Also ich noch mal. Zunächst, liebe @Duaba in voller eigener Selbsterkenntnis, eine gewünschte KURZE Stellungnahme, krieg ich nicht hin. Is mir einfach nicht gegeben. Alle meine Beiträge sind lang, manche überschreiten durchaus das Maß des Erträglichen.

Nun:
Sach ma, Butter bei die Fische, willste Recht haben oder ein Problem lösen?

Um Deine Frage zu beantworten, ich kann Dir nicht sagen, ob sich meine Meinung ändert, weil ich nicht weiß, wie Deine Antwort auf die eben gestellte Frage lautet.
Es wäre allerdings möglich, daß Du da selbst auch ein bißchen unschlüssig bist.
Grundlagen oder Verhandlungsstrategien für Einsteiger:
Je nach Wissenschaft schauen die Bezeichnungen immer etwas anders aus, aber im Grunde gibt es erst einmal zwei Varianten des Verhandelns, sachbezogenes und positionsbezogenes.
Sachbezogenes Verhandeln bedeutet -auch hier wieder sehr vereinfacht- das Ausgangspunkt ein sachlicher Missstand ist, der mittels kooperativem Zusammenwirken einer für beide lebbaren Lösung zugeführt wird.
Funktioniert in etwa so:
Ausgangsstandpunkt ist, im Kalten nachts kuscheln ist doof.
Was ist das Sachproblem? Sachproblem ist Kälte im Schlafzimmer bzw Bett
Logische Folge daher: Temperatur erhöhen.
Gemeinschaftlich überlegen, wie man Temperatur im Zimmer und/oder Bett erhöht...
Ansätze zB.: Heizung hoch drehen, Heizdecke einschalten, Wärmflaschen benutzen, besseres Bettzeug anschaffen, nicht in diesem Zimmer im Winter schlafen...
(Einschub für die Sammlung der Ansätze kann man bestimmte kreative Techniken verwenden und sollte sich ein bißchen Zeit einräumen).
Dann werden die Ansätze gemeinsam sortiert: Bei der Sammlung oben, stoßen wir bei zwei Ansätzen auf nicht so viel Gegenliebe. Heizung hochdrehen wird von der einen Partei als nicht optimal empfunden, gar nicht mehr im Winter dort schlafen, wird vermutlich ebenfalls auf praktischen und emotionalen Widerspruch bei wenigstens einer Partei stoßen.
Damit streichen wir die beide und schauen auf den Rest der Liste. (vereinfacht, bei Heizung hoch drehen könnte man eben auch das ganze Spiel von vorne beginnen und erst die Sachfrage identifizieren, siehe Wohlbefinden weil nachts Fenster offen oder Kostenfrage, weil Budgetknappheit).
Unter Einhaltung dieser Schritte sind die meisten Menschen in der Lage gemeinschaftlich zu einer Lösung des Sachproblems zu kommen. Der Vorteil an dieser Strategie ist Langfristigkeit (statistisch gesehen, halten Lösungen, die gemeinschaftlich und möglichst ohne Abwertung von emotionalen Positionen des einen oder anderen gefunden werden, deutlich länger) und weil es kooperatives Handeln gibt, Stichwort zwei kreative Köpfe, statt einem, kommt es zumeist zu einer Kuchenvergrößerung, es wird eine Lösung gefunden, an die vorher keiner gedacht hat und die von beiden als total sachgerecht empfunden wird.
Positionsbezogenes Verhandeln demgegenüber wird als diametral und konfliktschürend charakterisiert. In positionsbezogenem Verhandeln wird die Identifikation der Sachebene komplett übersprungen. In Deinem Fall "ich möchte, daß Du die Heizung hochdrehst", die erwarteter Gegenreaktion "ich möchte sparen", wird mit "so teuer ist das aber nicht" beantwortet und alles, was dann noch folgt, ist, wenn wir mal nicht von Paarbeziehungen reden, sondern auf einer vermeintlichen Sachebene bleiben wollen, die Identifikation der vermeintlichen Mehrkosten plus die sich anschließende Frage des Ausgleichs dieser.
Wenn es dich tröstet, die meisten Menschen wählen intuitiv zumeist das positionsbezogene Verhandlungsmodell. Auch das kann zu sachgerechten Lösungen führen. Viele Konfliktlösungsmechanismen ziehen ein positionsbezogenes Verhandlungsmodell heran, weil ein sachbezogenes Verhandlungsmodell eben immer nur bis zu einem gewissen Grad abstrahierbar bleibt, sich damit schlecht allgemeine Grundsätze aufzustellen lassen.
In Paarbeziehungen taucht aber am Horizont eine zusätzliche Gefahr auf: Es bleibt nicht beim Überspringen der Sachebene, sondern es wird zudem eine Wertschätzungsebene aufgemacht.
