Halli ihr Lieben,
in meinem doch schon stolzen Alter (50) habe ich mich eben das erste Mal in einem Forum angemeldet, weil ich einfach nicht weiterweiss. Ich habe mein Thema mittlerweile so oft besprochen - mit Freunden, Kollegen, sogar mit einem Seelsorger - meine Hoffnung ist es, hier jemanden zu finden, der Ähnliches erlebt habt und möglicherweise etwas sieht, was ich noch nicht sehe.
Hier die Kurzfassung: Seit drei Jahren kenne ich einen Mann, den ich aufrichtig liebe und dem ich mich auf beinahe magische Art verbunden fühle. Seit unserem ersten Gespräch weiß ich, dass wir in jeder Hinsicht viel zu unterschiedlich sind und keine echte Partnerschaft haben können. Ich fühle mich schuldig, weil ich mich damals dennoch darauf eingelassen habe. Und nun komme ich von ihm nicht los. Wenn ich versuche zu gehen, kämpft er. Wenn ich ihn ignoriere, harrt er geduldig, niemals offenkundig bedürftig, niemals mit Druck. Immer wieder gebe ich nach, weil unsere Verbindung einfach zu warm ist. Ich muss endgültig den Kontakt lösen, für ihn und für mich, aber ich schaffe es nicht. Und wenn ich hier meine eigenen Worte lese, fühle ich mich schrecklich dumm und unreif. So will ich nicht sein. Mittlerweile schäme ich mich so sehr für meine Zerrissenheit, dass ich nicht mal mehr mit meinen engsten Freundinnen darüber spreche.
Gibt es hier irgendjemanden, der mich versteht? Sorry, falls ich hier verzweifelt und bedürftig klinge. Bin es grad wohl

Und falls hier jemand doch etwas mehr lesen möchte, kommen noch ein paar weitere Eckpunkte dieser fatalen Story:
Vor knapp vier Jahren haben mein Ehemann und ich uns nach mehr als 20 Jahren getrennt. Sauber und einvernehmlich. Wir haben lange gekämpft und sind bis zum Ende (bis heute) immer fair und wertschätzend geblieben. Direkt nach der Trennung hatten wir dennoch Zweifel an unserer Entscheidung und haben mit dem Gedanken gespielt, es nochmal zu versuchen.
Am 13.09.2023 hatte ich plötzlich Klarheit, dass wir genug gekämpft hatten und konnte loslassen.
Am 16.09.2023 war ich Abends auf einer Feier, ein Bekannter stellte mir kurz seinen Freund vor, nennen wir ihn Alex. Alex und ich haben uns nicht näher beachtet. Später am Abend waren die meisten schon weg, Alex holte mich zum Tanzen. Und ist ganz hollywoodmässig der Blitz eingeschlagen. Es war, als wäre aus meiner Körpermitte plötzlich ein Leuchten aufgestiegen. Ich weiß, dass ich ihn nur noch angestrahlt habe, es war mir peinlich, aber ich konnte nichts dagegen tun. Ich habe viel überlegt, woran das lag. Alex roch und richt unglaublich gut, er konnte mich als erster Mann meines Lebens führen, die Musik erinnerte mich an meine Jugend, ich spürte, dass er auf mich reagiert, aber er bleib dabei faszinierend gelassen und souverän. (Hallooo bitte? Männer interessieren sich entweder null für mich oder himmeln mich an. DAS war neu!)
Ich floh nach einem Tanz verwirrt von der Tanzfläche, ging nach Hause. Doch ich bekam diesen Kerl nicht aus dem Kopf.
Durch meinen Bekannten schaffte ich es, Alex drei Wochen später wiederzusehen. Erkenntnis 1: Am Aussehen lag der Blitz nicht

