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Heute - Fühle mich ausgetauscht und zurückgelassen

Mimose

Mimose


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Gestern Tag 38, ...

Gestern kam meine Tochter zu Besuch. Es war toll!
Und ich habe mit leichtem Erschrecken festgestellt, dass sie doch tatsächlich, in gewissen Fragen, reifer ist als Du.

Sie meinte, dass aufgrund der Art und Weise, wie Du agierst hast, alles, was Du vorher gesagt und getan hast, nun in einem ganz anderen Licht erscheine. (O-Ton einer 16-jährigen)

Und es ist doch tatsächlich dieser Aspekt, mit dem viele Ge-trennte auch nach längerer Zeit noch zu kämpfen haben.

Und so eben auch ich. Noch immer.

Da fällt mir das Bild des Mondes ein:

Man hat entdeckt, dass es auf dem Mond vor etwas 3000 Jahren einen Einschlag eines Meteoriten gegeben hat, unter dessen Erschütterung
der Mond noch immer leicht zittert.

Ganz minimal und mit dem Auge nicht zu sehen, vibriert er noch immer
unter den Folgen dieses Einschlages.

So ungefähr fühlt es sich an, an Tag 38.

Der heftige Einschlag ist erfolgt, die ersten Wunden geleckt,
der Schadensbegrenzungsmodus wurde eingeleitet.
Alles ganz toll.

Aber das ungläubige, das nach oben in den Himmel gucken,
als stünde dort die Antwort auf all meine Fragen...

Der nach innen gerichtete, leicht stumpfe Blick,
das Abschweifen in Gedanken,...
Das ist noch immer da!

Und das sind eindeutig noch Folgen des Einschlages.

Dagegen kann ich nichts tun. Außer hinnehmen.

Was macht eigentlich Dein Mond?

Den.

16.06.2013 18:41 • #46


Mimose

Mimose


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Gestern Tag 39,...

Es wollte nicht so ganz gestern.

Der Sonntag schlich an mir vorbei. Und ich war in ihm gefangen.
Wie eine Fliege im Netz der Spinne.

Der Tag für Päarchen eigentlich.
Der Tag, an dem man sich ausruht, gemeinsam, wenn man am Samstag noch aus war.
Der Tag, an dem wir uns einen Film ansehen, noch schnell vorher zur Konditorei und Kuchen geholt. Kaffee aufgebrüht.
Und auf der Couch kuscheln...
Ein Päachentag eben.

Wie fülle ich bloß diese Leere?
Ich wandere von Küche zu Wohnzimmer und wieder zurück.
Hole mir den x-ten Kaffee....mag eigentlich nicht mehr.
Schau immer wieder zum Fenster raus...warum eigentlich?
Klimpere ein bisschen auf der Gitarre rum, bis mir auffällt,
dass dies zur Zeit doch eher noch eine recht trostlose
Veranstaltung ist hier.

Okay, dann sag ich den Sonntag eben ab!
Wie, geht nicht?

Okay...wie viele Stunden noch?
Sechs?!

Gut, dann halt fernsehen.
Wieso heißt das eigentlich so, der steht doch direkt vor mir?

Dann stell mir leider wieder vor, das Du Deinen Neuen heute siehst.
Oh, danke für das Bild in meinem Kopf.
Was machst du da?!
Geh endlich da raus!

Nein, Du hast ja kein Vakuum zu füllen.
Das bleibt an mir hängen, weil Du ein halbes Jahr und einen Entschluss Vorsprung hast.
Ach, und einen neuen Menschen hast Du ja auch.
Und da Du ja auch immer hier bei mir warst, weil Deine Wohnung
zu klein für uns beide war, ist der Eindruck der plötzlichen Leere
viel unvermittelter als bei Dir.
Denn da musst Du mich nicht ausradieren, ich war ja eh nie da.
Wolltest Du auch nicht.
Hier sei es doch viel gemütlicher, hast Du immer gesagt.

