LIebe Annette,
dieser Thread, den ich gestern Nacht erstmals las, ist gerade eine Offenbarung für mich.
Danke, dass Du Deine Geschichte geteilt hast!
Ich befinde mich gerade genau an dem Punkt:
Ist es überhaupt möglich, nach einer Affäre wieder glücklich zu werden. Bzw. GLÜCKLICHER als zuvor, denn der Ehezustand zuvor, sämtliche Differenzen, die da waren und nicht weg sind (im Gegenteil) waren schließlich Auslöser für die Affäre.
Und: will ich das überhaupt?
Ist meine Affäre nur Augenöffner gewesen oder kann er sogar der neue Partner an meiner Seite sein, mit dem eine erfüllende Beziehung (auch mit Konflikten und Reibereien, völlig klar!) möglich ist?
Ich bin seit 11 Jahren mit meinem Mann verheiratet, wir kennen uns seit 19 Jahren.
Meine "Affäre" dauert inzwischen anderthalb Jahre an. Meinem Mann habe ich nach zwei Monaten davon erzählt. Anfangs hat er gekämpft, wir waren in Paartherapie, ich habe mich endgültig getrennt, wir leben allerdings getrennt im selben Haus (die Immobiliensituation hier ist eine Katastrophe, wir haben zwei kleine Kinder von 5 und fast 9). Ich war drauf und dran auszuziehen mit den Kindern, aber mein EM wollte das nicht. Er ist ein guter Vater, die Kinder lieben ihn sehr und haben eine tolle Bindung an ihn.
Inzwischen ist meine Affäre längst ein Partner, denn Familie, Freunde, Lehrer....alle wissen darum und wir treten auch öffentlich so auf. Bzw. das war bis vor wenigen Wochen so, bis ich merkte: So geht es nicht weiter. Es herrscht überhaupt keine Klarheit - trotz ausgesprochener Trennung. Aktuell habe ich mit dem AM also nur sporadischen Schriftkontakt.
Ich möchte die ganze Geschichte hier nicht schreiben, ich habe einen eigenen Thread dazu.
Momentan befinde ich mich in einer in all der Zeit noch nicht erlebten Sinnkrise.
Und stelle mir unendlich viele Fragen in Richtung:
Ist das noch Liebe, was ich meinem EM gegenüber empfinde?
Hätten wir überhaupt eine Chance?
Würde es nicht wieder alles genauso werden, wie es mal war, da wir uns beide so verändert haben (obwohl ich ihn im Kern immer noch zu kennen glaube) ?
Ist es mehr als die Schuldgefühle, die Kinder, das Haus und das Mitleid, was ich für meinen EM empfinde?
Und - möglichst ganz unabhängig davon:
Schaffen mein AM und ich es auf Dauer besser (es war sooooo wunderbar mir ihm. Auch mir ihm und den Kindern, den Freunden....aber es fehlt der Alltag, das ganze Organisatorische, der Stress, der eben verändernd einwirkt...)?
Liebe ich ihn wirklich oder ist das immer noch Verliebtheit (Im Gegensatz zu meinem EM könnte ich meinen AM ständig nur berühren, in die Augen sehen, küssen).
Auch der AM und ich haben schon GROßE Hürden, die uns in den Weg gelegt wurden, beiseite geräumt. Die Liebe und Bindung ist stark!
ABER:Es gibt Dinge, die sind ganz anders als bei Dir, @annette.
Die lassen ich arg Zweifeln.
- mein Mann und ich hatten in unserer Beziehung sehr früh schon kaum Sex mehr. Ich weiß genau, an welchem Tag unsere Kinder gezeugt wurden...
- mein EM ist zwar nicht gegangen, hat mich nicht raus geschmissen und hat zwischenzeitlich sogar versucht, mir zu vermitteln, dass die Partnerschaft zum AM für ihn okay ist mir ohne Zynismus "einen schönen Abend" gewünscht, aber er hat mir in der Zeit auch unendlich wehgetan, mich angelogen, mich geängstigt, mir gedroht, das Sorgerecht zu entziehen, mich hintergangen, versucht, dem AM kriminelle Handlungen anzuhängen (Stalking), was dieser schnell mit Beweisen wiederlegen konnte und natürlich umgehend meinen Mann bei mir in Misskredit brachte. (das kann ich nicht vergessen!)
