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Ich bin gegangen, obwohl ich bleiben wollte

S
Zitat von Sakura_:
Ich schlafe sowieso seit Monaten schlecht, die Arbeit war viel, und ich war seit seinem Urlaub im Juni permanent mental beschäftigt. Mit ihm, mit mir, mit meinem Anteil, mit seinem Anteil, mit Vertrauen, mit Sex, mit anderen Frauen, mit seiner Einsamkeit, mit meiner Verschlossenheit, mit der Frage, ob ich zu viel erwarte, mit der Frage, ob ich zu wenig gebe, mit der Frage, ob ich einen großartigen Mann aufgrund alter Verletzungen von mir wegstoße, mit der Frage, ob und wie ich leichter werden kann. Ich hab mich nicht mehr getraut, schwierige Themen anzusprechen. Ich hab mich für meinen und für seinen Zustand verantwortlich gefühlt und für seine Reaktion darauf.


Vermutlich hat der frühere Betrug deinen Kopf niemals verlassen und immer eine Rolle in eurer Beziehung eingenommen. Zweisamkeit ist wichtig, aber nicht das wichtigste in einer Beziehung.

Zitat:
Wenn es ihm schlecht ging, konnte ich stark für uns beide sein. Wenn es mir schlecht ging, musste ich je nach Thema, vor allem wenn es um ihn ging, stark für mich alleine sein plus teilweise seine Hilflosigkeit und seine unerfüllten Bedürfnisse mittragen. Seine praktische Fürsorge hab ich wahrgenommen, aber er konnte nicht stark für mich sein, sondern mich quasi dann nur "aushalten", weil ihn das gestresst hat.


Das ist ungesund, denn die Fürsorge ist sehr sehr wichtig in einer funktionierenden Beziehung. Wenn es der Partnerin schlecht geht, möchte ich die Person sein, die ihr einen Tee oder eine Wärmflasche ans Bett bringt oder eine Suppe für sie kocht.

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Sakura_
Ich danke euch sehr für euer Mitgefühl,
wirklich.

Was mir gerade unglaublich schwerfällt, ist, ein ausgewogenes Bild von unserer Beziehung zu behalten. Wenn ich aufschreibe, was mich verletzt und was dazu geführt hat, dass ich mich in der Beziehung zuletzt so schlecht gefühlt habe, entsteht schnell ein Bild von ihm, das ihm als Menschen überhaupt nicht gerecht wird. Und dagegen wehrt sich in mir sofort alles.

Denn er war nicht einfach ein schlechter Partner. Es gab sehr viel Schönes zwischen uns. Er war liebevoll, fürsorglich und aufmerksam, hat mir im Alltag viel abgenommen, für mich gekocht, auch wenn er es nicht möchte, sich um mich gekümmert, wenn es mir körperlich schlecht ging, mich zum Lachen gebracht und mir sehr viel Zuneigung gegeben. Wir konnten albern sein, uns nah sein, miteinander lachen und reden. Ich habe mich bei ihm auch sehr geliebt gefühlt. Er hat außerdem in den letzten Jahren viel an sich gearbeitet, Therapie gemacht, sich mit eigenen problematischen Verhaltensweisen auseinandergesetzt und sich in einigen Punkten wirklich verändert. Ich möchte das nicht im Nachhinein aus unserer Geschichte streichen, nur weil es jetzt vorbei sein könnte.

Gleichzeitig gab es Dinge, die mich tief verletzt haben und die wir meines Erachtens nie wirklich gemeinsam repariert haben. Vor allem nach dem damaligen Betrug hatte ich oft das Gefühl, dass er sich sehr stark damit beschäftigt hat, warum er so gehandelt hat, wie schlecht es ihm damit ging und was er an sich verändern muss, aber wenig damit, was das eigentlich in mir hinterlassen hat. Ich hätte mir so oft gewünscht, dass von ihm aus Fragen kommen wie: „Was hat das damals mit dir gemacht? Gibt es Situationen, in denen dich das heute noch einholt?“. Ich hab mir einfach Neugier in dieser Hinsicht gewünscht, den Willen, zu verstehen. Stattdessen war es eher meine Aufgabe, auf ihn zuzukommen, wenn ich Redebedarf hatte, und selbst dann waren die Gespräche inhaltlich nicht so, wie ich es gebraucht hätte. Vielleicht hab ich auch einfach zu viel von ihm verlangt.

Dazu kamen über die Jahre Aussagen und Situationen, die meine Unsicherheit eher verstärkt haben. Bei mir kam irgendwann immer stärker an: Wenn ich endlich wieder leichter, offener, körperlicher, sexueller und weniger unsicher wäre, dann wäre unsere Beziehung wieder gut. Und das Schlimme ist: Ich habe diese Sicht irgendwann selbst übernommen. Ich habe mich zunehmend wie das Problem unserer Beziehung gefühlt.

Genau deshalb habe ich aber auch so starke Schuldgefühle. Denn seine Bedürfnisse waren ja nicht erfunden. Ich war über längere Zeit verschlossener. Ich hatte weniger Lust auf Sex und Körperlichkeit. Ich hatte wenig Energie. Ich habe viel gegrübelt und analysiert. Ich konnte mich an Dingen festbeißen. Ich war manchmal misstrauisch. Ich habe schwierige Themen häufig sehr ausführlich besprochen und gleichzeitig andere Dinge irgendwann gar nicht mehr angesprochen. Ich weiß, dass er sich einsam gefühlt hat und dass ihm meine frühere Energie und Nähe gefehlt haben. Und ich kann verstehen, dass es für einen Partner irgendwann unglaublich anstrengend sein muss, wenn er das Gefühl hat, dass die Beziehung seit Monaten hauptsächlich schwer ist.