Weißt Du was? Ist es immer noch.

Ich muss Dich nur loswerden. So ganz.
Ist halt nicht so einfach an einem Sonntag. Noch nicht.

Aber hey...während ich mich mit der Leere auseinandersetze,
sie irgendwann überwinde,
bleibst Du auf der Stelle stehen.

Und Deine Sonntage werden kommen!

Ich hole dann Kuchen.

Aber nicht mehr für Dich!

Den.

17.06.2013 19:27 • #47



Heute - Fühle mich ausgetauscht und zurückgelassen

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sometimes


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Hallo Mimose,
ich misch mich mal unter deine Tagebucheinträge.

Zitat:
Dann stell mir leider wieder vor, das Du Deinen Neuen heute siehst.
Oh, danke für das Bild in meinem Kopf.


Das Schlimme daran ist, dass man dann meist Bilder vor Augen hat, in denen die beiden glücklich miteinander sind. Das ist mir aufgefallen, wenn mein Kopfkino losgeht...

Dabei weiß man das doch gar nicht... man weiß nicht, was sie gerade machen, und wie sie dabei miteinander umgehen. Ob sie wirklich zufrieden miteinander sind oder sogar glücklich.

Und doch suggerieren einem die selbstgemachten Bilder ein so schönes Zusammensein der Beiden. Warum?

Weil man glaubt, es kann nur so sein - sonst wäre der Mensch ja noch bei einem selbst?
Ist schon irgendwie merkwürdig.

Ich möchte ihn lieber da sitzen sehen neben ihr auf der Couch, in schlappriger Jogginghose (so ein bisschen wie Al Bundy ) , kein Bock rauszugehen, genervt auf der Fernbedienung rumhacken, weil kein Film soooo gut ist, dass er ihn wirklich interessiert...
Das war einfach sein Ding. Und da er das öfter machte - freiwillig -, dachte ich, okay, so ist er eben...
Und sie soll bitte leicht frustriert daneben sitzen. Weil sie lieber raus möchte mit ihm. Und dann doch alleine losradelt. Weil sie ihn nicht zwingen will, etwas zu tun, wozu er keine Lust hat. Was nicht sein Ding ist.

Aber vielleicht war er nur bei mir so? Will mir mein Unterbewusstsein das mit diesen tollen schönen Bildern von den beiden sagen? Nochmal ein bisschen was drauf, damit's nicht aufhört, schmerzhaft zu sein?

Kann er jetzt mit ihr leben, wonach ich mich gesehnt habe und an einem Allein-sein-Sonntag sehne?

Ja, ich danke auch... für jeden Ponyhof-Film, der da mit dem Titel ER SIE IM GLÜCK in meinem Kopf inszeniert wird. Muss auch immer wieder früh genug Cut zu sagen.

Denn ich weiß doch gar nicht, wie es wirklich abläuft. Und nur, weil ich mich einsam fühle, muss ich mir nicht solche Filme reinziehen, oder? Das macht es auch nicht besser...

LG sometimes[/i]

17.06.2013 20:57 • #48


Mimose

Mimose


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Ja, sometimes...

diese Bilder und/oder Filme drängen sich auf, weil wir den Umkehrschluss dessen erwarten, wie wir uns fühlen.

Wir fühlen uns schlecht, leiden.
Wir wurden verlassen.

Sie/Er ist gegangen und nun drängt uns unser Unterbewusstsein unweigerlich diese Bilder auf.
Dahinter steckt natürlich eine Angst oder zumindest eine Befürchtung.

Aber...und du hast da absolut Recht, so sehe ich es auch:
Die Zeit spielt ab sofort für uns, wo sie vorher noch gegen uns gespielt hat.
Als der Partner sich den Zeitvorsprung erschlichen hat.

Nun aber gilt es, dass Erträumte in die Realität zu holen.
Und da wird es dann für immer bleiben!

Und ab hier spielt die Zeit nicht mehr gegen mich/uns.

