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Ich habe ihn zerstört und lasse ihn jetzt nicht gehen

SadPotato

SadPotato
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Hallo in die Runde,

nachdem ich seit Wochen mein Umfeld belaste und einfach selber merke, dass ich nicht weiterkomme, habe ich mich hier registiert und möchte euch von meiner extrem schmerzhaften Trennung erzählen.
Ich möchte in vielen Punkten gar nicht so sehr ins Detail gehen, aber bin für jede Frage offen.

Ich war jetzt knapp zwei Jahre mit meinem Partner zusammen. Davor war ich fast 7 Jahren in einer ziemlich langweiligen Beziehung, die mich schon lange unglücklich gemacht hat. Ich habe mich damals getrennt, weil ich meinen neuen Partner kennengelernt habe. Er war das komplette Gegenteil von meinem Ex und ich habe mich unfassbar schnell verliebt.
Ich hatte das Gefühl in ihm endlich gefunden zu haben, was ich mir immer gewünscht habe. Er ist ein unglaublicher, vielschichtiger, offenherziger Mann und ich habe mich durch die Beziehung unfassbar weiterentwickelt. Ich bin durch ihn zu einem anderen, besseren Menschen geworden und die Dinge, die wir erlebt haben, werden mich für immer prägen.
Allerdings haben auch schnell die Probleme begonnen und wir gerieten in eine typische Nähe-Distanz-Problematik (Ich Nähe, Er Distanz) die dafür sorgte, dass ich ihn immer mehr unter Druck gesetzt habe und er immer mehr das Weite gesucht hat.
In jetzigen Gesprächen die wir geführt haben habe ich gemerkt, dass extrem vieles behebbar gewesen wäre mit besserer Kommunikation aber auf der anderen Seite wir auch sehr verschiedene Menschen sind. Während ich auf der einen Seite sehe, dass es zu spät ist für weitere Gespräche sehe ich auch, dass wir rational vielleicht nicht füreiander sind, aber praktisch kann ich es einfach nicht wahrhaben wollen nach allem, was er mich hat fühlen lassen.

Während der Beziehung habe ich auch "endlich" immer mehr Probleme angefangen zu realisieren und zu reflektieren, die ich schon mein ganzes Leben lang habe, was in einer lebensverändernden psychischen Diagnose geendet ist. Ich bin auch in Therapie und kämpfe momentan sehr hart dafür, meine Probleme in den Griff zu bekommen und arbeite sehr viel daran. Aber meine Therapie ist auch keine Paarberatung. Ich bin dankbar, dass ich die Probleme durch diese Beziehung endlich realisieren konnte, das ist sehr schmerzhaft aber auch sehr wichtig für mein weiteres Leben.

Vor ca. 6 Wochen hat er sich dann von mir getrennt nach immer härter werdenden Konflikten, viel emotionaler Manipulation meinerseits und fehlender Kraft von ihm, weiter in diese Beziehung zu investieren. Ich stehe gerade für viele Fehler, die ich gemacht habe, weiß aber auch, dass alles niemals nur meine Schuld sein wird.
Gleichzeitig berichtet er, dass mein Umgang mit ihm dazu geführt hat, dass er sich nicht mehr wie er selbst fühlen kann, er extrem emotional verletzt ist und inzwischen sogar fast Angst vor mir hat, weil er jedes Mal einen neuen Konflikt wittert wegen jeder Kleinigkeit.
Leider ist es nun so gekommen, wie es kommen musste: Ich kann seit 6 Wochen die Trennung auch nicht akzeptieren, habe ihn immer angefleht zu bleiben, ihn kleingehalten und ihn so lange manipuliert, bis er nachgegeben hat und bei mir geblieben ist. Das hat jetzt geendet in 6 Wochen extrem manipulativer, ungesunder Trennungsdynamik, die ihn letztlich wahrscheinlich endgültig von mir weggetrieben hat. Shame on me.
Jetzt langsam realisiere ich den ganzen psychischen Stress, den ich ihm zugefügt habe und ich weiß, dass er einfach nur am Boden liegt, keine Kraft mehr hat und keine Luft mehr zum Atmen. Wie gesagt, ich arbeite momentan in einer Therapie daran, aber der Schmerz, den mein eigenes Verhalten in mir auslöst ist einfach unendlich groß. Ich glaube keiner wird das wirklich nachvollziehen können, wie ich mich fühle, dass ich die Person, die ich liebe immer wieder so behandle.

