit wurde mehr gewichtet als heute.

Von meiner Elterngeneration abgesehen, wo mehr wirtschaftliche Zwänge herrschten, hatten die um 1945 geborenen Frauen alle Chancen. Jede konnte die Bildung erwerben, zu der sie befähigt war. Dass Frauen arbeiteten, wurde bei jungen Frauen allgemein üblich. Glücklich waren sie schätzungsweise mehr oder minder ebenso wie heute - eher optimistischer.

Aber ein entschiedender Punkt darf nicht vergessen werden - die orale Antikonzeption (vulgo Pillle) seit 1962. Damit hatten Frauen - unabhängig von seinen Verhütungsmaßnahmen - die Sache in der Hand und konnten selbst bestimmen, ob sie schwanger werden wollten. Das hat mehr zu ihrer Emanzipation beigetragen als andere Sachen.
Zitat von XSonneX:
Enige kennen Ihre Nachbarn nicht richtig oder flüchten,um kein großes Gespräch zu führen, isolieren sich. Liegt es an der Zeit oder vllt. an der Konsumgesellschaft, am Leistungsdruck oder oder oder?

Kommt vielleicht auf die Gegend an. Hier in der Provinz ist das noch so - man kennt die Nachbarn und redet mit ihnen, trinkt Kaffee und B. und hilft sich auch durchaus gegenseitig. Da wir nun einige Jahrzehnte hier draußen wohnen, werden wir in den Läden des Ortes mit Namen begrüßt. Lebt sich insgesamt mehr easy.

Ist aber wohl eher nichts für jüngere Leute. Meine Söhne bevorzugen die Großstadt, obwohl sie hin und wieder gern aufs Land kommen.
Zitat von XSonneX:
Früher spielten die Kinder,weil es meist nicht anderes gab,mit dem was sich finden ließ. Es wurde selbst etwas repariert, viel sich beigebracht ,viel draußen gespielt uvm.

In den endenden 1940-er und 1950-er Jahren hatte man auch als Einzelkind eine Menge Kumpels. Beide Eltern arbeiteten und Kinder hatten den Schlüssel mit Band um den Hals, trieben sich nach der Schule den ganzen Nachmittag unbeaufsichtigt in der Großstadt herum. Ruinen waren unsere Abenteuerspielplätze. Hört sich vielleicht seltsam an - aber diese Kindheit voll Freiheit und Abenteuer möchte ich nicht missen.

Meine Söhne so um 1970 kannten es noch ähnlich, aber schon in abgemilderter Form. Erster Einbruch war ein umfangreiches Fernsehprogramm, das an die Wohnung fesselte. Aber auch sie waren noch viel draußen unterwegs. Allerdings - es gab neue Sorten Spielzeug wie Lego, Playmobil und tolle Automodelle, die ich als Kind gern gehabt hätte. Unsere Söhne waren angetan von diesen Sachen und ich als Vater auch. Manche lagern immer noch im Keller - sie haben mich gebeten, dies für sie aufzubewahren-
Zitat von XSonneX:
Laden wir uns gegenseitig nach Hause zum Essen oder Kaffee ein ,

Ja - so einige Kumpels jetzt über ganz Norddeutschland verstreut und manchmal auch mit Übernachtung. Wozu denn lange telefonieren, wenn man sich besuchen kann.

29.06.2022 22:23 • x 12 #2



Generationen im Vergleich und der Umgang miteinander

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JaNu

JaNu


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Es greift so vieles ineinander bei deinen sehr umfassenden Fragen. Die Gesellschaft hat sich verändert durch äußere Einflüsse wie das Internet und die Globalisierung und die nächste Generation, die auf der vorhergehende ausbaut.

29.06.2022 22:39 • x 3 #3


Gorch_Fock

Gorch_Fock


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In der Tat hat sich vieles verändert. Schau mal allein auf die Bildung. Aus meiner Grundschule gingen 1988 max. 3-4 Leute aufs Gymnasium. Der Rest Haupt- und Realschule. War damals so. Heute kriegst Noten nachgeworfen. Alle wollen aufs Gymi. Bzw. die Eltern wollen es. Das Gleiche bei Abschlüssen. Mitte der 90er hatte fast niemand ein 1,0 Abi. Heute werden auch hier die Noten verschenkt. Und diese Beliebigkeit setzt sich in vielen Bereichen der Gesellschaft fort. Thema Sicherheit: Noch in den 90er Jahren war eine hohe Polizeidichte auch Nachts unterwegs. Zig Verkehrskontrontollen, Streifenwagen an einsamen Dorfwegen postiert, die einen wegen einem defekten Ablendlicht freundlich angehalten haben. Heute regieren Clans über manche Stadtviertel, kaum Respekt vor der Polizei. Seit den 2000ern wurde ich nie wieder aktiv kontrolliert. Hier hat sich vieles ins Negative verändert. Auch der Wegfall der Wehrpflicht / Zivildienst gehört dazu. Hier hat der Staat die letzte Möglichkeit verloren, seinen Bürgern abgenommen auch selbst etwas beizutragen. Und dazu zähle ich nicht irgendeinen Formaldienst, sondern auch politische Bildung und andere Erfahrungen, die heute so nicht mehr stattfinden. Heraus kommt eine mehr und mehr egoistische Gesellschaft, für die sich immer weniger Menschen einsetzen wollen. Weil sie viel zu satt geworden sind.

