Zitat von NurBen: "Sorry, aber ich date niemanden der arbeitslos ist", dann kann sich der arbeitslose Mann zwar tierisch darüber aufregen und sich verurteilt fühlen
Zitat von NurBen: Vollkommen richtig. Wenn ich mit Jogginghose einkaufen gehe, muss ich mich doch auch nicht wundern, wenn ich verurteilt werde.
Du verwechselst scheinbar eine subjektive Abneigung oder eine Präferenz mit einer Verurteilung bzw. vermischst beides.
Der Unterschied zwischen einer persönlichen Abneigung und einer Verurteilung liegt im Kern darin, welchen Gültigkeitsanspruch wir an unser Urteil knüpfen.
Während das eine eine rein subjektive Geschmackssache ist, erhebt das andere einen allgemeingültigen Anspruch auf Richtig und Falsch.
Wenn ich für meinen Lebensstil dringend einen Partner mit Job wünschen würde (was ich nicht tue, es ist mir schlicht egal) oder einen schlanken Mann, dann ist das genau dasselbe wie wenn ich sage: Ich mag Spargel lieber als Rosenkohl und kaufe mir lieber einen Porsche als einen Twizzy.
Es ist schlicht meine persönliche, ganz subjektive Geschmackssache. Ich erhebe keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit und bewerte keinen anderen Menschen in seinem Wesen, wenn er/sie das anders sieht.
Wenn hingegen, wie du schreibst, verurteilt wird, dann geschieht das mit dem Anspruch, dass mehrheitlich zugestimmt wird und der Mensch in seinem Sein und Handeln bewertet wird.
Trägt eine Frau etwas tief Ausgeschnittenes oder hatte sie viele Partner, dann obliegt es selbstverständlich jedem ganz allein, für sich zu befinden, dass einem selbst das nicht gefällt.
Hiervon ist aber nicht auf grundlegende Charaktereigenschaften zu schließen oder das Gegenüber zu entwerten (billig, leicht zu haben, unsicher usw. usf.).
Wenn du nachts in einer dunklen Gasse ausgeraubt wirst, hast du dich vielleicht auch nicht „gewundert“, weil die Gegend gefährlich ist. Trotzdem käme niemand auf die Idee zu sagen: „Tja, selber schuld, du darfst dich nicht wundern, dass der Räuber dein Geld genommen hat – das macht den Raubzug völlig legitim.“
Der Räuber bleibt der Kriminelle. Genauso bleibt der Verurteilende derjenige, der sich respektlos verhält, die Erwartbarkeit einer Handlung legitimiert sie nicht im Geringsten.
Wer sagt: „Sie/Er darf sich nicht wundern“, der verteidigt nicht die Moral oder die freie Meinungsäußerung, sondern kapituliert vor dem mangelnden Respekt in unserer Gesellschaft und schiebt die Schuld dem Verurteilten zu (egal ob Frau oder Mann).