Nun zu meinem eigentlichen Problem für dieses Forum:
Wie schaffe ich es, ihn endlich los zu lassen? Er hat mir mehrmals gesagt, dass er mich unendlich liebt, aber dass er diese Beziehung (verständlicherweise) nicht mehr führen kann. Er will die Beziehung führen, aber alles, was zwischen uns passiert ist hindert ihn daran, das je wieder zu können, obwohl er mich liebt. Er will Abstand, einen Neuanfang ohne mich und er hat die Beziehung aufgegeben und sagt auch damit abgeschlossen. Es geht ihm extrem schlecht und er vermisst mich jede Minute, aber er kann nicht mehr.
Ich hingegen habe einfach nur Angst. Mir reißt es den Boden unter den Füßen weg, mir mein Leben ohne ihn vor zu stellen. Ich kann mir nicht vorstellen alles zu verlieren, was ich durch ihn endlich erleben durfte. Es macht mich einfach krank. Gleichzeitig weiß ich, dass ich ihn endlich gehen lassen muss. Ich will unbedingt, dass er endlich gehen kann und ihn nicht mehr daran hindern. Aber ich spüre jetzt schon wieder den Drang, es weiter zu probieren und ihn wieder zu überzeugen, obwohl er mir schon unter Tränen fast flehend gesagt hat, dass ich ihn endlich in Ruhe lassen soll.
Aber ich liebe ihn und deshalb weiß ich, dass es aufhören muss. Ich will den Menschen den ich liebe nicht weiter so behandeln. Es bricht mir das Herz ihn wegen mir so am Boden liegen zu sehen. Ich weiß, wenn ich so weiter mache, wird er ernsthafte Probleme kriegen - wenn er die nicht schon hat.
Wie schaffe ich es stark zu bleiben? Wie schaffe ich es, ihn endlich los zu lassen? Wie schaffe ich es hart zu mir selbst zu bleiben? Ich will ihn nicht länger festhalten, auch, wenn es mich innerlich zerreißt - das muss jetzt aufhören.

Ich weiß, es klingt alles, als wäre ich ein schrecklicher Mensch, aber das bin ich nicht. Psychische Probleme lassen sich nicht immer rational erklären und glaubt mir, meine Schuldgefühle zermürben mich. Aber ich brauche Tipps, wie ich es jetzt schaffen kann, mich auf mein Leben ohne ihn zu fokussieren und ihn endlich gehen zu lassen. Ich will das schaffen! Für ihn.

x 6 #1


Neboolah
Da ist jetzt guter Rat teuer. Da ich nicht weiß was du für eine psychische Erkrankung hast. Hast du ein Umfeld das dich stützen kann ? Denn eigentlich solltest du erstmal den Kontakt zu ihm komplett einstellen das er Zeit hat zu heilen.

#2


A


Ich habe ihn zerstört und lasse ihn jetzt nicht gehen

x 3


SadPotato
@Neboolah Oh ja, sorry. ganz vergessen. ADHS und es steht noch ne Angststörung im Raum.

Ich weiß, dass ich den Kontakt einstellen muss, aber ich weiß einfach nicht wie ich das schaffen soll. Ich habe so Angst davor. Ich habe ein sehr gutes Umfeld für dass ich sehr dankbar bin. Die stützen mich auch sehr, aber gezwungenermaßen ist man ja manchmal alleine und wenn ich alleine bin, fange ich an sch. zu bauen.

