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Ist die "Liebe" der Kern des Lebens ?

Offspring78


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Ich persönlich bin der Ansicht, je älter man ist, desto leichter ist der Verlust der Mutter zu verkraften, Puma.
Kinder wirken zwar mitunter so, als würden sie es relativ leicht nehmen, aber ich denke, das entspricht nicht der tatsächlichen Gefühlswelt.
Bei der Geburt oder einem Säugling empfinde ich es fast als Katastrophe.
Im besten Fall gibt es natürlich liebevollen Ersatz, aber ich denke, wir sind uns alle einig, dass dieser nie an die "Echte" heranreichen kann.
Es ist einfach nicht die Echte. Ich denke schon, dass das etwas mit einem Säugling macht.
Man kann etwas bedeutendes wie zB einen Mutterverlust nie wirklich kompensieren. Man kann damit leben aber ein Gefühl der Trauer bleibt wohl.
Und das von frühester Kindheit an.
Das ist keine leichte Kost für einen Menschen.

05.04.2021 13:58 • x 2 #91


Plentysweet

Plentysweet


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Es hat ja hier auch keiner behauptet, daß der Verlust der Mutter nichts Schwerwiegendes sei.

05.04.2021 14:01 • #92



Ist die "Liebe" der Kern des Lebens ?

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Offspring78


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Ja, Weiterleben kann dann evtl für die Kinder schlimmer sein, als der Tod für die Mutter.
Denn die hat sich ja "geopfert" und ihr Leid ist vorbei.
Was wird aus den Kindern?
Wer schaut darauf, dass sie alles haben was sie brauchen?
Nicht immer ist das gegeben.
Daher nehmen viele, die sich "opfern" evtl auch ihre Kinder mit.

Weiter will ich jetzt diesen wirklich üblen Gedanken aber garnicht mehr nach hängen.
Ich bin eigentlich auch der Ansicht, dass das eigene Leben opfern keinerlei Zeichen für Liebe ist.
Kommst du drauf wegen Jesus und Ostern, lieber TE?

05.04.2021 14:09 • x 1 #93


megan

megan


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Zitat von Offspring78:
ein Gefühl der Trauer bleibt

Ist dir sowas widerfahren?

05.04.2021 14:12 • #94


Offspring78


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Zitat von megan:
Ist dir sowas widerfahren?

Nein.
Meine Mutter lebte körperlich.
Psychisch nicht.
Sie war sowas wie eine leere Hülle.
Aber sie zog mich eigenhändig gross.
Das ist dann wieder ein etwas anders gelagerter Fall von Trauma.

05.04.2021 14:19 • x 2 #95


PuMa

PuMa


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Zitat von Offspring78:
Psychisch nicht.
Sie war sowas wie eine leere Hülle.


Das tut mir sehr leid.

Zitat von Offspring78:
Ich persönlich bin der Ansicht, je älter man ist, desto leichter ist der Verlust der Mutter zu verkraften, Puma.


Ich glaub nicht. Meine Mutter, trauert noch immer um den Verlust ihrer Mutter.

Zitat von Offspring78:
Kinder wirken zwar mitunter so, als würden sie es relativ leicht nehmen, aber ich denke, das entspricht nicht der tatsächlichen Gefühlswelt.


Stimmt, teilweise schon.
Aber Kinder verkraften auch öfters mehr als wir uns nur vorstellen können.

Zitat von Offspring78:
Was wird aus den Kindern?
Wer schaut darauf, dass sie alles haben was sie brauchen?
Nicht immer ist das gegeben.
Daher nehmen viele, die sich "opfern" evtl auch ihre Kinder mit.


Im besten Fall, gibt es mehr Familie die sich kümmert als nur Mutter oder Vater.

Aber ja, du hast Recht. Nicht jeder hat so ein Glück. Und jene Menschen, die keine Familie haben, tun mir am meisten Leid.

05.04.2021 14:34 • x 1 #96


megan

megan


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Es gibt auch das Phänomen, dass man nicht in der Lage ist zu trauern. Das trifft (traf?) eher auf mich zu. Es ist ganz schlimm, wenn man keine Trauer über das was einem passiert ist, fühlen kann.

05.04.2021 14:34 • x 1 #97


PuMa

PuMa


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Zitat von megan:
Es gibt auch das Phänomen, dass man nicht in der Lage ist zu trauern. Das trifft (traf?) eher auf mich zu. Es ist ganz schlimm, wenn man keine Trauer über das was einem passiert ist, fühlen kann.


Davon hab ich gehört. Da gab es einen Begriff für, ich komme gerade nicht darauf.

Mal naiv gefragt ( Verzeih ich kenne mich damit nicht aus), kann man Trauer nachholen?

05.04.2021 14:36 • x 1 #98


Offspring78


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Ich denke eben, es trauert sich sogar besser, wenn man wenigstens einige schöne Erinnerungen hat.
Ist man schon älter, wenn Mutter stirbt, hat man die in der Regel.
Und wenn es nur ein paar sind.

