Ich will das warum verstehen

wolfi

67
4
Hallo
Ich habe mich seit einigen Wochen mit den Beitr├Ągen im Forum besch├Ąftigt und war ├╝berrascht ├╝ber die tiefe Anteilnahme, die Betroffenen hier entgegenschl├Ągt und die ├╝berwiegend hilfreichen Ratschl├Ąge und Tipps (Hallo Feechen, Wuppi u.a.).
Naja, Ausnahmen gibt's nat├╝rlich auch hier, aber das mu├č man halt akzeptieren und man kann sie ja ignorieren.

Ich hoffe nun, dass ihr mir mit euren Beitr├Ągen ebenfalls weiterhelfen k├Ânnt, weil mich das Ende meiner
30 - j├Ąhrigen Beziehung, vor 8 Wochen ist meine Frau ausgezogen, wahnsinnig belastet.
Auch die konsequent durchgehaltene Kontaktsperre, mit deprimierender Ausnahme am hl Abend meines Sohnes zuliebe, zeigt bisher wenig Wirkung.

Ich liebe meine Frau immer noch, auch nach allem was geschehen ist, ├╝ber alle Ma├čen und ich vermisse sie sehr.

Andererseits w├Ąre ich jetzt nicht mehr bereit, unter den gegebenen Umst├Ąnden die Beziehung einfach wieder aufzunehmen, sondern glaube, dass aufgrund der Geschehnisse, erst alles unter fachm├Ąnnischer Hilfe, aufgearbeitet werden m├╝sste.

Im Gegensatz zu mir, w├Ąre meine Frau auch dazu nicht bereit, sondern besteht auf der endg├╝ltigen Trennung.

Mir fehlt daf├╝r jegliches Verst├Ąndniss, bin mir aber sicher, dass mir das Abl├Âsen von meiner Frau leichter fallen k├Ânnte, wenn ich ihre Beweggr├╝nde, nicht nur akzeptieren m├╝sste, sondern endlich verstehen k├Ânnte.
Was ist, verdammt noch mal, falsch gelaufen und welche anderen Alternativen h├Ątte es gegeben?
Meine Frau meint ja, irgendwann w├╝rde ich sie schon verstehen, aber momentan ist es leider noch nicht soweit.

Bevor ich weiter aushole, w├╝├čte ich gerne, ob ihr es auch so seht, dass das Verstehen der Gr├╝nde, die zum Beziehungsende f├╝hrten, wirklich hilfreich f├╝r das Verarbeiten der Geschehnisse und den Abl├Âsungsvorgang ist oder ob es besser ist, die Vergangenheit ruhen zu lassen und die Energien auf die Zukunft zu lenken.

Ich bin gespannt, wie ihr die Sache seht.

Viele Gr├╝├če

28.12.2004 23:34 • #1


Ehemaliger User


Hallo ,

da Deine Frau ihren Weg weiter geht, solltest Du nicht mehr nach den Gr├╝nden fragen. Selbst wenn sie Dir Antworten geben w├╝rde, k├Ânnten sie Dich sehr verletzen, und das w├╝rde Dich eher zur├╝ckwerfen als weiterbringen. Irgendwann interessieren Dich ihre Antworten auch nicht mehr.

Bei mir sah die Trennung anders aus als bei Dir. Ich habe meinen Mann gebeten zu gehen, in der Hoffnung dann endlich mit ihm ins Gespr├Ąch zu kommen. Nur die wenigen, die wir gef├╝hrt haben, haben meine Gem├╝tslage nur noch verschlechtert.

Da er mich nach kurzer Zeit ersetzt hat, habe ich endlich Hundertprozentig gewu├čt, das er mich nicht mehr geliebt hat. Im Nachhinein bin ich froh diese Entscheidung getroffen zu haben, auch wenn die letzten Monate sehr schwer f├╝r mich waren.

Ich hoffe, das Dir ein "Rosenkrieg" wie ich ihn inzwischen f├╝hren mu├č, erspart bleibt.

L.G.

