Zitat von Fenjal: Meine Oma hat mir mit auf den weg gegeben,... Mädel, lass dich nie von einem Mann zu einer armen Frau machen....
Sie war ein älterer Jahrgang und hatte unbewusst mehr Feminismus in ihrem Handeln und Denken als so manche Userin hier.
Deine Oma hatte absolut recht mit ihrem Rat – aber du hast ihn leider fundamental missverstanden.
Die Generation unserer Großmütter musste nämlich noch am eigenen Leib erfahren, was es bedeutet, wenn die unbezahlte Arbeit im Haus und bei den Kindern im Falle einer Trennung rechtlich nicht abgesichert war. Viele Frauen dieser Generation landeten genau deshalb in bitterer Altersarmut. Und genau wegen dieser mangelnden Absicherung und wirtschaftlichen Abhängigkeit mussten Frauen damals viel zu oft in zerrütteten, unglücklichen Beziehungen verharren, weil ein Gehen den sozialen und finanziellen Ruin bedeutet hätte.
Der Rat deiner Oma war ein Appell, sich niemals schutzlos ausliefern zu lassen. Und genau deshalb ist es echter, moderner Feminismus, heute vehement dafür einzustehen, dass die gemeinsame Care-Arbeit in einer Partnerschaft über Gesetze wie den Versorgungs- und Zugewinnausgleich verbindlich und fair abgesichert ist. Damit Frauen eben nicht mehr aus Existenzangst bleiben müssen.
Sich heute hinzustellen, Müttern pauschal "Opferhaltung" vorzuwerfen und zu verlangen, sie müssten das finanzielle Risiko von Kindern komplett alleine tragen, ist nicht das, was deine Oma meinte. Das ist kein Feminismus, sondern das absolute Gegenteil: Es ist die Verleugnung der Lebensrealität von Millionen Frauen. Deine Oma wäre wahrscheinlich ziemlich enttäuscht darüber, wie unsolidarisch du ihr Erbe verwaltest.