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Heute gehts mir wieder gut!

Gentlegiant

Gentlegiant


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Zitat von Annette53:
Ich kann euch sagen, alles das tut verflixt weh. Aber ich durfte, nachdem die Baustellen erstmal offen lagen auch endlich die Ärmel hochkrempeln und aufräumen. Ich durfte heilen.
Ich wünsche allen Betrügern hier, dass sie die Kraft besitzen, ehrlich zu sich selbst zu sein. Und ich wünsche Ihnen, dass ihre Partner ihnen dabei zur Seite stehen, so wie mein Mann mir zur Seite steht.

Liebe Annette, was für eine schöne Geschichte... Du machst mir Hoffnungen, dass es gehen kann. Eine Reunion mit dem Ehepartner, die sich in deiner Schilderung so zufrieden und dankbar anhört. Du hast auch so toll beschrieben, was Du von deiner AM wolltest, und dass es im Prinzip Dinge waren, die nicht er sondern Du Dir selbst bieten müsstest.
Zitat von Isely:
Man merkt aber sehr schnell ob es nur Verlustangst ist, oder ob man plötzlich merkt, da ist und war doch immer Liebe. Beidseitig versteht sich.

Ja, und genau hier kommt das Problem: was mich so beschäftigt: Ihr habt "plötzlich" gemerkt, dass da doch Liebe war. Ich finde das unheimlich schwer zu wissen, was das ist: Liebe... Ich fühle eine riesige Sympathie für meine EF, ich bereue unendlich, dass ich ihr mit meiner Affäre so wehgetan habe, aber ich bin mir nicht ganz sicher, warum ich mich jetzt gegen die AF und für die EF entschieden habe. Will sagen, ich weiß nicht ganz genau, ob ich einfach ängstlich war, alles Gemeinsame wegzuschmeißen, ob ich vernünftig war, weil bei der EF zu bleiben vernünftig und anständig ist, oder ob ich tief in mir drin gespürt habe: Die Beziehung mit meiner EF ist durch Nichts zu ersetzten... Ich traue mir einfach nicht mehr selbst über den Weg, versteht Ihr das?
Ich wäre sehr neugierig, dass Ihr Menschen-mit-den-"guten"-Erfahrungen versucht, das noch genauer zu beschreiben: Waren Eure Entscheidungen, zum EM zurück, auch vernunftgeleitet und dann ist da wieder etwas darüber hinaus entstanden? Wart ihr Euch vom ersten Tag an sicher, wieder zurückzuwollen? Oder ist die gegenseitige Anziehung, auch die körperliche, erst langsam wieder gewachsen? Seit ihr manchmal noch melancholisch und denkt an die aufregenden Stunden mit Eurer Affäre? Habt Ihr darüber mit Euren alten/neuen Partnern gesprochen?
Zitat von Isely:
Wenn da tief unten noch einiges schlummert, kriegt man das auch wieder an die Oberfläche. Das geht rasant schnell.

Oh weh, wie wünschte ich, es würde rasant schnell gehen... Und wenn es dann doch nicht so schnell geht?

13.08.2019 16:35 • x 2 #31


Wurstmopped

Wurstmopped


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Zitat von Gentlegiant:
Liebe Annette, was für eine schöne Geschichte... Du machst mir Hoffnungen, dass es gehen kann. Eine Reunion mit dem Ehepartner, die sich in deiner Schilderung so zufrieden und dankbar anhört. Du hast auch so toll beschrieben, was Du von deiner AM wolltest, und dass es im Prinzip Dinge waren, die nicht er sondern Du Dir selbst bieten müsstest.

Ja, und genau hier kommt das Problem: was mich so beschäftigt: Ihr habt "plötzlich" gemerkt, dass da doch Liebe war. Ich finde das unheimlich schwer zu wissen, was das ist: Liebe... Ich fühle eine riesige Sympathie für meine EF, ich bereue unendlich, dass ich ihr mit meiner Affäre so wehgetan habe, aber ich bin mir nicht ganz sicher, warum ich mich jetzt gegen die AF und für die EF entschieden habe. Will sagen, ich weiß nicht ganz genau, ob ich einfach ängstlich war, alles Gemeinsame wegzuschmeißen, ob ich vernünftig war, weil bei der EF zu bleiben vernünftig und anständig ist, oder ob ich tief in mir drin gespürt habe: Die Beziehung mit meiner EF ist durch Nichts zu ersetzten... Ich traue mir einfach nicht mehr selbst über den Weg, versteht Ihr das?
Ich wäre sehr neugierig, dass Ihr Menschen-mit-den-"guten"-Erfahrungen versucht, das noch genauer zu beschreiben: Waren Eure Entscheidungen, zum EM zurück, auch vernunftgeleitet und dann ist da wieder etwas darüber hinaus entstanden? Wart ihr Euch vom ersten Tag an sicher, wieder zurückzuwollen? Oder ist die gegenseitige Anziehung, auch die körperliche, erst langsam wieder gewachsen? Seit ihr manchmal noch melancholisch und denkt an die aufregenden Stunden mit Eurer Affäre? Habt Ihr darüber mit Euren alten/neuen Partnern gesprochen?

Oh weh, wie wünschte ich, es würde rasant schnell gehen... Und wenn es dann doch nicht so schnell geht?


Dieser Satz, "ich traue mir selbst nicht mehr......" sehr spannend!
Traust Du deinen Gefühlen nicht mehr oder kannst Du deine Entscheidung nicht trauen, das Richtige getan zu haben! Kannst Du den Zwiespalt, die Dissonanz, also die Frage, aus welchem Grund bin ich nun wirklich zurück zur EF auflösen?
Ich als "betrogener" habe mir immer die Frage gestellt, aus welchem Grund ist mein Partner zurück in die Beziehung, weil der Affärenpartner die Affäre beendet hat und ich halt noch da war, aus Mitleid, aus finanzieller Sicherheit, weil ich ein guter Partner und Familienvater war? oder weil sie mich wirklich als Mann begehrt und geliebt hat? Die Salomonische Antwort ist immer, eine Mischung aus allem, ich denke aber das ist nicht die Wahrheit!
Für mich war es wichtig, die Grundvoraussetzung für einen 2ten Versuch, dass meine Ex mich als Mann wollte!
Alles andere war für mich nicht akzeptabel! Wie ist es bei Dir?was denkst Du, wie deine EF das empfindet?
Mal den Blick auf deine Frau gerichtet, weißt Du was in ihrem Kopf vor sich geht? Aus meiner Erfahrung, ich hatte mir eine Deadline gesetzt und danach ging bei mir nichts mehr....ein halbes Jahr später habe ich mich dann getrennt!

15.08.2019 11:56 • x 4 #32



Heute gehts mir wieder gut!

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Gentlegiant

Gentlegiant


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Zitat von Wurstmopped:
Für mich war es wichtig, die Grundvoraussetzung für einen 2ten Versuch, dass meine Ex mich als Mann wollte!
Alles andere war für mich nicht akzeptabel! Wie ist es bei Dir?was denkst Du, wie deine EF das empfindet?
Mal den Blick auf deine Frau gerichtet, weißt Du was in ihrem Kopf vor sich geht? Aus meiner Erfahrung, ich hatte mir eine Deadline gesetzt und danach ging bei mir nichts mehr....ein halbes Jahr später habe ich mich dann getrennt!