Wuppi

29.12.2004 00:00 • #2



Ich will das warum verstehen

x 3


wolfi


67
4
Hallo Wuppi
Danke f├╝r die schnelle R├╝ckmeldung, aber hier nur kurz zur Klarstellung.
Es geht mir nicht darum, Gr├╝nde oder Antworten meiner Frau neu kennenzulernen. Die sind mir ja bekannt, aber ich verstehe sie einfach nicht und hoffe, dass Au├čenstehende mir diese Geschehnisse eher begreiflich machen k├Ânnen,
um damit besser abschliessen zu k├Ânnen.
Ich will nicht nur akzeptieren,resignieren und vielleicht die gleichen Fehler wiedermachen, sondern verstehen, verarbeiten und mich weiterentwickeln.

Liebe Gr├╝├če


29.12.2004 00:25 • #3


Ehemaliger User


Hi nochmal,

da keiner Deine Frau kennt, wird das kaum m├Âglich sein.

Das w├Ąren alles nur Spekulationen und die w├╝rden Dir auch nicht weiterhelfen.

Gute Nacht
Wuppi

29.12.2004 00:32 • #4


wolfi


67
4
Gute Nacht

29.12.2004 00:38 • #5


EinVerlassenerG.


83
8
hallo Wolfi

also nunja meine Beziehung ging nur ein Jahr.... also nicht zu vergleiche mit deiner Situation

aber mir hat es zumindest geholfen m├Âglichst gar nicht mehr ├╝ber die Gr├╝nde nachzudenken, einfach nach vorne schauen...

tut mir Leid f├╝r dich, kann mich in deine Situation nichtmal ann├Ąhernd hineinversetzen

Viel Erfolg und Alles Gute
Gru├č

29.12.2004 01:29 • #6


wolfi


67
4
Danke f├╝r deinen Beitrag und vielleicht hast du recht, einfach nicht mehr ├╝ber die Gr├╝nde nachzudenken.
Nur klappt das nicht, sondern ich komme umsomehr ins Gr├╝beln, je weniger ich den Ablauf verstehe.

Im Vordergrund steht f├╝r mich mein eigenes Verhalten:
Inwieweit habe ich mich destruktiv verhalten, war ich zu unsensibel die Warnsignale zu sehen, welche Alternativen h├Ątte es gegeben und warum trauere ich so unendlich meiner Frau hinterher, obwohl sie mich doch zutiefst entt├Ąuscht und verletzt hat.
M├╝├čte ich denn nicht wahnsinnig w├╝tend auf sie sein, anstatt sie immer noch zu lieben?
Was hei├čt denn ├╝berhaupt "lieben"??

Viele Gr├╝├če

29.12.2004 09:06 • #7


darkangelmonika


95
9
Guten Morgen ,

deine Frau ist weiter als du. Sie hat sich lange vor deinem Wissen mit der Trennung besch├Ąftigt.
Du wei├čt der Verlasser verl├Ąsst schon lange vorher - im Herzen.

Ich wei├č nicht was alles bei euch passiert ist, aber ich denke du bist mind. genauso "schuldig".
Ich behaupte mal, einige M├Ąnner k├Ânnen nicht so gut ├╝ber ihre inneren Gef├╝hle reden.
Bei euch ist sehr sehr viel schlimmes passiert. Und jeder trauerte anders f├╝r sich.
Dazu kamen dann vielleicht noch "private - intime" Probleme und jeder lebte f├╝r sich.
Arbeit - Haushalt - Garten - Besuche - usw.
Vieles bleibt auf der Strecke.
Irgendwann hat es vielleicht bei deiner Frau "Klick" gemacht und so sollte es f├╝r sie nicht weitergehen. Weil sie nicht anders konnte.
Vielleicht war der Zeitpunkt f├╝r das "Zusammen" vorbei und du hast es zu sp├Ąt bemerkt.
Weil wieder irgendetwas wichtig (er) war?
Nur Gedanken von mir. Denn ich wei├č es nicht.
Ich wei├č aber, da├č viel passieren mu├č, damit verlassen wird.
Und passiert ist bei euch viel.

Mit dem Vater meiner Kinder kann ich jetzt nach vielen Jahren der Trennung "normal" umgehen.
Ich trenne (Vater // Ex-Mann). Und das l├Ąuft ganz gut.