Alex lacht bis heute, wenn er erzählt, dass ich ihm "befohlen" habe, sich neben mich zu setzen und ihn dann mit Fragen gelöchert habe. Sorry, aber diese Sache war zu krass, als dass ich es mir hätte leisten können, einen auf uninteressiert zu machen.
Wir hatten Spaß im Gespräch, aber ich wusste sofort: Definitiv keine Passung zwischen uns. Im Gegenteil, es war fast witzig, wie unterschiedlich wir sind und denken. Und doch war da diese Spannung zwischen uns.
Wir ließen uns darauf ein. Von Anfang an habe ich klar gesagt, dass das nichts Festes wird. Ich wollte keine Affäre, sondern eine Romanze. Er löste etwas in mir aus, das schön war. Weich, romantisch, weiblich. Wenn ich sein Gesicht sah, war es, als kenne ich dieses Gesicht seit Ewigkeiten. Vertraut wie ein verlorenes Puzzleteil.
Ich erinnere mich, wie ich ihn nach wenigen Wochen ansah und mir die Tränen kamen, weil ich so viel Zuneigung für diesen Mann empfand und gleichzeitig wusste, dass wir uns verlieren würden.
Und nun kommt das Einzige, was ich Alex wirklich ankreiden kann. Er hat meine Sicht auf uns nie ernst genommen. Für ihn waren wir schnell DAS Paar. All in. Ich schrieb ihm seitenlange Mails, in denen ich erklärte, warum es nicht passt. Und ich habe mich aufrichtig danach gesehnt, dass er es versteht, wir uns voller Wertschätzung trennen. Aber so ist Alex nicht. Manchmal wie ein süßes Kind. Es fühlt sich mit uns gut an, also passt es.
Nach drei Monaten wollte ich mich das erste Mal trennen. Alex sah mich an mit diesem Gesicht, diesen wunderschönen Augen, der Souveränität im Blick und machte mir klar, dass ich Bindungsangst habe und wir das schaffen. Dass er Geduld hat, keinen Druck macht.
1,5 Jahre vergingen, in denen ich unzählige Anläufe unternahm. Dann schaffte ich es vier Wochen lang. Gescheitert.
Nach 2 Jahren schaffte ich es für 4 Monate. Gescheitert.
Und nun habe ich es wieder getan und muss da durch. Ich habe so Angst, es wieder nicht zu schaffen. Und ich weiß, dass einige von euch sagen werden, dass wir es doch versuchen sollen. Haben wir. Unsere Unterschiede sind so krass enorm. Ich bin abenteuerlustig, idealistisch, aber auch emotional und kompliziert. Alex ist ruhig, sicherheitsbedürftig, strukturiert, aber auch etwas oberflächlich und ängstlich. Wir haben beide versucht, uns aufeinander zuzubewegen. Und an sich ist das unglaublich witzig. Alex hat sich bei seinen Versuchen, sich meinem Leben zu öffnen, diverse Infekte, geprellte Rippen, zwei Panikattacken, und einen verdorbenen Mangen eingehandelt, dazu jede Menge Erschöpfung. Auch ich wollte mich einlassen, aber ein Teil von mir wird bei so viel Geborgenheit (und Langweile) richtig aggressiv, unruhig und dramatisch. Ich glaube, das ist das Schlimmste. ich werde mit ihm zu einer Frau, die ich nicht sein will.
Wir geben uns gegenseitig auch viel. Unsere Verbindung war hart, aber nie toxisch. Wenn ich ihn ansehe, werde ich noch immer traurig, weil er eine Sehnsucht in mir anrührt nach Heimat und Verbundenheit. Aber es ist eine Sehnsucht, die sich nie erfüllen wird.
Und auch wenn Alex das sieht, ich werde ihm nie das geben können, was er braucht. Denn abgesehen von unseren unterschiedlichen Leben wollen wir auch ganz unterschiedliche Dinge. Sowohl in einer Partnerschaft als auch im restlichen Leben. Und wir sind in einem Alter, wo man keine Zeit mehr hat für Dinge, die einen vom eigenen Weg abhalten. Ich muss einen richtigen Cut machen, aber ich schaffe es nicht allein.
Und alle möglichen psychischen Probleme meinerseits habe ich ausgiebig geprüft. Ich mag emotional sein, nicht ganz dicht, aber ich bin weder depressiv noch schwer traumatisierte noch von einem Dämon besessen

Ihn endgültig aufzugeben schmerzt höllisch, aber ich schaffe das. Aber da ist auch noch Alex, der immer wieder den Kontakt sucht. Ich müsste hart zu ihm sein, ihn ignorieren. Etwas anderes funktioniert nicht. Aber ich bin wie ein J. auf Entzug, dem man immer wieder das Dro. unter die Nase hält. Und ich fühle mich so schrecklich schuldig, weil ich von Anfang an wusste, dass wir keine echten Zukunftschancen haben und doch immer wieder seine Nähe gesucht habe. Teils für mich, teils für ihn.
Ein aufrichtiger Dank an alle, die das wirklich gelesen haben. Ehrlich gesagt würde ich mir so sehr wünschen, genau darüber mit Alex zu reden. Natürlich habe ich das versucht, aber er versteht mich nicht, will mich nicht verstehen und ich muss das akzeptieren.
Aber vielleicht ist hier jemand, der etwas erkennt, wofür ich noch blind bin.