29.06.2022 23:01 • x 15 #4


BrokenHeart

BrokenHeart


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Zitat von Gorch_Fock:
Heute werden auch hier die Noten verschenkt.

Das halte ich für ein Gerücht

29.06.2022 23:15 • x 3 #5


XSonneX

XSonneX


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@ElGatoRojo

Was für ein Interessanter Einblick. Danke für die Zeit welche du dir genommen hast.

@Gorch_Fock
Danke auch dir.

29.06.2022 23:17 • x 4 #6


Geheimnis


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Man sagt ja immer dass Frauen sich früher nicht trennen konnten und Paare ja nur deswegen zusammen geblieben sind.

Ich sehe das aber nicht als was schlechtes. Ich denke dass man sich natürlich auseinander leben kann. Heute wird sich dann aber sofort mit einem Wimpernschlag getrennt. Was wäre, wenn man nun doch zusammen bleiben MÜSSTE? Ich denke dass beide dran wachsen und sich vielleicht sogar wieder aneinander annähern und sich wieder verlieben würden.Vielleicht
braucht es dafür Zeit. Nein. Heutzutage wird sofort Schluss gemacht. Meist während einer noch den anderen liebt oder verliebt ist. Ist das nicht grausam?

29.06.2022 23:40 • x 3 #7


JaNu

JaNu


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Einige Punkte möchte ich aber noch detaillierter ansprechen. Mein voriger Post war eigentlich noch gar nicht fertig, aber ich verklicke mich hier schon mal gern und die Änderungen haben anscheinend auch nur ein begrenztes Zeitfenster..


Zitat von XSonneX:
Schulzeiten heute und früher.

Da gibt es definitiv große Unterschiede. Früher wurde auf Rechtschreibung geachtet. Zuviele Fehler konnten die Gesamtnote beeinflussen. Das ist weggefallen
Ohne Rechtschreibprogramme überlebt die jetzige Generation kaum. Trotzdem gibt es reihenweise Bestnoten-Abis. Das passt nicht gut zusammen. Früher gab es auch keine Pisa-Studien, die ständig Abgleiche innerhalb der EU anstellten. Die Lerninhalte von meiner Tochter und mir unterscheiden sich gewaltig, obwohl wir beide den gleichen Schulabschluss haben.


Zitat von XSonneX:
Wie gehen Kinder und Jugendliche heute allgemein mit Konflikten um,haben sie gelernt miteinander zu reden,welchen Einfluss hat das Elternhaus?

Das Elternhaus hat nach wie vor den absolut prägenden Stempel. Konflikte werden je nach Stil des Elternhauses (diskutierfreudig-offen oder eben halt nicht) angegangen. Da dürfte sich nicht so viel verändert haben.

Zitat von XSonneX:
Wird es ernst genommen oder wie früher unterdrückt? Oder ist das zu pauschal?

Probleme und Probleme werden schon ernster genommen. Für meinen Geschmack manchmal zu ernst und es wird zerredet und aufgebauscht. Sehr vieles bekommt doch schon dramatischeren Charakter als in meiner Jungersachsenzeit. Man stand vor einem Konflikt und musste einfach da durch. Womöglich auch noch selbst, ohne Austausch in Foren oder sonstigem. Selbst Lösungen zu finden für die eigenen Problemlagen und sich auf sich selbst zu verlassen, ist seltener geworden. Ich nehme mich da übrigens auch nicht komplett aus.

Zitat von XSonneX:
Wenn Kinder/Jugendliche /junge Erwachsene die Therapie Kliniken füllen,weil sie unter der Erziehung gelitten haben,welche sie bis heute prägt, wie haben das die Kinder der alten Generation gemacht?

Ignoriert und verleugnet. Oder still und heimlich für sich Entscheidungen aus Erlebten heraus getroffen.