Heute ist zum Gl├╝ck schon Bergfest und da die Feiertage so sch├Ân aufs Wochenende fallen, freue ich mich aufs Wochenende. Leider mu├č ich arbeiten und hab so gar keine Lust.
F├╝r alle Traurigen, glaube ich, war es vielleicht auch nicht so schlimm, eben weil Wochenende war.
Wie jetzt der Jahreswechsel.

Ich werde mich auf ihn freuen und mir nur (versuchen) Dinge vorzunehmen, die ich auch erf├╝llen kann.
Meine Kinder haben sich zu "Partys" verabredet und ich werde DVD sehen. Hab mir eine lang ersehnte bestellt (die heute wohl eintreffen wird) und freue mich auf den Abend mit mir!

Hier hat es heute Nacht auch etwas geschneit und wir hatten ca. -1 Grad. Aber kein echter Winter.

Liebe Gr├╝sse ins Allg├Ąu
Monika

29.12.2004 09:40 • #8


Ehemaliger User


Hallo Wolfi,

bei mir waren es keine 30 Jahre, es waren nur 9,5 als meine damalige Frau ihre Sachen packte und mich f├╝r einen Anderen Hals ├╝ber Kopf verlassen hat. Nat├╝rlich habe ich auch das Gespr├Ąch gesucht und versucht Antworten zu bekommen. Und mir war klar, dass ich auf manche Fragen nur von ihr eine Antwort bekommen kann.
Doch denke ich, man erwartet zuviel, wenn man in einer solchen Situation ehrliche und offene Antworten haben m├Âchte. Auch der Partner der geht ist nicht immer in der Lage, dass wirklich so zu begr├╝nden, dass es schl├╝ssig f├╝r den ist, der zur├╝ckgelassen wird. Auf beiden Seiten sind die Emotionen gewaltig.

Wie also umgehen mit den ganzen Fragen, die einem so im Kopf umherschwirren? Wie umgehen mit der ganzen Situation, in der man sich gerade wieder findet ohne dort sein zu wollen?

F├╝r mich war der Wille entscheidend, dass ich daran nicht untergehen wollte. Ich wollte nicht am Boden bleiben. Also bin ich recht offensiv mit dem Thema Trennung umgegangen und habe unter anderem auch hier im Forum sehr viel geschrieben. Und dann habe ich im Chat sehr viele Gespr├Ąche gehabt ÔÇô und ab und an haben wir dort auch einfach nur Bl├Âdsinn gemacht. War eine gesunde Mischung.

Und ich habe auch versucht, mich mit mir selber und den Fragen auseinander zu setzen, die immer wieder und wieder aufgetaucht sind. Diverse Varianten der Frage: Warum?
Nun, ich denke wenn man sich selbst und kritisch genug mit dem Leben davor auseinander setzt, kommt man schon auf viele Dinge, die eben nicht so optimal gelaufen sind. Meist ist so ein Entschlu├č jemanden zu verlassen, mit dem man so lange Zeit zusammen war, kein spontaner Gedanke. So etwas braucht Zeit zum reifen und den Mut zu fassen, diesen Weg zu gehen. Oder manchmal ben├Âtigt es auch eines ÔÇ×FluchthelfersÔÇť.
Wie auch immer, ich war zur├╝ck gelassen worden und habe durch den kritischen Umgang mit unserer Vergangenheit so ein paar meiner offenen Fragen beantworten k├Ânnen. Oder sagen wir lieber so, f├╝r mich beantworten k├Ânnen. Ob die Antworten alle deckungsgleich mit denen meiner Ex gewesen sind, wage ich zu bezweifeln, aber ich denke schon, dass das meiste gepasst h├Ątte.
Versteh mich hier richtig. Wenn ich sage kritisch, dann bedeutet das nicht, dass man sich selbst zerfleischen und zerlegen soll. Fehler hat meistens nicht nur einer in einer Partnerschaft gemacht. Und ich habe mich auch davor geh├╝tet, diese Fehler zu bewerten oder gegeneinander aufzuwiegen. In Summe haben alle Fehler dazu gef├╝hrt, dass es so gekommen ist.