#3


bifi07
@SadPotato
Vielleicht hilft es dir zu denken, dass du es "für euch beide" tust, denn es geht dir ja nicht gut dabei ihn leiden zu sehen, was sich nicht ändern würde, würdest du mit deinem Drängen Erfolg haben.
Wenn ihr füreinander bestimmt seid, habt ihr vielleicht noch mal eine Chance, wenn genug Zeit vergangen ist und du deine Therapie erfolgreich abgeschlossen hast.

x 1 #4


SadPotato
@bifi07 er spricht davon in zwei Monaten sich nochmal zu treffen und zu schauen, was bis dahin ist und wie es weitergehen soll. Er stellt mir aber eher eine Freundschaft in Aussicht und sagt, ich soll nicht darauf warten und hoffen, dass er die Beziehung wieder führen will. Ich hingegen habe auch Angst, dass er bis dahin eh schon jemand neues gefunden hat... total dumm ich weiß

#5


B
Zitat von SadPotato:
Aber ich liebe ihn

Woran machst du deine Liebe fest, am Festhalten oder am Loslassen?

#6


E-Claire
Willkommen im Forum.

Es gibt keinen Trick. Es gibt keine besondere Technik. Es gibt keine Abkürzung. Es gibt nicht den Grund und dann hast Du es verstanden.

Du schaffst es, in dem Du Dich dazu entschließt, es schaffen zu wollen. Sekunde um Sekunde, Minute um Minute, Stunde um Stunde und Tag um Tag.

Schau, es geht nicht darum, daß Du ihn loslässt, damit umgehst Du ja, wo der Schmerz sitzt; es geht darum, daß Du von jetzt an, so lange es eben dauert, daran arbeiten musst zu akzeptieren, daß die Beziehung vorbei ist.
Dabei ist es sicher hilfreich, so fern Dir das schon möglich ist, Deine eingeübten Strategien bzw Manipulationen hinter Dir zu lassen, denn, wenn man zB eine Sucht überwinden möchte, dann geht das nur, weil man es für sich selbst tut.

Du musst Dir darüber klar werden, daß, was auch immer ihr hattet, nicht mehr zu reparieren ist. Daß Liebe manchmal, egal wie sehr man das wünscht, nicht reicht und daß das einzige, was man tun kann, ist, einen Schritt in eine noch unbekannte Zukunft zu machen.

Nicht seinetwegen, sondern Deinetwegen.

x 6 #7


N
Liebe SadPotato,

erstmal großen Respekt an Dich, dass Du Dich hier so vulnerabel machst und eine der wenigen bist, die nicht den leichten Weg gehen, die Fehler dann irgendwie doch auch bei anderen zu sehen.

Zitat von SadPotato:
Wie schaffe ich es stark zu bleiben? Wie schaffe ich es, ihn endlich los zu lassen?

Da kannst Du Dir alles zum Thema Rauchstopp durchlesen.
So wie Du es beschreibst, scheinst Du Dopamin-Dysbalancen an ihm abreagiert zu haben. Also kannst Du Dich auch zu Ernährung und Skills bei Dopaminmangel schlau machen.

Zitat von SadPotato:
Aber ich liebe ihn und deshalb weiß ich, dass es aufhören muss.

Affirmationen: Weil ich ihn liebe, lass ich ihn sein.
Weil ich mich liebe, möchte ich nicht mehr so sein.

Zitat von SadPotato:
aber der Schmerz, den mein eigenes Verhalten in mir auslöst ist einfach unendlich groß.

Das kann ich verstehen und finde es mutig, dass Du Dich dem stellst.
Kannst Du Dir Dein eigenes Handeln wie einen Autounfall vorstellen, bei dem Du Täter bist und andere Opfer? Auch diese Menschen müssen lernen, mit ihrer Schuld zu leben. Eine Haltung zu den Opfern zu finden, die nicht ihrer Entlastung dient. Sich selbst die Unaufmerksamkeit oder den Egoismus zu verzeihen, der zu der Verletzung geführt hat. Und danach noch intakt oder sogar intakter und weniger schädlich durchs Leben zu gehen.