Ich danke für Deine Antwort. Es sind tatsächlich solche Beiträge, die einem irgendwie weiterhelfen...
Also, ich glaube auch, dass es irgendwie nix werden kann, wenn ich meine Frau nur noch "sympathisch" finden kann.
Warum ich zurück wollte ist tatsächlich eine Mischung aus all dem von Dir Erwähnten.
Außer das Materielle, das spielt für mich keine Rolle: Ich brauche nicht viel, verdiene genug für mich und kann gut und leicht etwas abgeben. Meine Frau kann selbst auch verdienen etc. und sie weiß, dass ich sie nie fallenlassen würde (ganz davon abgesehen, dass ich es nicht dürfte)
Unsere Kinder sind bald volljährig, aber die sind schon ein Argument. Das nicht-verletzen-meiner Frau ist auch definitiv ein Argument, sie ist wirklich meine beste Freundin (gewesen), nicht nur meine 6-Partnerin.
Und wir haben uns ein schönes Leben aufgebaut mit netten Freunden, viele Initiativen kamen von meiner Frau, die allgemein ein sehr verbindender Mensch ist. Hier habe ich sehr viel zu verlieren...
Wie ist es heute, ca. 1/2 Jahr nach der Affäre?
Wir haben aber wieder 6, deutlich mehr, als vor meiner Affäre, und ich finde meine EF auch tatsächlich attraktiver als vorher. Insofern ist das schon noch etwas, was über eine reine (z.B. geschwisterliche) Freundschaft hinausgeht.
Aber, das ist eben mein Problem: kommt da noch mehr, wird das mit der Zeit immer stärker, soll ich Geduld haben?
Ich glaube, in meinem/unserem Fall hat meine EF Geduld, sie hängt sehr an mir und sehr an unserer Ehe, so konsequent und klar wie Du formuliert sie es nicht und spielt es m.E. auch nicht für sich durch.
Im Prinzip muss ich mir vielleicht eine Deadline setzen. Wie lange arbeite ich an mir, glaube ich daran, dass ich zufriedener werde, dass ich tatsächlich mich wieder ganz auf die alte Partnerschaft einlassen kann....

15.08.2019 13:05 • x 1 #33


Wurstmopped

Wurstmopped


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Zitat von Gentlegiant:

Ich danke für Deine Antwort. Es sind tatsächlich solche Beiträge, die einem irgendwie weiterhelfen...
Also, ich glaube auch, dass es irgendwie nix werden kann, wenn ich meine Frau nur noch "sympathisch" finden kann.
Warum ich zurück wollte ist tatsächlich eine Mischung aus all dem von Dir Erwähnten.
Außer das Materielle, das spielt für mich keine Rolle: Ich brauche nicht viel, verdiene genug für mich und kann gut und leicht etwas abgeben. Meine Frau kann selbst auch verdienen etc. und sie weiß, dass ich sie nie fallenlassen würde (ganz davon abgesehen, dass ich es nicht dürfte)
Unsere Kinder sind bald volljährig, aber die sind schon ein Argument. Das nicht-verletzen-meiner Frau ist auch definitiv ein Argument, sie ist wirklich meine beste Freundin (gewesen), nicht nur meine 6-Partnerin.
Und wir haben uns ein schönes Leben aufgebaut mit netten Freunden, viele Initiativen kamen von meiner Frau, die allgemein ein sehr verbindender Mensch ist. Hier habe ich sehr viel zu verlieren...
Wie ist es heute, ca. 1/2 Jahr nach der Affäre?
Wir haben aber wieder 6, deutlich mehr, als vor meiner Affäre, und ich finde meine EF auch tatsächlich attraktiver als vorher. Insofern ist das schon noch etwas, was über eine reine (z.B. geschwisterliche) Freundschaft hinausgeht.
Aber, das ist eben mein Problem: kommt da noch mehr, wird das mit der Zeit immer stärker, soll ich Geduld haben?
Ich glaube, in meinem/unserem Fall hat meine EF Geduld, sie hängt sehr an mir und sehr an unserer Ehe, so konsequent und klar wie Du formuliert sie es nicht und spielt es m.E. auch nicht für sich durch.
Im Prinzip muss ich mir vielleicht eine Deadline setzen. Wie lange arbeite ich an mir, glaube ich daran, dass ich zufriedener werde, dass ich tatsächlich mich wieder ganz auf die alte Partnerschaft einlassen kann....


Ein halbes Jahr ist nicht viel Zeit, ich denke die Hormone in Deiner Blutbahn sind immer noch sehr wirksam!
Letztendlich hast du dich von deiner AF immer noch nicht getrennt! Sie steht ja immer noch zwischen Dir und Deiner Frau! Da arbeite mal dran! Mal anders gefragt, glaubst Du das die Lust die Du mit der AF empfunden hast auf Dauer anhalten würde? Du schreibst, dass Du und Deine Frau im Bett wieder mehr Spaß habt, ich denke auch das ist entwicklungsfähig! Es bedarf halt Zeit, offene Kommunikation, Spaß bei der Sache, ausprobieren wollen und vor allem Vertrauen und ich denke letzeres is die größte Baustelle. Deine Frau wird sich auf Grund fehlenden Vertrauen nicht fallen lassen können. Es ist wohl eher Deine Aufgabe hier Vertrauen aufzubauen....
Ob und was Deine Frau Dir kommuniziert, da schau mal hin! Hat sie ggf. Angst dich unter Druck zu setzen?
Sagen wir mal so, begehren einzufordern und es dann zu erhalten hat null Wert, ergo wird das auch nicht als Bedürfnis kommuniziert! Darüber hinaus macht es unS.y....also was Deine Frau wirklich denkt weißt Du nicht!
Du kannst halt nur mit Taten überzeugen und dann schauen wie sie darauf reagiert!

15.08.2019 13:15 • x 3 #34


Gentlegiant

Gentlegiant


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Zitat von Wurstmopped:
Ein halbes Jahr ist nicht viel Zeit, ich denke die Hormone in Deiner Blutbahn sind immer noch sehr wirksam!

Ja, so ist das... Obwohl ich es nicht will!
Die AF ist zu ihrem Partner zurück, da läuft nichts mehr. Ich halte mich auch (gaaaanz schwer....) an die Kontaktsperre. Ich weiß, wie schize das klingt, es ist halt die Wahrheit.
Zitat von Wurstmopped:
Du kannst halt nur mit Taten überzeugen und dann schauen wie sie darauf reagiert!