Das läuft in etwa so:
1) Socken gehören in den Wäschekorb. (Überspringen der Sachebene, ich habe eine Vorstellung davon wie Ordnung auszuschauen hat).
2) Du tust Deine Socken nie in den Wäschekorb (Überspringen der Sachebene des Gegenübers: ich habe eine andere Vorstellung von Ordnung, ich mag mich zu Hause wohl fühlen, der Wäschekorb steht nie dort, wo ich meine Socken ausziehe.plus erste Wertung, Stichwort nie")
3) immer muß ich Deine Socken vom Boden aufsammeln (an der Stelle prallen nicht nur die beiden oben genannten Sachebenen aufeinander, es kommen auch noch ganz neue hinzu wieso fühlt sich der eine veranlasst, die Socken des anderen aufzuheben und die gegensätzlichen Positionen werden auch noch weiter emotionalisiert Stichwort "immer")
4) ich habe Dir schon tausendmal gesagt, daß...
5) vermeintliche Rückkehr zum Dialog, eigentlich Eskalationsstufe 1: jedes Mal, wenn ich Deine Socken aufhebe, fühle ich mich wie Deine Putzfrau, also entwertet und nicht geliebt.
6) Eskalationsstufe 2: so lasse mich nicht behandeln, ich lasse entweder Deine Socken einfach liegen... Frei nach dem Motto Du wirst schon sehen oder ich mache Drama.
7) Eskalationsstufe 3: wenn Du mich lieben würdest...
Darauf lässt sich eigentlich nur mit zwei Möglichkeiten antworten: wenn Du mich (!) wirklich lieben würdest, dann wäre Dir so etwas wie blöde Socken auf dem Boden egal; oder je nach Konfliktbereitschaft des anderen auch ein ja, ich verspreche die Socken nicht mehr liegen zu lassen, was entweder früher schief geht, weil die Ausgangssachlage ich habe einen anderen Ordnungssinn etc... nicht geklärt wurde oder später schief geht, Du hast mich immer nur gegängelt, mit Dir schlafe ich nicht mehr, ich suche mir jemanden anderen.
So in etwa.
Was ganz amüsant ist, eigentlich sind ganz viele der Forumsbeiträge hier eine wirklich gute Demonstration von positionsbezogenem Verhandeln. Liegt aber sicher auch daran, daß Du zudem ein hoch-emotionalisiertes Thema, nämlich Geiz versus Gastfreundschaft, eingeführt hast.
Du hast mich gefragt, ob meine Antwort, die gleiche bleibt, wenn Du zusätzlich anführst, daß es so teuer ja nicht sein kann und Du zusätzlich die Konzertfrage mit weiteren Fakten untermauerst.
Statt Dich weiter in der einen oder der anderen Position zu bestärken, habe ich Dir mein Handwerkszeug dargelegt. Warum? Weil ich nach Deiner Rückfrage nicht mehr genau weiß, was die Sachposition ist.
Schau, wenn Du Dich nicht wertgeschätzt fühlst, ist das völlig ok. Was womöglich dann überdenkenswert ist, wäre so zu tun, als hätte das ausschließlich etwas mit Zimmertemperatur zu tun. Wenn Du das Gefühl hast, daß Dein Freund budget-schonend mit Geiz verwechselt, dann hätte ich auch dazu ein paar Gedanken, wobei ich nicht weiß, ob ich mich dann tatsächlich geäußert hätte. Wenn Du nen Grund suchst, mit Deinem Freund ne Grundsatzdebatte aufzumachen, hab ich auch erst mal gar keine Wertung, sondern werde nur immer mal wieder nachfragen, warum.
Alles möglich, kommt halt ganz drauf an, was Du möchtest.
Womit wir dann irgendwie auch beim Hauptthema und der Ausgangsfrage angekommen sind.
Was möchtest Du denn: Recht haben? ein anderes Thema besprechen? oder ne Lösung für kaltes Bett finden.
Das aber liebe @Duaba kann ich Dir nicht beantworten.
Was ich Dir allerdings gerne verrate, ist, wie ich das als Single mit einer wirklich charmanten aber nicht gerade warmen Altbauwohnung gelöst habe, ich habe ne Katze angeschafft. Eine lebende Wärmflasche mit Flausch außen drum. Wenn ich mir allerdings die letzten Tierarztrechnungen so anschaue und die Ausgaben für Fusselroller zur Entfernung der Katzenhaare, dann habe ich meine Zweifel, daß das noch als budgetschonend durchgeht. Aber mein Sachproblem war in der Ausgangslage eben auch ein anderes.
Wie wäre es mit Teelichtern?
