yoga
Gast
oh wie ich es kenne, jedes Wort, jedes Gefühl, jede Phase, jede Wendung, jedes "im Kreis drehen", jede Schuld- und jede Rache-Idee, jeden Zweifel, jede Hoffnung, nicht schlafen können, 15 kg abnehmen, den Galgenhumor, diese Beschreibungen. Will meine Geschichte nicht ausbreiten, aber ihr sprecht mich beide so an, dass ich mich nicht mehr zurückhalten kann. Bin im vierten Monat nach dem Tag x, erst jetzt fast fertig damit.
Ansonsten hat es mich auch wie ein Blitz getroffen... von 100% auf Null runter ist einfach ein Schock.
Albert erwarte hier bitte von niemandem einfache Tipps, es gibt sie nicht, es sei denn Du findest "die Lösung" selbst und dazu bist du auf einem hervorragenden Weg. Du machst das im Vergleich zu mir absolut Klasse in der kürzest-denkbaren Zeit, die möglich ist. Es erscheint dir lang aber, aber Du machst das im Express Gang. Glaub mir... auch wenn du dich nicht so fühlst.... da bist du ein ganz Großer.
Im Gegensatz zu den meisten anderen Personen und Ratschlägen hier gibt (oder gab ...hmmmm) es bei meiner Bewältigung eine andere Komponente. Wir haben zunächst noch miteinander gesprochen, getroffen, geschrieben nicht gestritten. Es hat das Leiden zwar verlängert und das Ergebnis nicht geändert aber am langen Ende ist der Seelenfrieden größer. Wir halten erst jetzt eine von uns gemeinsam kontrollierte und abgesprochene Kontaktsperre ein. Mal sind es eine Woche, mal drei tage, aber wir sprechen es ab und wir nehmen uns dazwischen Ruhephasen, wo keiner auf etwas warten muss. Sie hat mich in den ersten Nächten wenigstens weiter am Telefon oder per Nachrichten begleitet und nicht alleine gelassen, aber am Ziel unerbittlich festgehalten... grausam am Anfang. Trotzdem empfand ich es als menschliche Größe, dass sie es sich nicht einfach gemacht hat. Am Ergebnis des Endes der Beziehung ändert das absolut nichts, aber z.B. die Wutphase wird kürzer und besser kontrollierbar für einen Mann. Auch diese für den eigentlich "am Ort Gebliebenen" immer wieder geschilderte kalte Stimme als Eigenschutz des Durchhaltens kenne ich durch das Telefonieren. Zunächst macht es einen kaputt, weil man sonst nur eine liebende Stimme kennt, die nachsichtig ist. Aber auch die "schlussmachende" Frau leidet heftig und hat einfach Angst, dass ihr Experiment -so empfand ich es am Anfang- schief geht. Sie sagte mir einmal " wenn ich es jetzt nicht schaffe, schaffe ich es nie" und sie hatte wahrscheinlich Recht.
Albert, ich denke auch bei Dir wird immer der Wunsch da gewesen sein, dass deine Vicky nie wirklich abhängig ist von Dir. Du wolltest doch bestimmt eine selbstbewußte Frau. Beschlagnahme dies doch einfach als auch Deine Leistung, auch wenn das Ergebnis für Dich in diesem Moment unterirdisch oder regelrecht perv. daher kommt.
Ich kenne durch diese gemeinsame "Nicht-Kontaktsperren Bewältigung" auch Gobbys frauliche Situation aus ihren Schilderungen (die sind wirklich wertvoll, weil sie manchem als Ersatz für die ihm fehlenden Äußerungen dienen können) und habe meinen Frieden gefunden darin, dass wir beide die Trennung nicht vermeiden konnten. Sie hat das Ende nur einfach in die Hand genommen, den Punkt ausgelöst. Das war der einzige Unterschied zwischen dem vermeintlichen Opfer und dem angeblichen Täter. Auch "meine Liebe" wollte diese Trennung nicht wirklich, aber konnte diesen Schritt nicht vermeiden, wenn sie ihren ehrlichen schwindenden Gefühlen folgen will, der Schritt wäre frueher oder später in jedem Fall auch wegen anderer Randbedingungen gekommen. Wir erkennen im Nachhinein für keinen von uns eine "Schuld oder eine denkbare Vermeidungsstrategie". Daher bleibt nur gegenseitige Akzeptanz. Fertig, nach vorne sehen.
Man kann eigentlich danach nicht von errungenen Vor- oder Nachteilen sprechen. Beide verlieren eine Liebe, für die man lange gebraucht hat sie aufzubauen und Vertrauen zueinander zu finden. Dieser Verlust hat mir sehr sehr weh getan und ich habe mich lange, lange gewehrt dagegen und gekämpft. Ich musste lernen dass eine Umarmung zwar mir gut tat, falsche Hoffnungen machte aber ihr wohl in Wirklichkeit Schmerzen bereitete. Diese Situation danach kann auch für beide sehr unterschiedlich ausfallen. In der Tat kann einer der Gewinner sein, wenn man in die Zukunft sieht und einer der Verlierer. Was genau zeigt sich irgendwann.
Es können aber auch beide gewinnen oder beide verlieren. Das eigentliche "Schlussmachen" ist daher einfach auch nur eine Frage von Risikobereitschaft in einer Beziehung.
Gobby, ich hatte mit meiner so innig Geliebten diese Streitphase vor und auch nach der Trennung nicht, du machst das jetzt vorher zwischen euch. Ich war am Anfang auch deshalb so zerstört, weil ich an der vermeintlichen "Entscheidung" nicht habe mitwirken können. Gibt deinem mit Dir verbundenen Mann die Chance mitzuentscheiden, sonst passiert eben diese unglaubliche Erniedrigungsphase mit einem Mann. Du bist doch schlau.... lass ihn doch irgendwie selbst entscheiden, dass es nicht mehr geht. Wenn Dir das gelänge, ersparst du euch eine Menge Sorgen und Schmerzen.
Zur Frage, ob es einen anderen gibt, wenn einer geht : Ja Albert das beschäftigt dich, die Erkenntnis wie es war oder ist hat aber keinen Wert. Ich wäre sogar froh gewesen, wenn sie eine große Liebe gefunden hätte nach oder vorher an Stelle von meiner Person. Ich liebte sie doch und hätte mich freuen können, wenn es ihr gut geht. Ich glaube es hätte mich sogar sehr beruhigt.
Zu wissen, es gibt "Keinen" tröstet nämlich auch nicht, sondern erniedrigt noch mehr.... denn folgerichtig scheint ihr dann "Nichts" mehr Wert zu sein als man es selber war.
Im Nachhinein hat mir die Erkenntnis, dass keiner von uns diese Trennung wirklich vermeiden konnte oder verschuldet hat am Meisten geholfen und in den spärlichen lichten Momenten denke ich sogar: Es waren 12 tolle wilde Jahre, deshalb danke meine Liebe dass du mir auch noch diese unglaubliche Erfahrung geschenkt hast mit so einer Extrem-Situation fertig zu werden auch wenn es der größte Schmerz meines Lebens war.
. Du hast natürlich recht, obwohl so krass wars auch wieder nicht. Ich bin schon ab und zu mitgefahren, aber es war halt einfach nicht meine Welt. Vielleicht hätte ich mich auch einfach mal auf ein Dorffest oder Ähnliches einlassen sollen…