Hallo AndreasA,
habe mich mal ein bisschen bei dir eingelesen... viele wichtige Erkenntnisse hast du über dich und diesen "Beziehungs"verlauf ja schon erlangt.
Ich fasse mal meine Eindrücke aus deinem Thread zusammen, die vielleicht nützlich für dich sind:
1. Ihre Ausgangslage, als ihr euch begegnet seid. Deine Ex zieht zu einem Mann, von dem sie sich 8 Wochen später trennt? Schräg. Passt ein bisschen, wie ich finde, zu ihrer indifferenten Art, mit dir Schluss zu machen. Vielleicht hat sie generell Probleme mit klarer Positionierung in Gefühlsdingen? Das würde erklären, warum sie so emotional wird, so unklare Statements abgibt und scheinbare Hintertürchen offen lässt. Vielleicht hat sie es auch alles nur etwas "weicher verpacken" wollen, um dich nicht so sehr zu verletzen.
2. Euer kometenhafter Start. Was derartig "durch die Decke" geht, ist in der Regel nicht von Bestand. Das hat auch nix mit Rebound zu tun, sondern man nennt das "Strohfeuer". Hier sind zwei Menschen aufeinander getroffen, die sich selbst nicht gut fühlen können, weswegen sie die großen Gefühle von außen brauchen, die romantische Inszenierung und Überhöhung, die natürlich nur so lange gut funktioniert, wie man noch auf dem ersten Hormonrausch reiten kann.
3. Nach nur zwei Monaten kippte das schon. Sie nörgelnd und heulend, du verlustängstlich und "kämpfen" wollend. Eine eklatante Schieflage der Gefühle entsteht die in der Folge immer weiter kippte. Deine Anziehung bei ihr fiel spätestens in dieser Phase rasant in den Keller, das Strohfeuer verpuffte.
4. Ihre emotional über-inszenierte Trennungsszene, die du als Anlass genommen hast fortan in ihrem Orbit lieber zu verglühen anstatt ihren Trennungswunsch ernst zu nehmen und eine eigene neue Route im Leben einzuschlagen. Hier zeigt sich sehr deutlich deine Selbstwertproblematik. Jetzt bist du auf sie böse und auf den Neuen eifersüchtig; dabei könntest du schon so viel weiter sein, wenn du dich an ihren Taten anstatt an ihren Worten orientiert hättest.
5. Dass du dieser Episode das Etikett einer Beziehung gibst, sogar von Liebe zu deiner Bekanntschaft zu sprechen, halte ich für völlig verfrüht. Nach so kurzer Zeit "kennt" man nicht die andere Person, sondern hauptsächlich die eigenen Projektionen auf die andere Person, insbesondere wenn der andere diese geschickt zu spiegeln versteht. Eine Beziehung entsteht nach Monaten und entwickelt sich über Jahre - die Anfangszeit ist die Kennenlernzeit, in der ganz viele Begegnungen eben auch wieder auseinander gehen, weil die Partner nicht zueinander passen oder eine/r von beiden nicht genug Gefühle entwickelt. Euer Scheitern ist also eigentlich etwas ganz Normales. Ungewöhnlich ist eher deine Fixierung darauf, aber das hast du ja schon selbst sehr gut erkannt.
Deine Weigerung loszulassen dauerte nun länger als die eigentliche Liaison.
Hier, lieber AndreasA, schreibst du etwas Interessantes:
Zitat von AndreasA:Ich hatte schon einige hässliche Trennungen hinter mich gebracht. Ich habe in der Summe eine Großzahl an Trennungsfehlern begangen. Angefangen von Betteln bis hin zum Stalking. Ich habe bisher 3 Exfreundinnen zurück bekommen weil ich um sie "gekämpft" hatte. Allerdings war nichts davon von langer Dauer. Es hat nur sehr viel Zeit, Energie und jede Menge Geld gekostet... und Würde. Im Endeffekt war es nichts, was mir etwas Positives gebracht hat.
Dieses Mal habe ich nichts von alldem gemacht.
Erkennst du wirklich nicht, dass du im Grunde den gleichen Fehler gemacht hast? Zwar mit jeweils anderen Methoden, aber im Kern ist es das selbe Problem: du akzeptierst keine Trennungen, obwohl du sogar schon mehrfach die Erfahrung gemacht hast, dass aufgewärmte Beziehungskisten nicht funktionieren.
Deshalb denke ich, dass du dies hier:
Zitat von AndreasA:Ich würde wie gesagt eher meine überstürzte, zu schnelle Anhaftung und Abhängigkeit an einen Menschen als toxisch bezeichnen. Ich habe viel zu große Angst, die Frau zu verlieren, an der ich Interesse habe. Ich gebe mich der Illusion hin, dass mich der Staus "fest zusammen" mich davor irgendwie bewahrt, dass sie ihr Interesse verliert.
Es ist leider so, dass ich mir selbst so ungenügend bin. Eine feste Freundin gibt mir das Gefühl, dass doch alles in Ordnung ist mit mir und dass ich liebenswert und in gewisser Weise wertvoll bin. Dass ich überhaupt etwas wert bin.
Mittlerweile sehe ich das als toxisch an.
absolut richtig erkannt hast. Ich bin froh dass du es selbst schon so siehst, denn genau das hätte ich dir sonst hier zurück gemeldet (und mich damit wahrscheinlich nicht sooo sehr beliebt bei dir gemacht). Aber es heißt nicht umsonst: Selbsterkenntnis ist der erste Schritt auf dem Weg zur Besserung. Ein blöder alter Spruch, aber wirklich wahr und er soll dir Hoffnung schenken.
Zitat von KölscheJung:Ich denke Dein Therpeut geht tiefer als Du gerade bereit bist.
Den Eindruck habe ich auch. Denn eigentlich bist du es ja, der "im Kreis labert". Aber wenn du jemanden findest, mit dem du effektiver arbeiten kannst, ist das unbedingt einen Versuch wert.
Du bist ein kluger Kopf, reflektierst dich sehr intensiv und du bist noch so jung. Ich denke, du hast die besten Voraussetzungen, noch sehr, sehr viel für dich herauszuholen, an deiner Reifung und Persönlichkeit zu arbeiten.
Ich glaube, dass es dir sehr gut täte, mal eine gewisse Zeit mit dir allein zu bleiben. Der Rat deiner wahrscheinlich etwas hilflos deinem Leid gegenüberstehenden Freunde ist sicher gut gemeint, aber ich halte es für völlig kontraproduktiv, dich direkt wieder in die nächste Frauengeschichte zu stürzen. Besser wäre eine Selbstfindungsphase, gib dir ruhig mal ganz bewusst ein Singlejahr oder zwei, um dann nach einer Zeit der Heilung und Reifung auch mal in den Genuss einer wirklich schönen, dramafreien Beziehung mit echten, tiefen Gefühlen zu kommen, jenseits der romantischen Anhaftung. Ich glaube fast, dass du so etwas noch gar nicht kennen gelernt hast.