Ja, schon klar. Es ist nicht so sehr ihr Verhalten, was mich fertig macht. Im Gegenteil, Sie ist verständnisvoll, geduldig, sie setzt mich nicht unter Druck. Ich setze mich selbst unter Druck: Bin ich wirklich gefeit vor weiteren Affären, kann ich das wirklich für mich ausschließen? Ich meine: ob ich gefeit bin, mich wieder in jemanden neuen zu verlieben. Eine Affäre würde ich tatsächlich nie wieder eingehen...
Zitat von Wurstmopped:
Deine Frau wird sich auf Grund fehlenden Vertrauen nicht fallen lassen können. Es ist wohl eher Deine Aufgabe hier Vertrauen aufzubauen....

Auch das ist mir klar. Nur bin ich mir nicht ganz sicher, wie aufrichtig ich bei meinem VErtrauensaufbauen bin, verstehst Du?Ich gebe mir mühe, ich bin nett, etc.: ab wann ist das Heuchelei, ab wann ist das einfach ganz normal...

15.08.2019 15:08 • x 2 #35


Begonie


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Ein halbes Jahr ist gar nichts. Da ist eine Trennung, auch nicht die von einer Affäre, noch nicht verarbeitet. Ob Du nur aus Gewohnheit bei Deiner EF bist oder weil Du froh bist, dass die Ehe das überstanden hat, merkst Du erst später. Es kann schon mal Jahre dauern.
Ich habe mich auch da nicht unter Druck gesetzt. Wir lebten unser Leben weiter und ich musste auch wieder etwas lernen. Nämlich das zu schätzen, was ist und nicht von dem träumen, was ich gerne gehabt hätte. Und das Leben hat seine Qualitäten, auch wenn es ruhiger dahin plätschert. Wenn da wieder körperliche Anziehung da ist, ist es schon ein gutes Zeichen. Körperkontakt, Zärtlichkeit, auch einfach mal im Alltag. Händchen halten, den Anderen anfassen, sich beim Einschlafen an ihn ran drücken.
Und auch das unsensationelle Eheleben ist ja durchaus schön. Verlässlich, berechenbar, bietet es Sicherheit, auch in emotionaler Hinsicht.
Ich genieße es schon. Heute ist Freitag. Ich gehe jetzt einkaufen und mein Mann hat eine schöne Flasche Weißwein kalt gestellt. Wir essen zusammen und reden, über irgend was ohne Plan. Ich finde es schön, dass ich mit ihm nach all den Jahren noch zusammen sitzen kann und wir was zu reden finden.
Er räumt dann das Geschirr weg, das ist seine Aufgabe.Wir lachen auch oft zusammen. ich kann über niemanden so lachen wie über meinen Mann, denn er hat auch ein komisches Talent. Darüber wundert er sich meist und sagt: über so einen Quatsch kann keiner lachen, nur Du!

Setz Dich nicht unter Druck. Du musst erst wieder richtig ankommen im Eheleben. Das ist nach einem halben Jahr nicht geschafft. Hör auf, Dir Ultimaten zu setzen. Ultimaten haben hier nichts verloren, denn Gefühle kennen keine Ultimaten. Ultimaten sind der Feind von Gefühlen. Es dauert so lange, wie es dauert.

Ob Du die Ehe tatsächlich halten kannst, siehst Du irgendwann schon. Aber nicht nach einem halben Jahr. Auch gibt es keine Garantien, dass Du nicht doch wieder mal ... oder vielleicht sie ....?
Das ist das Spannende. Schätze das was ist und sorge Dich nicht um das, was sein könnte.

Ich spüre es aber doch ganz deutlich. Ich schätze meinen Mann über alle Maßen. Wer weiß, wie ich es mir gegangen wäre, wäre er nicht da gewesen? Und ich bin gerne mit ihm zusammen, lieber als früher. Irgendwie sind wir erst durch die Affäre richtig zusammen gewachsen, das spüre ich ganz deutlich. Ich bin erst in den letzten Jahren richtig angekommen, vorher war ich eine Suchende.

Begonie

16.08.2019 16:25 • x 7 #36


Gentlegiant

Gentlegiant


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Hallo Begonie,
Boa, das gibt mir Hoffnung. Ich hatte schon aufgegeben, auf so einen differenzierten Beitrag zu hoffen. Vielen Dank, dass du dir die Mühe gegeben hast, so ausführlich zu schreiben.Ich werde es mir ausdrucken und zu Herzen nehmen

16.08.2019 19:09 • #37


Begonie


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Ich erinnere mich, dass ich nach dem Affärenende auch meine Probleme hatte, in einen gemäßigten Alltag zurück zu finden.
Eine Affäre hat mit Leidenschaft zu tun, sie bringt Feuer in den Alltag und es kann so weit kommen, dass Dein ganzes Denken und Fühlen ziemlich eindimensional wird, weil es voll auf die Affäre ausgerichtet ist. Wann sehen wir uns wieder? Wie wird es dieses Mal sein? Da die Affäre auch hochproblematisch war, dachte ich eigentlich permanent an ihn und die verfahrene Situation. Warum ist er so? Warum kann er nicht einmal so sein, wie ich es mir wünsche?
Ich war völlig in Besitz genommen von dieser bescheuerten Affäre und wollte keinesfalls, dass sie endet. Lieber leiden als lösen war meine Devise. Denn auch dieser Mann erschien mir so unvergleichlich und trotz aller Schwächen als sehr wertvoll.
Andere Interessen? Ja, aber da war ich oftmals nur halbherzig dabei, denn innerhalb kurzer Zeit dachte ich wieder an die Affäre. Was tun, wie mich verhalten? Was ist richtig? Was tue ich, dass sein Interesse an mir bei ihm nicht abflaut?
Im Grund genommen war ich eine Gefangene meiner selbst und merkte es nicht. Und auch diese ständigen Up and Downs halten einen bei der Stange. Auch wenn die Downs häufiger wurden, so griff ich zu einem Trick: ich stilisierte die wenigen Ups zu etwas hoch, was sie nicht waren. Sie erschienen mir so wertvoll, dass ich alles tat, um wieder in diesen Zustand zu kommen.
Ich hätte nie gedacht, dass ich mich mal so von etwas vereinnahmen lassen würde.

Das ist der Ausnahmezustand, den eine Affäre bietet, der aber nie anhält. Und jetzt kommst Du nach einem halben Jahr und wunderst Dich, dass Du innerlich immer noch ratlos bist. Du musstest erst Mal den Entzug hinter Dich bringen, denn auf einmal fehlt Dir ja auch was und das ist nicht wenig. Mir fehlte nach der Trennung vom AF z.B. mein Lebensinhalt. Auf einmal stand ich da und fühlte mich regelrecht beraubt. Man hatte mir was genommen, an was ich mich gewöhnt hatte.

Und wenn dann der Entzug einigermaßen geschafft ist, dann kommt das Umswitchen. Das Erkennen, wofür die Affäre stand und was man brauchte und suchte. Und wahrscheinlich kommt auch die traurige Erkenntnis, dass es ein Irrweg war.
Menschen gehen nun mal öfters Irrwege. Das muss so sein, denn nur bei Irrwegen kann man erkennen, dass eine Umkehr notwendig ist bzw. es an der Zeit ist, einen neuen Weg einzuschlagen. Daher haben Irrwege auch immer ihr Gutes. Sie sind vielleicht eine Einbahnstraße, aber dann geht man eben wieder die paar Schritte zurück und biegt woanders ein.

