Zitat von albert_84: Nein, dass war ich sicher nicht. Und auch dafür hätte ich mich entschuldigen müssen. Ich habe oft meine Interessen durchgesetzt, weil ich zumindest äußerlich nicht so abhängig von ihr war, wie sie von mir. Ich habe oft Sachen gesagt, die ich eigentlich nicht so gemeint habe. Wir waren halt beide solche Hitzköpfe. Sie hat gewusst mit was sie mich provozieren kann und ich bin immer darauf eingestiegen. Aber sie war kein schlechter Mensch, ist sie auch jetzt nicht. Sie ist einfach nur ein Mädchen, dem ich wahrscheinlich zu wenig Aufmerksamkeit zukommen habe lassen. Und auch das tut mir leid. Aber ich werde es nie wieder gerade biegen können...
Lieber albert84, deine Geschichte zeigt so viele Parallelen zu meiner auf, ich habe das Gefühl, du hättest meine Gedanken und Gefühle in die Tasten gehauen. Vor ein paar Minuten noch saß ich gerade wieder in diesem fürchterlich tiefen Loch aus Trauer, Wut und Schmerz, aber nach dem Lesen deiner Texte geht es mir gerade komischerweise etwas besser.
Meine Frau hat mich nach acht Jahren Beziehung (fast vier davon verheiratet) auch Knall auf Fall vor fünf Wochen verlassen. Auch sie war für mich meine Seelenverwandte, auch ich war bei ihr der Meinung, nichts und niemand auf der Welt könnte uns trennen. Wir haben gepasst wie Ar. auf Eimer. Allerdings ist in unserem Fall das endgültige Aus von ihr noch nicht ausgesprochen. Sie ist vor drei Wochen ausgezogen, angeblich um Abstand zu gewinnen und sich über ihre Gefühle klar zu werden. Sie sagt, sie hätte immer noch viele Gefühle, aber es überwiegen im Moment die schlechten Gedanken. Aber ich denke, sie spielt einfach auf Zeit und vollzieht den schleichenden Tod.
Dummerweise sehen wir uns weiterhin regelmäßig, weil wir einen Hund haben, der unter der Woche bei mir und am WE bei ihr ist. Eine Kontaktsperre ist dadurch praktisch unmöglich. Auch schreiben wir uns via Handy und waren zwischendurch schon mal gemeinsam essen. Wenn wir uns sehen drückt sie mich zum Abschied innig und gab es auch schon Küsse auf den Mund. So schön sich das in diesen kurzen Momenten der vertrauten Nähe auch anfühlt, sobald sie dann wieder weg ist, zieht es mir wenn ich wieder alleine bin völlig brutal den Boden unter den Füßen weg.
Auch ich war in unserer Beziehung derjenige der die Hosen anhatte, was ich ihr aber nicht aufdrängte, sondern sie war einfach die kleine Süße, die ihrem Großen vertraute und folgte und damit zumindest gefühlt nie ein wirkliches Problem hatte.
Umso fassungsloser war ich über ihre Entscheidung, derart knallhart und mit einer erschreckenden Kälte aus der Beziehung auszuscheren. Seit sie unser Haus verlassen hat, zermartere ich mir den Schädel über die Gründe, ohne dass es mir möglich wäre, auch nur im Ansatz eine für mich wirklich nachvollziehbare Antwort zu finden. Ok, die letzten Wochen gab es viel Streit und auch schlechte Stimmung, aber zwischendurch war es immer wieder gut, so dass ich niemals geahnt hätte, was da hinter meinen Rücken schon so alles läuft.
Meine Kleine hatte nämlich schon längst einen Mietvertrag für eine eigene Wohnung unterschrieben, den ich durch Zufall im Handschuhfach ihres Wagens fand. Da brach das erste Mal eine Welt für mich zusammen. Als ich sie mit dem Vertrag konfrontierte, meinte sich noch es wäre eine Kurzschlusshandlung und sie könnte das ja rückgängig machen. Es waren noch zwei Wochen bis zum Einzugstermin und natürlich hatte ich Hoffnung, dass sie es sich in der Zeit noch mal überlegen und ihr klar würde, was sie da überhaupt für eine schei. Aktion durchzieht. Aber denkste, nichts ist passiert. Wagenladung für Wagenladung hat sie ihre Sachen rausgekarrt und jetzt sitzt sie in ihrem neuen Zuhause und ich in unseren alten vier Wänden, wo mich jeder Futzel permanent an sie erinnert und mich schier in den Wahnsinn treibt.
Ich erkenne mich in den letzten Wochen nicht mehr wieder und erlebe eine emotionale Achterbahnfahrt, die du lieber albert84 mit deinen Worten auch auf mich bezogen sehr treffend und anschaulich beschrieben hast. Dieser ständige Wechsel aus blinder Wut, hilfloser Trauer, hemmungslosem Selbstmitleid, blanker Hilflosigkeit und ungebrochenem Schockzustand raubt einem den Verstand und die Kraft, so dass ich mich aktuell eigentlich nur irgendwie über den Tag rette und dann darauf hoffe, einigermaßen schlafen zu können. Mal bin ich so platt und kaputt, dass ich wirklich eine Nacht halbwegs vernünftig schlummere, nur um in der darauffolgenden wieder kein Auge zutun zu können und mich von einem Wach-Alptraum zum nächsten quäle. Es ist die Hölle auf Erden.
Ein ganz großes Problem in meinem Fall ist zudem, dass ich praktisch keine Freunde habe, weil es für mich in unserer Beziehung nur meine Frau und ihre und meine Familie gab. Sie hatte noch zwei beste Freundinnen, aber die brauch ich gar nicht erst zu kontaktieren. Zu ihren Eltern habe ich nach wie vor einen sehr engen Kontakt und diese können auch nicht nachvollziehen, warum es so plötzlich zur Trennung kam, weil meine Frau auch mit ihren Eltern kaum über die Trennung spricht.
Auf jeden Fall ist es aktuell eine katastrophale Situation, bei der ich manchmal ein wenig Angst habe, ich könnte daran verzweifeln. Deswegen noch mal vielen Dank für deine Beiträge. Dein Leid und deine Worte haben mich gerade ein wenig aus meinem Loch geholt, weil ich weiß, nicht nur mir geht es so schei.. Tut mir leid wenn sich das bescheuert anhört. Aber ich freue mich schon auf weitere Postings von dir