Man h├Ątte vermutlich einiges vermeiden k├Ânnen. Doch wo w├Ąren wir dann heute? Noch so eine Frage, die ohne Antwort bleibt. Oder wenn eine Antwort da ist besteht sie aus reiner Spekulation. Und das ist der zweite Teil der Fragen, die ich hatte.
Manche Fragen sind einfach nicht selbst beantwortbar. Vielleicht werden sie zu einem sp├Ąteren Zeitpunkt mal eine Antwort finden, jedenfalls nicht in der n├Ąchsten Zeit. Also bleibt dir nur, dies so zu akzeptieren. Verdr├Ąngen ist nicht immer der Weg, zumindest war er es  auch nicht f├╝r mich. Ich habe gelernt, dass die Fragen eben offen bleiben und das es auch m├Âglich ist, dass ich nie eine Antwort bekommen werde. Und damit konnte ich dann umgehen.

Abstand hilft oft und auch die Zeit. Meine Ex und ich haben uns ca. 7 Monate nach der Trennung wieder gesehen und wir haben dr├╝ber gesprochen, was passiert ist. Und dabei ist mir noch etwas sehr bewusst geworden. Jeder hat eine andere Wahrnehmung der Dinge. Meine Wahrnehmung und meine Erinnerung waren der Ihren schon widerspr├╝chlich. Um nur ein kleines Beispiel zu nennen: Sie meinte, es h├Ątte sie niemand gewarnt und ihr niemand gesagt, sie soll den Unfug lassen. Aber ich wei├č genau, dass ihr gute Freunde geraten haben, die Finger von solchen Schritten zu lassen und sich mit dem auseinander zu setzen was da ist.
(├ťbrigens haben wir immer noch sporadisch Kontakt. Sie wohnt 600 km weit weg.)
Also kann es auch durchaus schwierig werden, Antworten selbst nach einer Zeit der Distanz zu bekommen.

Ein anderer Punkt, der mir aufgefallen ist in deinem Beitrag, war dein Vorschlag, eine Beratung in Anspruch zu nehmen, falls ihr noch einen Versuch wagen wollt. Auch ich habe diesen Vorschlag gemacht. Doch wei├čt du, wenn Leute einmal unterwegs sind, kannst du sie nicht mehr so einfach aufhalten. Es kommt dann eigentlich kaum noch etwas von dem an, was man sagt.

Heute ist die Trennung 2 ┬╝ Jahr her. Der Weg war nicht immer einfach und manchmal habe ich mir auch selber Steine in den Weg gelegt. Man lernt eben noch mal neu. Mir hat wohl geholfen, dass ich das dann auch wollte und dass ich irgendwann auch sehr neugierig auf dieses neue Leben geworden bin und auf die Menschen, die mir hier begegnen.

Heute geht es mir gut. Ich habe eine andere Liebe gefunden und sehe auch, dass man die Liebe, die man f├╝r Menschen empfindet, genauso wenig vergleichen kann und sollte, wie man die Menschen gleichsetzen sollte. Menschen sind keine mathematischen Gleichungen wo auf der einen Seite die Ex steht mit positiven und negativen Eigenschaften und auf der anderen Seite eine neue Partnerin mit ihren. Man mu├č lernen die neuen Partner als eigenst├Ąndig anzusehen ohne immer wieder den oder die Ex vor Augen zu haben.

Wolfi f├╝r die n├Ąchste Zeit w├╝nsch ich dir viel Kraft und einen wachen Verstand, dass du f├╝r dich einen Umgang mit dem findest, was da als Karussell in deinem Kopf umherschwirrt.

LG

Nordlicht

29.12.2004 09:57 • #9


wolfi


67
4
Hallo Monika
Habe soeben deine mail gelesen, vielen Dank f├╝r die schnelle R├╝ckmeldung und deine netten Worte.

