Am Freitagnachmittag stand ich in einer Menschenschlange im Lebensmittelmarkt an der Kasse, als zwei Rentnerinnen begannen, sich über den Inhalt meines Einkaufswagens zu amüsieren. Sichtlich erheitert erfragte eine der Damen, ob ich mit etwas Milch, Käse und Wurst das lange Wochenende denn überstehen würde. Ich entgegnete schmunzelnd, dass ich nicht viel zum Leben benötigen würde, woraufhin die Frage folgte, ob meine Freundin nicht etwas Anständiges für mich kochen könne. Als ich mich als alleinstehender Mann zu erkennen gab, erntete ich Unverständnis. Schließlich sei ich ein "charmanter und gutaussehender, junger Mann. So jemand dürfe nicht ohne Frau sein." Beide würden mir jedoch die Daumen drücken, bald die richtige Partnerin kennenzulernen.
Nachdem ich meinen Einkauf bezahlt hatte, verabschiedeten wir uns freundlich voneinander. Auf dem Weg zum meinem Auto wurde ich allerdings ein wenig nachdenklich, fast schon melancholisch. Das Wochenende würde ich gewiss nicht in Einsamkeit verbringen und dennoch würde ich nicht von einer Frau umgeben sein, welche ich als meine Freundin, die Frau an meiner Seite, meine Partnerin, bezeichnen würde. Jemanden mit gegenseitigem Interesse längerfristig an mich zu binden, blieb mir bisher noch verwehrt.
Einen Tag zuvor befand ich mich erneut auf einer beruflichen Abendveranstaltung, um geschäftliche Kontakte knüpfen zu können. Ich nahm es nicht wahr, doch am darauffolgenden Tag meinte ein Mitglied der Geschäftsführung meines Unternehmens zu mir, ob ich nicht bemerkt hätte, wie intensiv eine Frau meines Alters im persönlichen Gespräch an jenem Abend um mich geworben hatte. Ich musste die Frage verneinen, denn ich war noch zu sehr in meinen Gedanken mit der Protagonistin des Afterworks beschäftigt, welche sich nach der zweiten Party auf dem Rückweg ins Parkhaus bei mir einhaken wollte.
Zum derzeitigen Zeitpunkt denke ich nicht, dass ich mich, trotz grundsätzlicher Empathie, in die Frau des Afterworkabends verliebt habe. Dennoch hatte der unternommene Warmwechselversuch ihrerseits wohl die eine oder andere alte Wunden in mir aufgerissen. Dass mir diese Begebenheit zudem ein Jahr nach dem Kennenlernen meiner Ex-Freundin, auf den Tag genau, erneut geschah, bringt mich zur gegebenen Stunde um den Verstand.
Den aus meiner Kurzzeitbeziehungen entstandenen Liebeskummer habe ich wohlmöglich überwunden, die aus dieser Episode resultierenden Enttäuschungen und Verletzungen bilden jedoch noch immer einen großen Teil meines Gefühlslebens. Ich bin mir momentan nicht einmal sicher, diesen Schmerz nachhaltig überwinden zu können. Mein Vertrauen ist dahin.
Zitat von Inexplicitus: Ich lese fast ausschließlich Bezüge zu Deinem Arbeitsleben aber kaum etwas, das aus Deinem privaten Bereich herrührt. Ein Paar Absätze über Freunde und Familie, das wars dann auch schon.
Dass ich kaum ein Privatleben besitze, ist mir in den letzten Monaten bereits bewusst geworden. Mich persönlich stört dieser Umstand kaum, allerdings nimmt mein Umfeld diese Tatsache auch eher mit gemischten Gefühlen auf.
Seit nunmehr einem halben Jahrzehnt priorisiere ich mein Arbeitsleben. Schließlich will ich im Lebensalter von etwa 50 Jahren finanziell unabhängig sein, sodass ich nicht mehr darauf angewiesen sein möchte, klassischer Lohnarbeit nachgehen zu müssen. Die zur Verfügung stehende Zeit will ich dann vordergründig mit meiner bereits gegründeten Familie verbringen sowie mit sinnstiftenden Projekten, welche mich erfüllen. So lautet zumindest das ausgerufene Ziel in der derzeitigen Phase meines Lebens.
Nichtsdestotrotz sollte ich wohl versuchen, mir auch etwas Zeit für mich zu nehmen.
Zitat von Inexplicitus: "Hast Du gerade ein Dejavú? Kommt Dir dieses Verhalten nicht bekannt vor? Was denkst Du, ein Arbeitskollge oder gar der Chef mit dem sie was hatte? Einer der Stammgäste? Wiviele KM würden jetzt in Frage kommen, damit Du nicht mit ihr in Verbindung gebracht werden könntest? Du willst doch nicht wieder Mülleimer spielen, oder Nik?"
Absolut. Aus den von dir beschriebenen Gründen habe ich den Kontakt zu dieser Frau umgehend eingestellt.
