Giorgio88
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da ihr mir schon einmal die Augen geöffnet habt, hoffe ich auch diesmal auf euren Rat. Vielleicht könnt ihr mir helfen einen anderen Blickwinkel einzunehmen.
Meine letzte richtige Beziehung liegt jetzt 2 Jahre zurück. Mein Ex war ein sehr intelligenter aber auch sehr dominanter und "kühler" Mann, mit dem ich lange unglücklich war. 3 Jahr lang habe ich mich verbogen und meine Bedürfnisse verläugnet, um die Beziehung am Laufen zu halten. Es hat lange gedauert bis ich verstanden habe, dass nicht ich das Problem bin, sondern dass wir einfach nicht zusammenpassen. Danach habe ich mir geschworen NIE WIEDER eine solche Beziehung einzugehen und lieber allein zu bleiben, bevor ich mich wieder verbiege und zu viele Kompromisse mache. Bis auf einen riesen "Auf-die-Fresse-Faller" (siehe mein erstes Thema) bin ich seit dem Single. Ich komme gut klar, wünsche mir aber einen Partner an meiner Seite und würde auch gern mittelfristig eine Familie gründen.
Vor 4 Monaten habe ich dann einen netten Mann über das Internet kennengelernt. Wir sind jetzt 2 Monate zusammen und im Grunde läuft es richtig gut. Er ist einfühlsam, hilfsbereit, ich kann mich 100%ig auf ihn verlassen und er nimmt mich wie ich bin. Darüber hinaus ist er ein totaler Familienmensch, was mir sehr wichtig ist. Man könnte also meinen: 6er im Lotto. Aber wie das immer so ist, stellt man nach und nach auch Macken beim anderen Fest und die rosarote Brille rutscht etwas herunter. Eigentlich nicht weiter schlimm aber ich gerate regelrecht in Panik, dass ich wieder den falschen erwischt haben könnte und versinke im einem negativen Gedankenstrudel, der alle Verliebtheitsgefühle auszulöschen droht. Ich muss dazu sagen, dass ich mich allgemein sehr gut in (negative) Gedanken und Unglücksszenarien hereinsteigern kann und immer alles "zerhirne".
Das schlimmste dabei ist, dass ich mich ihm irgendwie "überlegen" fühle (ganz plötzlich, nicht von Anfang an) was dazu führt, dass ich in einer Art "Mutter-Rolle" schlüpfe, die mich selber total nervt. Ich bin beruflich erfolgreich, ehrgeizig und perfektionistisch. Außerdem bin ich extrem organisiert und strukturiert. Er ist da eher das genaue Gegenteil. Er ist total chaotisch (seine Wohnung gleicht einem Schlachtfeld) und beruflich eher der "gemütliche" Typ. Er übernimmt mal einen sehr gut gehenden Betrieb von seinem Vater, hat diesbezüglich aber 0 Anspruch und Ehrgeiz. Sein Vater muss oftmals eingreifen, weil mein Freund Termine vergisst, Rechnungen falsch schreibt usw. Ich kriege das gelegentlich mit und erwische mich dann bei solchen Gedanken wie "Das kann doch nicht so schwer sein, was macht der denn da den ganzen Tag?". Dafür schäme ich mich dann sehr. Außerdem fange ich dann ständig an, mich bei ihm einzumischen und ihn an Dinge zu erinnern, die mich eigentlich nix angehen, was ihn (verständlicherweise) total nervt. Letztens sagte er schon, dass er vorher auch ohne mich überlebt hat und dass ich seine Probleme bitte nicht zu meinen machen soll.
Ich finde er hat damit total recht aber ich komme aus dieser Gedankenspirale irgendwie nicht mehr raus und habe Angst, dass ich durch diese "Mutter-Rolle" nach und nach den Respekt vor ihm verlieren werde. Immer wenn ich mitkriege, dass schon wieder irgendwas schief gelaufen ist oder wenn er irgendeinen Zusammenhang mal nicht so schnell rafft wie ich, male ich mir Horrorszenarien für die Zukunft aus (ich muss mich um alles kümmern, er fährt die Firma vor die Wand usw.) und rede mir ein, dass wir nicht auf Augenhöhe sind. Ich vergleiche ihn mit den Männern meiner Freundinnen, die allesamt Typ "Karrieremann" sind und stelle diese auf einen Thron. Dabei weiß ich, dass es auch dort Probleme gibt (Männer arbeiten zu viel, kümmern sich zu wenig um die Kinder usw.). Außerdem hatte ich den Typ "Alphamann" schon mal und das hat mir gar nicht gut getan.
Ich fühle mich überheblich und schäme mich für meine Gedanken. Außerdem frage ich mich, wieso ich mich nicht einfach auf das konzentrieren kann was ich an ihm so mag. Es gibt so viele Dinge, die er viel besser kann als ich. Daher ergänzen wir uns eigentlich total gut. Wieso kann ich ihn nicht akzeptieren und mögen wie er ist und seine Stärken schätzen? Sind das so Glaubenssätze, die aus der traditionellen Rollenverteilung resultieren? Ich habe das Gefühl, dass meine Angst vor einem erneuten "Fehlgriff" in eine Art "Überperfektion" umgeschwenkt ist und ich jetzt den Karrieretyp suche, der alles weiß und alles kann und trotzdem immer zu Hause ist und Zeit für die Familie hat. Dazu am besten noch 3 Ehrenämter und ein Bundesverdienstkreuz. Also die eierlegende Wollmilchsau
Mein Freund wird z.B. mal ein grandioser Familienvater sein – da wäre er mit totalem Herzblut dabei. Aber wenn er dann sowas sagt wie: du kannst später gern Arbeiten gehen, ich kümmere mich um die Kids, unterstelle ich ihm innerlich sofort wieder, dass er chillen will, während ich die Kohle ranschaffe. Dabei hat er letztens erst gesagt wie wichtig er das findet, dass die Frau unabhängig bleibt und dass er seine Partnerin immer darin unterstützen möchte. Und dass er bewundert, dass ich so engagiert und ehrgeizig bin. Da hab ich mich erneut wahnsinnig schlecht gefühlt. Männer, die so bedingungslog hinter ihrer Partnerin stehen und sogar zugeben können, dass sie ihnen in manchen Belangen überlegen sind, findet man sicher nicht an jeder Ecke.
Wie komme ich da wieder raus? Er ist so ein toller Mann und ich möchte ihn wieder stolz und glücklich betrachten können.