Zitat von Angi2:
Das ist ein Verlangen, dass nichts mit der üblichen Befriedigung zutun hat. Zwei Menschen brennen dann füreinander.
Das sehe ich auch so. Leidenschaft ist aber ein Gefühl, das man nicht über Jahre hinweg konservieren oder aufrecht erhalten kann. Leider. Weil Leidenschaft eben aus Unsicherheit entsteht, und kein Mensch möchte wirklich eine Beziehung führen, in der permanent die Leidenschaft kocht (das wäre dann typischerweise eine On-Off-Beziehung, da ist das nämlich so, und auch in Fernbeziehungen z.B. bleibt die Leidenschaft deutlich länger erhalten)?
Man kann sie zwischendurch aber immer mal wieder entfachen, das geht sehr wohl. Versöhnungs6 z.B. ist so eine Sache, bei der ja genau das eintritt. Durch den vorhergehenden Streit entsteht Distanz, die Nähe wird temporär durchbrochen, und wenn sich beide noch lieben wollen sie anschließend die Distanz überwinden und Nähe wiederherstellen. Und das geht nun mal eben am besten mit 6. Oft sind es die besonders harmonischen Beziehungen, in denen wenig bis gar nicht gestritten wird, die unter fehlender Leidenschaft leiden. Meine Eltern z.B. haben auch nach 46 Jahren noch viel Leidenschaft füreinander. Sie zanken sich aber auch gern und necken sich.
Das sind keine großen Streitereien über wichtige Dinge, aber mein Vater zettelt gern mal einen kleinen Disput an, indem er meine Mutter mit irgendwas ärgert oder aufzieht. Und meine Mutter spielt ihm gern mal einen Streich (z.B. eine Gummispinne auf sein Kinn legen, weil er voll Angst vor Spinnen hat und sie die immer wegmachen muss, wenn mal eine irgendwo sitzt). Die beiden haben halt einfach nie aufgehört, zu "spielen", also wie man das am Anfang einer Beziehung auch beim Flirten macht. Den anderen necken und aufziehen, sich aneinander reiben - so entsteht ja erst eine Beziehung, dass man seine Ecken und Kanten am anderen reibt - sie haben sich halt ihre jeweiligen Ecken und Kanten behalten in all den Jahren, sodass es auch nach so langer Zeit noch genug Reibungsenergie gibt.
Wenn sich nun zwei ZU ähnlich sind, oder sich einer dem anderen zu sehr angepasst hat im Laufe der Jahre und es gar keine Reibereien mehr gibt, fehlt es natürlich an Leidenschaft. Das wäre z.B. auch ein Punkt, den Jon mal still für sich prüfen könnte, ob es da noch genug Energie im System gibt, oder ob die Beziehung schon zu einem stehenden Gewässer geworden ist.
Es ist kein Geheimnis, dass die besten Beziehungen zwischen zwei Menschen bestehen, die viel gemeinsam haben (gleich und gleich gesellt sich gern). Es ist aber ebenso wenig ein Geheimnis, dass die größte Leidenschaft zwischen Menschen besteht, die sich sehr unähnlich sind (Gegensätze ziehen sich an). Dazwischen die Balance zu finden ist eben manchmal schwierig. Und vielleicht muss dann auch einfach einer mal ausbrechen und bewusst Gegensätze schaffen, wenn keine (mehr) da sind. Sich verändern. Denn Beziehungen sind letztlich dazu da, dass wir an ihnen wachsen und an ihnen reifen, und wenn das nicht mehr gegeben ist, fehlt ihnen der tiefere Sinn. Und dann werden sie - na ja eben. Meistens genügt es, wenn einer von beiden sich bewegt und aktiv etwas verändert. Der andere muss ja dann damit umgehen, und schon entsteht wieder Reibungsfläche, neue Energie, und damit auch potenziell neue Leidenschaft.