Zitat von Frozen-Joghurt:Zunächst mal sei gesagt, deine Art zu schreiben und dich auszudrücken finde ich bemerkenswert. Da steckt viel Talent dahinter. Ich lese bei dir heraus, dass du dir selbst aus irgendwelchen Gründen die Trennung von damals nicht verzeihst und jetzt wahrscheinlich das Gefühl hast, dich dafür "bestrafen" zu müssen, indem du unglücklich bist. Also das, was du über deinen Ex geschrieben hast, klingt so, als wäre eine Trennung das beste gewesen. Horch mal in dich. Denke an den Moment zurück, als du beschlossen hast, die Beziehung zu beenden. Was ...
Liebe Frozen-Joghurt,
deine Worte fühlen sich für mich an wie ein zuversichtliches Lächeln. Ich fühle die Hand, die mich freundlich anstupst. Höre die tröstende Stimme. Danke für das Gefühl einer warmen, flauschigen Decke, die sich in Worten um mich hüllt. Und auch danke für Dein liebes Kompliment.
Es klingt so wundervoll, liebe Frozen-Joghurt, wie Du beschreibst, Dein eigener Freund sein zu können. Dein Lebensbegleiter, der immer bei Dir ist. Diese Stimme die Du in Dir immer hören wirst meinst Du damit die negative Stimme, die Du zwar hörst aber ihr keine Beachtung schenkst... oder eine positive Stimme, die Du Dir angeeignet hast? War das ein langer Prozess für Dich?
Rational weiß ich, dass die Trennung das Beste war. Die Konsequenz aus: ich halte es nicht mehr aus. Ich ertrage es nicht mehr, die treibende Kraft in der Beziehung sein zu müssen, der Motor. Ertrage die Sprachlosigkeit nicht mehr. Die fehlende Meinung. Den fehlenden Austausch, mit der Begründung, ich sei ihm verbal überlegen.
Die Aussage "Ja ich weiß, ich bin faul" zu hören, der noch nicht mal Versprechungen folgten, die sowieso nie gehalten worden wären. Die Berge an für ihn gebügelter Wäsche zu sehen. Diese Stapel, kniehoch, die er nicht bis zum Kleiderschrank zu tragen vermochte und statt dessen das, was er gerade wollte herauszog, so dass der Rest wieder zerknitterte. Das Kinderprogramm, das er oft als adäquates Abendfernsehen empfand.
Das an jeden Satz angehängte "Keine Ahnung". Der Moment in dem ich beschloss, die seit Wochen wuchernde Hecke im Garten zu stutzen, während er seit Tagen auf dem Sofa lag. Mit Blick darauf. Und er irgendwann nach draußen kam und meinte, er würde den Kauf einer Arbeitsbühne ins Auge fassen, damit ich das nächste Mal auch besser an die oberen Bereiche käme. Schweren Herzens dann doch half. Die Nacht, als er weit entfernt unterwegs war und einen Unfall hatte. Mir stundenlang kein Update gab und nicht erreichbar war, weil er das Telefon ausgeschaltet hatte, um Akku zu sparen.
Das Gefühl, als ich den ganzen Tag krank im Bett lag und er nicht ein einziges Mal nach mir sah, ins Fernsehprogramm vertieft.
Der Abend, an dem ich, damals monetär ziemlich klamm, ihn mit meinen letzten 50 EUR zum Essen einlud und er sich zwei Vorspeisen zur Hauptspeise dazu bestellte. Der mehr als unglücklich formulierte Witz, ich könnte das Geld das er mir geliehen hatte, ja auch "anders" abbezahlen. Und ja, der Humor, der die ganze Welt zum Lachen brachte, sich aber irgendwann als einzige Kommunikationsform herausstellte.
Der Tag, als ich ihm das Herz herausriss und seinen besten Freund, eines der Haustiere, das nachts immer in seinen Armen schlief, weggeben musste. Weil es in den sechs Monaten zuvor ununterbrochen Möbel, Einrichtung und Substanz, Wände, Gardinen, einfach alles zerstörte und offensichtlich unglücklich war. Kein Tierarzt, kein Medikament, keine Pflanzen, kein noch so tolles Wundermittel half. Er während er die Hälfte der Zeit gar nicht da war. Und die andere Hälfte der Zeit lange abwägen musste, wessen Wohl ihm wichtiger wäre, das der Haustiere oder meines. Ihn meine Nervenzusammenbrüche, meine Schwäche, das ihm zuliebe nicht weiter aushalten zu können, verletzten. Und mir nie verzieh, obwohl ich ebenso litt wie er, am ganzen Körper zitternd und allein im Tierheim. Schreiend im Auto auf der Fahrt zurück.
Das ist so unglaublich viel und doch nur ein Auszug. Der ausreicht um ganz deutlich zu sehen, dass die Augenhöhe sich verschoben hatte. Ich war keine Partnerin mehr.
Das Rationale, das Zerbrochene, der Grund das ist das eine. Dem gegenüber steht das, was er einst war. Was wir waren. Es gab viele Jahre nicht einen Tag, an dem er mich nicht zum Lachen brachte. Meinen Intellekt überraschte. Mir jeden Wunsch von den Lippen ablas. Fürsorglich war. Engagiert. Bei mir blieb obwohl ich so viele Baustellen hatte, um die herum ich mir einen gewaltigen Schutzpanzer anfutterte. Mich unterstützte, egal welche Flausen mir gerade wieder durch den Kopf gingen. Mich annahm, wie ich war.
Ich traue mich nicht, den gut gefüllten Kelch leer zu trinken. Denn das, was im Boden eingraviert steht, will ich nicht sehen, es nicht wahrhaben: Ich vertraue mir selbst nicht. Meiner Wahrnehmung nicht.
Womit wir wieder beim Thema Selbstliebe wären.