Hallo,
ich bin neu hier

. Ich habe mir die Entwicklung deiner Gefühlswelt zum Großteil durchgelesen.
Wir können uns in der Hinsicht die Hand reichen, dass mir das ebenfalls passiert ist. Ich habe eine kleine Tochter und mein Partner und ich sind bereits 7 Jahre zusammen und kennen uns noch viel länger, da wir uns bei der Arbeit kennengelernt haben. Nach fünf Jahren kamen wir als Paar zusammen und heute leben wir gemeinsam in einem Miethaus mit unserer kleinen Tochter, auf die ich unendlich stolz bin.
Aber, nach über 2 Jahren reinem Muttersein ... habe ich eine Affäre begonnen, die völlig unverhofft in mein Leben gepurzelt ist.
Ich habe keine Ahnung, was mich damals geritten hat. Ich schätze, ich wollte aus meiner Unzufriedenheit flüchten und habe mich einfach nur abgelenkt. Ähnlich wie du, fällt es mir schwer, zuhause Forderungen durchzusetzen und um Hilfe zu bitten, wo ich es damals sehr nötig gehabt hätte. Zudem gab es einige Dinge, wo ich von meinem Partner und meinem ganzen Umfeld sehr enttäuscht war, als ich frisch Mutter geworden bin. Eigentlich musste ich vieles alleine managen... und habe viel Kritik einstecken müssen. Ich fühlte mich alleine und unverstanden.
Normalerweise nehme ich keine FAs von Fremden an, die ich nicht kenne. Vor allem nicht von Männern.
Hab ich auch erst einmal gar nicht... ich hatte Frust an diesem Tag und habe diesem Kerl geschrieben, wie er eigentlich dazu kommt, mir einen FA zu schicken, obwohl wir uns so gar nicht kennen.
Ich war echt auf Stress gebürstet.
Naja... er war schlagfertig und hat mich zum Lachen gebracht. Und schon... entwickelte sich das ganze Drama schleichend.
Diese Affäre lief insgesamt fast 2 Jahre.
Nun habe ich den Kontakt abgebrochen.
Die Affäre war emotional sehr intensiv. Natürlich wusste er genau, wie man auf Geigen spielt und unzufriedene Mütter waren sozusagen seine Lieblingsspeise. Eigentlich war er ein ziemliches A., wenn man es ungeschminkt ausdrücken will.
Egal... keine Ahnung wie ich es angestellt habe, aber aus einer rein sexuellen Affäre aus seiner Perspektive, hat er doch irgendwann Gefühle entwickelt und am Schluss spielten alle möglichen himmlischen Geigen eine ganze Symphonie... so sehr, dass er sogar anfing von Heirat zu sprechen...
Mir war schon relativ früh klar, dass sich das Ganze in einer eigenen Welt abspielt... in einer Blase, die alles Andere völlig ausschließt, rein gefühlt natürlich.
Egal.. ich will gar nicht so sehr ausschweifen... was ich sagen will ist, dass ich dich durchaus verstehen kann. Ich kann jede Perspektive verstehen... auch die Ansicht derer, die es verurteilen...
Denn ich war schon auf allen Seiten. Ich weiß, wie es ist betrogen zu werden. Ich weiß, wie es ist... wenn man von außen so sein Schauspiel als Freundin betrachtet... und versucht, den Anderen vor unnötigen Schmerzen zu bewahren... mit guten Ratschlägen... oder wie es ist, so ein unmoralisches Verhalten innerlich zu verurteilen, weil man selbst gedacht hat, so etwas niemals zu tun... und ich weiß, wie es ist... die "Böse" zu sein, die genau das tut...
Nichtsdestotrotz... beruhigt es mich... dass ich nicht alleine damit bin... mit dieser Erfahrung, sondern, dass das wohl ganz vielen Menschen passiert... und man aus dieser Adrenalinachterbahn so schnell und ohne Schleifspuren doch nicht so einfach hinaus kommt.... weil das Gefühl mit der Affäre doch wie zu einer emotionalen Dro. wird... weil man mit dem Alltag nicht klar kommt... und man sich mit den eigentlichen Konflikten nicht ausseinander setzen will oder nicht weiß, ,wie man es tun kann.
Ich finde es aber auch beruhigend, dass du nun, nach viel vergangener Zeit ( und 9 Monate Abstinenz von einer intensiv emotionalen Affäre sind eine laaaaaaaaaange Zeit, die man erst einmal aushalten muss...) wieder den Weg in dein eigentliches Leben zurück gefunden hast. Denn das ist aktuell mein Ziel... auch wenn ich das Gefühl habe... dass ich nie wieder glücklich werden kann... im Moment...und wenn meine Perspektiven aktuell durch Corona auf null geschrumpft sind, so rein persönlich.
Ich habe keinen Job mehr, meine Tochter muss aktuell zuhause rund um die Uhr von mir bespasst und betreut werden und mein Partner ist ... durch Homeoffice auch zwar zuhause, aber sein Außendienstjob und in Abhängigkeit zu einem Budget, dass er erfüllen muss... um sein Gehalt zu rechtfertigen... lassen nicht zu, dass er mir viel tagsüber zur Hand gehen kann.
Trotzdem habe ich nun Hilfe eingefordert... weil ich nicht mehr diejenige sein will, die alles trägt, was unsere Tochter angeht, weil auf gut deutsch, ich bin überfordert. Ich weiß, es gibt Menschen, die haben mehrere Kinder... und müssen sich ebenso durchschlagen... und ich scheine auf hohem Niveau zu jammern... aber ehrlichgesagt, mache ich mir jetzt keine Selbstvorwürfe mehr. ... und stehe dazu, wenn ich das Gefühl habe, Dinge werden mir zuviel... oder frustrieren mich... und sage es.
Unabhägnig davon, ob andere Mütter das besser schaffen oder nicht.
Ich bin stolz auf dich, dass du es nach einer gefühlten Ewigkeit geschafft hast, für dich eine emotionale Distanz zu erschaffen und dass es bei dir wieder voran geht. Ich nehme dich nun als Vorbild

Viele liebe Grüsse
Silence