Interessantes Problem. Ich steig mal kurz mit aufs Karussell.
Mir fallen bei deinen Einlassungen vor allem zwei Dinge ins Auge. Wahrscheinlich verschiedene Seiten derselben Medaille.
Das eine ist, dass ich in keinem deiner Beiträge so etwas wie Humor, Augenzwinkern oder ein Fünkchen emotionale Leichtigkeit ausmachen konnte. Auch auf Beiträge anderer, die dergleichen an dich herangetragen haben (teilweise gekleidet in Sarkasmus, weil man sich von deiner Haltung schon auch provoziert fühlen kann), hast du in einer Weise reagiert, die deutlich zeigen, dass du Humor nicht verstehst, sondern dich an Sachlichkeit orientierst. Generell scheinst du dich mit dem Dekodieren von Zwischenmenschlichem in der Kommunikation eher schwer zu tun. Die klassischen Flirttipps etc. wirst du vermutlich also nicht umsetzen können.
Das andere ist deine intensive, obsessiv wirkende Beschäftigung mit einer einzigen Materie, das ständige Kreisen um das Ledigsein als Quelle allen Leidens. Gepaart mit fehlenden Kenntnissen über psychosoziale und emotionale Abläufe, sowie einem gering ausgeprägten Verständnis für Eigenverantwortung (beruflicher Werdegang, Reifungsprozesse) und Verantwortung Dritten (Tochter) gegenüber.
Ich denke schon, dass ein Arzt dir helfen könnte. Es müsste allerdings der richtige Facharzt sein, wahrscheinlich mit einer umfangreichen Diagnostik, und du müsstest dich auch darauf einlassen, dass dein Problem nicht das Leidigsein an sich ist, sondern vor allem dein Umgang damit. Genau an dieser Stelle hakt es aber und deshalb wäre dieser Weg für dich wahrscheinlich auch nicht sehr erfolgversprechend.
Zitat von lonelyman81: Aber verheiratet zu sein ist doch ein Bekenntnis, oder?
Für die meisten Menschen ist eine Heirat unter anderem ein Bekenntnis dazu, dass man sein Leben wirtschaftlich und emotional mit der anderen Person teilen möchte. Für dich jedoch ist es das nicht. Du möchtest ja kein Bekenntnis dazu abgeben, dein Leben mit dieser einen besonderen Person, die du lieben gelernt hast und die du nicht mehr missen möchtest, zu verbringen. Du möchtest vielmehr, dass eine relativ beliebige Frau ein Bekenntnis zu DIR abliefert. Und du hast entschieden, dass solange diese narzisstische Zufuhr, diese Aufwertung deines Selbsts nicht erfolgt, du unter verringertem Selbstwertgefühl leidest und zwar ausdrücklich: Qualen. Dein "Bekenntnis" bezieht sich auf den Status des Verheiratetseins, nicht auf die Person auf der anderen Seite dieses Status. Das ist ein großer Unterschied.
Zitat von lonelyman81: Und irgendwie versteht kaum jemand mein Leiden
Dafür gibt es eine einfache Erklärung: du schilderst ein sehr ungesundes Ausmaß von Leiden im Verhältnis zur Ursache. Dass du das nicht verstehen kannst und im Umkehrschluss den Usern hier vorwirfst, aufgrund fehlenden eigenen Leides deines nicht verstehen zu können, deutet darauf hin dass du dich nur schwer in andere Menschen hineinversetzen kannst. Sonst wüsstest du, dass fast alle Menschen im Laufe ihres Lebens - die meisten mehr als einmal - mit Phasen schwersten bis unerträglichen Leides konfrontiert werden. Du tust aber so, als gäbe es nichts Schlimmeres als der Umstand, mit 44 noch nicht verheiratet (gewesen) zu sein. Das zeigt schon ein starkes Ausmaß an egozentrischem Kreisen, vielleicht auch verstärkt durch deine Einsamkeits-Dynamik.
Die faktische Ursache für dein Problem halte ich hingegen durchaus für nachvollziehbar. Ich bin deiner Meinung, dass es den gesellschaftlichen Status und das Gefühl von Normal-Sein verbessert, von sich behaupten zu können, verheiratet zu sein oder es zumindest mal gewesen zu sein. Es lässt einen "normal" wirken, und das kann schon entlastend sein, wenn man insgesamt damit zu kämpfen hat, nicht so normal zu sein, wie man es für den eigenen Selbstwert gerne wäre.
Da du gesagt hast, dass es dir schon Entlastung bringen würde, geschieden zu sein, wäre mein Rat an dich nun, genau das anzustreben. Dazu musst du die maximal möglichen Kompromisse eingehen (jedoch niemals den Boden der Legalität verlassen!), was die Auswahl, Herkunft, Aussehen und den Charakter der Braut betrifft, da das wichtigste Kriterium bei deiner Partnerwahl offensichtlich der Zeitpunkt der Eheschließung ist. Im Anschluss kannst du dann schauen, ob sich daraus noch eine funktionierende Beziehung entwickelt oder ob es in der Scheidung mündet, die für dich ja auch okay wäre.
Aus dem Geschiedenen-Status könntest du dann ja auch wesentlich entspannter agieren, um dein zweites drängendes Problem anzugehen, die Einsamkeit. Zumindest wäre dann der Druck mit dem Heiraten raus, was die Chance, wirklich eine funktionierende Beziehung zu finden, deutlich erhöhen dürfte.
Wenn du dann zudem merkst, dass dein instabiler Selbstwert durch den veränderten Status nicht dauerhaft erhöht bleibt, sondern wieder auf einen qualvollen Tiefstand herabsinkt, kannst du dir entweder das nächste Problem suchen, unter dem du dann Qualen leiden musst, oder aber endlich eine Erkenntnisschleife in Gang bringen, die zu mehr Selbstreflektion und zu echtem Wachstum deiner Persönlichkeit führt. Ich hoffe für dich auf Letzteres.
Noch ein Tipp, der hier schon oft genannt wurde - sieh zu, dass du unter Menschen kommst, und übe dich in positiver sozialer Interaktion. Sei aufmerksam und nett zu anderen, ohne etwas dafür zu erwarten. Einsamkeit ist hart, aber eben oft auch die Folge davon, dass man zu sehr darum kreist was andere einem geben sollen und zu wenig darum, was man selbst denn den anderen anzubieten hat.