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Hoher Bodycount - wichtig oder egal?

FloraVita
Zitat von QueenA:
In diesem Sinne setzt die Moral den Trieben Grenzen und schafft Orientierung für das Zusammenleben.

Nur kurz, weil ich los muss.
Moral ermöglicht das (einigermaßen) reibungslose Zusammenleben, das immer, egal ob bei Menschen oder im Tierreich Regeln bedarf, damit es möglich ist.
Da hier erwähnt wurde dass die Tierwelt so viel besser ist… Wer in einem Rudel, Herde oder was auch immer sich nicht an die „Moral“ des Rudels, der Herde hält, wird aus diesen verstoßen oder gar schlimmeres. Da wird kurzer Prozess gemacht und keine Rücksicht auf Selbstbestimmungsrecht eines Individuums genommen.
Wo anders ist das Gras doch nicht grüner, wenn man genau hinschaut 😉

x 1 #1501


Ragna
Zitat von whynot60:
Deshalb gibt es ja durchaus auch entsprechende Arrangements, mit denen beide einverstanden sind und auch gut leben können

Es steht den Menschen frei, sich ihre eigene Hölle auf Erden zu erschaffen, natürlich.
Was mir auf die Nerven geht, ist dann das rumgejammer, man fühlt sich "eigentlich" so unglücklich, aber genießt die Kreuzfahrt und das tolle neue Auto vor der Tür.
Ich kenne einige Mädels und Jungs, die sich regelmäßig die Kante geben um ihr Leben erträglicher zu machen oder sich in Hobbys flüchten um sich nicht zu sehr mit ihrer Beziehung beschäftigen zu müssen.
OK, ride on, aber bitte nöhlt mir nicht die Ohren voll.
Wenn eine Affäre ihnen hier nicht die Augen öffnet, ja dann spüren die keine Einschläge mehr.

x 2 #1502


A


Hoher Bodycount - wichtig oder egal?

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QueenA
@Ragna

Tatsächlich gibt es Situationen, die man durchaus als persönliche Hölle auf Erden bezeichnen könnte. Gerade durch meinen beruflichen Kontext erlebe ich immer wieder, dass es auf den ersten Blick um die Elternebene geht, bei genauerem Hinsehen aber die Paarebene die eigentliche Baustelle ist. Und nicht selten stehen Menschen dann irgendwann vor der Frage, ob sie gemeinsam weitergehen oder sich trennen.

Was ich dabei gelernt habe: Von außen wirkt es oft viel einfacher, als es für die Betroffenen tatsächlich ist. Menschen bleiben nicht immer nur aus Bequemlichkeit oder wegen materieller Dinge. Oft gibt es gemeinsame Geschichte, Verbundenheit, Hoffnung auf Veränderung, Verantwortung für Kinder oder auch die Tatsache, dass ein Mensch neben den verletzenden Seiten eben auch liebevolle und schöne Seiten hat.

Ich habe zuletzt mit jemandem gesprochen, der Gewalt in seiner Beziehung erlebt und trotzdem geblieben ist. Wie es weitergeht zeigt sich noch. Nicht, weil das Leid nicht real wäre, sondern weil menschliche Beziehungen oft komplexer sind, als ein Außenstehender auf den ersten Blick erkennen kann. Nicht alles, was von außen unverständlich wirkt, ist für die Betroffenen so einfach. Leider.

x 4 #1503


Ragna
Zitat von QueenA:
@Ragna Tatsächlich gibt es Situationen, die man durchaus als persönliche Hölle auf Erden bezeichnen könnte. Gerade durch meinen beruflichen ...

