Zitat von Lena737:Auch ich finde, dass du dich sehr emotionslos liest und ich bin ein bisschen erschrocken darüber. Freust du dich auf dein Baby? Hast du bereits muttergefühle? Ich wünsche dir das sehr, denn das ist das schönste auf der Welt. Aber... ein Kind ist kein Wellensittich, der nach ein paar Jahren das zeitliche segnet. Ein Kind begleitet dich sein Leben lang. Ein Kind kann man nicht verstecken. Und irgendwann, wenn es ein gewisses Alter erreicht hat, wird es Fragen stellen. Dich erwarten Kindergartenfeste, Kommunion, Geburtstage, Einschulungen. All das ohne Vater an der Seite bzw. Einen Vater ...
Ich freue mich schon auf das Kind, aber ich weiß nicht was mich erwartet. Ich war ein Wunschkind und meine Eltern waren verheiratet als ich auf die Welt kam. Wirklich jung waren meine Eltern zu dem Zeitpunkt meiner Geburt auch nicht. Ich habe sehr unter den Streitereien und der Trennung meiner Eltern gelitten. Wenn ein Kind von Anfang an die klassische Familienkonstellation nicht kennt, wird es diese auch nicht vermissen. Ich kenne eine Menge Kinder, die ihren Vater noch nie gesehen und sich gut entwickelt haben. Außerdem kann man sich als Jugendlicher auch allein durchs Leben schleppen, das habe ich schließlich auch geschafft. Meiner Meinung nach kann mein Kind froh sein, dass ihr Vater wenigstens Geld hat. Mein Vater konnte keinen einzigen Cent für mich bezahlen. Ich wurde von ihm auch verprügelt. Mein Kind kann sich glücklich schätzen, dass es keinen gewalttätigen Vater erleben muss. Für mich war es auch nicht schön meinen Vater andauernd besoffen zu erleben und mir seine Suizidgedanken anhören zu müssen. Besser kein Vater als ein Vater, welcher das Kind nur belastet. Außerdem kommt es schon mal vor, dass Väter früh versterben. Was dann? Die Kinder leben damit, machen eine Therapie usw. Sollte meine Tochter ein großes Problem damit haben von ihrem Vater verleugnet zu werden, schicke ich sie präventiv zu einer Psychotherapeutin. Ich kann ihr ein angenehmes Leben ermöglichen, aber ihr keine Bilderbuchfamilie backen. Eine ideale Familie hat sie dann eben wie Millionen andere Kinder nicht. Ich weiß nicht, was sich hier manche Menschen eigentlich vorstellen bei einer Scheidungsrate von 40%. Für mich ist das ja fast schon der Standart, dass der Vater nach einer Scheidung nur noch als Wochenendvater fungiert, falls er im Leben seiner Kinder überhaupt noch präsent ist. Ich kenne da unzählige Fälle. Natürlich wird sich auch die Frau von T irgendwann scheiden lassen, wenn er nicht bereit ist diesen Schritt zu gehen. Frauen ziehen häufiger einen Schlussstrich als Männer. Dass die Ehe bis zum Lebensende hält, wage ich mal ganz stark zu bezweifeln. Dann werden seine anderen Kinder ihn auch seltener zu Gesicht und evtl. einen Stiefvater präsentiert bekommen.
Dass T überhaupt bereit ist seine Tochter regelmäßig zu besuchen, ist keine Selbstverständlichkeit. Gerade wenn Väter ungewollt Väter werden lehnen sie jeglichen Kontakt zum Kind häufig ab. T könnte mir genauso gut unterstellen, ihm das Kind mit Absicht unterjubeln zu wollen z.B aus einem finanziellen Interesse heraus. Die Tatsache, dass er mich weder zur Abtreibung noch zur Adoption gedrängt hat und darum bemüht ist mich kennenzulernen, würde ich als äußerst positiv auffassen. Warum wundert es euch, dass er seiner Frau von seinem Kind nicht erzählen möchte? Er würde gerne zu seinem Kind stehen (was er auch mehrmals betont hat), möchte aber seine andere Familie nicht verlieren. Das kann ich vollkommen nachvollziehen. Ich weiß wie schlimm eine Scheidung für die Kinder ist und möchte seinen Kindern dieses Elend ersparen. T wird selber unter der Situation leiden, sich Vorwürfe machen usw. Warum soll ich ihn dann psychisch unter Druck setzen? Er wird nur komplett dicht machen. Warum wundert ihr euch darüber, dass ich so emotionslos schreibe, wollt aber dass ich den Kindsvater in den Wind schieße und irgendwelche Sachen zum angeblichen Wohl des Kindes über ihn hinweg entscheide? Was bringt es einem Kind, wenn der Vater offiziell auf der Geburtsurkunde steht, sich aber ansonsten nicht beim Kind blicken lässt? Diesen Wisch zu unterschreiben ist keine Kunst. Wenn T offiziell als Vater eingetragen wird, bringt das dem Kind absolut gar nichts. Ich verstehe auch nicht wie ihr darauf kommt, dass er nicht zahlt? Natürlich zahlt er, damit ich ihn eben NICHT als Vater eintragen lassen muss und seine Ehe nicht gefährdet wird. Jemand, der sowieso viel Geld hat wird sicherlich nicht riskieren, dass seine Familie durch fehlende Unterhaltszahlungen ruiniert wird. Tatsächlich wäre T bereit mehr Unterhalt zu zahlen als er zahlen müsste. Trage ich ihn ein, bekomme ich den Höchstsatz an Unterhalt nämlich 600Euro pro Monat.
Wenn T das Kind regelmäßig besucht und den Unterhalt zahlt, macht er damit schon mal mehr als viele andere Väter. Nur weil ein paar Leute hier unter idealen Bedingungen aufgewachsen sind, müssen sie nicht so hohe Ansprüche stellen. Das Kind wird versorgt und gut behandelt, das ist das A und O. Was T dem Kind später erzählt, ist eine Sache zwischen T und dem Kind. Ich kann dem Kind eine gute Mutter zu sein, aber was T aus der Sache macht ist seine Sache.
Ein schlechtes Gewissen habe ich nicht. Ich habe mein Kind nicht abgetrieben und gebe meinem Kind eine Chance darauf zu leben. Viele Frauen hätten unter meinen Umständen abgetrieben! Ich brauche mich doch nicht schlecht zu fühlen, weil ich meinem Kind kein Paradies bieten kann. Ich hatte eine schlechte Kindheit und opfere meine Freiheit, meine Jugend usw. für das Kind. Ich könnte genauso gut MEIN Leben genießen. Sollte das Kind mir gegenüber keine Dankbarkeit empfinden oder sich sehr darüber aufregen, dass es keinen Vater hat, kann es gerne einen Monat in einer Wohngruppe verbringen. In Wohngruppen habe ich meine Jugend verbracht, dann kann meine Tochter mal sehen wie toll das ist und weiß wenigstens zu schätzen, dass die Mutter für sie da ist. Meine Mutter war für mich nämlich nicht da! Wer ständig undankbar und unzufrieden ist, sollte mal auf der Straße schlafen etc. Dann weiß man ganz schnell, dass man keine Ansprüche stellen sollte.