LG M.

17.06.2013 21:31 • x 1 #49


Mimose

Mimose


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Gestern Tag 40, ...

Der Tag gestern war durch zwei grundlegende Aspekte geprägt.

Meine Fresse, was für ein Satz...wieso formuliere ich auf einmal so sachlich, kühl, nüchtern, eckig?

Okay, nochmal...

Der Tag gestern hatte es mal wieder in sich. Und war dabei sehr facettenreich.
Fing bekloppterweise mit Tränen an...dabei wusste ich noch nicht einmal warum.
Das war sehr strange.

Gut, abgeschüttelt.
Dann arbeiten mit meiner Schwester, was teils lustig, teils anstrengend war.
Aber der Kontakt zu ihr tut mir immer gut.

Nachmittags dann wieder alleine zu Hause.
Hätte eigentlich genug zu tun.
Warum tue ich es nicht?
Müsste für eine Prüfung lernen und hätte auch jetzt die Zeit.
Aber stattdessen beschäftige ich mich wieder mit Dir, der Trennung etc.pp.

Meine Weiterentwicklung geht mir eindeutig zu langsam voran.
Ich hinke mir wieder selber hinterher.
Oder besser, meinen Ansprüchen.
Also, entweder, höre ich mich sagen, Du bekommst den Ar... hoch
und machst was, oder,
Du hörst auf zu jammern darüber, dass Du es nicht machst.

Es wird mal wieder Zeit meinen alten Freund Erich Kästner zu zitieren:
Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.

Also schleppe ich mich und mein nutzloses Dasein rüber in die Abendstunden des Tages.

Dort angekommen, passierte dann noch etwas, ja ich sag mal, durchaus magisches.
Auf viva lief ein Song, der mich an ein uraltes Gefühl aus grauer Vorzeit erinnert hat.
An das Gefühl des verliebt-seins !

Oh Mann, stimmt, da war ja noch was.
Etwas, dass ich selber lange nicht mehr gespürt hatte.
Und ich erkenne die Kraft, die dieses Gefühl hat.
Es trägt einen auf Händen, die Welt geht wie von selbst.

Bitter, weil ich hierdurch spüre, was Du gerade empfindest und somit
auch klar ist, dass Du Dich nicht dagegen wehren kannst/willst.
Und schön, weil es mir ja auch wieder passieren kann.
Und hoffentlich auch wird.

Ich streiche das bittere, denn das geht mich nichts mehr an...
und behalte das kraftvolle, schöne als Essenz.
Den Teil, der für mich bestimmt ist.

Siehst Du den Silberstreif da am Horizont?

Der ist für mich bestimmt.

Den.


Ach, welcher Song das war?

Leslie Clio- I couldn`t care less

Und witzig, es heißt da:

Such a good drama...oh oh oh!

18.06.2013 12:32 • #50


Jeanne14


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Hallo Mimose,

sorry fürs Zwischenfunken in deinem Tagebuch.
Nur eine Rückmeldung:
Danke!, dass du uns daran teilhaben lässt, an deinen Gedanken und an deinen Gefühlen!

Ich mag, wie du schreibst und fühle mich sooft, als würde mir jemand einen Spiegel vor die Nase halten. Und du hast mich tatsächlich ein paar mal zum Lachen gebracht (schaffen derzeit nicht viele....).

Ich habe schon so viele gute Denkanstöße mitgenommen, manche Dinge kannst du so wunderbar in Bildern ausdrücken...Respekt.

Ich glaube du bist auf einem sehr guten Weg!
Alles Liebe, Jeanne

PS: am 252 ten Tag...

18.06.2013 13:10 • #51


Mimose

Mimose


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Gestern Tag 41, ...

Gestern war zunächst nicht viel, aber ich hatte schon früh gemerkt, dass da eine Auseinandersetzung in mir feststeckt.

Bin dann erstmal zur Arbeit. Natürlich beim schönsten Wetter.
Die Tage zuvor hatte ich frei und da musste es ja zwangsläufig wolkenverhangen sein.

