Petra_
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mein Verlobter und ich sind seit 4 Jahren ein Paar. Im letzten Jahr hat er mir einen Antrag gemacht, in der Öffentlichkeit vor zahlreichen Menschen. Bin eher scheu und mochte das überhaupt nicht, zumal mich viele Menschen währenddessen gefilmt haben und für mich war dieser Moment eine Qual.
Natürlich hab ich Ja gesagt und war froh als es vorbei war, hab einige Tage später aber auch angesprochen, dass mir sehr unwohl war und er hätte eigentlich wissen müssen, dass das für mich ein schrecklicher Moment war und ich mir gewünscht hätte, wir hätten über das Thema Hochzeit überhaupt mal gesprochen vorher.
Da fing es eigentlich schon an, dass er mich nicht verstanden hat, sondern mich "undankbar" fand. Andere Frauen wären über so einen Antrag froh gewesen. Mag sein, aber ich bin dafür nicht der Typ. Da waren hunderte fremde Personen, die mich gefilmt haben. Das war für mich (!) die Hölle. Ich wollte nur fliehen, aber auch nicht auffallen, damit das Video nicht irgendwo im Netz landet.
Mir wird heute noch übel, wenn ich daran denke.
Als ein paar Wochen vergingen und ich wieder nüchtern drüber sprechen konnte, habe ich gesagt, dass ich gerne nur zu zweit heiraten würde, aber das sorgte dann erneut für Unmut bei meinem Freund. Er wollte eine Feier. Nun ist es irgendwie die letzten Wochen so gekommen, dass er Einladungskarten hat drucken lassen und wir inzwischen über 100 Gäste eingeladen haben. Natürlich hat er das nicht hinter meinem Rücken gemacht. Ein Kleid habe ich schließlich auch schon gekauft. Auch meine Freunde und meine Familie sind natürlich eingeladen. Wir haben noch 7 Monate Zeit bis dahin. Bis jetzt haben fast alle zugesagt und freuen sich riesig. Erst heute hat meine Oma mich wieder angerufen und mir gesagt, wie froh sie ist, dass ich so glücklich bin. Die Location ist reserviert, das Essen bestellt, die Gäste haben Hotelzimmer reserviert. Alle denken, dass wir so glücklich sind.
Aber das stimmt überhaupt nicht. Ich hardere mit mir, fühle mich unwohl, will das alles überhaupt nicht. Aber ich hab es auch nicht geschafft, mich dagegen zu wehren. Ich weiß nicht, wie ich es anders ausdrücken soll. es ist nicht so, dass ich wehrlos bin, dass ich gezwungen wurde, aber ich habe es nicht geschafft standhaft zu sein "Nein. Ich möchte das nicht."
Inzwischen haben wir uns sogar darauf geeinigt (ich hab mit meinem Freund gesprochen), dass wir nur die Feier machen. Also wir feiern, damit keiner "merkt", dass wir eigentlich nicht heiraten und es nicht peinlich wird und man nicht absagen muss, aber auf dem Papier möchte ich es nicht tun. Wir werden einfach sagen, wir hätten alleine standesamtlich einige Tage zuvor geheiratet. So weit ich es also schon.
Aber ich komme mir so blöd und feige dabei vor. Ich feiere eine Fake-Hochzeit, die ich gar nicht will, damit ich mein Gesicht nicht verliere, damit keiner über mich redet oder schlecht von mir denkt. Ich ärgere mich so sehr über mich, dass ich es nicht von Anfang an geschafft habe für meine Bedürfnisse einzustehen. Ich will nicht heiraten. Ich tu's auch nicht, aber die Feier abzusagen bin ich zu schwach.