Ich stimme dir auch v├Âllig darin zu, dass viele M├Ąnner sich schwer tun, ├╝ber ihre innersten Gef├╝hle zu reden, denke aber (nat├╝rlich ganz subjektiv), dass dies auf mich nicht zutrifft.
Vielleicht unterhalte ich mich deshalb viel lieber mit Frauen, weil da mir wichtigere Themen als S., Autos und Sport eher angesprochen werden k├Ânnen.
Meine Frau hat mir ├╝brigens bei unseren letzten Gespr├Ąchen vorgeworfen, dass es sie schon immer gest├Ârt hat, wie schnell ich immer wieder intensiven Kontakt zu Frauen aufbauen w├╝rde. Wohlgemerkt, ich war meiner Frau trotzdem immer treu, sie war meine erste und (ich trau's mich kaum zu schreiben) meine einzige Frau und wir sind immerhin seit 30 Jahren zusammen.
Schade eigentlich, dass sie es nicht umgekehrt als Vertrauensbeweis sehen konnte und noch schlimmer, dass sie es mir nicht fr├╝her gesagt hat.

Daran siehst du aber auch, warum ich es in unserer Beziehung umgekehrt sehe. Meine Frau ist eher zurückhaltend, wenig spontan und gibt, auch auf entsprechende Bitten hin,  kaum Einblick in ihr Seelenleben, sodass ich oft auf Vermutungen angewiesen war.

Durch unsere Schicksalsschl├Ąge tief getroffen, hat sie sich noch mehr zur├╝ckgezogen und um ihre Gef├╝hlswelt einen dicken Panzer gelegt.
Leider ist es mir nicht gelungen, ihren Abwehrg├╝rtel zu durchbrechen und wieder zu ihrem Herzen vorzudringen.

Du hast v├Âllig recht mit deiner Vermutung, wir h├Ątten uns mehr und mehr auseinandergelebt, aber wir haben uns nicht grundlos auseinandergelebt, sondern meine Frau hat sich, meines Erachtens, viel zu schnell von mir abgewendet.
Nicht mal 2 Jahre waren seit dem grausamen, unverschuldetem Unfall vergangen, den ich selbst lebensgef├Ąhrlich verletzt (Dutzende von Knochenbr├╝chen, Gelenk - und Organverletzungen), durch den Tod unseres zweiten Sohnes verzweifelt, noch in keinster Weise verarbeiten konnte.

Aber sie  war nicht mehr bereit, zu mir zu stehen, weil ihre Liebe, angeblich aufgrund meines destruktiven Verhaltens in eben dieser Extremsitusation, verschüttet wurde.

Nat├╝rlich liegt ┬áhier mein Teil der ÔÇ×Schuld", denn meine Frau war ebenfalls v├Âllig verzweifelt und ich h├Ątte ihr, als es mir k├Ârperlich wieder m├Âglich war, den notwendigen R├╝ckhalt geben m├╝ssen. Aber ich konnte es einfach nicht, weil ich v├Âllig in unendlicher Trauer versunken war.

Sie verlangte nun, ich m├╝sse Geduld haben und abwarten, ob sich etwas ├Ąndert. Ich habe diese Situation akzeptieren m├╝ssen und ich habe versucht Geduld zu haben, aber es war hoffnungslos.
Ich hatte nie das Gef├╝hl, dass sie etwas an der Fortf├╝hrung unserer Beziehung gelegen war, sie hat sich immer mehr vor mir zur├╝ckgezogen, und ging ihren eigenen Weg, aufgrund der spannungsgeladenen Situation, leider zunehmend allein.

Hier sehe ich jetzt den Teil der ÔÇ×Schuld" meiner Frau, m├Âchte aber doch in beiden F├Ąllen nicht von ÔÇ×Schuld", sondern von Schicksal und dem Unverm├Âgen damit umzugehen reden.
Denn wir h├Ątten zusammenhalten, uns gegenseitig R├╝ckhalt geben m├╝ssen, um gemeinsam die Katastrophe zu ├╝berstehen.

Immer wieder habe ich dann in der Folge versucht, die entstandene Situation zu ├Ąndern, die wir beide so nicht mehr wollten, jedoch hat sich meine Frau v├Âllig vor mir verschlossen, anstatt zu versuchen wieder N├Ąhe zuzulassen und sich jetzt nach 2 weiteren, schwierigen Jahren von mir getrennt.
Sie ist auch jetzt nicht gl├╝cklich, verliert auch noch zunehmend den Kontakt zu unserem letzten Sohn, der bei mir lebt und ihre Handlungsweise in keinster Weise verstehen kann und es ist auch (angeblich) kein neuer Partner im Spiel.