Dann musste ich einen Riesenumweg zur Arbeit fahren, da in der Stadt eine Bombe entschärft wurde.
Ich musste also mit dem Rad quer durch den Wald, Berg rauf, Berg runter.
Wusste gar nicht, dass ich noch so fit bin.
Als ich endlich auf der Arbeit war, sah ich aus wie ein begossener Pudel,
so nass geschwitzt war ich.
Toll, so anzufangen.

Nun, dann arbeiten und abends nach Hause.

Und dann kam sie hoch, die Auseinandersetzung. Das doofe Teil.

Ich fühlte mich nicht zumutbar!

Es ist wieder das altbekannte Einerseits-Andererseits.

Oh, wie bekannt mir dieses Spiel doch ist.

Ja, einerseits hast Du mich verlassen, weil ich Dir nicht das geben konnte
oder wollte, was Du haben wolltest.
Aber als es hier noch um Veränderung ging, hatte ich ja durchaus Konzessionen gemacht.
Dir Recht gegeben. Dir gesagt, ich will und werde meine Haltung ändern.
Mich einlassen.
Ja sagen!
Die innere Furcht vor Verletzung überwinden.
Oder einfach ignorieren.
Ja, ich hatte sie bereits ignoriert.

Aber das war nicht genug.

Denn andererseits hast Du mich verlassen, weil Dir was gefehlt hat.

Und genau hier kommt er der Punkt, der mich doch schon so lange begleitet.

Also, begrüßen Sie mit mir, zurück in den Charts, ein altbekannter Gedanke,
zurück von null auf Platz eins: Ich bin nicht zumutbar!

Ich bin nicht richtig.
Ich bin zu schwer.
Nicht leicht.
Jemand mit Geschichte.

Du bist leicht.
Sehnst Dich danach, dass der Neue das mit Dir lebt.
Jemand, der keine Ängste hat.
Jemand, der ebenfalls leicht ist.

Jawoll! Das sitzt!
Also bin ich grundlegend nicht zumutbar.
Auch für künftige Beziehungen nicht.
Und noch einer: Ich bin so und kann mich eh nicht ändern!
Also aussichtslos.

Hmmm....erstmal Stille. In mir und um mich herum.


Aber der Abend war noch nicht zu Ende.
Und so leicht gebe ich mich nicht geschlagen.
Mit diesem Selbstbild gehe ich nicht ins Bett!
Denn letztlich ist das doch bloß das Erbe, das Du mir hinterlassen hast.

Also, nochmal von vorn:

Ich selber habe mich nie falsch gefühlt.
Das tue ich jetzt nur, weil Du mir das als Rückkoppelung da gelassen hast.

Ich bin anders, ja.
Vielleicht auch speziell.
Mag sein.
Auf jeden Fall bin ich ein Individualist, ohne einer sein zu wollen.
Eigen.
Kein Opportunist. Kein Mitläufer.

Ich habe Defizite, aber bekenne mich dazu.
Habe ich immer getan, auch in unserer Beziehung.
Ich habe Dir nie was vorgemacht.
Immer mit offenen Karten gespielt.

Das hast Du oft bewundert.
Du hast immer von meiner schonungslosen Offenheit gesprochen.
Du hast gesagt, Du kennest niemanden, der so wenig verstellt sei wie ich.
Der geradeaus seinen Weg geht, dabei aber nie über Leichen.

Ja, Du hast noch ganz am Ende gesagt, Dir sei noch nie ein Mensch
begegnet, der Dich so tief in Deinem Inneren berühren und anrühren kann.
Ich sei so, so liebenswert.

Na also!
Wenn ich mir das so zurückhole, warum soll ich dann denken, ich sei falsch?

Ich bin nur nicht mehr der Richtige.
Für Dich.

Etwas anderes hat Dich abgeholt.