Auch die Ehe wird nicht wie gewohnt weiter laufen, denn beide Partner müssen mit viel fertig werden. Mit Vertrauensbruch, mit Lügen, mit Fremdgehen, mit dem Fehlen von etwas. Es wird nötig sein, sich Zeit zu geben und zu schauen, ob die Ehe es aushält. Manchmal tut sie es nicht.
Für Dich ist es an der Zeit, das, was Du durch die Affäre verloren hast, zu kompensieren. Und dazu muss man - so glaube ich - es lernen, den Fokus auf die Qualitäten des Alltags zu legen. Wenn Du das nicht mehr schätzen kannst, sieht es nicht gut aus. Du musst in einen gemäßigten Alltag zurück finden und hier auch das Positive zu sehen.

Durch das Affärenende habe ich irgendwann gemerkt, was ich alles aufs Spiel gesetzt hatte. Auf eine Karte, die kein gutes Blatt war. Hätte mein Mann nicht die Stärke gehabt, abzuwarten, bis ich mich wieder gefangen hatte, wäre die Ehe in die Brüche gegangen. Und allein dafür schulde ich ihm auch was. Sehr viel sogar.
Irgendwann merkte ich, dass der gerade Weg gut tut. Weg von den "Gefühlssensationen", weg vom Gefühlschaos und hin zu mir selbst. Ich entwickelte eine Zeitlang einen ausgeprägten Aktionismus, war ständig unterwegs, interessierte mich für Kino und Theater und für meinen "Mädels-Stammtisch". Das war nötig, um mein Selbstgefühl zu stabilisieren. Mir geht es nicht gut, aber ich sitze nicht bloß daheim rum.

Ich lernte dazu und machte Dinge, die ich mir vorher nicht getraut hätte. Ich bin eine Provinzpflanze aus einer nicht ganz kleinen Stadt, die aber weit entfernt von einer Großstadt ist. Und dann war ein Kongress im Jahr nach der Trennung in Berlin. Ausgerechnet Berlin! Keine Ahnung, wie es dort ist. Wie funktioniert das mit U- und S-Bahn, aber schließlich hatte ich in meiner Jugend auch in einer Großstadt gelebt. Also musste es doch machbar sein. Ich buchte mir mein Hotel, nicht im Kongresshotel, sondern mitten auf dem Alexanderplatz. Sozusagen zur Abhärtung. Wenn schon, denn schon!
Ich hatte Befürchtungen, ich würde mich allein fühlen, womöglich zu heulen anfangen, zumal ich nicht wusste, ob der AF auch erscheinen würde? Tat er nicht, er blieb fern.

Und dann war alles ganz einfach. Ich fühlte mich wohl, unternahm viel mit Kollegen und blieb dann noch zwei Tage für mich allein dort. Hinterher war ich stolz auf mich und Berlin ist seither was Besonderes für mich. Ich denke immer wieder daran und fahre ab und an hin, immer allein. Berlin ist wie ein Fluchtpunkt für mich, wie aufatmen und Freiheit. Mein Mann kann es nicht nachvollziehen, aber akzeptiert es mittlerweile. Er hasst Großstädte. Mich interessieren sie ansonsten auch nicht so, dass ich wieder dort leben möchte. Aber Berlin ist ein Sonderfall.
Ab da ging es aufwärts. Damals war die Affäre über ein Jahr her und ich musste mir immer noch beweisen, dass ich auch ohne den AM leben konnte.

Also habe Geduld. Erkenntnisse, neue Wege und auch Entzugserscheinungen brauchen ihre Zeit. Der Mensch ist kein Automat und umprogrammieren kann man sich nicht. Aber man kann das Beste aus dem inneren Programm machen, indem man es auch annimmt. Du kannst Jahre lang Psychotherapie machen und bleibst doch der Gleiche. Aber vielleicht kannst Du mit manchen Dingen im Leben doch besser umgehen.

Lerne, die Kleinigkeiten wieder zu schätzen. Das Leben besteht meist aus Kleinigkeiten. Wer damit nichts anfangen kann, verbrennt sich ab und an die Flügel.

