Zitat von whynot60: Wenn man Äpfel, Birnen und Orangen zusammenwirft, hat man zwar einen Obstsalat, mehr aber auch nicht.
Ich schätze Deine Beiträge sehr, weil ich Deinen Umgang mit der Sprache so mag.
Nichtsdestotrotz fällt mir oft auf, wie Du andere dabei oft lächerlich machst. Und das verpacken in ein lustiges Kleidchen ändert daran nichts.
Es war mir sehr bewusst, dass Dir mein Vergleich nicht gefällt. Deswegen habe ich ihn verwendet. Dein entrüster Aufschrei war mir klar!
Trotzdem basiert er auf dem gleichen Gedanken. Nur das Ergebnis gefällt Dir nicht.
Ich gebe Dir jetzt weitere Beispiele, an denen Du Dich austoben darfst! Sie beruhen alle auf den gleichen Gedanken von "Opfer" und "Täter":
Du verbogst einen Rasenmäher an Deinen Nachbarn, weil er Dich darum gebeten hat. Du gehst davon aus, dass er ihn Dir zurück gibt, denn er hat ja davon gesprochen, ihn zu borgen. Er bringt ihn nie wieder und als Du ihn darauf ansprichst, behauptet er, es wäre seiner.
Du schließt einen mündlichen Kauftvertrag - die sind rechtlich gültig - und übergibst die Ware. Leider wird Dir das Geld niemals überwiesen.
Glaubst Du auch in diesen Fällen noch, dass es Deine Verantwortung - um das Wort Schuld nicht in den Mund zu nehmen - ist?
Zitat von whynot60: Zumindest für mich macht es einen fundamentalen Unterschied, ob jemand überlistet, hereingelegt wird, auf den Leim geht oder ob er eben gewaltsam angefallen wird.
Das ist der große Trugschluss jedes juristischen Laien. Weil Du in die Frage, wer ursächlich für das weitere Geschehen ist, schon Deine eigene Wertung einbaust.
Die Vergewaltigung muss nicht mit einem Überfall einhergehen. Es reicht, wenn ein Pärchen "rummacht" - sie aber keinen GV will und er schon. Ist es jetzt ihre Verantwortung? Sie hätte sich ja nicht aufs Fummeln einlassen brauchen. Dann hätte auch die Vergewaltigung nicht stattgefunden.
Zitat von whynot60: Gehe ich jemandem auf den Leim, so muss es ja eine Vorgeschichte geben, bei der ich offenbar zu unvorsichtig, zu gutmütig, zu verliebt, zu blöd oder sonst etwas war.
Wenn Du jemanden auf den Leim gehst, setzt das voraus, dass er Dich mit List zu einem Verhalten nötigt, dass Du nicht gesetzt hättest, hättest Du von der List gewusst.
Schon die Verwendung von "auf den Leim gehen" schließt also aus, dass der andere sich so verhalten hat, wie man das - nach objektiven Maßstäben - erwarten hätte dürfen.
Zitat von whynot60: Ich hätte also durchaus die Möglichkeit gehabt, nicht auf den Leim zu gehen
Eben nicht!
Es schließt sich schon sprachlich aus.
Und ich wünschte mir, dass Du da in Dich gingest und diesen Widerspruch erkennst.
Denn - weiter gedacht - führt das zu folgendem: wenn ich mich nicht mehr darauf verlassen kann, dass Du Dich den (soziale) Normen gemäß verhältst, werde ich mich selbst schützen. Ich werde Dir meinen Rasenmäher also nicht mehr borgen, selbst wenn Du mich noch so nett darum bittest.
Ich werde auch nicht mehr "fummeln", wenn mir dann gesagt wird, ich sei an der folgenden Vergewaltigung selbst schuld.
Fällt Dir was auf?
Das was ich da beschreibe, geschieht aktuell mit unserer Gesellschaft. Und passt auch gut zum Threadthema.
Wir können uns mittlerweile nicht mehr darauf verlassen, dass das geschieht, was wir bislang annahmen. Dass es eine logische - gesellschaftliche, sozial anerkannte oder sogar juristisch normierte Reaktion wäre.
Das gilt politisch. Etwa, weil Steuergelder in andere Länder geschickt werden, obwohl das eigene Volk nach 2 Jahren Pandemie und deren Folgen ächzt.
Das gilt im Rechtssystem. Etwa weil dem, der sich vor Einbruch schützen möchte, verboten wird eine Kamera aufzuhängen, mit der Begründung der Einbrecher hätte ein Recht auf das eigene Bild.
Das gilt im Paarmodus. Weil einer der beiden fremd geht, obwohl bei der Eheschließung Treue vereinbart wurde.
Zitat von whynot60: Daher muss die Ursache letztlich in mir selber liegen.
Dazu kann ich nur sagen: wenn Du meinst.
Und erinnere an eine private Korrespondenz, vor einigen Jahren, wo Du eine juristische Meinung wolltest.
Wozu? Du warst ja nach Deinen Worten sowieso selbst schuld!?
Zitat von whynot60: Übrigens habe ich nicht von Schuld geredet und rede davon auch nie, weil "Schuld" ein moralischer, wertender Zuweisungsbegriff ist. Sondern worum es, für mich, geht, sind Ursachen. Die gerade durch Schuldzuweisungen im Dunklen bleiben. Nicht mein Ding.
Erinnere Dich nur immer daran!
Zitat von whynot60: So ganz durchdacht hast Du das zwar noch nicht, wie Du sagst, aber immerhin weißt Du, worum es geht.
Das galt zwar jemand anderem.
Ich verwende Deine Wort aber jetzt, um Dir aufzuzeigen, dass Du davor nicht gefeit bist!
Zitat von Alduin: Du hast ein Wertkonstrukt, nur scheint sich das von dem der Mehrheit zu unterschieden.
Das unterstreiche ich gleich mehrfach!
Danke @aldiun für Deinen tollen Beitrag!