Zitat von Blind-Meg: Die wenigsten Menschen, die eine Affäre eingehen, tun das "gerne" oder weil ihnen der Partner egal ist oder mlt dem Gedanken "Was ich zuhause nicht kriege, hol ich mkr halt woanders". Ich denke, viele Affären sind sozusagen existenziell, weil sie für eine zeitlang für das emotionale "Überleben" eines Menschen bedeutsam sind.
Naja, ob es da gleich sogar um existenzielles (emotionales) Überleben geht, würde ich eher in Frage stellen.
Ansonsten würden etwa hartgesottene Singles emotional ja von vornherein nicht-existent sein, und das wird höchstwahrscheinlich nicht der Fall sein.
Ich erachte Affären, vom ONS bis zur tatsächlichen großen Liebe, ja als gar nichts anderes als die (im ungebundenen Zustand) ansonsten eben vorkommenden Sex- und Liebesgeschichten, die im Allgemeinen ja nicht dieser strikten moralischen Beurteilung unterworfen werden (außer vielleicht teilweise noch bei großem Altersunterschied meinetwegen).
Warum solche Sex- und Liebesgeschichten überhaupt vorkommen, das wäre dann noch einmal ein anderes Thema; aber jedenfalls sehe ich da keinerlei Unterschied in der Anbahnung, im Geflashtsein, den Reizen und Andockpunkten, in der Anfangsflirterei, in der Begehrlichkeit, im Interesse usw. und auch nicht in der weiteren Entwicklung und Vertiefung (so das eintritt). Der tatsächliche Unterschied liegt doch allein in den Grundvoraussetzung (gebunden oder ungebunden) und in der Dynamik der weiteren Entwicklung, nicht aber im eigentlichen Zustandekommen.
Dass die Dynamik eine andere ist, im Fall von gebunden, kann ja auch nicht anders sein, nachdem es im unfreien Zustand eben nicht möglich ist, sich jeden Tag zu treffen, mal den ersten gemeinsamen Abend zu verbringen, den ersten gemeinsamen Urlaub usw.
Und hinzu kommt (im gebundenen Zustand): Dieser Kick des an sich Verbotenen, des Riskanten, des Nicht-Gesellschaftsfähigen, des Heimlichen ... da fühlt man sich dann vermutlich noch einmal wie das Kind, das mehr wagt, als es wagen darf, und somit zumindest für sich selber ein bisschen Held und Rebell und Freibeuter wird.
Ich habe diese Geschichte, eine wahre Geschichte, aus meinem eigenen Leben ja schon mehrmals erzählt; aber das bedeutet natürlich nicht, dass Du sie auch kennst.
Ich war mit meiner Ex-Lg 15 Jahre zusammen, eine durchwegs gute Beziehung, und im letzten Jahr der Beziehung, nachdem sie die Möglichkeiten des Internets entdeckt hatte, hatte sie so ungefähr (die genaue Zahl kenne ich nicht) 20 - 50 Affären jeder Art. Und da ging es durchaus nicht darum, dass sie neben mir und mit mir emotional verhungert wäre (auch wenn ich hier vielleicht manchmal so erscheinen mag, aber ich kann sagen, ich bin alles andere als ein unguter Typ oder emotionaler Bilndgänger oder Illoyalist oder so etwas); sondern da hatte sich plötzlich ein ganz neues, weites Feld aufgetan, mit zahllosen verlockenden Reizen, und das hat meine Ex-Lg heillos entflammt und regelrecht in den Bann gezogen.
Da ging es um nichts Großartiges, sondern um eine ungeahnte Spielwiese, auf der man sich, bislang ungekannt, austoben konnte, um neue Erfahrungen, um Selbstbestätigung um Selbstbestätigung usw.
Schlußendlich war unter den reichlichen Affären auch eine, die in Verliebtheit übergegangen ist (der Mann war übrigens selber verheiratet), und aufgrund diverser Nebenumstände hat das dann auch zur Trennung geführt.
Einige Jahre später hatte meine Ex-Lg, nun ja schon längst mit diesem Mann zusammen, im Verlauf ihres reichhaltigen Flüchtlingsengagements eine Doppelaffäre (mit zwei dreimal jüngeren Männern). Durch eine Abhöraktion ihres "neuen", also mir nachfolgenden Partners ist das dann irgendwann aufgeflogen, und seitdem dürfte, sicher auch des Alters und des Risikos wegen, Ruhe sein.
Oder selbst in dem biederen Dorf, in dem ich lebe, gab es so einige Affären. Ein damals neu zugezogener (verheirateter) Arzt hat ja beinahe das halbe weibliche Dorf im Lauf der Zeit flachgelegt, wie man sagt, und ist dann mit einer davon (ebenfalls verheiratet) wieder abgezogen. Eine durch und durch konservative Schuldirektorin hatte im Rahmen einer Ballveranstaltung mit dem Kapellmeister einen ONS, in einem weiteren Fall kam es zum klassischen "Ausspannen", also anfangs Affäre (Frau verheiratet, Mann ungebunden), dann Überlauf samt Heirat. Und sogar ein Dorfpfarrer, ein wirklich sympathischer, schüchternen Mann, ist seiner (verheirateten) Pfarrersköchin erlegen oder sie ihm (und wurde dann von der katholischen Kirche versetzt, lebt aber noch heute, gut und gerne 20 Jahre später, mit seiner Pfarrersköchin traut ungetraut zusammen).
Und in den 70ern, als es hier sogar noch ein Zwei-Frauen-Privat-Bor. gegeben hat, war ja überhaupt die vollkommene Affärenhölle los (falls man das in diesem Fall so bezeichnen kann). Vom Bürgermeister über alles mögliche und unmögliche Mannsvolk bis hin zum Pfarrer (das war damals noch ein anderer, ein absolut erzkatholischer noch dazu, der den ganzen Tag die Bibel studiert hat) hat sich alles vergnüglich ausgetobt.
Mir scheinen also, und das wollte ich damit sagen, diese sogenannten Affären als etwas absolut Natürliches und Alltägliches, in das man erst gar nichts hineingeheimnissen und von sonstigen Dingen dieser Art unterscheiden muss. Es gibt dafür gar keine anderen Gründe als für alle nur denkbaren Sex- und Liebesgeschichten im ungebundenen Zustand.