Begonie

20.08.2019 11:44 • x 6 #38


Gentlegiant

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Hallo Begonie,
ich kann Deine Beiträge immer wieder auf mich beziehen... In all den vielen Foren stehen so viele Wertungen, so viele Tips, so viele absolute Wahrheiten: "wenn du dies und das nicht fühlst, dann liebst Du nicht mehr, dann lass deine EF gehen, etc, etc,"
Ich weiß ja, dass ich einen Fehler gemacht habe oder besser: dass ich einen Menschen der mir so sehr am Herzen liegt, unendlich verletzt und verunsichert habe.
Und jetzt kommst Du und beschreibst einfach Deinen eigenen Weg, alles so ruhig und nüchtern, so lebensweise...
Ich verstehe es auf der Ebene des Verstandes: wir sind eine Gesellschaft von Menschen, die sich dafür schon fast entschuldigen müssen, wenn sie nicht die Ekstase, die Euphorie, den Rausch sondern den Alltag, die Verlässlichkeit und die Ruhe vorzieht. Wir alle müssen uns von diesem Zwang, ununterbrochen glücklich zu sein, befreien und im Alltäglichen, im Kompromiss die Zufriedenheit finden. Ich persönlich muss mit mir und meinem Leben glücklich werden, nur dann kann ich auch wieder den Alltag mit meiner Frau wertschätzen. Der Verstand sagt: ja, so ist das, so muss es sein. Der Bauch sagt: Uhh, das war so unglaublich intensiv mit der Affäre, ich fühlte mich so jung und so toll und so erfolgreich (außer in den Momenten des Lügens und Betrügens) Aber ich konnte das ausblenden: Weil ich der Meinung war, solche intensiven Gefühle stehen mir zu...
Ich kann nicht sagen, ob ich mit meiner AF glücklich geworden wäre. Die ersten Monate sicher... Wir hatten die Affäre eigentlich nicht wirklich "gelebt", ein ganz bisschen 6 aber wir haben nie eine Nacht zusammen verbracht, nie einen ganzen Tag...
Ich verbinde also auch nur wahnsinnig positive oder besser: begehrende Momente mit der AF, keine Langeweile o.ä. Und die AF war gewissermaßen gut zu mir (nicht so, wie Du, Begonie es bei Dir schilderst), sie hat mich nicht angelogen, sie war immer ehrlich zu mir, im Gegenteil, vielleicht hat sie mir nicht die ganze Wahrheit darüber erzählt, wie sehr sie in mich verliebt war.
Ich konnte / wollte mich nicht so schnell von meiner EF trennen und habe - als mir die Lügen meiner EF gegenüber zu schlimm vorkamen, die Notbremse gezogen und den Kontakt abgebrochen. Und habe dann ein halbes Jahr vor mich hinüberlegt, was ich jetzt machen soll. Bei meiner EF bleiben, oder gehen. In dieser Zeit habe ich mit meiner EF eine Therapie begonnen, trotzdem ist die Beziehung immer schlechter und schwieriger geworden. Weil über die Therapie meine EF erst so langsam an sich herangelassen hat, wie sehr sie sich in mir getäuscht hatte.
Nachdem ich dann dachte, diese Ehetherapie würde einfach nicht funktionieren (weil sie einem auch nicht beibringen kann, wie man seinen Expartner wieder zu lieben beginnt), war ich kurz vor der Trennung. Und habe wieder Kontakt mit der AF gesucht. Sie hat mir dann erzählt, dass sie von Ihrem Expartner schwanger sei etc. etc. Diese Tür war für mich dann zu.
Ich muss gestehen, dass hat mich komplett fertiggemacht. Meine AF hat nicht Monate auf mich gewartet, nachdem ich den Kontakt abgebrochen hatte, nein, sie hat ihr Leben wieder selbst in die Hand genommen. Es ist wirklich absurd, aber an so etwas hatte ich nicht gedacht und ich war zum ersten mal wirklich verzweifelt.
Natürlich - vor dem Hintergrund meiner Ehe - war diese Tatsache vielleicht kein Fehler. Es gab oder gibt die Option der AF nicht mehr. Und nachdem ich mich langsam an meinen Verlust (so habe ich es empfunden) gewöhnt hatte, konnte ich zum ersten mal ein ganz bisschen nüchterner überlegen: warum habe ich denn im Vorfeld nicht meine EF verlassen und versucht mit der AF etwas Neues aufzubauen? Da waren eben auch Bedenken, ob es überhaupt funktionieren würde.
Das sind aber Wahrheiten, die nur ganz langsam eindringen, ganz schwierig. Eine Sekunde später denke ich wieder: es war doch alles so aufregend mit der AF.
Gewissermaßen als Schlusspunkt im Auseinanderdriften mit meiner EF, schon wissend, dass auch die AF keinen Platz mehr für mich hatte, bin ich für 2 Wochen ins Hotel. Ich habe das schon geschrieben, es war nicht lange, aber lange genug um zum ersten mal zumindest für ein paar Sekunden des Grübelns eine Perspektive in unserer Ehe zu sehen. Meine EF war zu diesem Zeitpunkt so unheimlich gebeutelt von meiner Unentschiedenheit, von meiner Feigheit: So ein ausgeglichener Mensch, so am Boden zerstört - das war schlimm. Aber alleine im Hotel hat das keine Rolle mehr gespielt, ich habe irgendwie gehofft: vielleicht könnte ich es wieder packen (ja, ich spreche von mir, obwohl es klar ist, dass nicht ich sondern meine Frau mir verzeihen muss, dass sie die größte Arbeit vor sich hatte und noch hat). Aber, das hast du mir in deiner Erzählung gezeigt: auch für dich war es eine schwere Zeit der Unsicherheit und es gibt mir Mut, dass ich dann mit meinen Gefühlen nicht alleine war / bin.
Ich möchte noch schreiben, dass mich Deine Geschichte mit dem Besuch in Berlin sehr angerührt hat. Ich habe das Gefühl, so etwas könnte mir auch passieren... Es kommt mir fast vor, als wäre es meine eigene Geschichte. Alleine ins Hotel, in die große Stadt. Wie geschrieben: danke, dass Du deine Gedanken mit mir / mit dem Forum teilst.

20.08.2019 14:47 • x 4 #39


Holzer60


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Liebe Annette,

vielen dank für deinen Erfahrungsbericht. Also ich denke mal, dass er vielen Menschen die Augen öffnen und eine Hilfe sein wird. Ich war in der Rolle deines Mannes und kann deine Erfahrungen nur bestätigen.

Es wird immer Menschen geben, die uns beeindrucken, faszinieren und nicht mehr so schnell loslassen. Wenn man sich dann noch in einer Krise oder in einer Langzeitbeziehung befindet, besteht immer die Gefahr, dass man der Verliebtheit zum Opfer fallen kann.

In einer schwierigen Lebenssituation denken die Menschen nicht mehr wirklich über eventuelle Risiken oder schwerwiegende Konsequenzen nach, sondern sie leben bzw. genießen einfach nur den neuen und sorgenfreien Augenblick.

All das Neue fühlt sich erstmal richtig gut, lebendig, vollkommen und wieder so anders an. Schließlich erfährt man vermisste Anerkennung, Wertschätzung, Zuneigung und Aufmerksamkeit. Man fühlt sich respektiert, ernst genommen, verstanden und mit dem neuen Menschen auf Augenhöhe.

Logischerweise ist da kein Platz mehr für den ehemaligen Partner und erst recht kein Platz für irgendwelche Bedenken oder Zweifel. In der Phase der Verliebtheit, da erscheint der neue Partner sowieso nahezu fehlerfrei und perfekt. Deshalb denkt man nicht darüber nach, dass dieses neue Miteinander, vielleicht doch nur eine kleine Momentaufnahme sein könnte.

Aber irgendwann kehrt der normale Alltag immer zurück und wenn die Schmetterlingszeit vorbei ist, erst dann zeigt sich ja, ob aus der Verliebtheit echte Liebe wird und was die neue Beziehung wirklich wert ist. Wenn aus der angedachten Ewigkeit, aber doch nur eine Kurzzeitbeziehung wird, dann steht man tatsächlich nur noch vor einem Trümmerhaufen und auf verbrannter Erde.

Mit Erschrecken stellt man dann fest, dass an einer wichtigen Kreuzung des Lebens, ein völlig falscher Weg eingeschlagen und die neue Liebe einfach nur zum Albtraum wurde. Die Erkenntnis, dass niemand die Zeit zurückdrehen kann, die kommt meistens viel zu spät. Ja, man hat Menschen enttäuscht bzw. verletzt und man wurde selber enttäuscht sowie verletzt.

In der Realität wieder angekommen, wird das Vergangene jetzt halbwegs sachlich betrachtet, aufgearbeitet und erstmals verstanden. Es wird einem bewusst, welche weitreichende Folgen diese eine Entscheidung hatte. Im schlimmsten Fall hat man nicht nur den Partner, sondern auch Familie, Freunde und eventuell sogar die Arbeit verloren (Affären unter Kollegen).

Zitat von Annette53:
Viel zu schnell traf ich meine Entscheidung und trennte mich vom scheinbar ungeliebten Ehemann..


Eine sehr schöne, sehr tiefsinnige und wirklich bedeutsame Aussage.

Wir stellen den Wert verschiedener Menschen und verschiedener Dinge meistens immer erst dann fest, wenn wir diese verloren haben. Meine Exfrau sagte einmal zu mir, dass sie durch ihren Fehler gelernt hätte:

"Wenn man auf der Suche nach einem besseren Menschen ist, dann kann es passieren, dass man nicht nur einen sehr guten, sondern sogar einen der wichtigsten Menschen in seinem Leben verliert".

Zitat von Annette53:
Wie Brüderchen und Schwesterchen lebten wir fast schon.


Es gibt keine Traumpartner und keine rundum perfekten Beziehungen. Höhen und Tiefen gehören bei einer gesunden Partnerschaft immer dazu, zumal sie das Miteinander gleichermaßen stärken.

