Zitat von thegirlnextdoor: Dass man deswegen aber niemals mit Vorsatz handelt, stimmt trotzdem nicht.
Sehe ich auch so. Ein Beispiel aus meiner persönlichen Schatzkiste aus jüngeren Jahren: es gab mal einen Mann in meinem Leben, den ich aus heutiger Sicht auch als gestört einordnen würde. Damals dachte ich, er hätte halt nur ein paar Vertrauensprobleme und wenn ich ihm zeigen würde dass er die bei mir nicht braucht, würde es schon gehen.. (genau die Denke, die wir hier von RyanG und zahllosen anderen TE mit unsicher-dependenten Beziehungsmustern auch kennen). Ich hab also tapfer den über mir ausgekübelten Mist ertragen und an der Beziehung "gearbeitet", bis, ja bis sich eines Tages mein Nebel lichtete und mir klar wurde: der kränkt und verletzt mich mit seinen Ausrastern und seinen Abwertungen nicht, weil er so sehr unter seinen (unbegründeten) Zweifeln leidet - nein - das hat System, es geht darum mich klein und abhängig zu halten, damit er mit seinem Minderwertigkeitskomplex neben mir bestehen kann. Damit
ich (s)ein Problem habe, und nicht mehr er.
Nachdem ich DAS einmal geschnallt hatte, war dieser Beziehungskrampf blitzschnell Geschichte.
Und ja, es gibt Menschen, die absichtlich ihre Psychospielchen treiben, nämlich aus dem simplen Grund, weil sie auf diese Weise innerhalb der Beziehung Macht und "Sicherheit" über den anderen erlangen. Es geht ihnen darum, ihre eigenen schlechten Gefühle über das Haftbar-machen des anderen in den Griff zu kriegen. Für die Ursachen ihres Verhaltens können Menschen mit solchen Störungsbildern nichts - für die Auswirkungen ihres Verhaltens auf andere allerdings schon.
Zitat von thegirlnextdoor: wenn ich mich täglich auf den Fisch erbrechen würde, würde ich das hinterfragen.
This!
Zitat von cien: Eben das in ihrem Verhalten etwas nicht passt. Ob sie das dann animmt ist ihre Sache. aber wenn ihr das nie jemand sagt, wird das immer weiter so laufen.
Ich hatte das hier alles so verstanden, dass er ihr das schon drölfzig mal erklärt hat, z. B. im Rahmen der vorherigen drei (?) Off-On-Situationen.
Zitat von Dia: Menschen geraten, die - ob nun absichtlich/bewusst oder unabsichtlich/unbewusst, da krank o.ä. - mir einfach nicht gut getan haben, dass ich da keinen Unterschied mehr mache, ob derjenige das nun absichtlich/bewusst macht oder nicht.
Und für diesen Beitrag kann ich gar nicht oft genug auf "Danke" klicken.
Am Ende des Tages ist es nämlich egal, ob mir jemand absichtlich oder versehentlich eine Delle in mein Auto fährt. Die Delle ist in beiden Fällen da. Und wenn mir jemand immer wieder Dellen ins Auto fährt, ist es auch egal, ob er das absichtlich oder versehentlich tut. Im Grunde müsste man fast schon sagen: wenn er es absichtlich tut, gibt es wenigstens realistische Chancen ihn dazu bringen zu können, es zu lassen ...
Letztlich sehe ich es wie @Dia, es ist an einem selbst, ungesunde Verhaltensweisen bei anderen zu identifizieren und sich selbst davon klar abzugrenzen, notfalls dadurch dass man die betreffende Person aus seinem Leben verbannt (oder gar nicht erst hineinlässt, wenn man es früh genug merkt, was mit etwas Aufmerksamkeit in vielen Fällen gar nicht so schwer ist).
Zitat von RyanG: Kannst Du mir da auf die Sprünge helfen, wie Du das meinst?
Ich meine damit, dass bestimmte Formen von "Gutmütigkeit" auch damit zusammen hängen können, dass man selbst keinen guten Zugang zu seinen Aggressionen hat. Genau wie Menschen, die zum Ausrasten und zu vielen und heftigen Konflikten neigen, ein Aggressionsproblem haben können, können auch Menschen, die keine Grenzen setzen und Konflikte scheuen und ein stark ausgeprägtes Harmoniebedürfnis haben, ein Problem mit ihren Aggressionen haben. Es fehlt dann an angemessenem Umgang mit Wut, Auseinandersetzung usw. im Repertoire an Konfliktlösungsstrategien und gleichzeitig könnte ein Übermaß an Deeskalationsbereitschaft, Nachgiebigkeit, "Verständnis" und Harmoniebedürfnis zu beobachten sein.
Dahinter kann zum Beispiel eine große Angst stecken, dass die eigenen Aggressionen übermächtig werden, sobald sie entfesselt sind. Oder eine persönliche Vergangenheit, in der man seine Aggressionen nie zeigen durfte, weil dies verpönt oder sehr stark sanktioniert war durch die Erziehenden. Oder andere individuelle Ursachen.
Es kann auch sein, dass du im gestalttherapeutischen Sinne zu Konfluenz neigst. Das wäre am ehesten meine Vermutung hier, denn du hast ja ein Thema mit Verlustangst und der Vermeidung von Grenzsetzung/Abgrenzung, weil du vermutlich befürchtest, die Beziehung zu gefährden wenn du zu deutlich Position beziehst. Eine Sorge, die wiederum teilweise aus der fehlenden Augenhöhe innerhalb eurer Beziehung einerseits resultieren, andererseits im Sinne eines Teufelskreises dazu beitragen dürfte, dass das emotionale Gefälle überhaupt so ungleich werden konnte.