Deshalb verfolgt mich gerade der Gedanke, ob ich seine Zeit verschwendet habe. Ob ich viel früher hätte erkennen müssen, dass ich nach allem, was passiert war, in dieser Beziehung vielleicht nicht mehr so heilen konnte, wie ich es gebraucht hätte. Vielleicht hat er geglaubt, wir könnten nach vorne schauen, während ein Teil von mir immer noch auf etwas gewartet hat, das er mir nicht geben konnte. Und vielleicht hätte ich das früher akzeptieren und gehen müssen, statt immer weiter zu versuchen, mich selbst und ihn zu verändern. Ich wollte einfach so sehr, dass es funktioniert.

Und genau in dieser Ambivalenz hänge ich gerade fest: Ich möchte ihn nicht zum schlechten Menschen erklären, damit meine Entscheidung leichter auszuhalten ist. Aber ich möchte auch nicht wieder mich selbst zum schlechten Menschen erklären, damit er der Gute bleiben kann.

Sobald ich mich daran erinnere, was mir gefehlt und wehgetan hat, kommt sofort die Gegenstimme: „Aber er hat doch so viel für dich getan. Er hat sich verändert. Du warst auch schwierig. Vielleicht hättest du dich einfach mehr anstrengen müssen.“ Ich kann diese Ambivalenz gerade ganz schwer aushalten.

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A


Ich bin gegangen, obwohl ich bleiben wollte

x 3


Sakura_
Entschuldigt die langen Texte. Ich muss mir das bloß von der Seele schreiben, sonst frisst es mich echt auf…

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Heffalump
Zitat von Sakura_:
Vielleicht hättest du dich einfach mehr anstrengen müssen

Nein

Du kannst nicht leisten, was er dir nicht geben will.
Es hat nicht sollen sein

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mokka_23
Zitat von Sakura_:
Ich danke euch sehr für euer Mitgefühl, wirklich. Was mir gerade unglaublich schwerfällt, ist, ein ausgewogenes Bild von ...

Ich finde deine Darstellung unheimlich fair und stark.

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DieSeherin
Zitat von Sakura_:
Denn er war nicht einfach ein schlechter Partner. Es gab sehr viel Schönes zwischen uns.

Zitat von Sakura_:
Entschuldigt die langen Texte.


ach süße, ich kann deine innere zerrisssenheit sososooo gut verstehen Tröstender Smiley

und du sollst ihn und eure schöne zeit ja auch als schöne zeit in erinnerung behalten! du weißt aber doch selber, dass es irgendwann diesen bruch gegeben hat und der beziehung einen riss verursacht hat, der wohl nicht mehr zu kitten war/ist.

irgendwann sitzt du sentimental lächelnd da, erinnerst dich an deine erste liebe, an die schönen zeiten, erinnerst dich genau, wie richtig es war, dann auch loszulassen - und frust dich über den mann an deiner seite, bei dem du die frau sein kannst, die du bist!

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Sakura_
Wie lange soll ich ihm Zeit geben, sich zu melden? Er hat noch meine Schlüssel, und seine Sachen sind noch bei mir. Soll ich drauf warten, bis er sie selbst anspricht, oder soll ich uns das bald abnehmen?

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mokka_23
Zitat von Sakura_:
Wie lange soll ich ihm Zeit geben, sich zu melden? Er hat noch meine Schlüssel, und seine Sachen sind noch bei mir. Soll ich drauf warten, bis er ...

Das entscheidest du nach deinen Bedürfnissen. Ich hab damals meinem Ex vier Monate eingeräumt, um den Keller zu räumen und seine letzten Sachen mitzunehmen, aber wir waren 21 Jahre zusammen mit Kids etc. Wenn es sich für dich nun endgültig anfühlt, dann würde ich ihm schreiben, dass du gerne den Schlüssel zurück hättest etc. Du kannst ihm auch ein Abschlussgespräch anbieten, aber nur wenn du das auch möchtest und es sich richtig für dich anfühlt.

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FoolishHeart
@Sakura_

Zwei Varianten:

Schriftlich auffordern, seine Sachen abzuholen und den Schlüssel abzugeben.

Zu ihm gehen, die Sachen hinstellen und den Schlüssel fordern.

Was würdest du lieber tun?

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DieSeherin
Zitat von Sakura_:
Wie lange soll ich ihm Zeit geben, sich zu melden? Er hat noch meine Schlüssel, und seine Sachen sind noch bei mir.


es ist doch gerade mal 4 tage her, dass du gegangen bist... und ich finde, da kannst du solche fragen ruhig noch zurückstellen. die schlüssel brauchst du ja nicht sofort, oder? und braucht er seine sachen ratzfatz? dann wird er sich schon melden.

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Sakura_
Stimmt, es sind erst 4 Tage, das vergesse ich die ganze Zeit. Ich bin grad eigentlich gar nicht sicher in mir selbst und fühle mich auch gar nicht danach, das mit den Sachen zu klären, ich möchte einfach nur diesen Zustand beenden. Ich sitze es erst mal aus, früher später wird er sich schon von selbst melden. Und falls mir doch danach sein sollte schreibe ich ihm deswegen. Die Sachen und mein Schlüssel laufen ja nicht weg.

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A


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