Wenn etwas im Argen liegt, dann sollte man miteinander kommunizieren, denn man kann doch nahezu alles ändern. Zudem verbietet uns doch niemand, dass wir der Beziehung neue Impulse verleihen, sie neu beleben oder eine müde gewordene Partnerschaft wieder in Schwung bringen.

Anderseits führen natürlich immer mehrere Wege nach Rom und da kann es halt auch vorkommen, dass man sich verirrt, eine falschen Entscheidung trifft oder den falschen Weg einschlägt. Der bequemere Weg ist zwar einfacher, aber er ist eben nicht immer der Richtige.

Zitat von Annette53:
Brüderchen und Schwesterchen


So eine Aussage sollte immer ernst genommen werden

Wir haben zwei tolle Kinder, haben uns immer gut verstanden, waren finanziell und materiell abgesichert, hatten stets einen sehr abwechslungsreichen und interessanten Alltag, intim gab es auch keinen Grund zur Klage.

Meine Exfrau hatte damals gerade eine neue Arbeit begonnen. Eines Tages kam sie nach Hause und erzählte mir genau das, was ich gerade geschrieben habe. Aber sie ergänzte noch, dass es wie zwischen Brüderchen und Schwesterchen wäre. Ich hatte es relativ schmerzfrei zur Kenntnis genommen und habe sie nur locker gefragt: Was kann ich für mein kleines Schwesterchen tun?

Nur wenige Tage später (Freitag Nacht zum Samstag) hat mein Unterbewusstsein all diese Informationen nochmals aufgearbeitet und ich hatte geträumt, dass sie mich und die Kinder verlassen wird. Samstagmorgen hatte ich das Frühstück für die Familie vorbereitet und da habe ich ihr von meinem Traum erzählt. Sie lächelte nur und fragte mich, wie ich denn auf so etwas käme?

Montagmorgen habe ich ihren Briefkastenschlüssel benötigt und da habe ich in ihrem Rucksack eine Pralinenschachtel in Herzform und mit der Aufschrift: Für mein liebes Mäusel entdeckt. Danach hatte ich kurz zwei gute Freunde beauftragt, die Sache mal zu prüfen. Am Freitag (sieben Tage nach meinem Traum) übermittelten mir meine Freunde die Daten von einem Kollegen meiner Exfrau. Sie teilten mir auch mit, dass da etwas sein könnte, aber das da nix sein muss.

Ich habe die Infos sofort an meine Exfrau weitergeleitet und konnte es kaum erwarten, sie diesbezüglich zur Rede zu stellen. Sie kam völlig entspannt und freudestrahlend nach Hause und ich hörte sie schon sagen, das da nix ist. Aber sie sagte nur: Wir sind froh, dass es jetzt raus ist!

In diesem Moment fühlte ich mich wie von einem Blitz getroffen und ich dachte echt, es wäre gerade ein Komet auf unserer Erde eingeschlagen. Es waren nur acht Worte, aber es waren acht Worte, die unser Leben komplett veränderten.

Nach ihrer Beichte veränderte sie sich von jetzt auf gleich, zu einem völlig anderen und vollkommen fremden Menschen. Sie war wie eine fünfzehnjährige frischverliebte Teenagerin unterwegs und für keinerlei Gespräche mehr empfänglich. Alles andere lief dann in etwa so wie bei euch ab.

Manchmal habe ich mich ernsthaft gefragt, ob ich vielleicht einfach nur Kandidat bei der Versteckten Kamera sein könnte?! Da ich kein Kind von Traurigkeit und teilweise etwas sehr extrem unterwegs bin, wäre es ja möglich gewesen. Meine Späße mit der Familie, mit meinen Freunden sowie Kollegen sind ja wirklich nicht ganz ohne und oftmals auch echt grenzwertig. Zudem wurde mir ja schon öfters ein Racheakt versprochen.

Zitat von Annette53:
und glaubte an ein Leben mit dem neuen Mann. Doch es kam anders


Meine Exfrau hatte auch an ein Leben mit diesem Mann geglaubt und von einer großen neuen Liebe geträumt. Aber drei Monate später hat dann halt der Wecker geklingelt und da war der Traum schon wieder ausgeträumt.

Ihr Kollege war übrigens zehn Jahre jünger, er war verheiratet, seine Frau war schwanger und sie hatten bereits eine dreijährige Tochter. Also eigentlich die besten Voraussetzungen, um eine Beziehung zu beginnen .

Ja, meine Exfrau hatte sich ebenfalls von ihren Gedanken sowie Gefühlen täuschen, blenden und verführen lassen. Aber Menschen machen halt Fehler und heute bereut sie es natürlich auch.

Ich war einmal bei einer Psychologin und diese sagte mir, dass ich ein sehr gutes Herz, eine starke Persönlichkeit und einen festen Charakter hätte. Sie ergänzte diesbezüglich, dass ich keinen Psychologen benötige, sondern einfach nur die richtigen Entscheidungen treffen muss. Na toll, kein Mensch ist perfekt und kein Mensch kann wohl immer die richtigen Entscheidungen treffen.

Du hast es eigentlich ganz gut auf den Punkt gebracht. Wenn man die falsche Entscheidung trifft, dann kann es passieren, dass man einen sehr hohen Preis dafür bezahlen muss. Aus dem neuen Lebensweg der Liebe und des Glücks, kann ganz schnell ein Weg durch die Hölle werden. Qualvolle Gespräche, Trauer, Leid, tiefe Verletzungen, seelische Wunden und unerträgliche Schmerzen, das sind dann die wahren Begleiter im Alltag. Gebrochene Herzen und unnötig verschenkte Lebenszeit, bleiben letztendlich als ungewolltes Ergebnis einer einzigen falschen Entscheidung übrig.

Meine Exfrau und ich, wir haben uns letztendlich freundschaftlich getrennt und auch wir gehen noch sehr würde- sowie respektvoll miteinander um. Die gesamte Geschichte ist Vergangenheit und ich habe ihr längst schon verziehen. Wir haben uns zwar getrennt, aber auch wir haben uns nicht ganz verloren und unsere Kinder sind uns sehr dankbar dafür. Diese Tatsache ist ganz wichtig für mich.

Ihr habt es geschafft !

Dein Ehemann ist wirklich ein bemerkenswerter und ganz besonderer Mensch. Halte ihn fest und lasse ihn nie wieder los ! Ihr könnt echt stolz auf euch sein.

Ich wünsche euch weiterhin ganz viel Glück und alles erdenklich Gute.

VG Holzer60

26.08.2019 09:56 • x 6 #40


muss_weiter


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Annette53,
sehr schön das bei manchen der Neuanfang klappt, macht mich aber gleichzeitig noch trauriger, dass ich erst nach Trennung vom Betrug meiner Frau erfahren habe.

