SonneMond
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meine Welt ist vor einigen Tagen zusammengebrochen, alles liegt in Scherben, ich bin nur noch am Weinen und versinke in einem Strudel aus Schmerz und Verzweiflung. Ich erhoffe mir durch die Schilderung meiner Situation in diesem Forum Ratschläge, Hilfe und Gedankenanstöße.
Mein Mann (35) und ich (32) sind 15 Jahre zusammen, davon 5 Jahre verheiratet. Wir haben zwei Kleinkinder (fast 3 Jahre; 9 Monate) und ein gemeinsames Haus.
Jeder, der uns kennt, hat uns bisher als Bilderbuchfamilie beschrieben. Wir waren für den jeweils anderen der erste Partner, haben uns mit 17 und 20 Jahren kennengelernt und demzufolge viele erste gemeinsame Erfahrungen gesammelt und Erinnerungen geschaffen.
Die Beziehung/Ehe war nicht immer einfach. Mein Mann ist ein sehr eifersüchtiger Mensch. Ich habe ihm jedoch nie einen Anlass dazu gegeben. Ich war und bin eine treue Seele, durch und durch ehrlich und aufrichtig. Desweiteren ist mein Mann jemand, der stets sehr impulsiv handelt und der bei Kleinigkeiten ziemlich schnell wütend wird. In vielen Bereichen hat er eine sture und mit Vorurteilen behaftete Vorstellung. Neues verunsichert ihn, so dass er hinsichtlich soziale Kontake kaum Freunde hat.
Ungeachtet dessen, habe ich ihn mit all seinen Macken und Kanten bedingungslos geliebt. Wer hat nicht auch Macken und Kanten? Wir haben den gleichen Humor, die gleichen Ansichten und verstehen uns ohne Worte. Für mich ist er ein Seelnverwandter. Es war wirklich Liebe auf den ersten Blick! Wir haben viele Höhen und Tiefen erlebt, so dass unsere Liebe immer stärker wurde.
Als wir geheiratet haben, habe ich vor Glück hemmungslos geweint. Dieselben Emotionen überwältigten mich, als ich unsere beiden wundervollen Kinder zur Welt gebracht habe.
Mit der Familiengründung fingen dann die ersten gravierenden Probleme an. Er hat beispielsweise nach der ersten Geburt meinen Wunsch nach ein, zwei Tagen Erholung, bevor die Besucherstürme kommen, ignoriert. Täglich stand jemand aus seiner Familie auf der Matte und ich habe jeden Besuch unter Schmerzen empfangen, da der operative Eingriff bei mir nicht ganz ohne war. Meine Familie hat Rücksicht genommen und auf grünes Licht meinerseits gewartet.
Unverzeihlich ist für mich immer noch, dass er mich danach ein halbes Jahr lang sozusagen alleine mit unserem Baby gelassen hat, um täglich nach der Arbeit bei seiner Schwester das Haus zu renovieren, auch an den Wochenenden. Die Schwester meinte zu mir, dass sie ihn in diesem Umfang brauche, da sie das Haus andernfalls nicht fertig renoviert bekommen würden. Ein Jahr später, als sie selber Mutter geworden ist, sagte sie mal zu mir, dass es ja so toll sei, wenn der Ehemann Urlaub hat und man Unterstützung im Alltag mit Baby erhält. Ich kenne dies ja.
Unverzeihlich ist für mich auch, dass er mich nie vor Angriffen aus seiner Familie in Schutz genommen hat. Meine Schwiegermutter hat sich überall eingemischt, mich hinsichtlich der Zeit mit unserem Baby bedrängt, obwohl ich jeden zweiten Tag zu Besuch war, um ihr die Möglichkeit zu geben, eine intensive Bindung mit unserem Kind aufzubauen, da sie so lange auf das erste Enkelkind gewartet hat. Ich habe mich in dieser Hinsicht nach den Ansprüchen anderer gerichtet, was vollkommen falsch war. Das lag nicht daran, dass ich ein schwacher Mensch bin, sondern daran, dass ich zu gutmütig bin und stets nach Harmonie strebe.
Ich habe meinen Mann so sehr geliebt, dass ich jeden Schmerz ertragen habe, auch den, den seine Mutrer mir zugefügt hat. Auf dem ersten Blick scheint sie eine sehr nette und umgängliche Person zu sein, jedoch hat sie die Fähigkeit, mit Zweideutigkeiten einen zu beleidigen und zu kritisieren. Ich habe mich nie gewehrt, da ich wusste, dass mein Mann seine Mutter als unfehlbar sieht. Zweimal ist er jedoch eingeschritten, als er direkt mitbekommen hat, wie ich beleidigt wurde und wie unser Kind nahezu vollständig ignoriert wurde, um dem anderen Enkelkind den Vorzug zu geben. Anzumerken ist an dieser Stelle, dass das zweite Enkelkind nahezu täglich mit meiner Schwägerin dort ist.