Es kam nur so plötzlich und unvermittelt, dass es nur logisch ist, dass der
Zurückgelassene, in dem Fall ich, es zunächst nicht verstehen kann
und sich falsch fühlen muss.
Du hattest mit ja die Brocken vor die Füße geworfen.
Was gesagt von nicht mehr leicht gefühlt und so.

Darling...
In einigen Punkte hast Du durchaus Recht und da verstehe ich Dich auch.
In anderen wiederum gar nicht.

Aber Du hast nicht das Recht, mir alles, was Du so geschätzt und auch gebraucht hast, nun auf einmal vorzuwerfen und als Grund für die Trennung heranzuführen.
Nur, weil Du es jetzt nicht mehr brauchst.

Sag doch einfach: Danke für alles und geh!

Was, nicht den Mut dazu gehabt?



Hey, mach das Licht aus, wenn Du gehst, ja?


Den.

19.06.2013 11:08 • #52


Mimose

Mimose


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Gestern Tag 42,...

Irgendwas liegt wie Blei auf meinen Schultern und zieht sie nach unten.
Oh, wie ich diese Haltung an mir hasse.

Ich habe gestern Dinge gesehen, die mir klar gemacht haben, dass diese
Beziehung von Beginn an zum Scheitern verurteilt war.
Sozusagen ein Geburtsfehler der Beziehung.

Zwar bringen mich all diese Erkenntnisse weg von Dir und lassen mich besser verstehen.,
Aber, wenn sie mich weg von Dir bringen, wohin bringen sie mich dann?

Die Rotation im Kopf ist noch immer aktiv, zwar dreht es sich nicht mehr so schnell, aber sie ist noch da.

Und ich habe das Gefühl, die Zukunft ist so unbestimmt wie nie zuvor.

Und ja, ich muss es sagen, ich bin immer noch so enttäuscht!

Dieser Punkt taucht als Gedankenfragment die letzten Tage immer wieder auf.
Da hör ich dann sowas wie: Schock! Was ist passiert? Und von Dir hätte ich das wirklich nicht erwartet.

Ist es das, was die ganze Sache so bitter macht?

Das man das, was passiert ist, eben genau von diesem Menschen nicht erwartet hätte?

Dieser Mensch da hat doch eben noch gesagt, dass er mich liebt?!
Ich verstehe nicht!
Wieso tust du sowas?
Und, wer, verdammt nochmal, bist du?
Und wer ist der Typ da?!
Hey, geh da weg, sonst...!

Wie, ich habe keine Ansprüche mehr?
Keinen Einfluss mehr?
Was soll das heißen?
Bist du bekloppt?
Übergeschnappt?
Manipuliert?
Was zum Teufel ist hier eigentlich los?

Puh!

Ich glaube, ich bin müde.

Und mit der Müdigkeit kommt die Traurigkeit zurück.
Und das unfassbare Gefühl der Ent-täuschung!

Ja, eine Ent-täuschung setzt eine Täuschung voraus!
Und ich bin lediglich und beinahe ganz nüchtern ent-täuscht.

Das das immer so hart sein muss!
Und so ätzend.
Und so schmerzhaft.
Und so naja, irgendwie auch gemein.

Aber wir sind ja stark und wollen nicht in die Opferrolle.

Aber hey, heute hab ich keinen Bock mich da rauszudrehen.
Heute bleib ich da mal drin.

Weil heute bin ich müde...

Ich darf das!

Den.

20.06.2013 21:54 • #53


Zebra


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Einfach nur DANKE!

Seit ich Deine Worte verfolge fühle ich mich nicht mehr
als Opfer in meiner traurigen Geschichte.

Immer noch schwer angeschlagen nach über 7 Monaten
aber dank Deiner Gedanken komme ich aus dem Karussel.

Zebra

20.06.2013 23:49 • x 1 #54


Mimose

Mimose


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Gestern Tag 43, ...


Manchmal frage ich mich, ob Du mich wohl auch vermisst?