Kennt man sie gar nicht, oder erinnert sie nicht bewusst, wie soll man da trauern? Ich stelle mir das so schrecklich vor. Kann man um etwas trauern, was einem komplett verwehrt blieb? Kann man damit abschliessen?
Schwer, schwer, sowas.
Aber ja, wenn noch Familie da ist, ist das ein grosser Pluspunkt. Bzw liebe Freunde oder Kollegen.
Irgendwer.
Wir alle brauchen eben Liebe:-)

05.04.2021 14:39 • x 2 #99


Dilara1988


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Zitat von nimmermehr:
Für mich ist Liebe der Sinn des Lebens. Menschen werden nicht umsonst seelisch krank und auch psychosomatisch ohne Liebe. Eine lieblose Kindheit kann den Charakter und das ganze Leben versauen. Wie alle suchen ständig Liebe in der Anerkennung und Aufmerksamkeit anderer Menschen. Ohne Liebe ist alles ...


Du sagst es , eine lieblose Kindheit zerstört dein Leben....

Die Leere in dir ,wird immer bleiben. Und dann sagen sie alle,du musst dich selbst lieben!
Ja aber wie ,wenn du es nie gelernt hast? Wie wenn du nie genug für jemanden warst?

Ein schwieriges Thema

05.04.2021 14:51 • x 4 #100


megan

megan


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Zitat von PuMa:
kann man Trauer nachholen?

Gute Frage Wenn man halt irgendwie nicht weiß, wie es sich anfühlt, kann man es nicht sicher mit ja oder nein beantworten.

Ich würde sagen ja. Anhand des Ergebnisse, das Trauer mit sich bringt. Nämlich, dass man irgendwie annehmen kann, als zu einem dazugehörig, was geschehen ist. Ja, dann trauert man Jahre später.

Wenn man nicht trauert, hat man das Geschehene irgendwie von der eigenen Geschichte abgekoppelt. Man muss es erlernt zur eigenen Geschichte integrieren. Das ist schon unangenehme Arbeit, vor der man sich lieber drückt.

05.04.2021 14:53 • x 2 #101


will_hunting

will_hunting


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Zitat von PuMa:
kann man Trauer nachholen?

Ja, kann man.

Zitat von megan:
Wenn man halt irgendwie nicht weiß, wie es sich anfühlt, kann man es nicht sicher mit ja oder nein beantworten.

Meine Therapeutin meinte dazu mal, dass es keinen Menschen gibt, der keinerlei Gefühle hat, aber Menschen, die eben gar keinen oder nur eingeschränkt Kontakt zu ihren Gefühlen haben. Das ist eigentlich erstmal eine Schutzfunktion vor zuviel negativen Gefühlen. Wenn Du diesen Kontakt wieder herstellen kannst, kann auch Trauer nachgeholt werden.

Zitat von megan:
Wenn man nicht trauert, hat man das Geschehene irgendwie von der eigenen Geschichte abgekoppelt. Man muss es erlernt zur eigenen Geschichte integrieren. Das ist schon unangenehme Arbeit, vor der man sich lieber drückt.

Finde ich auch einen ganz wichtigen Punkt. Wenn Du schon früh fortgesetzte Bindungstraumata erlebt hast, fängst Du an, vieles davon abzuspalten. Es gehört nicht (mehr) zu Dir, ganz lapidar: Du kannst Dich nicht daran erinnern. Hab ich leider selbst auch erlebt. Wenn es gelingt, das alles wieder zusammenzusetzen - und das geht in der Regel nur mit professioneller Hilfe - wird Dir das alles Stück für Stück wieder bewusst. Das ist die angesprochene Integration - Du lernst, dass das alles Dir passiert ist, dass es zu Dir gehört, das es vorbei ist und dass davon keine aktuelle Gefahr mehr ausgeht. Wenn Du das realisiert hast, kannst Du z.B. auch darum trauern, was Dir in Deiner verkorksten Kindheit passiert ist. Diese Integration zieht meistens auch noch andere Gefühle nach sich. Und ja - es ist Arbeit, es geht nicht von heute auf morgen, es ist unangenehm - aber im Endeffekt ist es befreiend.

Zitat von Dilara1988:
Du sagst es , eine lieblose Kindheit zerstört dein Leben....
Die Leere in dir ,wird immer bleiben. Und dann sagen sie alle,du musst dich selbst lieben!
Ja aber wie ,wenn du es nie gelernt hast? Wie wenn du nie genug für jemanden warst?

Die allerwenigsten schaffen es ganz alleine. Dafür brauchst Du professionelle Hilfe.

05.04.2021 15:50 • x 4 #102


megan

megan


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Zitat von will_hunting:
im Endeffekt ist es befreiend.

Das stimmt.

05.04.2021 15:56 • x 3 #103


Hola15


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Zitat von will_hunting:
Ja, kann man. Meine Therapeutin meinte dazu mal, dass es keinen Menschen gibt, der keinerlei Gefühle hat, aber Menschen, die eben gar keinen oder ...


Meinen Respekt dafür wenn du diesen Weg gegangen bist !

05.04.2021 16:00 • x 2 #104


will_hunting

will_hunting


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Zitat von Hola15:
Meinen Respekt dafür wenn du diesen Weg gegangen bist !

Zuviel der Ehre ... Der Weg ist das Ziel ...

Bei mir war dieser Prozess zunächst mal "nur" ein Nebeneffekt auf der Suche nach den Gründen für ein Dutzend an die Wand gefahrene Beziehungen inklusive einer Ehe. Nach und nach ist mir klar geworden, dass es sehr sehr viel mit dem frühen Mist zu tun hat. Das ist allerdings auch erst 8 Jahre her, dass der ganze Prozess angestoßen wurde und es ist auch nicht einfach, jemanden zu finden, der Dir dabei helfen kann.

Zitat von megan:
Das stimmt.

05.04.2021 16:08 • x 3 #105



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