Liebe Giorgio,
ich glaube das Beziehungsproblem, das du festgestellt hast ist wie so oft im Leben durch beide Beteiligten verursacht.
Wahrscheinlich ist dein Freund tatsächlich nicht ausreichend genug in der Lage Verantwortung für sich selbst und damit auch für andere zu übernehmen.
Als erwachsener Mann häufiger berufliche Termine nicht auf die Kette zu bekommen ist in meinen Augen ein deutliches Indiz dafür. Das ist ein anderes Kaliber als eine unordentliche Wohnung (die allerdings ein zusätzlicher Hinweis auf mangelnde Selbstfürsorge = 'Übernahme von Verantwortung für sich selbst' sein kann), denn er liesse dadurch seine Kunden hängen und würde das Unternehmen seines Vaters schädigen wenn dieser das zulassen würde (die Art und Weise wie sein Vater damit umgeht, indem er deinen Freund wie einen Teenager an seine Verpflichtungen erinnert statt für sich/das Unternehmen entsprechende Konsequenzen zu ziehen spricht für mich Bände bei der Frage woher dieses Verhalten deines Freundes rühren könnte).
Ich finde da schlägt dein Bauchgefühl zu recht an. Da zu sagen "geht mich ja eigentlich nichts an, ist ja sein B., ich muss ihn selber machen lassen" lässt für mich die Tatsache, dass seine Unzuverlässigkeit sich negativ auf andere auswirkt völlig außer Acht. Mit jemandem, der den Schaden anderer durch eigenes eigentlich leicht vermeidbares Verhalten billigend in Kauf nimmt möchte ich zumindest keine engere Beziehung welcher Art auch immer pflegen.
Und ich kann mir nicht vorstellen, dass sich diese Eigenschaft deines Freundes nicht auch auf andere Lebensbereiche erstreckt. Ich denke das würdest du spätestens dann merken, wenn ihr beide zusammen irgendwann echte Verantwortungen in eurem gemeinsamen Leben übernehmen würdet (nur ist es dann ein bisschen spät, dann hat man eben diese Verantwortung, so schnell und einfach kommt man da oft nicht mehr raus (bei Kindern nie) und du wärst dann wohl diejenige, die das wohl oder übel trägt).
Deine eigenen Baustellen hast du ja selbst auch schon gut reflektiert, ich denke auch das Stichwort ist hier Kontrolle (Perfektionismus, selber machen wenn es "richtig" sein soll etc. sind in meinen Augen nur die Symptome).
Deine Befürchtung zur Mutti zu werden während er (dadurch) immer unselbständiger wird halte ich für sehr realistisch.
Als erstes geht dann die Anziehung flöten, das schiebt man eine ganze Weile auf die Kinder (und/oder andere gemeinsam übernommene Verantwortungen) und den damit einhergehenden Stress... und das Drama nimmt seinen Lauf. Am Ende bleibt kaum noch genug gegenseitige Achtung übrig um nach der Trennung wenigstens eine respektvolle, wertschätzende Elternebene zu finden.
Alles zu Hauf auch hier im Forum nachzulesen
😞Ich denke außerdem, dass es sich für dich lohnen könnte einen ehrlichen Blick darauf zu werfen was dein Kinderwunsch mit dir macht.
Das ist eine immens starke Triebfeder, die man nicht unterschätzen sollte und die für ein Wegsehen bzw. Umdeuten sorgen kann, weil ja "sonst alles soo gut passt", man vermeintlich die Nadel im Heuhaufen gefunden hat. Das ist ist sehr tricky, da man meint gut reflektiert den Problemen auf den Grund zu gehen indem man - ggf. auch schwierige/komplexe - Beziehungsprobleme erdenkt, die aber lösbar sind. In Wahrheit richtet man dabei aber den Blick vorbei an den echten Baustellen, es ist der Trieb, der aus einem spricht, einen dazu treibt lösbare Probleme zu erdenken für das was man nicht sehen möchte.
Ein Dilemma. Eventuell könnte es hier hilfreich sein wenn du überlegst ob es für dich einen alternativen Lebensplan geben könnte, einen der unabhängig von einer funktionierenden Liebesbeziehung ist (zB. Coparenting).
Du bist offensichtlich sehr reflektiert und ich mutmaße mal (oder hoffe zumindest), dass du dir einen Partner gesucht hast, der da ähnlich tickt, bzw. ähnliches Potential hat.
Vielleicht schafft ihr es jeder für sich und miteinander aneinander zu wachsen und eine Beziehung auf einem Level, in einer Tiefe zu führen wie sie wohl nicht viele Menschen haben, statt euch zu trennen (jetzt oder nachdem ihr das Muttidrama durchlaufen habt).
Ein schweres Pfund in so früher Kennenlernzeit (nicht krumm nehmen, alles unter ca. 3 Jahren Beziehung ist für mich Kennenlernzeit

), aber auch wieder nicht wenn man beachtet, dass jeder von euch für sich diesen Prozess sowieso durchlaufen müsste um irgendwann mit irgendwem eine wirklich erfüllte Partnerschaft auf Augenhöhe und ohne Herumtriggereien zu führen (vorausgesetzt meine Vermutungen treffen zu), warum dann nicht gemeinsam schauen wie weit man kommt?
Ihr müsst dem jeweils anderen zum jetzigen Zeitpunkt ja nicht gleich jeden Abgrund offenbaren, der sich dabei vielleicht in euch zeigt, letztendlich sind es ja sowieso wie immer die Taten, die zählen (also die aus euren Erkenntnissen resultierenden Verhaltensänderungen)
ERzählen kann man sich später immer noch alles wenn es denn gut geht.
Ich zumindest wünsche dir von Herzen, dass es gut geht mit euch beiden, egal ob meine Vermutungen zutreffen oder nicht.
LG
Lumi