Zitat von Inexplicitus: Wieso gehst Du nichtmal blindlings in die nächste Nachtbar oder Discothek? Da wären die Bedingungen doch optimal jemanden ganz ungezwungen kennen zu lernen, aus der Situation heraus.
Meine drei vorangegangenen (Ex-)Frauen habe ich allesamt beruflich kennengelernt. In meinem gewohnten Umfeld verspüre ich schlicht und ergreifend eine größere Selbstsicherheit. In Discotheken fühle ich mich hingegen tendenziell eher unwohl.
Nichtsdestotrotz habe ich am Wochenende ein größeres Volksfest in der Nähe meiner Heimat besucht, allerdings musste ich nach wenigen Stunden feststellen, dass auch Veranstaltungen dieser Art nicht meiner Natur entsprechen. Anlässe, welche den übermäßigen Verzehr von Alk. in den Vordergrund stellen, bilden für mich keine angenehme Atmosphäre.
Zitat von Inexplicitus:Nik, Du brauchst einen Kumpel der Dich mitreißt, mit dem Du so richtig Party machen kannst. Dich immer mit der Arbeit zu beschäftigen hat Dich einfach zu sehr vereinnahmt und womöglich unfähig werden lassen, soziale Kontakte ausserhalb des Berufsleben zu pflegen.
Freundschaften aufzubauen, zu erhalten und zu pflegen war seit meiner Kindheit schon immer eine meiner Schwächen. In der Hinsicht besitze ich definitiv Defizite. Dennoch würde ich mich nicht als unsozialen Menschen bezeichnen. Meine Anwesenheit wird in Gesellschaft durchaus geschätzt, allerdings kann ich mich mit den meisten meiner Geschlechtsgenossen nicht identifizieren. Gesprächsinhalte, welche hauptsächlich Alufelgen, B. und Fußballergebnisse beinhalten, langweilen mich auf Dauer.
Zitat von Inexplicitus:Eine letzte Sache noch. Kennst Du das Sprichwort, berufliches vom privaten trennen?
Ich würde definitiv keine Beziehung mit einer Mitarbeiterin meines Unternehmens eingehen. Selbst Beziehungen mit Kundinnen oder Frauen aus den selben Interessensverbänden empfinde ich mittlerweile als schwierig. In allen anderen Fällen betrachte ich die Angelegenheit hingegen eher als unproblematisch.
Zitat von Melias:Der wichtigste Punkt m.E., den @Inexplicitus hier hervorhebt: Du setzt keine Grenzen.
Mit diesem Punkt hatte ich die letzten Tage am meisten kämpfen. Mein Selbstwert ist wohl zu niedrig. Leider bin ich in persönlichen Angelegenheiten, welche meine Werte nicht untergraben, mitunter unfähig, Grenzen aufzuzeigen. Das ist mir in den letzten Tagen bewusst geworden.
Zitat von Melias:Jetzt bist du da, wo du nun bist.
Für meinen Lebensweg sind Situationen wie diese tatsächlich mehr als symptomatisch.
Zitat von Melias:Wie lief das Gespräch ab?
Sie gab gleich zu Beginn des Gesprächs an, dass sie in ihrer Beziehung unglücklich sei und mich als Mann sehr interessant fände. Ich gab der Frau vom Afterwork daraufhin schweren Herzens zu verstehen, dass die Sympathie zwar durchaus auf Gegenseitigkeit beruhen würde, ich allerdings aus persönlicher Erfahrung prinzipiell nicht bereit bin, einen Warmwechsel zu unterstützen. Mein Eindruck war, dass sie mit dieser Antwort nicht gerechnet hatte, und ich hoffe wirklich, dass sie ihre Bemühungen um meine Person nun endgültig einstellt.
Zitat von Melias:Warum hast du so weit mitgemacht und nicht vorher signalisiert, dass du kein Abenteuer für eine vergebene Frau bist?
Einerseits schmeichelte mich das Interesse, andererseits wollte ich Gewissheit, ob diese Frau tatsächlich etwas im Ansatz für mich empfindet. Ein persönliches Gespräch unter vier Augen gab mir zudem die Gelegenheit, mich meinen Ängsten zu stellen und zu überprüfen, ob ich aus meiner Vergangenheit gelernt habe.
Zitat von Melias:Ich hab in einer solchen Situation, als ich - wie du - merkte, dass die Berührungen mehr worden, die Augen der verheirateten Frau immer mehr funkelten, andere Leute in die Konversation mit einbezogen, um die Basis für ein solches "Knistern" zu verhindern. Damit sie merkt, dass ich nicht ihr Abenteuer sein werde und will. Ist das eine Lösung? Ich weiß es nicht.
Bei nächster Gelegenheit werde ich prüfen, ob die Lösung für mich funktioniert. Auf der letzten Veranstaltung ist es mir, zumindest unbewusst, bereits gelungen.
Zitat von Melias:Setze Grenzen bei solchen Veranstaltungen und sei nicht da auf der Suche. Schenke anderen Menschen mehr Aufmerksamkeit.
Ich werde es versuchen, wenngleich mein Beziehungswunsch ungebrochen bleibt.