Viele Mitmenschen haken das unter "er war halt in einer Ausnahmesituation ab". Ich schaffe das nicht. Ich habe mein Vertrauen in ihn verloren, selbst wenn ich ihm verzeihe.
- es wird vieles unter den Teppich gekehrt, er will nichts wissen
- ich hatte vor 7 Jahren schonmal eine Affäre, die nie aufgearbeitet wurde
- alle Familienmitglieder wurden von meinem Mann "infiltriert", die Erde ist auf beiden Seiten für mich verbrannt. Auf der Seite meiner Familie konnte ich nach eine schlimmen Zeit, in der ich die ganze Welt gegen mich zu haben schien, viel retten. Meine Mutter hat sogar Verständnis für mich, weil sie die Differenzen zwischen und, die schon früh da waren, sieht.
Dennoch empfinde ich diese tiefe Bindung zu meinem Mann!
Es tut wahnsinnig weh, ihn aus meinem Leben gehen lassen zu müssen (auch ,wenn selber gewählt) und ich habe eine Sch...angst, den falschen Weg zu gehen!
Zitat von Blanca:Demnach überleben rund 2/3 aller Beziehungen die aufgeflogene Affaire nicht länger als ein Jahr. Nur 15% der betroffenen Paare schaffen es, ihrer Beziehung nach dem Auffliegen neue Höhenflüge zu verleihen. Alle anderen erleben eine Verschlechterung.
Da wir Kinder haben, wäre der unumkehrbar. Noch mehr hin und her kann ich ihnen nicht zumuten!
Nun frage ich mich, ob diese wunderschöne und heilsame Geschichte, wie Du sie mit viel Arbeit und mehreren überwundenen Abgründen, nun erleben darfst, auch für uns möglich wäre?
Ich wünsche sie mir in der tiefe meines Herzens. Allerdings gibt es folgende Punkte, die ich bei Euch nicht herausgelsen habe, die mich stark daran zweifeln lassen:
- die
Kommunikation ist schon lange gestört (wenn ich meine Ängste um unsere Beziehung geäußert habe, hat mein Mann das Gefühl gehabt, alles nur falsch zu machen und wurde wütend/verletzt)
- wir hatten JAHRE keinen
Sechs mehr, da ich die körperliche Nähe ohne emotionale Nähe nicht zulassen KANN (was es wiederum mit meinem AM so unglaublich schön gemacht hat)
- die
Familie ist auf beiden Seiten von den Rollen Täterin/opfer überzeugt und von ihm infitiriert (er hat in Echtzeit unsere Streits recht einseitig an meine und seine Familie getextet)
- das
Vertrauen ist beidseitig extrem beschädigt.
Ich weiß, ich kann ihm seins verzeihen und er mir auch meins.
Aber ob wir aus diesem Schlamassel nicht nur wieder zueinanderfinden WOLLEN sondern das auch wirklich KÖNNEN....das bezweifle ich sehr!
Sechs Jahre! Ich denke, ihr habt es wirklich geschafft. Bei den ganzen Geschichten, bei denen es auch geklappt zu haben scheint, ist mir die Dauer noch nicht aussagekräftig genug (ein halbes Jahr, ein Jahr...).
Wenn wir diesen Schritt wagen, gibt es kein zurück. Ich habe eine sau-Angst!
Das beginnt schon bei der Kontaktsperre zum AM, der mich ehrlich liebt und mit mir alt werden möchte.
Zitat von Sunset12: Ich traue mir selbst nicht zu 100% über den Weg
So geht´s mir auch.

Was soll ich nur tun?
EDIT:
Aktuell, seit mein AM nicht mehr "sichtbar" ist, ist mein Mann sehr bemüht. Er versucht, mich im Haushalt und mit den Kindern zu entlasten, er fragt, wie es mir geht, wir reden viel mehr als früher.
Aber das, was sich da nun eventuell gerade verändert, das betrifft zum einen noch viel mehr Bereiche, die angegangen werden müssten und zum anderen eben: es darf nicht wieder kippen!