Vor der zweiten Geburt habe ich ihm dann deutlich gesagt, was für eine Wunde sein Verhalten nach der ersten Geburt hinterlassen hat, so dass er Besserung gelobt hat. Er war in der Elternzeit zwar tatsächlich da, hat jedoch ständig Projekte im Garten gehabt, so dass ich schlussendlich nach einem wiederholten operativen Eingriff mit zwei Kindern wieder alleine war. Erst als die Hebamme ihm deutlich zu verstehen gegeben hat, dass ich mich aufgrund der schweren Nachblutungen schonen muss, merkte er mir meine schlechte gesundheitliche Verfassung an.
Die Monate danach sahen so aus, dass ich den Alltag mit zwei Kindern alleine gestemmt habe. Ich habe die Kinder gehütet, ihnen die schöne und prächtige Welt gezeigt, war einkaufen, habe Mittagessen gekocht, beide Kinder versorgt, den Haushalt geschmissen, mit den Kindern Besuche abgestattet, mit ihnen gespielt, ihnen Essen zubereitet, beide zum Schlafen gebracht usw. Oftmals war ich so erschöpft, dass ich sogar zu müde zum Lächeln oder Reden war. Mein Mann hat auch versucht, mich zu unterstützen. Das möchte ich nicht unerwähnt lassen. Sei es die Kinder wickeln, mit ihnen eine Runde laufen gehen, den Müll rausbringen oder unsere Kleine bettfertig machen. Dennoch lag der Hauptanteil bei mir. Manchmal hat er sich nur die Rosinen rausgepickt oder das gemacht, was seiner Meinung dringend erledigt werden muss, ohne Rücksicht darauf zu nehmen, dass ich in dem Moment eine helfende Hand benötigt hätte.
Ich habe alles in die Familie investiert, auch meine Karriere. Ich habe aufgrund der ganzen Anstrengung so stark abgenommen, dass meine Familie und meine Freunde ihre Sorgen um mich geäußert haben.
Mein Mann hat vieles für selbstverständlich angesehen, seine Launen an mir ausgelassen, mich manchmal angeschrien oder beleidigt und oftmals Streit gesucht. Die Kinder haben schon einiges mitbekommen, was mir sehr sehr leid tat, da ich nie vor den Kindern streiten wollte.
Die Familienzeit war stets beschränkt. Nach Feierabend ist er oftmals zu seiner Familie gefahren, bevor er nach Hause gekommen ist. An Samstagen hat er Projekte gestartet, so dass wirklich nur die Sonntage blieben. Da habe ich immer Ausflüge organisiert, um den Kindern etwas zu bieten und ihnen mehr Zeit mit ihrem Papa zu verschaffen. Bevor es zu den Ausflügen ging, gab es unweigerlich Diskussionen, da er lieber den Tag mit uns bei seiner Familie verbringen wollte. Ich habe stets das Gefühl gehabt, dass er allen anderen den Vorzug gab, nur seiner eigenen Familie nicht. Musste er mal länger auf die Kinder aufpassen, war ihm das schon zu viel.
Ich habe jedoch auch meine Fehler, so ist das nicht. Diese äußern sich darin, dass wann immer es mir schlecht ging, meine Putzzwänge verstärkt wurden. Diese wiederum haben ihn auf die Palme gebracht. Wir fanden auch als Paar kaum Zeit füreinander. Es hört sich alles überwiegend negativ an, aber tatsächlich haben wir auch wunderschöne und unvergessliche Momente als Familie!
Nun zum eigentlichen: vor einigen Tagen hat er mir gebeichtet, dass er eine emotionale Affäre hatte, die grob einen Monat lief. Die Initiative ging von ihm aus. Er hat zwei bis dreimal die Woche mit einer Kollegin im Geschäft privat telefoniert und auch geschrieben. Es ging nur um ganz banale Themen, nichts anzügliches. Das ging jedoch soweit, dass der Freund der Kollegin eine Beziehungspause eingelegt hat, nachdem er dies erfahren hat, da eine Vertraulichkeit schon vorlag. Ab diesem Zeitpunkt wurde ihm bewusst, dass das Alles nicht ganz richtig war, zumal die Kollegin meinte, dass es besser sei, nicht mehr zu telefonieren und zu schreiben.
Er war mir gegenüber so ehrlich, dass er zugegeben hat, dass es wahrscheinlich länger gegangen wäre, wenn es die Kollegin von ihrer Seite aus nicht beendet hätte. Körperlich fand nie etwas statt. Er war auch nicht darauf aus. Und das glaube ich ihm auch. Ihm hat die Aufmerksamkeit und das Anhimmeln gefallen.
