Ich danke euch sehr für euer Mitgefühl,
wirklich. ❤
Was mir gerade unglaublich schwerfällt, ist, ein ausgewogenes Bild von unserer Beziehung zu behalten. Wenn ich aufschreibe, was mich verletzt und was dazu geführt hat, dass ich mich in der Beziehung zuletzt so schlecht gefühlt habe, entsteht schnell ein Bild von ihm, das ihm als Menschen überhaupt nicht gerecht wird. Und dagegen wehrt sich in mir sofort alles.
Denn er war nicht einfach ein schlechter Partner. Es gab sehr viel Schönes zwischen uns. Er war liebevoll, fürsorglich und aufmerksam, hat mir im Alltag viel abgenommen, für mich gekocht, auch wenn er es nicht möchte, sich um mich gekümmert, wenn es mir körperlich schlecht ging, mich zum Lachen gebracht und mir sehr viel Zuneigung gegeben. Wir konnten albern sein, uns nah sein, miteinander lachen und reden. Ich habe mich bei ihm auch sehr geliebt gefühlt. Er hat außerdem in den letzten Jahren viel an sich gearbeitet, Therapie gemacht, sich mit eigenen problematischen Verhaltensweisen auseinandergesetzt und sich in einigen Punkten wirklich verändert. Ich möchte das nicht im Nachhinein aus unserer Geschichte streichen, nur weil es jetzt vorbei sein könnte.
Gleichzeitig gab es Dinge, die mich tief verletzt haben und die wir meines Erachtens nie wirklich gemeinsam repariert haben. Vor allem nach dem damaligen Betrug hatte ich oft das Gefühl, dass er sich sehr stark damit beschäftigt hat, warum er so gehandelt hat, wie schlecht es ihm damit ging und was er an sich verändern muss, aber wenig damit, was das eigentlich in mir hinterlassen hat. Ich hätte mir so oft gewünscht, dass von ihm aus Fragen kommen wie: „Was hat das damals mit dir gemacht? Gibt es Situationen, in denen dich das heute noch einholt?“. Ich hab mir einfach Neugier in dieser Hinsicht gewünscht, den Willen, zu verstehen. Stattdessen war es eher meine Aufgabe, auf ihn zuzukommen, wenn ich Redebedarf hatte, und selbst dann waren die Gespräche inhaltlich nicht so, wie ich es gebraucht hätte. Vielleicht hab ich auch einfach zu viel von ihm verlangt.
Dazu kamen über die Jahre Aussagen und Situationen, die meine Unsicherheit eher verstärkt haben. Bei mir kam irgendwann immer stärker an: Wenn ich endlich wieder leichter, offener, körperlicher, sexueller und weniger unsicher wäre, dann wäre unsere Beziehung wieder gut. Und das Schlimme ist: Ich habe diese Sicht irgendwann selbst übernommen. Ich habe mich zunehmend wie das Problem unserer Beziehung gefühlt.
Genau deshalb habe ich aber auch so starke Schuldgefühle. Denn seine Bedürfnisse waren ja nicht erfunden. Ich war über längere Zeit verschlossener. Ich hatte weniger Lust auf Sex und Körperlichkeit. Ich hatte wenig Energie. Ich habe viel gegrübelt und analysiert. Ich konnte mich an Dingen festbeißen. Ich war manchmal misstrauisch. Ich habe schwierige Themen häufig sehr ausführlich besprochen und gleichzeitig andere Dinge irgendwann gar nicht mehr angesprochen. Ich weiß, dass er sich einsam gefühlt hat und dass ihm meine frühere Energie und Nähe gefehlt haben. Und ich kann verstehen, dass es für einen Partner irgendwann unglaublich anstrengend sein muss, wenn er das Gefühl hat, dass die Beziehung seit Monaten hauptsächlich schwer ist.
Deshalb verfolgt mich gerade der Gedanke, ob ich seine Zeit verschwendet habe. Ob ich viel früher hätte erkennen müssen, dass ich nach allem, was passiert war, in dieser Beziehung vielleicht nicht mehr so heilen konnte, wie ich es gebraucht hätte. Vielleicht hat er geglaubt, wir könnten nach vorne schauen, während ein Teil von mir immer noch auf etwas gewartet hat, das er mir nicht geben konnte. Und vielleicht hätte ich das früher akzeptieren und gehen müssen, statt immer weiter zu versuchen, mich selbst und ihn zu verändern. Ich wollte einfach so sehr, dass es funktioniert.
Und genau in dieser Ambivalenz hänge ich gerade fest: Ich möchte ihn nicht zum schlechten Menschen erklären, damit meine Entscheidung leichter auszuhalten ist. Aber ich möchte auch nicht wieder mich selbst zum schlechten Menschen erklären, damit er der Gute bleiben kann.
Sobald ich mich daran erinnere, was mir gefehlt und wehgetan hat, kommt sofort die Gegenstimme: „Aber er hat doch so viel für dich getan. Er hat sich verändert. Du warst auch schwierig. Vielleicht hättest du dich einfach mehr anstrengen müssen.“ Ich kann diese Ambivalenz gerade ganz schwer aushalten.