Mu├č es denn dann wirklich vorbei sein?
Ist sie wirklich "weiter" oder ist sie eher auf einem falschen Weg?
Kann ich vielleicht die Trennung als M├Âglichkeit f├╝r uns ansehen, endlich zur Ruhe zu kommen, um dann vielleicht wieder N├Ąhe zuzulassen?
Warum nimmt sie keine therapeutische Hilfe in Anspruch?
Warum bin ich nicht stinksauer und w├╝tend, weil sie mich (subjektiv) viel zu schnell verlassen und unsere "Restfamilie" zerst├Ârt hat, sondern ist es mir so wichtig, dass sie endlich wird gl├╝cklich wird, wenn es sein mu├č, auch ohne mich?

So viele Fragen und ich bin wahnsinnig gespannt wie's weitergeht.
Manchmal gibt es vielleicht keine endg├╝ltigen Antworten,
aber auch neue Gedanken, Vermutungen oder Spekulationen k├Ânnen hilfreich sein.
Eine klitzekleine Hoffnung auf eine Wende habe ich zwar immer noch, aber ich kann nur noch zuschauen. Blockiert mich das im Loslassen?

Liebe Gr├╝├če

29.12.2004 21:25 • #10


Ehemaliger User


Hallo ,

wenn ich Dich richtig verstehe, kam die Trennung nicht aus heiterem Himmel. Deine Frau hat sich die Entscheidung also nicht leicht gemacht, sich aber schon viel l├Ąnger mit ihr auseinander gesetzt. Glaube mir, eine so langj├Ąhrige Ehe gibt man nicht leichtfertig auf, au├čer eine dritte Person spielt eine Rolle.

Eine Therapie k├Ânnte ihr vielleicht helfen die Probleme die sie hat zu bew├Ąltigen. Es bedeutet aber nicht, das sie dann auch zu Dir zur├╝ckkehren w├╝rde. Manchmal werden einem in so einer Therapie die Dinge erst so richtig klar. Bei mir war es jedenfalls so.

Sicherlich m├Âchte man den Anderen verstehen. W├╝rde es Dir aber wirklich helfen? Doch nur, wenn Deine Frau noch Interesse an der Ehe h├Ątte. Dann k├Ânntet ihr gemeinsam an der Bew├Ąltigung arbeiten.

Das was jetzt in Deinem Kopf vor geht, ist ein Abschnitt der Bew├Ąltigung. Andere werden folgen, und sie werden Dir helfen alles zu verarbeiten, auch wenn Du vielleicht nie verstehen wirst was geschehen ist.  :(

L.G.
Wuppi

30.12.2004 00:56 • #11


wolfi


67
4
Hallo Wuppi
Wenn ein Partner eine Beziehung, insbesondere eine solch langj├Ąhrige in Frage stellt, sollte es dann nicht selbstverst├Ąnlich sein, gemeinsam mit dem Partner die zugrundeliegenden Probleme anzusprechen, bereit sein auch eigene Fehler zu akzeptieren und gemeinsam an L├Âsungsm├Âglichkeiten zu arbeiten, anstatt sich alleine damit zu besch├Ąftigen und eine Entscheidung zu treffen, ohne der Beziehung und dem Partner eine Chance zu geben.

Ich halte es f├╝r absolut unfair und leichtfertig und entspricht eigentlich nicht dem Charakter, den ich bei meiner Frau vermutete.
Deshalb sehe auch ich die einzige Erkl├Ąrung, in einem neuen Partner, der ihr die Entscheidung leichter macht, auch wenn sie es kategorisch bestreitet.
Schaun wir mal.

Verstehen zu k├Ânnen, hilft mir  beim Verarbeiten und erleichtert, hoffentlich das Loslassen.
L.G.