Ich wandel nun auch schon einige Jahre auf Gottes schöner Erde, mir ist sehr bewusst, dass gerade langejährige Beziehungen sehr verflochten sind und man natürlich immer hofft, dass sich ein Gefühl wieder einstellen mag, wie zu Anfang, eine Wende möglich ist und der Partner oder man sich selbst (wird oft vergessen) positiv verändern kann und wird.
Aber oftmals ist sie Beziehung einfach Tod, emotional aufgezehrt und beide blockieren sich selbst, anstatt sich zu trennen und die Freiheit und Möglichkeiten wahrnehmen zu können, die ihr Leben dann bietet.
Viele scheinen jedoch abhängig zu sein wie ein Suchtkranker. Ein Alk. wird auch nicht sofort zugeben, dass er abhängig ist m

x 1 #1504


QueenA
@Ragna ich sehe es wie Du! Absolut!

#1505


B
@Ragna
Und schon zwei Aussagen die keineswegs Naturgesetz sind.
Ich verstehe die Sehnsucht nach dem Anfang , aber das ist eine Unmöglichkeit. Man ist nun einmal in und mit der Beziehung älter geworden.
Insofern ist dieses Bedürfnis zum Scheitern verurteilt.
Man kann aber die Neugier auf den anderen erneut wecken.
Insofern ist der erste Fehler zu hoffen. Zu machen nur so kann sich etwas ändern.
Und das andere die Trennung ist eben nicht die einzige Lösung. Man kann die Knoten durchschlagen. Mit dem notwendigen Willen und der richtigen Begleitung.

#1506


S
Zitat von QueenA:
Mit Immanuel Kant gesprochen ist Moral Ausdruck der Vernunft. Sie ermöglicht es dem Menschen, nicht nur zu fragen, was er will, sondern auch, was er tun soll. In diesem Sinne setzt die Moral den Trieben Grenzen und schafft Orientierung für das Zusammenleben.

Absolut, nicht zuletzt spiegelt sich das im Konzept des kategorische Imperativ wider, der ja nichts anderes besagt, dass eine Maxime, also ein moralischer Grundsatz nur dann gut ist, wenn man diesen auch als allgemeines Gesetz umwandeln kann.

Viele Diskussionen hier zeigen mir, dass Schulfächer wie Ethik und Philosophie verpflichtend sein sollten, damit jeder die Chance bekommt reflektiert zu handeln.

Ich weiß so oder so nicht, warum heute oft Moral, Werte und draus wertebasiertes Handeln, abgewertet werden. Früher waren das mal positiv belegte Begriffe.
Heute spricht man von "moraliserend" oder auf politische Eben von "Werteweste" usw..

Natürlich gibt es sowas wie eine Doppelmoral, man denke nur an die Missbrauchsfälle in der Kirche.
Das ist aber keine Problem mit der Moral, sonder genau das Gegenteil, weil dort Menschen gegen die Moral gehandelt haben.

x 3 #1507


B
Ergänzend. Ich bin mit meiner Frau 30 Jahre zusammen. Das ist eine langjährige Beziehung, unsere Krise ist nun gute 7 Jahre her. Also selbst wenn man sagt, Moment- nach eurer Krise wird der Zähler auf Null gestellt, ist es immer noch ein langjährige Beziehung
PS2
Ja manchmal ist die Trennung die richtige Lösung und zum zusammen bleiben gehören 2; zur Trennung reicht einer

x 3 #1508


Ragna
Zitat von BernhardQXY:
Ergänzend. Ich bin mit meiner Frau 30 Jahre zusammen. Das ist eine langjährige Beziehung, unsere Krise ist nun gute 7 Jahre her. Also selbst wenn ...

Grundvoraussetzung ist jedoch, man muss ehrlich zu sich selbst sein und man geht ergebnisoffen in die "Verhandlungen"

x 2 #1509


B
@Ragna
Stimmt. Offen und ehrlich miteinander umgehen.

x 3 #1510


Ragna
Zitat von BernhardQXY:
@Ragna Stimmt. Offen und ehrlich miteinander umgehen.