Zitat von SadPotato:
Mir reißt es den Boden unter den Füßen weg, mir mein Leben ohne ihn vor zu stellen.

Und das ist ein Fehlglaube, den Dir Dein Gehirn einredet, weil Du gerade unter Dopaminmangel leidest und Dich das von Dir verursachte Trauma an ihn bindet und Du auch etwas wieder gut machen möchtest.

Aber tatsächlich ist jeder Mensch und jeder Liebe am Ende des Tages ersetzbar. Wäre ja auch fürchterlich, wenn es anders wäre. Und sicherlich verengen wir, wenn wir lieben, unseren Blick auf diese eine Person und sehen niemand anderen mehr. Aber tatsächlich sind da draußen ganz viele Menschen, mit denen Du kompatibel bist. Ein Leben ohne ihn ist also tatsächlich vorstellbar, wenn Du den Fokus von ihm wegnimmst.

Vor allem, weil Du ja gerade auf einem Weg der Selbsterkenntnis und der Persönlichkeitsentwicklung bist, ist dieser Mann schon längst nicht mehr das, was er für Dich war, weil Du eben nicht mehr die gleiche bist. Daher wäre es jetzt auch fatal, wenn Du jetzt mit jemand anderem zusammen kämst. Denn fertig bist Du ja noch nicht und kannst auch nicht wollen, dass jemand Dich so liebt, wie Du gerade bist, weil es ja noch eine viel bessere Version von Dir geben wird, sobald Du Deinen Weg der Aufarbeitung gegangen bist.

Vielleicht ist es an der Zeit, Deine Liebe in andere Richtungen zu lenken, z.B. zu Familie, Freunden oder einem Haustier. Oder zu Dir selbst.

Ich wünsch Dir alles Gute!

x 12 #8


Usambara
Kannst du dich daran erinnern das du bereits ohne ihn gelebt hast bevor du ihn kennenlerntest.

Du kannst also ohne ihn leben. Mit Sicherheit.

Du stirbst nicht ohne ihn. Das musst du dir klar machen.

Das ist emotionale Abhängigkeit und keine Liebe.

An besten ist es den Entzug zu machen. Kein Kontakt, kein Stalking in social Media, kein gucken ob er online ist. Einfach Null Kontakt und auf dich fokussieren.

Du bist eine erwachsene Frau die ganz allein für sich leben kann, für sich sorgt kann und es auch schafft durch schwere Zeiten zu gehen.

Schuldgefühle sind gut, sie bewahren uns manchmal davor noch mehr Dummheiten zu begehen damit es uns hinterher nicht noch schlechter geht.

Kümmere dich um dich in erster Linie selbst. Das ist das wichtigste was du tun kannst.

Du als Erwachsene Frau wirst ohne ihn nicht untergehen. Auch wenn drine Gefühle dir etwas anderes suggerieren. Das hat überhaupt nichts mit der Realität zu tun.

Hier, heute jetzt kannst du lebrn nur für dich und du gehst ohne ihn nicht Zugrunde. Das ist nur der Entzug der dich das fühlen lässt. Es ist nicht die Realität.

x 6 #9


SadPotato
@E-Claire @Nalf Danke für eure Lieben Worte, die treiben mir gerade wirklich Tränen in die Augen. Es ist einfach unfassbar schmerzhaft, diese ganze Selbsterkenntnis, die leider auch mit viel Selbsthass einhergeht, sowie diese ganzen Vereltzungen zu ertragen. Es zerreißt mich innerlich und hinterlässt mich in Selbstzweifel.
Gerade der Part mit dem Dopamin catcht mich besonders, da ich ADHS haben und das ja ein riesiges Thema ist. Es ist echt so eine sch. Diagnose, mein Leben hätte anders verlaufen können, hätte ich das früher gewusst. Das kann man leider nicht schön reden...

