Hey,
ich weiß nicht, wie ich das am besten formulieren sollte, denn sowas kam mir noch nie zuvor in den Sinn, solch einen Brief zu schreiben. Es gab vorher auch nie einen Anlass dazu. Jedenfalls ist es nun so, dass ich endlich (?!) Gewissheit habe, Gewissheit über dich und uns, auch wenn ich in der vergangenen Zeit darauf gehofft hatte, dass sich dieser Umstand nie einstellen würde. Zugegeben, ich war blind, blind vor Liebe, vor meinen Gefühlen für dich und blind, eben nicht gesehen zu haben oder nicht sehen zu wollen, wie es wirklich ist. Stattdessen rannte ich immer und immer wieder frontal gegen die Wand, welche deine Eiseskälte symbolisiert und habe mir selbst damit ins eigene Fleisch geschnitten. Selbst Eis kann einem Schaden zufügen, von den Schmerzen mal ganz zu schweigen und das sollte ich mir von nun an immer vor Augen halten, so als Erfahrung, um nicht nochmal die gleichen Fehler zu begehen, welche mich in solche Situationen bringen.
Nun, was soll ich davon halten? Es ist alles irgendwie komisch, auch weil ich zum Teil nicht mehr weiß, wer du überhaupt bist. Mir stößt es nämlich säuerlich auf zu wissen, dass unter Umständen doch dieser Kerl nicht nur etwas, sondern einiges damit zu tun hatte. Jener Kerl, den du augenscheinlich auch in den Wind geschossen hast. Ich frage mich immer noch, welche Rolle er gespielt hat oder immer noch spielt, denn was ihn betrifft, so warst du nicht ehrlich zu mir. Merkst du selbst oder? Immer hast du von Ehrlichkeit gesprochen, die dir extrem wichtig ist, womit du dir am Ende aber widersprochen hast. Natürlich kann ich nur spekulieren.
Ebenso kann ich nur darüber rätseln, ob du es ernst meintest, als wir uns das letzte Mal sahen. Du sagtest, dass du mich noch immer liebst, nur ließen deine Handlungen danach eher einen anderen Schluss zu. So habe ich fast zwei Monate damit verbracht, um dich zu kämpfen, ja, habe sogar die Schuld hauptsächlich auf mich genommen und Besserung gelobt, nur damit du siehst, dass ich alles andere als beratungsresistent bin. Alles umsonst, denke ich und ich habe ein Problem damit, wenn man mich mit Worten besänftigt, welche im Endeffekt nicht so gemeint wie gesagt waren. Ich habe dir diese Gefühlsduselei geglaubt, tue es eigentlich noch immer, allerdings bleibt bei allem ein fader Beigeschmack. Ich bin mir nicht mehr sicher, ehrlich gesagt, was ich momentan glauben soll. Am besten gar nichts und damit fahre ich wohl am besten.
Ich hätte nur gerne gewusst, wann dir der Gedanke Trennung aufkam und warum du nicht alles mögliche versucht hast, mich irgendwie wach zu rütteln. Ich war blind und sah nicht, was ich tat. Aber das ist ja auch egal, denn deine Gefühle sind nicht mehr vorhanden, jedenfalls nicht mehr für mich.
Was mich betrifft, werde ich forcieren, mich von allem zu erholen, denn es steht mir zu, nach der ganzen Zeit mal wieder an mich zu denken, sprich egoistisch zu sein und mein Leben wieder aufzubauen. Ich habe lange genug damit verbracht, etwas nachzugehen, was praktisch nicht mehr existent war. Das ist das Traurige daran. Ich hoffe nur für mich selbst, dass ich alles möglichst schnell hinter mir lassen kann, obwohl der Schmerz wegen unserer verloren gegangenen Zukunft wie ein Ballast auf meinem Herz herumtanzt, während für dich das Thema durch ist.
Weißt du, ich könnte ewig so weitermachen, dir sogar Vorwürfe machen, aber das ist nicht meine Art. Ich bin dir auch nicht böse wegen deinem Verhalten und deinen Aktionen, die im Übrigen nicht nur ich wirklich verstanden habe. Nicht nur ich runzelte mit der Stirn wegen dir, sondern alle anderen auch. Mir bleiben lediglich Spekulationen, alles andere steht mir nicht zu und du weißt, wie ich zu Vorurteilen stehe. Aber ich werde wohl nie erfahren, was genau hinter deinen Taten steckte, will ich auch gar nicht, denn ich will diese Zeit, die ich bis auf das Ende in guter Erinnerung behalten werde, hinter mir lassen und alles dafür tun, bis ich sie nur noch als Erfahrung ansehen kann.
Zuguterletzt weiß ich noch nicht, was die Zukunft so alles bereithält. Ich lasse mich da einfach überraschen, wie sonst auch. Ich weiß aber ebenso nicht, ob wir jemals ein anderes Verhältnis haben werden, anders basiert als jenes in den letzten zwei Jahren, vielleicht ein normales, wie es deine Mutter sich wünscht. Aber da habe ich die Angst davor, dass irgendwann wieder alles hochkommt, wenn ich erstmal über den Berg bin, solltest du wieder in mein Leben treten. Triggern nennt man dies und ich hoffe für mich, dass du es dir eben nicht doch nochmal anders überlegst. Denn wie gesagt, ich weiß nicht mehr, was ich wie Glauben schenken soll. Bin schon wieder total konfus und in Gedanken an ein Wunder, deswegen Schnitt und aus.
Machs gut mein Engel. Es hat wohl nicht sollen sein. Vielleicht zu früh, wie deine Eltern meinten, vielleicht einfach zur falschen Zeit am falschen Punkt zusammengefunden. Wer weiß, zu was es gut war. Bis irgendwann, oder auch nicht, pass auf dich auf und lass dich nicht unterkriegen.
Ich liebe dich,
A.