Und da wird es schon bei vielen Paaren schwierig, denn das bedeutet unter Umständen auch, dass eine Trennung die bessere Lösung ist, wenn man das jedoch aus "Gründen" grundsätzlich vermeiden möchte, arrangiert man sich und lebt aneinander vorbei und ist nicht glücklich.

x 2 #1511


Blind-Meg
Zitat von whynot60:
dass Affären oft einfach ein Ventil sind (und nicht gleich Erweckungserlebnisse), eine Möglichkeit zur Erfüllung von Bedürfnissen, die durch die bestehende Beziehung nicht (mehr) abgedeckt werden (und da muss es nicht zwangsläufig allein um Sex gehen).

Das ist deutlich zu kurz gedacht fürchte ich.

Die wenigsten Menschen, die eine Affäre eingehen, tun das "gerne" oder weil ihnen der Partner egal ist oder mlt dem Gedanken "Was ich zuhause nicht kriege, hol ich mkr halt woanders". Ich denke, viele Affären sind sozusagen existenziell, weil sie für eine zeitlang für das emotionale "Überleben" eines Menschen bedeutsam sind.
Diese Menschen wissen idR, dass sie etwas "Falsches" und "Unmoralisches" tun, sie wissen auch, was sie stattdessen tun sollten, und die wenigsten tun das so skrupellos und eiskalt, wie man es sich "von außen" vorstellt.
Ich gehe davon aus, dass die meisten Affären für den, der sie führt, das kleinste Übel sind.
Auch durchaus manchmal der Weg des geringsten Widerstandes, ja. Aber aus einer glücklichen und zuversichtlichen Lebenssituation heraus wird kaum jemand eine Affäre anfangen. Also stehen diese Menschen vor der Affäre unter enormem Stress und das wahrscheinlich schon seit längerem (denn eine kurze Durststrecke führt auch nicht gleich dazu, dass man fremdgeht). Und in solchen hochbelasteten Lebenssituationen fehlt wahrscheinlich vielen schlicht die Kraft, eine nachhaltige Veränderung anzustoßen. Da ist eine Affäre, zB um sich selbst überhaupt mal wieder zu spüren, der vermeintlich einfachere Weg, den die meisten wohl nicht gerne gehen, sondern eher, weil sie das Gefühl haben, keine schaffbare Alternative zu haben.

Zitat von whynot60:
sondern eine Affäre üblicherweise die an sich tote oder zumindest schwer marode Beziehung sogar noch stabilisiert, da ja, eben durch die Affäre, sich das Leben wieder einigermaßen "ganz" anfühlt oder zumindest belebter und dann ja erst recht kein Grund mehr besteht für ernsthafte und nachhaltige Veränderungen.

Zeitweise ist das bestimmt so. Affären haben aber ein Ablaufdatum. Entweder well einer der Beteiligten den Druck erhöht und klare Verhältnisse fordert, oder weil die Gewissensbisse immer weiter zunehmen oder weil die Affäre auffliegt. Solange sie läuft, stabilisiert sie sicher die "Hauptbeziehung". Aber langfristig denke ich, dass die meisten Affären letztlich doch eine umfassende Veränderung anstoßen und nachträglich betrachtet eher ein Zwischenschritt in einem langen Veränderungsprozess sind. Denn keiner, der eine Affäre hat, wird zufrieden auf sein Werk blicken und sich denken "Och wie wunderbar. Jetzt habe ich ja wieder alles, was ich brauche, so mach ich das jetzt die nächsten 10 Jahre weiter". Sondern eher sowas wie "Sch**e, was mach ich hier eigentlich? Ich wollte das doch nie. Wie komm ich wieder raus aus der Nummer?"

x 5 #1512


QueenA
Zitat von Blind-Meg:
Das ist deutlich zu kurz gedacht fürchte ich. Die wenigsten Menschen, die eine Affäre eingehen, tun das "gerne" oder weil ihnen der ...

@Blind-Meg
Definitiv eine Sichtweise.
Ich glaube, genau dieser Punkt wird oft übersehen. Eine Erklärung ist keine Rechtfertigung. Aber ich finde es trotzdem wichtig zu verstehen, warum Menschen Dinge tun, die sie selbst vielleicht nie für möglich gehalten hätten.