Ich habe einfach Angst, dass ich ihm wieder zusetzen werde. Dass er wieder flehend vor mir steht und ich auf ihn einrede. Dass ich wieder seine Grenze überschreite. Ich habe Angst vor mir selbst....
Zitat von Nalf:
Affirmationen: Weil ich ihn liebe, lass ich ihn sein.
Weil ich mich liebe, möchte ich nicht mehr so sein.

Das tut weh. Ich würde ihn am liebsten in den Arm nehmen und ihm einfach zeigen, wie uendlich leid mir alles tut und was ich alles geben würde dafür, es besser zu machen. Es ist hart für mich zu akzeptieren, dass ich das nicht mehr kann.

x 3 #10


SadPotato
@Usambara Danke für deine lieben Worte. Ich werde jetzt wirklich probieren zu kämpfen und hart zu mir selbst zu bleiben. Ich kann ihm das nicht mehr antun.
Zitat von Usambara:
Das ist emotionale Abhängigkeit und keine Liebe.

Ja, das habe ich erkannt. Aber es ist unfassbar schwer, da raus zu kommen. Ich denke es kann auch beides koexistieren, und das tut es sicher auch. Ich bin mir sicher, dass ich ihn liebe. Ich arbeite mit meiner Therapeutin daran, die Hintergründe zu erörtern.
Zitat von Usambara:
Kannst du dich daran erinnern das du bereits ohne ihn gelebt hast bevor du ihn kennenlerntest.

Nein, kann ich nicht, denn davor war ich ja 6 Jahre in einer Beziehung und ich weiß gar nicht, wie es ist, alleine zu sein. Ja, er war nicht da, da hast du Recht. Ich habe auch ohne ihn gelebt, aber mein Leben ist dann mit ihm viel besser geworden (und jetzt ja irgendwie auch wieder schlechter)

x 3 #11


Usambara
Das beste was du für ihn tun kannst ist ihn endlich in Ruhe zu lassen.

Du hast ihm genug zugesetzt, genug auf seinen Gefühlen herumgetrampelt.

Was soll er denn glauben was Liebe im Leben bedeutet wenn du ihm immer einreden willst dass das was du mit ihm machst Liebe ist. Würdest du das Liebe nennen wenn es jemand mit dir so machen würde? Du würdest ihn mit Recht für realutätsfern halten. Von allen guten Geistern verlassen im wahrsten Sinne des Wortes.

Der trägt doch einen gewaltigen psychischen Schaden davon.

Lass ihn in Ruhe. Das ist absolut notwendig für euch beide.

Emotionale Gewalt ist keine Liebe. Niemals!

Stell dir vor er hat eine dicke Mauer um sich gebaut um sich vor dir zu schützen. Da gibt es keine Tür für dich.

Akzeptiere es und klettere auch nicht über die Mauer.

#12


DieSeherin
@SadPotato war diese "langweilige" beziehung deine erste? wie alt bist du eigentlich? und bist du eine frau?

x 1 #13


N
Zitat von SadPotato:
Es ist hart für mich zu akzeptieren, dass ich das nicht mehr kann.

Verstehe ich. Dafür war das Unfallopferbeispiel gedacht. Damit Du vor jeder Handlung einmal checken kannst, ob Dein Impuls gerade adäquat ist oder wieder nur ein Gehirnstrudel: Würde ein Unfallopfer wollen, dass ihn der Fahrer, der die Verletzungen (gerne auch unabsichtlich) verursacht hat, ihn in den Arm nimmt?
Hier ist die Antwort leicht und nein. Also sich verkneifen. Indem Du raus gehst und Kilometer machst. Oder Dich in Arbeit stürzt. Dich ablenkst.

