Auch heute habe ich keinen guten Tag. Ich habe keine Ahnung, wie ich das schaffen soll. Wir sind über 16 Jahre zusammen gewesen, davon 13 Jahre verheiratet. Heute merke ich, dass über unserer Beziehung oft Konflikte lagen, ich immer wieder diffuse Ängste, Unsicherheiten, Verzweiflung und vielleicht auch Wut hatte. Ich habe das nur so im Nebel wahrgenommen. Ja, ich liebe sie trotz ihrer krankmachenenden Beziehungsmuster. Aber vielleicht sollte ich mir trotzdem die Frage stellen, ob ich sie aufgrund der vielen Verletzungen wirklich noch liebe. Wie kann ich das feststellen?
Sie sagte mir, dass ich nach der Arbeit immer zuhause erst einmal die Post aufgemacht habe statt sie zu umarmen oder zu küssen, ich hätte nicht genug Zeit mit ihr alleine verbracht. Ab und zu sind wir abends alleine weg gegangen. Das ist ihr nicht genug gewesen. Ich hätte an Wochenenden alleine mit ihr irgendwo hin fahren sollen. Wir haben hier keine Großeltern. Sie wollte sogar ein drittes Kind, was auch aus Platzgründen nicht geht. Wir haben uns unter diesen Voraussetzungen für Familie entschieden und uns beiden ist bewusst, dass mehr Zweisamkeit irgendwann wieder möglich sein wird. Ich habe sie dabei gestützt, als sie beruflich eine leitende Position übernahm, ich stand komplett hinter ihr.
Sie wirft mir vor, dass ich negativ eingestellt sei. So kennt mich sonst niemand. Sie hätte gerne ein Haus gehabt, wir haben aber kein Startkapital. Das wäre Selbstmord für uns gewesen. Das sei eine negative Einstellung.
Jedes Wochenende wollte sie wandern gehen, doch unsere Kinder hatten wenig Lust dazu. Es belastete sie, die Kinder antreiben zu müssen. Ich hätte sie in iher Depression nicht gehalten. Wie hält man seine Frau, wenn sie verbal umsich schlägt? Sie hat seit vielen Jahren mit unserer erstgeborenen Tochter Probleme. Sie ist selbst Erstgeborene, aber einen Vater, der kein Vater sein wollte und der ihr nie Wertschätzung und väterliche emotionale Liebe entgegenbringen konnte. Sie projiziert ihr Problem seit Jahren auf unsere Tochter. Wenn ich verständnisvoll, liebevoll aber konsequent mit unserer Tochter umgehe, dann flippt meine Frau nahezu aus und wirft mir vor, mit ihr nicht an einem Strang zu ziehen.
Gelacht hätte ich nur noch im Freundeskreis. Ja, weshalb nur? Weil ich dort wertgeschätzt werde, kein komm her-geh weg erlebe, keine Bloßstellungen und mir wird auch kein schlechtes Gewissen eingeredet. Könnt ihr hier ernstzunehmende Vorwürfe erkennen, die wirklich zu einer Trennung führen können? Nun hat sie einen Partner, der keinen hohen Bildungsstand hat, der gerade mit ihr reist, weil er nicht arbeitet, der alles andere als gutaussehend ist, das sagt sie selbst, vom eigenen Vater als Kind schwer misshandelt und als Ministrant von einem Geistlichen sexuell missbraucht wurde. Entlich wieder jemand, dem sie helfen kann. So wie ich das mitbekomme, muss sie immer wieder Feuer löschen. Er lebt gerade in Scheidung.
Ich selbst habe manchmal den Gedanken, dass es besser wäre, wenn ich morgens nicht mehr aufwache. Ich habe keine Kraft, wieder in eine neue Beziehung einzusteigen. Ich bin vorher schon einmal verheiratet gewesen, mit einer Kroatin, die ich in Österreich kennengelernt habe. Ich habe sie nach Deutschland geholt, weil ich in ihr Anderssein verknallt gewesen bin. Sie kam heimlich mit, was ich nicht wusste. Erst kurz bevor wir geheiratet hatten sagte sie mir, sie sei von ihrer Familie verstoßen worden. Zu diesem Zeitpunkt waren meine Gefühle weg, aus Schuldgefühlen heraus habe ich sie geheiratet.
Dann gingen ihre psychischen Auffälligkeiten los. Sie wurde als Kind von ihrer Mutter schwer misshandelt, wurde an ihren Haaren über den Boden geschleift oder im Kinderstuhl so hart an den Kopf geschlagen, dass dieser mit Kind umfiel usw. Nächtelang ist sie in unserer Ehe aufgrund ihrer Panikattacken verschwunden gewesen und kam verdreckt wieder nachhause. Irgendwann begann ich mich ihr gegenüber zu verweigern, bis sie von selbst ging. Nur drei Wochen später habe ich meine jetzige Frau kennengelernt und ich dachte, ich sei entlich angekommen, bin sofort verliebt gewesen. Ich habe alles gegeben. Ich habe zwei Frauen geheiratet, die eine schwierige Herkuntsgeschichte haben. Ich kann nicht mehr und doch will ich nicht alleine bleiben, möchte wieder geliebt werden und auch ich möchte lieben. Dazu bin ich gemacht. Wie soll ich nun durch diese Zeit kommen ohne komplett meinen Lebensmut zu verlieren? Wie soll ich jemals wieder vertrauen können? Ich wünsche mir, dass ich wieder eine Frau kennenlerne, die mich mit ihren Augen erwartungsvoll anstrahlt. Ich bin 49 Jahre alt, habe für die Familie immer alles gegeben. Wie kann ich weiter machen und Zuversicht dabei erlangen. Ich bin gläubiger und aktiver Christ. Manchmal frage ich mich, wo Gott ist?
Im Moment kann ich hier niemandem Tipps geben, verspreche aber das zu tun, wenn ich emotional wieder stabil genug bin.