Vielleicht hätte man es ja doch noch retten können

27.08.2019 12:13 • #41


darkenrahl

darkenrahl


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Zitat von Begonie:
Also habe Geduld. Erkenntnisse, neue Wege und auch Entzugserscheinungen brauchen ihre Zeit. Der Mensch ist kein Automat und umprogrammieren kann man sich nicht. Aber man kann das Beste aus dem inneren Programm machen, indem man es auch annimmt. Du kannst Jahre lang Psychotherapie machen und bleibst doch der Gleiche. Aber vielleicht kannst Du mit manchen Dingen im Leben doch besser umgehen.

Lerne, die Kleinigkeiten wieder zu schätzen. Das Leben besteht meist aus Kleinigkeiten. Wer damit nichts anfangen kann, verbrennt sich ab und an die Flüge


Also ich kann mir nicht vorstellen eine Frau noch zu begehren, die monate-, ja jahrelang betrügt, mich nicht begehrt, auch zum jetztigen Zeitpunkt noch vom AM träumt, nochmals in die Arme zu nehmen und zu warten, ob sie mir zeigen möchte dass ich ihr genüge. Was für eine Dehmütigung.

27.08.2019 13:05 • x 3 #42


Sunset12


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Zitat von Begonie:
Ich spüre es aber doch ganz deutlich. Ich schätze meinen Mann über alle Maßen. Wer weiß, wie ich es mir gegangen wäre, wäre er nicht da gewesen? Und ich bin gerne mit ihm zusammen, lieber als früher. Irgendwie sind wir erst durch die Affäre richtig zusammen gewachsen, das spüre ich ganz deutlich. Ich bin erst in den letzten Jahren richtig angekommen, vorher war ich eine Suchende.


Ich habe auch so einen Rettungsanker wie du an meiner Seite. Inzwischen ist es mir unvorstellbar, dass es eine Zeit gab in der ich ihn belogen und betrogen habe. Bei mir ist es jetzt alles knapp ein Jahr her, dass ich ihm alles erzählt habe. Es geht mir viel besser, habe viel an mir selbst gearbeitet und bin auch wie du von der Suchenden gewechselt in die Angekommene. Ich schätze mein Leben jetzt wirklich sehr.

Zitat von Begonie:
Warum kann er nicht einmal so sein, wie ich es mir wünsche?
Ich war völlig in Besitz genommen von dieser bescheuerten Affäre und wollte keinesfalls, dass sie endet. Lieber leiden als lösen war meine Devise. Denn auch dieser Mann erschien mir so unvergleichlich und trotz aller Schwächen als sehr wertvoll


Dieses Gefühl hatte ich während meiner Affäre auch. Irgendetwas stimmte nicht. Was die komplette Wahrheit ist werde ich nie erfahren, es interessiert mich aber auch nicht. Das Bauchgefühl stimmte nicht bei diesem Menschen von Anfang an. Und doch ging ich die Affäre ein, was einfach so vollkommen falsch war. Man blendet die schlechten Seiten aus, auf einmal dreht sich alles nur um diese Person. Ich habe meine Familie, Freunde, Hobbies alles vernachlässigt, ganz oben natürlich meinen Partner. Nur für 1 Person, bei der ich nicht mal sicher war wer er eigentlich wirklich ist.

Zitat von Begonie:
Im Grund genommen war ich eine Gefangene meiner selbst und merkte es nicht. Und auch diese ständigen Up and Downs halten einen bei der Stange. Auch wenn die Downs häufiger wurden, so griff ich zu einem Trick: ich stilisierte die wenigen Ups zu etwas hoch, was sie nicht waren. Sie erschienen mir so wertvoll, dass ich alles tat, um wieder in diesen Zustand zu kommen.
Ich hätte nie gedacht, dass ich mich mal so von etwas vereinnahmen lassen würde.


Ich fühlte mich auch so gefangen, gefangen von meinem eigenen Verhalten. Das habe ich dann abrupt beendet indem ich meinem Partner alles erzählt habe. Ich war mein größter Feind und habe so lange gebraucht mir einigermaßen selbst zu verzeihen.
Auch diese innere Zerissenheit hatte ich lange und auch heute noch etwas. Ich traue mir selbst nicht zu 100% über den Weg weil mein Verhalten damals so schlimm war. Jetzt 1 Jahr später komme ich gut zurecht auch mit einer Kontaktsperre. Ich habe die richtige Entscheidung getroffen, für meinen Partner für meine große Liebe zu ihm. Ich möchte mit ihm mein Leben verbringen. Es dauert lange eine Affäre zu verarbeiten und dennoch gehe ich diesen Weg mit ihm zusammen und nicht mit jemand anderes, neues, mit dem es viel einfacher wäre ohne diese Vergangenheit.

28.08.2019 12:54 • x 1 #43


trixi-77

trixi-77


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LIebe Annette,

dieser Thread, den ich gestern Nacht erstmals las, ist gerade eine Offenbarung für mich.
Danke, dass Du Deine Geschichte geteilt hast!

Ich befinde mich gerade genau an dem Punkt:
Ist es überhaupt möglich, nach einer Affäre wieder glücklich zu werden. Bzw. GLÜCKLICHER als zuvor, denn der Ehezustand zuvor, sämtliche Differenzen, die da waren und nicht weg sind (im Gegenteil) waren schließlich Auslöser für die Affäre.
Und: will ich das überhaupt?
Ist meine Affäre nur Augenöffner gewesen oder kann er sogar der neue Partner an meiner Seite sein, mit dem eine erfüllende Beziehung (auch mit Konflikten und Reibereien, völlig klar!) möglich ist?

Ich bin seit 11 Jahren mit meinem Mann verheiratet, wir kennen uns seit 19 Jahren.
Meine "Affäre" dauert inzwischen anderthalb Jahre an. Meinem Mann habe ich nach zwei Monaten davon erzählt. Anfangs hat er gekämpft, wir waren in Paartherapie, ich habe mich endgültig getrennt, wir leben allerdings getrennt im selben Haus (die Immobiliensituation hier ist eine Katastrophe, wir haben zwei kleine Kinder von 5 und fast 9). Ich war drauf und dran auszuziehen mit den Kindern, aber mein EM wollte das nicht. Er ist ein guter Vater, die Kinder lieben ihn sehr und haben eine tolle Bindung an ihn.
Inzwischen ist meine Affäre längst ein Partner, denn Familie, Freunde, Lehrer....alle wissen darum und wir treten auch öffentlich so auf. Bzw. das war bis vor wenigen Wochen so, bis ich merkte: So geht es nicht weiter. Es herrscht überhaupt keine Klarheit - trotz ausgesprochener Trennung. Aktuell habe ich mit dem AM also nur sporadischen Schriftkontakt.
Ich möchte die ganze Geschichte hier nicht schreiben, ich habe einen eigenen Thread dazu.

Momentan befinde ich mich in einer in all der Zeit noch nicht erlebten Sinnkrise.
Und stelle mir unendlich viele Fragen in Richtung:

Ist das noch Liebe, was ich meinem EM gegenüber empfinde?

Hätten wir überhaupt eine Chance?

Würde es nicht wieder alles genauso werden, wie es mal war, da wir uns beide so verändert haben (obwohl ich ihn im Kern immer noch zu kennen glaube) ?