Schmerzlich ist für mich, dass dies alles es in dem Zeitraum stattgefunden hat, als wir unseren Jahrestag gefeiert hatten. Er hat mir Blumen geschenkt und mir seine Liebe geschworen. Nicht zu vergessen, der Nikolaustag und Weihnachten für die Kinder. Wie konnte er jedes Mal heimkommen und sich verstellen? Wie konnte er mich berühren und küssen? Niemals hätte ich das von ihm gedacht. Ich habe ihm blindlings vertraut.
Sicherlich sind einige der Meinung, dass es keine richtige Affäre war. Das ist es jedoch für mich und zwar auf emotionaler Ebene. Ich habe mich noch nie so betrogen und verraten gefühlt. Mein Herz wurde regelrecht herausgerissen.
Ich leide solche Qualen, dass ich ständig weine, kaum essen kann, Übelkeit habe, Schwindelanfälle habe und am ganzen Körper zittere. Seit dem Tag der Beichte konnte ich kaum schlafen. Ich bin so traurig, verzweifelt und am Ende.
Wir sind momentan bei meiner Familie untergekommen, die mich vereint auffängt. Ich würde am liebsten den ganzen Tag im Bett liegen und weinen, muss jedoch für meine Kinder funktionieren und für sie da sein.
Nun stelle ich mir die Frage, wie es weitergehen soll. Ich kann mir nicht vorstellen, wie ich ihm das verzeihen kann. Das bedeutet jedoch unweigerlich Scheidung, mit allen Konsequenzen. Trotz allem sind noch Gefühle da. Und wenn ich meine Kinder im Schlaf betrachte, wird mir das Herz wirklich schwer. Sie hängen an ihrem Papa und die Große fragt ständig, wann wir nach Hause können. Sie möchte zu ihrem Haus, zu den Spielsachen und zu Papa. Ich verbiete ihr den Kontakt nicht und erzähle ihr sogar, dass wir nur bei Oma und Opa sind, da unser Haus einen Wasserschaden hat. Einfach nur, um sie zu schützen. Sie ist noch so klein.
Mein Mann hat mit seinem Betrug nicht an das gedacht, was er aufs Spiel setzt. Bin ich besser, wenn ich die Entscheidung nur für mich treffe und die Wünsche und das Glück meiner Kinder ignoriere?
Meine Familie kann nicht verstehen, warum ich all das solange mitgemacht habe. Ich manchmal auch nicht.
Aber ich kann mich nicht gegen meine Gefühle wehren. Ich habe ihn so sehr geliebt, dass ich mich selbst aufgegeben habe. Und ich liebe ihn immer noch. Die Liebe ist da, trotz seines Verrates. Warum war ich ihm nicht gut genug? Warum hat er mich nicht so wertgeschätzt?
Heute hatten wir ein stundenlanges Gespräch geführt, bei dem er mich tränenüberströmt um eine letzte Chance gebeten hat. Er hat mir versprochen, sich zu ändern, ein besserer Familienvater und Partner zu werden. Das heißt für ihn auch, dass er sich von seinen Stammfamilie abnabeln möchte. Er hat mir auch angeboten, seinen gut bezahlten Job zu kündigen und sich etwas anderes zu suchen, sollte ich es verlangen. Er sieht nun ein, was er an mir hat.
Was soll ich nur machen?
Mein Kopf sagt Scheidung, mein Herz blutet alleine bei dem Wort. 15 Jahre, zwei Kinder, ein gemeinsames Haus. Soll ich alles wegwerfen und von Neuem beginnen? Das bedeutet auch, dass meine Kinder ohne Vater aufwachsen werden. In nächster Zeit stehen die Geburtstage der Kinder an, die Eingewöhnung in den Kindergarten.
Er wäre bereit für eine Eheberatung, um unsere Ehe zu retten. Soll ich ihm die Chance gewähren? Er hatte ja eigentlich 15 Jahre Zeit gehabt sich zu ändern und hat mich am Ende sogar emotional betrogen. Hat er es verdient?
Entschuldigung für den langen Text. Ich konnte mich nicht kürzer fassen, um zu verdeutlichen, welche Faktoren bei dieser Entscheidung eine Rolle spielen. Ich weiß, dass niemand mir die Entscheidung letztendlich abnehmen kann, aber ich erhoffe mir einfach, dass ich durch eure Objektivität einen anderen Blickwinkel erhalte. Ich danke euch schon mal für das Durchlesen und freue mich über Rückmeldungen.
Einen guten Start in den Tag!
Liebe Grüße
SonneMond
dein Text hat mich betroffen gemacht, weil ich da einiges aus meiner ExEhe wiedergefunden habe: übergriffige Schwiegerfamilie (bei mir Schwiegermutter), unausgesprochene Bedürfnisse und Kommunikationsprobleme.
Also hat auch er unausgesprochene Bedürfnisse und das Gras scheint auf der anderen Seite grüner.