Und wie Du dann wohl damit umgehst, wenn es so ist?

Und wie es Dir geht?

Und dann kommt unweigerlich ein dumpfes Klopf Klopf Klopf an meine Hirnwendungen.

Lauschen wir doch einen Moment dem Zwiegespräch:

Hallo?

Jemand zu Hause?

Sie hat Dich ausgetauscht! Hat sie schon mal getan! Kann sie!

Nein, sie doch nicht. Sie hat mich doch wirklich geliebt.

Ja, hat sie. Vielleicht.
Du weißt doch, man sagt, manche Menschen lieben nicht den anderen Menschen, sondern die Liebe an sich.


Ja, stimmt. Damals hat sie auch einfach ausgetauscht.
Muss ich mich damit abfinden, dass ich einer Illusion aufgesessen bin?

Aber es kann doch nicht sein, dass sie mich nicht vermisst?

Was würde das ändern?

Ach...nichts...ich weiß ja.
Es tut nur immer noch so weh...

Ja, mein Lieber...es tut weh, weil Du geliebt hast.
Freu Dich darüber, dass Du das kannst.


Du bist witzig. Gerade im Moment verfluche ich diese, wie Du es nennst, Fähigkeit
Dann hatte sie also gar nicht verdient von mir geliebt zu werden?

Doch, hat sie.
Werd jetzt nicht ungerecht. Sie hat einiges für Dich getan.
Vergiss das nicht!


Aber wie soll ich das denn alles unter einen Hut kriegen?
Das Gefühl der Abscheu, Wut, Enttäuschung und auf der anderen Seite
die Würdigung des Menschen, der mich am Ende doch so fies hat aussteigen lassen?

Schwierig, ja.
Aber genau deshalb bist Du ja auch noch nicht fertig damit.
Du wirst noch Zeit brauchen bis Du diese Dinge zusammenbekommst.
Hier!


Was ist das?

Kleber!



Den.

21.06.2013 19:31 • #55


Mimose

Mimose


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Gestern Tag 44,...

Gestern arbeiten mit meiner Schwester.
War anstrengend, aber auch witzig.

Dann nachmittags zu Hause. Wieder keiner da.
Ich muss zugeben, das fällt mir noch immer sehr schwer.
Die Tage, an denen ich Spätdienst habe und den ganzen Tag außer Haus bin,
sind eindeutig die besseren Tage.

Hier ist noch immer dieses Loch, das Du hinterlassen hast und das ich
noch nicht gänzlich füllen konnte.

Aber zumindest habe ich gestern die Hälfte von dem geschafft, was ich
mir vorgenommen hatte.
Die Hälfte!
Warum schaffe ich eigentlich mit stereotyper Sicherheit immer nur die Hälfte?
Ist der Rest Ausdruck von etwas?
Ist das, was da noch so rumliegt und auf Erledigung wartet, ein äußeres
Zeichen für eine selbsterfüllende Prophezeiung?
So, in dem Sinne von: Du schafft eh nicht das, was Du Dir vorgenommen hast?
Und wenn dann nur die Hälfte davon?
Muss ich meinem inneren Gefühl von Verweigerung Ausdruck verleihen?
Wie ein Kind, dass nur das macht, was es machen soll?

Es ist verrückt, aber ich glaube fast, dass, wenn alle Dinge, die ich mir vorgenommen hatte,
erledigt wären, eine Leere in mir eintritt.
Das bedeutet dann im Umkehrschluss, dass ich mich an den unerledigten Dingen festhalte. Oder?

Ich muss ja noch das, ich muss ja noch jenes.
Ich kann ja noch dieses und werde noch jenes tun.

Fällt das weg, was passiert dann?
Es scheint wirklich so, als stecke eine Angst dahinter.
Meine Angst vor der Leere.
Der Leere in mir.

Gut, dafür bist Du nicht verantwortlich. Das ist mir vollkommen klar.
Aber trägt nicht jeder Mensch eine gewissen Leere in sich?
Und fürchten wir die nicht alle?