Zitat von XSonneX:
Es gibt immer mehr Menschen die Vereinsamen, mehr Single Haushalte,

Zitat von XSonneX:
Reden wir heute weniger persönlich und sind Faul geworden andere Menschen zu besuchen und chatten ist ausreichend? Ist die Digitale Welt mehr Vorteil oder Nachteil? Haben wir uns dadurch entfremdet?

Die Menschen sind flexibler geworden, was Arbeitszeiten und Arbeitsplätze angeht. Ich denke eigentlich, dass ohne die Digitale Welt mit der Möglichkeit zum Austausch, viele Menschen noch einsamer Wren. Ohne Dating-Apps gebe womöglich noch weniger Paare.

Zitat von XSonneX:
Wird das Geld knapp,weil wir zuviel Wert auf Kosum legen? Brauchen wir das wirklich alles?

Es gibt wenig, was man wirklich braucht in dem luxuriösen Ausmaß. Es braucht nicht den Neuwagen, wenn der Youngtimer mich immer noch von A nach B bringt. Aber die Menschen wollen und können es sich dann leisten. Viel schlimmer finde ich aber die Neiddebatten.


Ich finde alle von dir genannten Punkte spannend und bedenkenswert, xSonnex, aber hier beende ich erst einmal.

30.06.2022 00:00 • x 5 #8


Lebensfreude

Lebensfreude


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danke für dieses interessante Thema

bin Jahrgang 57

auf jeden Fall hatten wir als Kinder und Jugendliche mehr Respekt vor z.B. BademeisterInnen, Polizistinnen, Lehrerinnen etc.
Und ich denke, wir hatten auch mehr Freiheit. Waren den ganzen Tag draussen, waren kreativ beim Spielen.
Kinderstunde gabs für 1/2 - 1 Stunde täglich.
Am Sonntag gabs die kleinen Strolche, Dich und Doof.
Und wir schauten uns die Sendung mit Louis Trenker an, obwohl wir sein Bayrisch überhaupt nicht verstanden.

Markenklamotten gabs nicht (zum Glück). Klamotten von den Geschwistern wurden aufgetragen.
Wir mußten auch nicht entscheiden, was gekocht wird, wo wir in den Urlaub hin fahren wollen.
D.h. wir waren in der Kinderrolle. Und somit nicht überfordert.

Die Familie aß zusammen abends und am Sonntag.
Samstags mußten wir nämlich noch zur Schule gehen.
Ja und Rechtschreibung und lesen und rechnen können war wichtig.

Bei Feiern sassen wir am Kindertisch.
Die Generationsgrenzen waren noch da. D.h. wir wurden auch nicht mit Horrornachrichten überschwemmt.

Eine Eiskugel kostete einen Groschen, ein Brötchen 9 Pfennig.

Mein Vater war im 2. Weltkrieg Jagdflieger, traumatisiert und oft unbeherrscht uns gegenüber.
Meine Mutter konnte nähen, stricken, häkeln. Machte Marmelade etc. ein.

Glücklich waren meine Eltern vielleicht nicht immer, aber das ist eine andere Geschichte.
Scheidungen gabs nicht.
Aber gemeinsame Spieleabende, Wanderungen, Ausflüge, Verwandtenbesuche.
Es wurde in der Wohnung geraucht und im Auto und bei Feiern stand immer viel Alk. auf dem Tisch.

Bei Ausflügen (gab keine Gurte) sass eines von uns Kindern auf Mutters Schoß.
Mir fällt bestimmt noch mehr ein, bin aber jetzt müde.

Ach ja, wohne auch auf dem Land. Schwätzchen mit den Nachbarn sind normal. Gegenseitige Hilfe auch.
Vereinsamung gibt's hier nicht. Die Kinder toben draussen rum und entdecken den Wald und die Natur.

30.06.2022 00:19 • x 11 #9


XSonneX

XSonneX


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@Geheimnis @JaNu @Lebensfreude

Was für tolle Einblicke und Erfahrungen. Danke euch für die Beteiligung und Zeit.

Ich werde gerne noch was zu meinen Erfahrungen schildern.

Gemeinschaftsspiele, Kirschkern spucken, viel draußen in der Natur.Es wurde noch vorgelesen beim zu Bett bringen (lurchi und seine Freunde)

Bin in den 80er Jahren geboren, mit Glücksbärchis, Winni pu,Törtels und Powerrangers TV Zeit verbracht.TV Zeit war beschränkt, man sollte sich leise verhalten,gestresste Eltern,welche Zudem geprägt von ihrer eigenen Erziehung waren. Mehrere Generationen in der Bundeswehr. So war der Urlaub zweckgebunden. Wir haben einen Garten,beschäftigt euch da.Essen alle an einem Tisch, pünktlich, war Pflicht, sitzen bis der letzte fertig war,hatte man nicht aufgegessen,wurde die Küche abgeschlossen. Man hatte sich unterzuordnen. Geweckt wurde mit Wasser, wenn man nicht aufstehen wollte u.v.m wackelzahn wurde noch mit Faden an der Tür gezogen.

