Hallo Alle zusammen!
Nun habe ich alles gelesen... nachdem ich dann hin und her überlegt habe ob ich auch was dazu schreiben soll, habe ich mich nun dafür entschieden
Wo soll ich anfangen...
Ich habe mich nach zehn Jahren Beziehung Anfang Dezember getrennt und ich kann mit absoluter Sicherheit behaupten dass es für den (ich schreibe immer nur die männliche Form, das ist einfacher beim Schreiben!) der verlässt nicht einfacher ist als für denjenigen der verlassen wird.
Es gab einen Vertrauensmissbrauch (nein, kein fremd gehen) vor zwei Jahren; das hat mir damals furchtbar wehgetan, aber ich dachte ihm einen "Fehler" zugestehen zu müssen nach guten (!) acht Jahren Beziehung.
Im Herbst letzten Jahres gab es nur eine "Kleinigkeit", die Auslöser war dass ich mich letztendlich getrennt habe, aber diese Kleinigkeit hat in mir so heftig die "Sache" von vor zwei Jahren aufgewühlt dass ich damit nicht klar kam. Zwei Monate habe ich mir tagein tagaus Gedanken gemacht, aber meine Gefühle, mein Empfinden, mein Herz sprachen so klar für eine Trennung, dass ich gar keine andere Möglichkeit sah!
Immer wieder habe ich versucht, mich selber angefleht "aufzuwachen" und nicht nur das Negative zu sehen, auch wieder den Blick für das was gut ist in der Beziehung zu bekommen und das auch schätzen zu können. Aber es ging einfach nicht. In diesen zwei Monaten ging es mir sehr schlecht. Es gab Gespräche, doch auch wenn diese gut waren und erst mal weiterführend schienen, ging es mir kurze Zeit später wieder genauso wie vor den Gesprächen, weil sie an meinem Empfinden nichts änderten. Irgendwann merkte ich dann dass eine Trennung unausweichlich ist. Nachdem sie ausgesprochen war, trat erst mal für kurze Zeit Erleichterung ein, aber dieses Gefühl hielt nur kurz an.
Ich kam dann kaum zurecht; mein schlechtes Gewissen, meine Schuldgefühle waren mir kaum erträglich. In den zehn Jahren Beziehung war soviel Gutes, dass hatte ich alles weggeschmissen... habe ich genug gekämpft für uns, genug versucht, war die Trennung richtig, wie kann ich den Menschen den ich liebe so verletzen... wir hatten eine gemeinsame Zukunft geplant, ein Haus gekauft, ich hatte mich gegen all das entschieden.
Aufgrund der gegebenen Situation ist es bis jetzt noch nicht möglich den Kontakt abzubrechen; es sind immer wieder Dinge zu klären, abzustimmen, usw.!
Seit zwei Wochen geht es mir endlich besser, ich sehe Licht am Ende des Tunnels und ich glaube auch, alles was noch ansteht aushalten zu können und irgendwie zu schaffen. Aber immer wieder kommen mal Zweifel, immer wieder kommen Erinnerungen und die sind leider fast ausschließlich schön. Immer wieder muss ich mir dann ins Gedächtnis rufen warum ich mich getrennt habe und dann weiß ich auch nach wie vor dass es richtig war. Jetzt, nachdem etwas Zeit ins Land gegangen ist, denke ich auch, dass es mehr Dinge gab die im Argen lagen und mich belastet und gestört haben und die sich nicht hätten ändern lassen.
Aber alles so anzunehmen (dazu gehört auch die Erkenntnis, selbst einige Dinge nicht richtig gemacht zu haben in den zehn Jahren) kostet viel Kraft und Energie und viel Unterstützung durch gute Freunde!
Mittlerweile habe ich Mittel und Wege gefunden was ich tun kann, wenn es mir ganz schlecht geht (und das kommt schon noch oft vor!) damit es irgendwie erträglich ist und das ist schon mal etwas, finde ich.
Was ich euch sagen will ist, man muss sich Zeit geben, man muss Tränen/ Trauer zulassen. Wenn ich lese wie weit Du, Albert, bereits nach 5 Wochen bist, da kann ich nur sagen "Hut ab"! Ich finde mich gerade an einem ähnlichen Punkt wie Du und bei mir ist die Trennung nun schon 4 Monate her.
Es ist SEHR irrtümlich zu denken dass es dem der sich trennt besser geht als dem Anderen. Wenn man sich gut kennt, und dass tut man i.d.R. nach mehreren Jahren Beziehung, da weiß man wie es dem anderen in etwa geht nach der Trennung und damit klar zu kommen ist auch sehr schwer und kommt ja zu dem eigenen Verlust dazu!
Und auch wenn die Trennung klar ist und auch letztendlich richtig ist, das Herz lässt sich nicht so einfach überzeugen von dem was der Kopf sagt. Auch der der geht hat furchtbaren Liebeskummer und trauert dem nach was er an Gutem verloren hat... vielleicht tröstet euch dass!
Das Problem bei dem ganzen Dilemma ist eben, dass das Negative nach einer Trennung irgendwie an Wert verliert und man fast nur das Positive sieht... es kostet dann viel Kraft, sich auch an das weniger Gute zu erinnern!
So, vielleicht hilft dass dem Ein oder Anderen... ich bin mal verlassen worden und nun war ich die die gegangen ist. Ich weiß dass man sich eine Zeitlang wünscht, wenn man verlassen wird, dass es dem Anderen auch schlecht geht und ich kann euch bestätigen, dass es so ist! Und kühl zu wirken, sachlich zu sein braucht es vermutlich einfach um diesen Schritt, die Trennung auszusprechen, zu machen... innerlich sieht es so ganz, ganz anders aus!
Ich wünsche euch allen schöne Ostertage und genießt die Sonnenstrahlen
