Zitat von Alexandrina: Völliger Schwachsinn, dass der Vogel nichts für sie empfunden hat! WIE auch immer man den Betrug moralisch einordnen möchte in der niederdeutschen Tiefebene - natürlich hat auch ein Betrüger eine emotionale Bindung an seine Affäre, das wissen wir doch? -
Zitat von Alexandrina: Du hattest drei Jahre lang eine leidenschaftliche Liebe laufen. Starke Gefühle, heftige Dynamik, Eine unerfüllte Liebe. - Wer hat das schon unter den gelangweilten Eigenheim-Tussis? - Seh es doch mal so! Das ist AUCH die Wahrheit!
Zitat von Alexandrina: Auch ich habe in meinen 20ern schon Nächte heulend vor den Türen auf Fußmatten von Liebhabern verbracht. - Ey, die Erfahrung will ich nicht missen! Mitnichten aber dachte ich dabei, ich hätte kein Selbstwertgefühl oder ähnlichen Schmonsens - das Gegenteil war der Fall, ich identifizierte mich dabei mit allen großren Liebenden aus Literatur und Theater.
Du scheinst eine Künstlernatur zu sein, also jedenfalls wohl eine seltene, vertieftere Seele. Sehr beeindruckend, auch das, was Du schreibst.
Was ist denn das Leben? Eine fortwährende Aneinanderreihung von Banalitäten. Der Mensch lebt, im Allgemeinen, in der Zurückhaltung, in der Defensive, in der Armut eines internen, phantasiegebeugten Gehorsams gegenüber kurisoser Abstraktionen, er lebt nicht in der Leidenschaft.
Er merkt wohl nicht, dass es nichts anderes gibt an Realität als den Augenblick. Das Leben ist kurz. Und meint er denn, der Verzicht, der Gehorsam, die Willfährigkeit würden ihm entlohnt und am Ende käme irgend jemand daher und schenkte ihm auch nur eine einzige weitere Stunde?
Da ist es doch besser, Nächte heulend auf Fußmatten zu verbringen - das ist zumindest Leben.
@Sonne08
Ich habe nun nicht alles gelesen, aber denke doch, dass ich das Wesentliche mitbekommen habe. Und einmal mehr stellt sich mir die Frage, wo denn hier nun das eigentliche Problem liegt. Du hast seit 3 Jahren eine Affäre mit einem "vergebenen" Mann, wie Du es nennst. Anfangs lief Euer Arrangement auch für Dich gut, dann begann bei Dir das Leiden. Warum eigentlich? Hast Du Dich das mal ernsthaft gefragt?
Das Leiden entsteht nämlich nie dadurch, dass der Mann (oder, im umgekehrten Fall, die Frau) einem etwas antut oder vorenthält, sondern die Leiden entstehen immer durch die eigenen Erwartungen, Hoffnungen, Begehrlichkeiten, Sehnsüchte, das eigene Verlangen, Wünschen usw.
Wäre es so gekommen, wie Du es Dir gewünscht hast (in weiterer Folge, nicht von Anfang an, Deinen Worten gemäß) - vielleicht säße er dann nun chipskauend neben Dir mit den Füßen auf dem Tisch und schaute Nachrichten und Du würdest Dir die Haare raufen.
Wie waren denn die Stunden mit ihm? Wenn sie schön waren, leidenschaftlich, erhebend, glücklich, erfreulich, was auch immer, dann ist das doch gut! Was will man denn mehr? Die schönen Stunden sind, wie alles, immer vergänglich, aber warum daran dann leiden und sich nicht an ihnen erfreuen und dafür dankbar sein? Oder gar sein Selbstbewusstsein, sein Wertgefühl oder sonst etwas daran aufhängen, dass man sie nicht halten konnte? Jedem rinnen sie durch die Finger, unter welchen Bedingungen auch immer, und wenn er das Fäustchen noch so ballt und verkrampft.
Vielmehr frage ich mich eines: Warum belässt Du es nicht einfach, wie es ist, und siehst Dich daneben auch nach anderem um, bist offen für andere Männer, ob einem oder fünf oder zehn gegenüber? Wenn Dich daran etwas hindert, an diesem Gebot der Vernunft und Lebenssinnhaftigkeit, dann kann das ja nur in Dir selber liegen. Und hier sollte man ansetzen und nicht immer nur in diesen Projektionsspielchen karussellieren, wer einem was angetan hätte. Letztlich tut man sich alles nur selber an. Und sei es eben durch eigene Haltung, die einen aussperrt von den zahllosen Möglichkeiten des Lebens.
Vielleicht denkst Du auch darüber einmal in Ruhe nach und lässt Dich nicht vom ersten Reflex leiten.