Und ist es nicht so, das der Wegbruch einer geliebten Person, eines
bestimmenden Teil des Lebens immerhin, nicht einfach auch ein Gefühl
der Leere produziert?

Ich höre immer wieder, Du hast Dein Leben wohl zu sehr auf Deine Partnerin ausgerichtet. Und deshalb das Gefühl der Leere.
So steht es ja auch in schlauen Ratgebern.

Oh, wie anstrengend.
Ich weigere mich, das zu hundert Prozent anzunehmen!

Okay, kann sein...Also, was haben wir da?
Zu sehr auf Partnerin ausgerichtet, ja sicher, stimmt...
Du musst die Leere in Dir selber füllen.
Aber klar doch...Moment, bin gleich soweit!

Nee.
Die Leere ist da.
Sie ist ein Teil von mir.
Von uns.
Sie ist natürlich.
Und sie kommt hoch, wenn jemand weg ist, den man geliebt hat.
So einfach ist das!

Klar sollte ich versuchen diese Leere zu füllen.
Vielleicht sollte ich aber auch einfach versuchen, diese Leere zu fühlen?
Füllen-Fühlen!
Ein kleiner Buchstabe, aber ein so gewaltiger Unterschied.

Und ich muss sagen, damit fülle, äh fühle ich mich wohler!

Den.

22.06.2013 11:24 • #56


Susie Q.


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Hallo Den,
ich drängele mich auch kurz in dein Tagebuch, danke dass du es teilst.

denken sie an uns? es wäre schön zu wissen, dass ab und zu bei ihnen ein wenig Wehmut aufkäme, einfach des sich geschätzt fühlens wegen.
Aber warum sollten sie, besonders wenn sie weitergegangen sind und wir hier stehen bleiben. sind sie weitergezogen um diese Leere zu füllen, um nicht an uns zu denken? sie können nicht reflektieren, denn sie sehen keine Veranlassung dazu, sie gehen ja weiter- schnurstracks.

sie werden uns nie verstehen.
dir ein danke für dein Tagebuch und all deine Gefühle und Gedanken

22.06.2013 11:43 • #57


Mimose

Mimose


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Gestern Tag 45, ...

Über gestern gibt es nicht allzu viel zu berichten.

Die Arbeit war sehr intensiv und dabei auch anstrengend.
Da ein Kollege krank war, hatte ich nur mit Hilfsheinis Dienst und die ganze kompakte Verantwortung für alle Patienten alleine.

Nun ja, gemeistert, wie immer!

Warum bin ich eigentlich in meinem Privatleben nur halb so souverän und
und klar, wie ich es im Beruf bin?
Manchmal denke ich sogar, das sind zwei unterschiedliche Menschen.
Das Problem ist nur, dass die beiden ich bin.

Das bringt mich auf ne Idee, darling:

Denn wärest Du, an dem Tag, an dem Du Deinen Neuen heimlich getroffen hast,
meinem Arbeits-Ich begegnet, wärest Du auf der Stelle hochkant rausgeflogen.

Bist du ja zunächst auch.
Aber dann kamen die Zweifel. Und ich habe Dich zurückgeholt.
Wir haben geredet, Du hast versichert, dass da nichts ist.
Du wolltest nur, dass sich hier in der Beziehung was ändert. Bla bla bla.

Mein Arbeits-Ich hätte gesagt:
Na und? Hättest Du Dir vorher überlegen müssen. Tschüss!

Nun ja, bei näherer Betrachtung ist es wohl doch gut, dass ich privat nicht einzig aus meinem Arbeits-Ich bestehe.
Ich wollte ich ja noch was für die Beziehung tun, hab ich ja auch getan.

So kann ich mir nun auch sagen, ich hab alles versucht!

Und Du hattest die Zeit in aller Ruhe zu schauen, was mit dem Neuen sein wird.