Die meisten Menschen sehen sich ja nicht als Affärenfrau oder -Mann. Und trotzdem geraten manche in Situationen, in denen sie Bedürfnisse, Sehnsüchte oder auch einen Teil von sich selbst nicht mehr wahrnehmen und dann Wege suchen, damit umzugehen. Das macht eine Affäre nicht automatisch richtig. Aber es macht die Menschen dahinter oft verständlicher.
Vielleicht liegt genau darin der Unterschied zwischen Verstehen und Gutheißen?!

x 2 #1513


S
Zitat von FloraVita:
Da hier erwähnt wurde dass die Tierwelt so viel besser ist…

Ich würde es noch ganz anders sehen, der Menschen sind erstmal auch als Teil der Tierwelt anzusehen. Natürlich verschwindet dadurch nicht die zentrale Frage, was den Menschen wesentlich unterscheidet von anderen Tierarten?

Lang geglaubte Thesen, dass der Menschen das einzige Lebewesen ist dass das Bewußtsein des einigen Selbst ist widerlegt, denn auch Schimpansen, Delfine, Orcas, Elefanten, Schweine, Krähen und sogar Putzerfische erkennen sich selbst.

In der Tat ist der Mensch aber in vielen Dingen voraus anderen Lebewesen, und darunter zählt auch die Moral und vor allem die Selbstreflektion...

x 2 #1514


N
Zitat von whynot60:
Hält ja keiner mehr etwas aus, und jedes irgendwie drückende Gefühl muss umgehend therapiert werden.

Ich denke, dass wir das der Hirnforschung zu verdanken haben.

Seit etwa den 1990er Jahren gibt es durch die bildgebende Hirnforschung echte Messdaten (und nicht nur von den Probanden erfragte, subjektive Evidenz), dass Stress und körperlicher und seelischer Schmerz das Nervensystem so verändern, dass man nicht abhärtet, sondern empfindlicher wird.

Seit den Nullerjahren konnten auch Nicht-Fachleute vom Schmerzgedächtnis lesen und von Resilienz statt Abhärtung. Dass also das Aushalten-Können von Härten nicht von Disziplin und Übung abhängt, sondern von Freundschaften, Grundeinstellung etc.

Daher wissen wir heute, dass es nichts bringt, keine Schmerzmittel zu nehmen, keine Therapie gegen seelischen Schmerz zu machen und man sich auch nicht gegen Stress abhärten kann, sondern es um Prophylaxe, Schmerzvermeidung und Integration von Negativerlebnissen geht, um künftig stärker und nicht sensibler zu sein.

Die junge Generation macht es also nach heutigem Forschungsstand genau richtig, indem sie sich mit Prophylaxe und Therapien ihre eigene Stärke erhält und schützt, statt innerlich immer sensibler und angekratzter zu werden, was dann durch Rigorosität und Härte gegen sich selbst (und andere und leider häufig auch durch Missbrauch von Substanzen) nach außen überspielt werden muss.

Nach heutiger wissenschaftlicher Erkenntniss sind wir als Gesellschaft und als Einzelperson erfolgreicher und stärker und sparen viel Geld und Zeit, wenn wir drohenden Rückenleiden mit rumpfmuskelstärkenden Übungen entgegen treten und drohender emotionaler oder seelischer Überforderung mit Gesprächs- und Verhaltenstherapien.

Als ich jung war, hieß es noch, "da muss jeder mal durch, das härtet ab". Aber heute wissen wir es eben besser.

Wer das Bedürfnis nach Abhärtung hat, kann nach wie vor kalt duschen bzw. wechselwarm. Die Durchblutung und wohl auch das Immunsystem dankt es.
Das Nervensystem möchte hingegen ebenso wie die Bandscheiben nicht zu Abhärtungszwecken durchgenudelt werden.

x 3 #1515


A


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