Ist es mehr als die Schuldgefühle, die Kinder, das Haus und das Mitleid, was ich für meinen EM empfinde?

Und - möglichst ganz unabhängig davon:
Schaffen mein AM und ich es auf Dauer besser (es war sooooo wunderbar mir ihm. Auch mir ihm und den Kindern, den Freunden....aber es fehlt der Alltag, das ganze Organisatorische, der Stress, der eben verändernd einwirkt...)?

Liebe ich ihn wirklich oder ist das immer noch Verliebtheit (Im Gegensatz zu meinem EM könnte ich meinen AM ständig nur berühren, in die Augen sehen, küssen).
Auch der AM und ich haben schon GROßE Hürden, die uns in den Weg gelegt wurden, beiseite geräumt. Die Liebe und Bindung ist stark!

ABER:
Es gibt Dinge, die sind ganz anders als bei Dir, @annette.
Die lassen ich arg Zweifeln.

- mein Mann und ich hatten in unserer Beziehung sehr früh schon kaum S. mehr. Ich weiß genau, an welchem Tag unsere Kinder gezeugt wurden...

- mein EM ist zwar nicht gegangen, hat mich nicht raus geschmissen und hat zwischenzeitlich sogar versucht, mir zu vermitteln, dass die Partnerschaft zum AM für ihn okay ist mir ohne Zynismus "einen schönen Abend" gewünscht, aber er hat mir in der Zeit auch unendlich wehgetan, mich angelogen, mich geängstigt, mir gedroht, das Sorgerecht zu entziehen, mich hintergangen, versucht, dem AM kriminelle Handlungen anzuhängen (Stalking), was dieser schnell mit Beweisen wiederlegen konnte und natürlich umgehend meinen Mann bei mir in Misskredit brachte. (das kann ich nicht vergessen!)
Viele Mitmenschen haken das unter "er war halt in einer Ausnahmesituation ab". Ich schaffe das nicht. Ich habe mein Vertrauen in ihn verloren, selbst wenn ich ihm verzeihe.

- es wird vieles unter den Teppich gekehrt, er will nichts wissen

- ich hatte vor 7 Jahren schonmal eine Affäre, die nie aufgearbeitet wurde

- alle Familienmitglieder wurden von meinem Mann "infiltriert", die Erde ist auf beiden Seiten für mich verbrannt. Auf der Seite meiner Familie konnte ich nach eine schlimmen Zeit, in der ich die ganze Welt gegen mich zu haben schien, viel retten. Meine Mutter hat sogar Verständnis für mich, weil sie die Differenzen zwischen und, die schon früh da waren, sieht.

Dennoch empfinde ich diese tiefe Bindung zu meinem Mann!
Es tut wahnsinnig weh, ihn aus meinem Leben gehen lassen zu müssen (auch ,wenn selber gewählt) und ich habe eine Sch...angst, den falschen Weg zu gehen!

Zitat von Blanca:
Demnach überleben rund 2/3 aller Beziehungen die aufgeflogene Affaire nicht länger als ein Jahr. Nur 15% der betroffenen Paare schaffen es, ihrer Beziehung nach dem Auffliegen neue Höhenflüge zu verleihen. Alle anderen erleben eine Verschlechterung.

Da wir Kinder haben, wäre der unumkehrbar. Noch mehr hin und her kann ich ihnen nicht zumuten!


Nun frage ich mich, ob diese wunderschöne und heilsame Geschichte, wie Du sie mit viel Arbeit und mehreren überwundenen Abgründen, nun erleben darfst, auch für uns möglich wäre?
Ich wünsche sie mir in der tiefe meines Herzens. Allerdings gibt es folgende Punkte, die ich bei Euch nicht herausgelsen habe, die mich stark daran zweifeln lassen:

- die Kommunikation ist schon lange gestört (wenn ich meine Ängste um unsere Beziehung geäußert habe, hat mein Mann das Gefühl gehabt, alles nur falsch zu machen und wurde wütend/verletzt)

- wir hatten JAHRE keinen Sechs mehr, da ich die körperliche Nähe ohne emotionale Nähe nicht zulassen KANN (was es wiederum mit meinem AM so unglaublich schön gemacht hat)

- die Familie ist auf beiden Seiten von den Rollen Täterin/opfer überzeugt und von ihm infitiriert (er hat in Echtzeit unsere Streits recht einseitig an meine und seine Familie getextet)

- das Vertrauen ist beidseitig extrem beschädigt.


Ich weiß, ich kann ihm seins verzeihen und er mir auch meins.
Aber ob wir aus diesem Schlamassel nicht nur wieder zueinanderfinden WOLLEN sondern das auch wirklich KÖNNEN....das bezweifle ich sehr!

Sechs Jahre! Ich denke, ihr habt es wirklich geschafft. Bei den ganzen Geschichten, bei denen es auch geklappt zu haben scheint, ist mir die Dauer noch nicht aussagekräftig genug (ein halbes Jahr, ein Jahr...).

Wenn wir diesen Schritt wagen, gibt es kein zurück. Ich habe eine sau-Angst!
Das beginnt schon bei der Kontaktsperre zum AM, der mich ehrlich liebt und mit mir alt werden möchte.

Zitat von Sunset12:
Ich traue mir selbst nicht zu 100% über den Weg

So geht´s mir auch.


Was soll ich nur tun?



EDIT:
Aktuell, seit mein AM nicht mehr "sichtbar" ist, ist mein Mann sehr bemüht. Er versucht, mich im Haushalt und mit den Kindern zu entlasten, er fragt, wie es mir geht, wir reden viel mehr als früher.
Aber das, was sich da nun eventuell gerade verändert, das betrifft zum einen noch viel mehr Bereiche, die angegangen werden müssten und zum anderen eben: es darf nicht wieder kippen!

07.09.2019 13:09 • #44


6rama9

6rama9


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@trixi-77 Das ist doch mal ein reflektierter, selsbtkritischer Kommentar von dir. Chapeau. Du bist auf gar keinem schlechten Weg für dich eine endgültige) Lösung zu finden (wie auch immer).

Nur in einem bin ich absolut nicht bei dir:
Zitat von trixi-77:
alle Familienmitglieder wurden von meinem Mann "infiltriert", die Erde ist auf beiden Seiten für mich verbrannt. Auf der Seite meiner Familie konnte ich nach eine schlimmen Zeit, in der ich die ganze Welt gegen mich zu haben schien, viel retten.

Ein so stark abweichendes Fremdbild eigentlich enger Vertrauter (Familie) vom Eigenbild kann nicht nur furch Infiltration deines Mannes entstehen. Da solltest du dein Eigenbild wirklich mal hinterfragen, denn ohne ein realistisches Bild von dir selbst wirst du wieder scheitern. Ich weiß, es ist schwer, Fehler einzugestehen und die schwarze Seite der eigenen Seele kritisch zu betrachten, für eine Aufarbeitung aber unbedingt notwendig. Such weniger den Kontakt zu den Ja-Sagern und stelle dich reflektierend mehr den Kritiken.

07.09.2019 15:04 • x 2 #45



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