Ich hab die Einführung des Handys mitbekommen, Wehe man ist ausversehen auf die WWW Taste gekommen. Disketten formatiert und Das Festnetz hatte noch eine Wählscheibe. Die Zeiten waren schön, man kam mit wenig aus und heute vermisse ich diesen Minimalismus.

Als ich anfing zu Rauchen, kostete die Schachtel noch einen Heiermann.

Lehrer waren überfordert,zuviele Schüler. Für Gute Noten musste man sehr hart lernen. Das Leben hat mich mehr gelehrt,als jeder einzelne Schultag. Mobbing fand auch schon in der Schule damals statt,schon wenn man ne Brille trug. Aber der Ton unter Kinder usw härter geworden heut zu Tage.

Treffen unter Freunden finden wenig statt,es wird meist überwiegend geschrieben, telefonieren finden die meisten blöd. Viele haben den Kontakt zu einem oder beiden Elternteilem abgebrochen, so auch ich. Viele sind geprägt von der Kindheit, Erziehung oder Partnerschaft der Eltern.
Ein Nachbar sucht immer Gespräche,zu allen Nachbarn die er trifft ,super sympathisch und offen. Der Rest grüßt sich ,das wars, alle junge Leute,jeder für sich.

Zivilcourage habe ich früher nicht gesehen, aber auch keine großen Auseinandersetzungen mitbekommen.
In der Jugend mehrfach selbst eingeschritten,da die Jugendlichen ausgestattet waren mit Bewaffnung,ob im Nachtbus nach dem Feiern,nur weil einer gelacht hat,wurde der Schlagstock gezogen..oder ein anderer, der in ne Disco nicht rein kam und gleich das Messer raus holte. Das hat wie ich finde zugenommen unter Jugendlichen. Das gab es früher meiner Erfahrung nach nicht. Die Hemmschwelle ist niedriger. Ab ca. 2007 wahrgenommen.

Ausbildung war unmenschlich ,unterbezahlt und über die Norm fordernd. Chefs waren ausbeuterisch ,Überstunden ein muss,alles selbstverständlich. Ob das früher auch so war und der Leistungsdruck,ich weiß es nicht.

Ich werde nun auch langsam müde.

30.06.2022 01:17 • x 7 #10


ElGatoRojo

ElGatoRojo


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Zitat von Lebensfreude:
Es wurde in der Wohnung geraucht und im Auto und bei Feiern stand immer viel Alk. auf dem Tisch.

Oh Gott - das darf man jüngeren Leuten garnicht alles erzählen. Wenn der Fußpfleger kam, der auch die Fußpflege übernahm, aber noch 1950 eigentlich den illegal gebrannten Alk. an die Frau des Hauses verscherbelte (Kirsch mit Rum, Apricot Brandy). Das Maß von Alk. während der Arbeitszeit lag bis in in die 1980er Jahre deutlich höher. Viele Abteilungsleiter hatte ihre Privatpuddel Spirituosen im Schreibtisch - mehr oder minder geduldet. Auch geraucht wurde noch in den Büros.

Private Feiern ohne Schnap. - zumindest in Norddeutschland undenkbar.
Zitat von JaNu:
Die Menschen sind flexibler geworden, was Arbeitszeiten und Arbeitsplätze angeht.

Die Schlagzahl im Arbeitsleben hat sich im Laufe der Jahrzehnte deutlich erhöht. Und auch die Verfügbarkeit, die erwartet wird. Seit etwa 1980 fing es an, dass man auch im Urlaub notfalls erreichbar sein sollte - was ich ausnahmslos vermieden habe. Als Arbeitnehmer habe ich meine Arbeitszeit verkauft - nicht meine Seele. Dafür gab es weniger Meetings und Rederei. Und die Bereitschaft dann zu Mehrarbeit, wenn wirklich was los war.

Aber eines ist wirklich positiv - die Kraftfahrzeuge sind im Laufe der Jahrzehnte wirklich zuverlässiger geworden. Was habe ich früher an den Dingern rumbasteln müssen.

30.06.2022 01:25 • x 9 #11


BrokenHeart

BrokenHeart


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Zitat von ElGatoRojo:
Private Feiern ohne Schnap. - zumindest in Norddeutschland undenkbar.