Schön, schön.
Ja.
Ist wie Fahrrad fahren mit Helm.
Total wichtig pupichtig, politisch korrekt,............ aber sieht halt einfach schei. aus!


Und deshalb: Schön ist die Vorstellung schon, dass Du meinem Arbeit-ich begegnet wärest.

Hast Du ein Glück, dass ich nach Hause gekommen bin an dem Tag.

Den.

23.06.2013 19:52 • #58


Mimose

Mimose


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Tag 46 und 47,...


Tag 46 war der Sonntag.
Und ich hatte frei.
Aber dieses mal war es nicht so schlimm.
Oder eigentlich gar nicht schlimm.

Ich hatte viel zu tun, Sachen aufarbeiten, regeln, organisieren...

Und ich habe mich von dem Dienst am Samstag erholt.

Habe am Nachmittag volle 2,5 Stunden geschlafen.
Das war so eine bleierne Müdigkeit.
Eine, die einen so tief mit sich nimmt.

Wenn ich da an die Unruhe zurückdenke, die ich noch vor wenigen Wochen hatte.
Unmöglich da abzuschalten.
Und jetzt kann ich schon abschalten, ohne dass dieses fiese Gefühl der kalten Angst in mir hochkriecht.


Klar.
Noch immer denke ich, es ist eine Bombe eingeschlagen.
Noch immer denke ich, dass das doch alles nicht wahr sein kann.
Noch immer kann ich nicht glauben, dass ausgerechnet Du sowas abgezogen hast.
Aber: Es erschüttert mich nicht mehr so.
Es ist eher so, als schüttele ich innerlich den Kopf.
Bin ungläubig.
Noch immer.
Aber mehr auch nicht!



Man soll ja den Tag nicht vor dem Abend loben, aber es scheint, als verblassest Du gerade.

Da muss ich unweigerlich an den Film Zurück in die Zukunft denken, als
der Protagonist das Bild seiner Familie in den Händen hält und er langsam
darauf verblasst, weil er in der Vergangenheit Dinge getan hat, die seine
Existenz in der Zukunft unmöglich machen.

Eine Trennungsphase ist ja gewissermaßen auch wie eine Reise in die Vergangenheit.

Zumindest für den, der aus dem Nichts heraus verlassen wurde und sich
die Puzzleteilchen Stück für Stück mühsam zusammenklauben muss.

Ein Zurückdenken an die ersten Zeichen, die man einfach übersehen hat.

Ein Rekonstruieren.
Ein Revidieren.

Das Du doch nicht der Mensch warst, den ich zu kennen glaubte.
Ein Zurückdenken an den Punkt, an dem Du wirklich gegangen bist.
Schon sehr viel früher.

Eine Interpretation Deines Schweigens.

Tja, da hab ich wohl gute Arbeit geleistet, die letzten Wochen.

Noch bist Du zu sehen.
Aber Deine Konturen lösen sich schon jetzt allmählich auf...

...to be continued!

Den.


Ach, Tag 47 war eine Bestätigung des vorangegangenen Tages.
Lustiger Dienst mit netten Kollegen.
Hat Spaß gemacht!
Sonst nichts.

Nochmal Den.

25.06.2013 09:57 • #59


Angie C


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Hallo Den,

jetzt funke auch ich in dein Tagebuch.

Hab es gerade überflogen (bin bei der Arbeit ) und war ganz enttäuscht, dass es plötzlich zu Ende war ... Aber nein, ist es vermutlich nicht - ich hatte nur nicht aufs Datum geachtet .. ist ja ganz aktuell.

Die Tage habe ich nicht gezählt, es sind jetzt acht Monate (nach 15 Jahren). Es wird in kleinen Schritten besser, in Mäuseschritten. Es tut gut zu lesen, dass es anderen Menschen ähnlich geht. Dass auch andere diese besch... Leere verspüren.

Danke für deine Gedanken, ich begleite dich weiter ... oder vielmehr du mich

25.06.2013 10:38 • #60



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