Zitat von Waleran:Meine Ängste stecken vor allem darin, lange alleine zu sein.
Ahhh..... Hingucken! Genau dahin, wo die Angst sitzt.
Du tust bitte mal folgendes: such Dein Album raus. Nimm Dir Bilder von Deiner Mutter aufs Handy. In einen Ordner.
Den nennst Du: Komm, wir gehen zu Mama!
Genau so! Den schaust Du Dir regelmäßig an.
Immer dann, wenn Du Dich ganz alleine fühlst. Und stellst Dir dabei vor, wie Dein großes Ich (also Du heute) Dein kleines Ich (Du als Kind) an der Hand nimmt und freudestrahlend zu Mama mit ihm läuft.
Um dort von der strahlenden Mama feste und in Liebe in den Arm genommen zu werden.
"Komm, wir gehen zu Mama" heilt unendlich viel. Es löscht Einsamkeitsängste. Und tankt auf.
Es gibt dem Kind in uns das, was uns dort so bitterlich gefehlt hat. Was uns bis heute verfolgt und uns in Situationen bringt, in denen wir Partner anziehen, die nicht gut für uns sind.
Wenn der Kopf sagen will: "Aber so ist sie nie gewesen." so antworte ihm:" Doch, in ihrem Herzen war sie genau so! Sie hat es nur nicht so gut rausgebracht." Manchmal können Eltern schlecht zeigen, wie sehr sie uns liebten.
Auch das heilt "komm, wir geh zu Mama"
Zitat von Waleran:Das mit der Opferrolle ist eine ganz schlechte Position.
Eben. Es gibt wirklich nur sehr sehr wenige Dinge, in denen wir wirklich Opfer sind.
Bei den meisten anderen Dingen machen wir aktiv mit.
Den eigenen Anteil zu erkennen gibt einem Freiheit. Die Freiheit, in Zukunft derartigen Dummkram mit uns selbst nicht mehr tun zu brauchen.
Zitat von Waleran:Ich habe kaum mehr Freude an irgend etwas, selbst an meinem Laufsport nicht.
"Es gibt ein Ding zwischen den Mundwinkeln, das heißt "durchbeißen". (Großer Tiger und Christian, Fritz Mühlweg)
Mach es trotzdem. Die Depression, die Du hast, kann Bewegung nicht leiden. Lauf. Jeden Tag.
Als gälte es Dein Leben. Sonst frierst Du ein.
Zitat von Waleran:Es gelingt mir nur äußerst schwer, mich für irgendwas aufzuraffen, es sei denn ich besuche Freunde. Wie kann ich da Schritt für Schritt wieder herauskommen aus diesem verdammten Loch? Wie ist Euch das gelungen?
Wie Du richtig sagst: Schritt für Schritt.
Tu Dinge, bei denen Dein Herz lacht. Mach Dich selbst glücklich. Übernimm für Dich selber Verantwortung. Fu singst gerne? Fein. SING. Wo auch immer. Was auch immer.
MALE! Musst es ja keinem zeigen.
Du wolltest schon immer reiten lernen? Na... auf in den nächsten Reitstall.
Drachenfliegen lernen? Na... da gibts Kurse.
TU DIR GUTES. Gleiche Dich aus. Sorge so für DICH, wie Du einst für das "Du" sorgen wolltest.
Zitat von Waleran:Ich fühle mich genauso wie damals, als ich 3 1/2 Jahre alt gewesen bin, als meine Mutter durch einen Verkehrsunfall ums Leben kann.
DA ist der Punkt. Du betrauerst IHR Gehen. Ihren Tod.
Es ist nicht die Frau von heute, die das alles in Dir auslöst.
Es ist die Frau im Gestern, die Frau in DEINER Vergangenheit, von der Du Dich verlassen fülst.
Deren Gehen Du kaum ertragen kannst. Der ein Teil von Dir folgen will.
Diese Trauer lähmt unwahrscheinlich. Man friert innerlich ein.
Wenn Deine Mutter gelebt hätte, hätte sie Dich in den Arm genommen und Dir all das gegeben, was Dir jetzt fehlt.
Sie wäre zurück zu Dir gekommen, egal, wohin sie gegangen wäre. Um ihren kleinen Jungen zu umarmen und um ihn zu beschützen.
Mach Dir das immer klar.
Und verstehe eines: DA sitzt Dein Trauma. In dem Alter den Menschen zu verlieren, der einem die ganze Welt bedeutet... das schädigt ein Kind dauerhaft.
Und das macht, dass der Erwachsene unter Umständen schädliche Menschen anzieht. Und lange wo verharrt, wo er gar nicht erst hätte hingehen sollen.
Das zum Einen. Und: die Mama verloren zu haben in dem Alter macht noch etwas ganz anderes: Schuldgefühle.
Das Kind bezieht alles auf sich selbst. Ea denkt, dass es Schuld daran hat, dass Mama ging und nicht wieder kam.
Weil es gestern böse auf Mama war, vorgestern unartig...
Such Dir einen guten Therapeuten und schau dort hinein.
Du meinst, dort ist der dunkelste Punkt Deiner Seele.
Ja... falsch. Dort sitzt Dein größtes inneres Licht.
Dort sitzt das verwundete, verlassene, todtraurige einsame Kind, das jetzt durch Deine Augen schaut.
Und die Traumatisierung von damals erneut erlebt.
Und nochwas: Du bist doch gar nicht alleine. Schau mal in Dich rein. Das Kind ist da.
Dessen Trauer einem vor Mitleid die Tränen in die Augen treibt. Das man schon als Fremder feste in den Arm nehmen und trösten will. Ihm beim Heilen helfen. Tu Du das. Hilf dem kleinen, der so sehr weint in Dir. Der schon so lange leidet und Angst hat.
Ich weiss, dass Du das kannst. Die Anfänge auch ohne Therapeut.
Und: Du hast Deine eigenen Kinder. Deine Freunde.
Lass Dich halten... lass Dich drücken. Und Du halte und drücke feste das traurige Kind tief in Dir.
Was für ein immenser Glücksfall, dass diese Frau heute fort gegangen ist.
Du hättest ohne das nie die Chance bekommen, zu Dir selbst zu finden und das zu heilen.