Annette53
Gast
Und dann kam er in mein Leben und mit ihm hatte irgend jemand das Licht wieder angeknipst. Zuerst nur ein harmloser Flirt. Ich dachte, dass es dabei bleiben würde, wie immer. Doch es kam anders. Er erwiderte mein Interesse scheinbar, denn auch er war bedürftig und ausgehungert nach Liebe und Zärtlichkeit. Und so begann das verhängnisvolle Spiel. In meiner Naivität dachte ich da noch, ich hätte alles im Griff, könnte mit Anstand handeln. Viel zu schnell traf ich meine Entscheidung und trennte mich vom scheinbar ungeliebten Ehemann. Ich warf ihn weg, wie einen ausgelatschten Schuh und glaubte an ein Leben mit dem neuen Mann. Doch es kam anders. Ein endloses zermürbende Hin und Her begann.
Qualvolle Gespräche voller Trauer mit dem EM und ein AM der kam und ging, wie es ihm passte. Irgendwann ging er endgültig und wortlos und ließ mich mit einem Trümmerhaufen zurück. Erste Rettungsversuche für meine Ehe. Damals noch aus Angst vor dem Alleinsein, der Armut und dem Verlust von allem, was mir lieb und teuer war. Dann erneut ein Zwischenspiel mit dem AM. Danach noch mehr Verletzungen, verbrannte Erde, totale Verzweiflung. Nun schien endgültig alles verloren zu sein. Selbsthass, Scham, Unglaube, Wut, Trauer. Zwischendurch noch falsche Hoffnung, vergebens.
Anwaltsgespräche, Wohnungssuche, Auszug. Und dann die Wendung. Ich wollte das nicht und mein Mann wollte das nicht. Nicht so und nicht wegen diesem Mist. Zuerst war da nichts weiter als die Entscheidung: Wir versuchen es weiter zusammen. Irgendwie!
Ohne Hilfe ging das nicht. Freunde hörten schon lange nicht mehr zu. Mit sowas will niemand etwa zu tun haben. Schiefe Blicke der Nachbarn und Kollegen. Kündigung meiner Arbeitsstelle, die ich so sehr liebte. Kontaktabbruch mit allen Kollegen und Freunden. Und zu Hause kam alles auf den Tisch. Keine Salamitaktik mehr. Ehrlichkeit und totale Transparenz. Das Handy ungeschützt und offen. Die Nummer geändert. Soziale Netzwerke gekappt. Alle!
Professionelle Hilfe geholt, erstmal nur für mich, die Betrügerin. Betreutes Heulen beim Therapeuten. Gemeinsames Heulen zu Hause. Der erste Sechs mit Tränen in den Augen.
Dich wieder ansehen können, mein lieber Mann. Dir in die Augen sehen! Gemeinsam in alten Bilder wühlen. Alte Erinnerungen an schöne und an bittere Zeiten. Dich wieder riechen können. Durch deine Haare streichen, die sich so anders anfühlen, als seine. So neu und doch vertraut. Mit dir wieder lachen, dir wieder vertrauen und mir dein Vertrauen zurück holen. Mir selbst verzeihen ging nur, weil du mir verziehen hast.
6 Jahre! Eine lange Zeit! Jetzt kann es weiter gehen. Die Affäre ist nur noch eine dunkle Erinnerung an eine schwierige Zeit! Heute gucke ich in die Sonne und warte auf dich. Gleich kommst du von der Arbeit nach Hause. Ich stelle die Gartenstühle auf und koche Kaffee.
Wir haben es geschafft! Du und ich! Ich danke dir. Du bist mein Mann. Es gibt keinen besseren!