Zitat von SadPotato:
Gerade der Part mit dem Dopamin catcht mich besonders, da ich ADHS haben und das ja ein riesiges Thema ist. Es

Ja, das lese ich häufig bei später Diagnose, dass viel Wut über all die "Unfälle" besteht, die Neurodiversen in Familie, Schule, Job und in Beziehungen passieren, ohne dass sie wissen, warum. Und ganz viel Trauer über die verpassten Chancen und die Anstrengungen, die nur dafür da waren, zu kaschieren, was gar nicht Faulheit, Dummheit oder Disziplinlosigkeit, sondern Hirnchemie war.
Das darf man betrauern und wütend sein.
Aber besser wird es erst, wenn Du das in Deinem Kopf drehst: Du hast JETZT die Chance, Dich völlig neu kennen zu lernen. Und JETZT die Chance, ganz ehrlich zu Deinen Stärken und Schwächen zu stehen. Und JETZT die Chance, Dir ein Leben aufzubauen, das für Dich arbeitet und nicht gegen Deine Natur. Es darf ab jetzt leichter für Dich werden und Du darfst endlich die Wege verlassen, die eigentlich ja noch nie für Dich gepasst haben.

Also wirst Du das große Latinum vermutlich nie machen. Aber auf Deine Kreativität und Deine Reizoffenheit stolz sein und sie als die Superkraft annehmen, die sie ist. Brainstorming ohne einen ADHSler ist lame. Mit ADHSler dauerts länger, aber die Ergebnisse sind wirklich innovativ.

Du hast also die beste Ablenkung vom Liebeskummer, die man haben kann: Die Erforschung Deiner eigenen Fähigkeiten.
Bist Du eher der Neurodiverse, der bei Schaukeln ins Gleichgewicht kommt oder der, der im Wasser schwimmend bei sich ist? Stürzt Du Dich in die Reizüberflutung, um das Gedankenkarussell zu übertönen oder schaltest Du Reize gezielt aus, um in Dich reinhören zu können? Wirkt Gaming bei Dir oder bist Du eher bei Süßigkeiten und anderen Substanzen?

Das Internet ist voll von Neurodiversen, die ihre 7 bis 10 besten Hacks in Shorts vorstellen. Werd da mal Expertin.

Und dann überlistest Du irgendwann das Dopaminloch im Kopf und führst ein anderes Leben, das besser zu Dir passt, als das bisherige.

x 5 #14


E-Claire
Zitat von SadPotato:
Es ist einfach unfassbar schmerzhaft, diese ganze Selbsterkenntnis, die leider auch mit viel Selbsthass einhergeht, sowie diese ganzen Vereltzungen zu ertragen. Es zerreißt mich innerlich und hinterlässt mich in Selbstzweifel.

Das kann ich gut verstehen. Schau mal, die meisten von uns haben wenigstens eine Beziehung (meist in ihren 20ern) hinter sich, bei der man rückblickend die Hände über dem Kopf zusammenschlägt, wenn man an das eigene Verhalten denkt. Ich hab so eine (was heißt eine Zwinkerndes Gesicht ) in jedem Fall.

Die Glückskeksweisheit das Leben wird vorwärts gelebt aber rückwärts verstanden ist eben ein bissl mehr als nur ein Spruch.
Es ist natürlich möglich, daß erst Dein Verhalten in der Beziehung, den Selbsthass ausgelöst hat. In der Regel ist es aber umgekehrt, wir tragen Selbsthass aufgrund von Verletzungen, Traumata, nicht diagnostizierten Herausforderungen in uns und eine nicht gut funktionierende Beziehung oder eben Nähe bringt dann vieles zum Vorschein.

Das Einzige und Beste, was Du jetzt machen kannst, ist diese Trauer, denn Selbsthass, Wut etc all diese Gefühle sind letztlich Ausdruck von Trauer, zum Anlass zu nehmen, an Dir zu arbeiten, für Dich.

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A


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