So kenne ich das auch noch ..... Mitte der 70er Jahre eine Jubiläumsfeier in einer 2,5 Zimmer Wohnung mit über 30 Leuten .... und alle haben geraucht und getrunken

30.06.2022 01:48 • x 4 #12


ElGatoRojo

ElGatoRojo


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Zitat von XSonneX:
Das Festnetz hatte noch eine Wählscheibe.

Es gab nur das Festnetz. Und in Hamburg 6-stellige Telefonnummern. Von denen ich einige heute noch auswendig weiß. Aber auch das hatte noch nicht jeder. Gab dann auch eine zeitlang den 2-er Anschluss, den sich zwei Familien teilten. Telefonieren konnte da immer nur einer zur Zeit. Es hatte schon ein gewisses Prestige, einer neuen Freundin eine Festnetznummer geben zu können.
Zitat von XSonneX:
Disketten formatiert

Computer mit so nostalgischen Betriebssystemen wie CP/M und dem Z80-Prozessor. Wer auf sich hielt, programmierte in Assembler. Da hatte man noch den Daumen auf der Hardware. Volle Kontrolle. Arbeitsspeicher 512 Kilobyte, das war schon der getunte. Mit Bankswitching und so, da die Software nur 64 Kby adressieren konnte. Kommerzielle Anwendungen in Firmen wurden durchaus in BASIC geschrieben (noch 1985) - mit einem heute überaus lahmen PC für 15.000 DM. Aber meine Söhne stiegen gleich voll ein in die AMIGA-Welt. Nach dem 80386 Prozessor habe ich die Entwicklung den Profis überlassen und war nur noch Anwender.

Ende der 1960-er arbeiteten Firmen noch mit so primitiven Medien wie Lochkarten. War der Teilzeitjob meiner Frau - Daten in Lochkarten zu übertragen.
Zitat von XSonneX:
Als ich anfing zu Rauchen, kostete die Schachtel noch einen Heiermann.

Als Jugendliche die Schachtel Iplic - 50 Pfennig für 3 Zig.. Ernte 23 war schon Luxus. Wer sich später einen intellektuellen Touch geben wollte, rauchte Pfeife.

30.06.2022 01:50 • x 6 #13


BrokenHeart

BrokenHeart


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Ich kenne die Schachtel Zig. noch für 2,- DM

30.06.2022 02:00 • x 8 #14


tina1955

tina1955


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Ich bin beim Thema Respekt vor Polizei, Lehrer, Bademeister und Co hängen geblieben.
Als ich zur Schule ging, wurden noch Noten vergeben für Betragen, Fleiß, Mitarbeit , Ordnung und auch das Gesamtverhalten wurde beurteilt.
Schule und Elternhaus arbeiteten zusammen, was in der Schule absolut schief lief, erfuhren sofort die Eltern.
Wir hatten bis zum Schulabschluss eine gemeinsame Klasse, es wurde nicht in Leistungskursen unterrichtet. Der Zusammenhalt in der Klasse war vorhanden. Schule war bis zur 12. Klasse kostenlos, ebenso Unterrichtsmaterial.
Freizeit war organisiert, es gab diverse Sportvereine, Clubs, die kostenlos waren und je nach Fähigkeiten und Interesse jedem Kind zur Verfügung standen, unabhängig davon ob die Eltern finanziell besser gestellt waren oder weniger Geld zur Verfügung hatten.
Mit Wegfall der sogenannten Kopfnoten fiel auch der Respekt vor Lehrern usw. weg. Schule hatte somit keinen erzieherischen Einfluss mehr.
Ich erinnere mich daran, dass es bei uns auch Klassenkloppe gab, es gab Tadel und Lob.
Kinder waren in den Ferienlagern, die im Sommer und Winter über die Betriebe der Eltern organisiert wurden und die Eltern gerade mal ein Taschengeld von 10 oder 20 Mark gekostet haben.

Kinder hatten zu Hause gewisse Verpflichtungen, meine Schulfreundin musste zu Hause nach der Schule erst mal diverse Arbeiten im Haushalt erledigen, mitunter auch Einkauf erledigen, bevor wir spielen gehen konnten, weil beide Elternteile berufstätig und erst spät am Abend zu Hause waren.

Wir haben unsere Eltern respektiert und Taschengeld war keine Pflicht der Eltern, das haben wir uns erarbeitet und das ließ sich auch nicht einklagen.

Wir haben uns darum gerissen, ab der 8. Klasse 2 Wochen in den Ferien arbeiten zu dürfen, damit wir uns ein bisschen Geld verdienen konnten.

30.06.2022 02:23 • x 10 #15



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