30.12.2004 06:55 • #12


Ehemaliger User


Guten Morgen ,

nach allem was Du hier geschrieben hast machst Du einen sehr starken Eindruck auf mich. Vielleicht hat Deine Frau Angst vor Gespr├Ąchen mit Dir. Du beschreibst sie als eine in sich gekehrte Frau, die ihre Probleme mit sich ausmacht. Das wird seine Gr├╝nde haben. Die m├╝ssen aber nichts mit Deiner Person zu tun haben.
Depressionen und andere psychische Erkrankungen sieht man einem Menschen nicht an, und sie sind f├╝r viele nicht nachvollziehbar. Auch wenn Du als ihr Mann viel Verst├Ąndnis gezeigt hast, davon gehe ich mal aus, reicht das manchmal nicht.
Ich war 3 Monate in einer psychsomatischen Klinik und mache seit Jahren Therapie. Trotzdem frage ich mich oft, was eigentlich mit mir los ist. Wie soll ich das dann jemand anderen Erkl├Ąren?!
Und vielleicht geht es Deiner Frau genauso. Wie willst Du etwas verstehen, was sie selbst nicht versteht?

L.G.
Wuppi

30.12.2004 10:55 • #13


wolfi


67
4
Hallo Nordlicht
Dein Beitrag ist ja sehr ausf├╝hrlich und umfassend ausgefallen, deshalb zun├Ąchst einmal vielen Dank f├╝r die M├╝he, die du dir gemacht hast..
Allein die Vorstellung, dass da Leute sind, die sich so intensiv mit meinen Problemen besch├Ąftigen, baut auf und tut einfach gut.

In vielen Dingen, die du schreibst sprichst du mir aus der Seele.
Ich bin ebenfalls nicht bereit, am Boden zu bleiben, sondern will das Thema Trennung offensiv und ganz bewu├čt angehen, auch wenn dabei Dinge zur Sprache kommen, die mir weniger gefallen.
Ich verbinde damit die Hoffnung, wenn die Trennung wirklich unausweichlich sein sollte, besser damit umgehen zu k├Ânnen, daraus zu lernen, mich pers├Ânlich weiterzuentwickeln und notfalls besser loslassen zu k├Ânnen.

Der kritische Umgang mit der Vergangenheit, hei├čt f├╝r mich eben auch, nach Antworten auf offene Fragen zu suchen. Nicht um Fehler zu bewerten und gegenseitig aufzurechnen, sondern um mein Verhalten zu reflektieren, bewu├čt werden zu lassen, mit Abstand jetzt  zu erkennen, wo Vers├Ąumnisse und Fehleinsch├Ątzungen vorlagen.
Nicht um zu bedauern, welche Chancen ungenutzt blieben, um negative Geschehnisse zu verhindern, sondern um vielleicht ├ähnliches in Zukunft vermeiden zu k├Ânnen.

Momentan herrscht in mir eine riesige Entt├Ąuschung vor, ein Gef├╝hlsmix aus Trauer, Wut, Verzweiflung und Sinnlosigkeit, die mich aber gleichzeitig auffordert eine Wunschvorstellung oder Erwartungshaltung aufzugeben und eine neue Wirklichkeit anzuerkennen. Ich will einfach nicht in meiner alten Haltung verbittert resignieren, sondern auf die Welt reagieren, wie sie wirklich ist.

Damit stelle ich aber auch einige meiner grundlegenden Charaktereigenschaften und Wertvorstellungen in Frage.

Erst vor Zeit wurde ich von einem Bekannten auf einen meiner gr├Â├čten Fehler (?) hingewiesen, n├Ąmlich meine Blau├Ąugigkeit, prim├Ąr Gutes im Mitmenschen zu vermuten, immer nur seine positiven Seiten zu sehen und Fehler immer und immer wieder zu ignorieren oder zu entschuldigen.
Dies sei gerade in Verbindung mit meiner Sensibilit├Ąt und D├╝nnh├Ąutigkeit ein Riesenfehler, der es mir unn├Âtig schwer mache, mit der Realit├Ąt zurechtzukommen.
Damit hat er sicherlich recht, mit einem Gef├╝hlspanzer f├Ąllt es mir bestimmt leichter, auf die Welt zu reagieren, wie sie wirklich ist.

Aber will ich das denn wirklich ?

