Ich habe mir damals die 24-h-Regel gemacht. Wenn ich wieder den drängenden Wunsch verspürte, mich bei ihm zu melden, sagte ich mir: Nein, nicht jetzt! Ich warte 24 Stunden und wenn der Drang dann immer noch so groß ist, kann ich es mir überlegen.
Oft war der Wunsch nach dieser Zeit verschwunden oder aber ich verlängerte um weitere 24 Stunden. So habe ich diese Anfälle in den Griff gekriegt.
Du liest dich sehr gestresst und überfordert und wenn du so weiter machst, kennst du dich irgendwann nicht mehr mit dir selbst aus, denn jeder Stress bedeutet ja auch eine massive Änderung im Hormonhaushalt. Zu viel Stress, ständiges Gedankenwälzen über dieses Thema, ständige Selbstgeißelungen und Abwertungen bringen dich nicht weiter, stressen dich aber auch körperlich..
Bitte gehe ein wenig pfleglicher mit dir um und sag dir: ich bin jetzt so was wie ein Pflegefall, ein verletztes Reh und muss gut mit mir umgehen. Überfordere dich nicht, denn das bedeutet nur noch mehr Stress.
Gönn dir deine Auszeiten . sogar viele davon. Setz dich auf eine Parkbank, beobachte Kinder, Vögel, Blumen, alles was ein wenig positive Gefühle hervorruft. Oder setz dich in eine Kirche, die meist neben der Kühle, die sie bietet, eine wunderbar beruhigende Wirkung hat. Setz dich hin und lass das auch dich wirken und versuche nicht an die Beziehung zu denken, sondern im Hier und Jetzt zu sein und dir zu sagen, ich gönne mir jetzt Ruhe und all die Heiligen, die mal gelebt haben, hatte auch ihr Päckchen zu tragen und wurden bessere Menschen. . Schieb die Gedanken an ihn weg und finde Mechanismen, ruhiger zu werden, z.B. durch Entspannungstechniken, Atemtechniken und tue dir bewusst was Gutes.
Selbstachtsamkei wäre jetzt angebracht anstatt Selbstgeißelungen, denn ändern an der Vergangenheit kannst du auch nichts.
Jeder Kontakt ist schädlich und wirft dich im Ablösungsprozess zurück und der ist wirklich hammerhart. Wieder bekommen die Gefühle neue Nahrung, womöglich neue Hoffnung und quälen Dich, Du musst sie auf Diät setzen, dann gewöhnen sie sich am ehesten um. Dauert zwar dennoch Monate, aber ständig dieselben Runden zu drehen, bringt dich nicht weiter.
Wenn der ärgste Stress vorbei ist, kleine Erfolge bemerkbar sind (Oh mein Gott, ich habe jetzt mal 2 Stunden nicht an ihn gedacht, wie kann das sein?!), dann kannst du ganz allmählich die Beziehung Revue passieren lassen. Besser wäre es, noch länger zu warten, bis die Gefühle nicht mehr so beeinflussbar sind, denn aus der (emotionalen) Ferne sieht man besser. Man kann sich dann wie ein Zuschauer dieses traurige Zwei-Personen-Stück wie ein Schauspiel ansehen und kann auch Mechanismen erkennen. Jede Aktion des einen zieht meist eine Reaktion des Partners nach sich.
Scheitern gehört zum Leben, denn in jedem Scheitern liegt eine Chance. Die Chance, daran zu wachsen, Erfahrungen zu machen und in der Zukunft andere Schwerpunkte zu setzen. Insofern sollte man Krisen sogar begrüßen, aber das schafft keiner. Aber hinterher kann man sich sagen, ich habe es geschafft und kenne mich jetzt besser. Ich wei, dass ich kein Opfer meiner Emotionen sein muss wie früher, sondern dass ich sie auch mal steuern kann, anstatt dass sie mich überrollen wie ein Tsunami.
Was meiner Meinung nach eminent wichtig wäre, dass Du eine Rückschau zulässt. Nicht auf ihn, denn er ist im Grund genommen uninteressant, weil er nur ein Spiegel deiner Defizite ist, aber auf Lebenserfahrungen, die du schon in der Kindheit gemacht hast.
Als Kind lernst du wahnsinnig viel, du schaust dir die Welt an, deine Eltern, Geschwister, Großeltern und lernst dadurch, wie das Leben funktioniert. Im Guten wie im Schlechten. Aber genau da liegt der Ursprung vieler Defizite, die in einem begraben liegen und doch weiter wirken und dann gerade in Beziehungen wieder abgespult werden.
Deine Seele leidet, sie wurde nicht sonderlich von dir beachtet, weil du ja immer mit ihm oder etwas Anderem beschäftigt warst. Sie wird nicht wahrgenommen, ja sogar weggeschoben. Geh weg, ich mag dich nicht, lass mich in Ruhe. Genau das tut die Seele aber nicht, denn sie will dich darauf hinweisen, wo deine Probleme liegen und dann schickt sie dich genau in die Situationen, wo du genau das wieder fühlst und wieder nachlebst. Weil die Seele glaubt, in der Wiederholung liegt die Chance zur Heilung, denn wenn es jetzt das Happy end gibt, dann bin ich endlich mal ruhig und entspannt.
Da du aber selbst von Defiziten geplagt defizitäre Partner anziehst, klappt das nicht. Die Chance auf eine Heilung liegt nicht in einer anderen Person, sondern in dir selbst., denn es geht hier ja um dich und da kann kein anderer hneinschauen.
Fang in deiner Kindheit an und erinnere dich an Situationen wo du genau die Gefühle gefühlt hast, die du in der Beziehung gespürt hast. Du kennst sie. Meist sind es Ängste, Verlustängste aufgrund schlechter Erfahrungen. Und dann schau dich heute an. Der Unterschied zwischen der Fünfjährigen von damals und der Frau von heute ist gar nicht so groß. Das Kind wurde zwar groß, aber die Verletzungen blieben und wirken sich im späteren Leben aus.
Aber jetzt wäre erst mal mehr Selbstachtsamkeit gefragt. Stressabbau, Vorwürfe, Gedankenmühlen nicht zulassen, wäre wichtig. Denn ansonsten gehst du noch gesundheitlich vor die Hunde.
Und du hast ja Zeit , viel Zeit zum Nachdenken und Nachfühlen und zum Erinnern, was auch sehr schmerzhaft ist. Für die Heilung deiner Defizite bist du allein zuständig, aber ein guter Theraupeut kann dich dabei begleiten. Traumatherapie wäre vermutlich angesagt. Aber alles schonend und der Reihe nach.
Heute hast du dich genug gegeißelt und gequält und gönnst dir jetzt was. Ruf halt Sandra an und ihr geht ein Eis essen, aber er, dein Hauptthema, ist heute nicht dran. Denn heute ist mal Spaß, Genuss, Entspannung angesagt.
Du magst dich nicht sonderlich, auch etwas, was man lernen muss und kann, wenn man es früher nicht gelernt hat bzw. es einem nicht vermittelt wurde, dass man liebenswert ist. Aber ohne Selbstliebe keine Liebe. Und Liebe lässt den anderen auch frei, ihn seinen Weg suchen. Krampfhaftes Festhalten, das sich-in-eine Person-verbeissen wie ein Terrier, dient nur dir selbst und ist daher Egoismus.