Gobby
Gast
schön zu lesen, dass Du gestern wieder einen guten oder zumindest besseren Tag hattest.
Ich hoffe, das bleibt so.
Aufgrund meines Berufes habe ich mit sehr alten Menschen zu tun, und habe selbst schon viele Ehepaare kennen gelernt die 60 Jahre und noch mehr verheiratet waren.
Aber glaube nicht, dass da immer alles so gut war. Sicher, es ist eine andere Generation, die durch den Krieg und Wiederaufbau, durch Flucht und Vertreibung einen anderen Zusammenhalt gelebt hat.
Und unsere Elterngeneration hat dies noch so übernommen, Zusammenhalt ist das wichtigste, die Familie und die Kinder sind das wichtigste, eigene Wünsche, die eigene Persönlichkeit wird zum Wohl meiner Familie und meines Mannes hinten an gestellt. Sie schreibe absichtlich Mann.
Unsere Generation geht aber jetzt schon anders mit sich um.
Ich habe es oft erlebt, dass Menschen die so lange zusammen waren nicht lange ohne den anderen weiter gelebt haben (8 Jahre wie bei Deinem Opa ist lange), ich habe aber genau so oft erlebt, dass vor allem die Frauen, die ihren Mann überlebt haben, nochmals aufgeblüht sind.
Du kannst mir eines aus meiner beruflichen Erfahrung glauben, hinter den Türen unserer Großeltern sind noch Dinge passiert, wurden noch Verhaltensmuster gelebt, an die wir in unseren schlechtesten Träumen nicht gedacht hätten. Und das es die Frauen waren, die den Laden am laufen hielten und uns den Eindruck eines liebevollen Großelternhauses vermittelten. Dafür waren ihnen die Männer dann ein Leben lang dankbar. Aber es gibt natürlich auch ganz viele Paare die tatsächlich so ein langes Leben in tiefer Lieber und vor allem Harmonie gelebt haben.
Ich glaube schon an die eine große Liebe, auch an die Liebe auf den ersten Blick. Aber je älter ich geworden bin, und durch die Erfahrungen in meiner jetzigen Lebenssituation, habe ich auch lernen müssen, dass genau diese emotionale Verschmelzung nicht gut in einer Partnerschaft ist.
Einigkeit in vielen Bereichen, in die gleiche Richtung schauen, das ist wichtig in einer Partnerschaft, aber zwei erwachsene Menschen sollten nicht in den Zustand von Mutter und Kind verfallen. Ich sage absichtlich Mutter, denn Kinder hängen aus rein biologischen Gründen mehr an der Mutter.
Und das gilt für Männer und Frauen gleichermaßen.
Ich höre jetzt schon den Aufschrei der Empörung bei dem Vergleich von Mutter und Kind. Aber es ist doch so. Wenn man sich das Verhalten eines Kindes vor Augen führt, wenn die Mutter böse mit ihm ist, wenn sie enttäuscht ist, wenn sie Erwartungen an es hat. Dann tut Kind ganz viel um Mamma wieder zu gefallen, Mamma soll mich lieb haben, loben und stolz auf mich sein. Und wenn Mamma das nicht reicht, versucht Kind noch mehr, übernimmt sich in seinen Anstrengungen, oder wird bockig und stur. Manchmal zerstören sie auch etwas um Aufmerksamkeit zu bekommen oder um einen Hilferuf zu vermitteln. Ein Kind ist nicht körperlich abhängig von der Mutter, nur emotional.
Und so könnte man jetzt noch stundenlang über die emotionale Abhängigkeit unter Erwachsenen weiter reden und diskutieren.
Ich persönlich möchte keinen Partner mehr, der sich selbst in so einen Zustand bringt. Ich möchte einen Partner mit dem ich auf Augenhöhe bin, der in seinem gesamten Wesen eigenständig, reif und erwachsen ist. Der mir ein guter Freund, Berater und Vertrauter ist. Der nicht nur nimmt sondern genau so selbstverständlich gibt. Und wenn die körperliche Nähe dann auch noch passt, dann ist alles in bester Ordnung. Man kann miteinander in Verbundenheit leben ohne abhängig zu sein, und das ist in meinen Augen ein richtiges Miteinander. Alles andere führt über kurz oder lang zu einem Nebeneinander. Und genau aus dem Grund tummeln wir uns alle hier.
So, das war das vorgezogene Wort zum Sonntag.
Schönes Wochenende an alle,
Gobby