Wie steht es mit meiner, offensichtlich naiven, v├Âllig irrationalen Vorstellung, der wahren, gro├čen, einzigartigen Liebe, die alle Widrigkeiten des Lebens ├╝bersteht. Bin ich ein Tr├Ąumer?

Habe ich allen Versuchungen meines Lebens, offensichtlich wirke ich auf Frauen recht attraktiv,
umsonst widerstanden. Ich bin meiner ersten und einzigen Frau aus ├ťberzeugung treu geblieben, nur um mir heute sagen zu lassen, dass sie jegliches Vertrauen zu mir verloren hat.

Kann man ├╝berhaupt jegliches Vertrauen verlieren, nur weil ich situationsbedingt infolge der Schicksalschl├Ąge, (vor├╝bergehend) nicht ausreichend R├╝ckhalt geben konnte.  

Wie soll ich in Zukunft, wie fr├╝her vorhanden, v├Âlliges Vertrauen zu meinem eventuellen neuen Partner aufbauen und mich blind auf ihn verlassen k├Ânnen, wo mich die bitteren Erfahrungen doch eines Besseren belehrt haben?

Und was ist mit meiner, von mir hoch eingesch├Ątzten Menschenkenntnis.
Habe ich denn meine Frau wirklich gekannt, habe ich sie vielleicht ├╝ber die ganzen  Jahre hinweg  falsch eingesch├Ątzt und hat sie mich ├╝berhaupt jemals wirklich geliebt.
Und ich, war ich nicht in Wirklichkeit in ein Bild von ihr verliebt, welches ich mir zusammengebaut hatte, jedoch in keinster Weise der Realit├Ąt entsprach.

Ist es denn nicht sicherer, verst├Ąrkt auf das Aussehen Wert zu legen, denn in das Herz kann man niemals hineinschauen,
aber man kann sich so leicht t├Ąuschen.

Mu├č ich denn jetzt mein ganzes Leben in Frage stellen, weil ich von falschen, idealistischen Voraussetzungen ausgegangen bin?

Ist denn Liebe nur eine Illusion, ein Gef├╝hl, das kommt und geht, v├Âllig egal ob mit dem einen oder anderen Partner, der ja schon an der n├Ąchsten Ecke bereit steht.

Du siehst, ein riesiges Gef├╝hlschaos, nat├╝rlich komme ich da raus, die Frage ist nur wie ?
Die Zukunft wird es schon zeigen.

Viele Gr├╝├če

30.12.2004 19:59 • #14


Ehemaliger User


Hallo ,

Zitat:
Habe ich denn meine Frau wirklich gekannt, habe ich sie vielleicht ├╝ber die ganzen  Jahre hinweg  falsch eingesch├Ątzt und hat sie mich ├╝berhaupt jemals wirklich geliebt.
Und ich, war ich nicht in Wirklichkeit in ein Bild von ihr verliebt, welches ich mir zusammengebaut hatte, jedoch in keinster Weise der Realit├Ąt entsprach.

Man kommen mir diese Gedanken bekannt vor.
Ich habe auch eine Antwort darauf bekommen: "Da mu├č ja mal was gewesen sein!?"  :'(
Das war f├╝r mich die Best├Ątigung, das meine Entscheidung richtig gewesen ist. Nur w├Ąre mein Mann nie von alleine gegangen.  >:(

Obwohl ich Eure Situation doch anders sehe.  :-/


Zitat:
Wie soll ich in Zukunft, wie fr├╝her vorhanden, v├Âlliges Vertrauen zu meinem eventuellen neuen Partner aufbauen und mich blind auf ihn verlassen k├Ânnen, wo mich die bitteren Erfahrungen doch eines Besseren belehrt haben?

Diese Frage haben sich hier auch schon viele gestellt. Leider fehlt noch die entscheidende Antwort.  ???


Du bist aber schon wieder einen Schritt weiter gekommen.

Dein Gef├╝hlsmix zeigt, das Du die n├Ąchste Stufe erklommen hast.  :D

Weiter so! Es geht Bergauf.  ;)

Gru├č
Wuppi

31.12.2004 00:16 • #15



x 4




Ähnliche Themen

Hits

Antworten

Letzter Beitrag