Aurelin
Mitglied
- Beiträge:
- 685
- Themen:
- 4
- Danke erhalten:
- 1019
- Mitglied seit:
na ja, Kibo, das ist Dein persönlicher Eindruck, das ist Heuristik, und kein objektives Studienergebnis.
allerdings habe ich das ähnlich empfunden.
Guido Gehbauer von Gleichklang hat aber mal etwas dazu geschrieben, das ich sehr aufschlussreich fand.
Diese Dating-Sites funktionieren nach den Prinzipien der Aufmerksamkeits-Ökonomie.
Ihre Absicht besteht gar nicht darin, Raum für zwischenmenschliche Verbindung zu schaffen oder diese zu fördern, sondern die User möglichst lange auf ihren Seiten zu halten und dafür zu sorgen, dass sie Content produzieren, der für andere User interessant genug ist, um auf der Seite zu bleiben.
Letztlich und konkret geht es also mehr um ein Spiel mit den Selbstwertgefühlen der User zum Wohle des Betreiberprofits.
Frauen annoncieren um ihren Marktwert zu testen und ihr Ego zu pushen, und werden von den Anzüglichkeiten irgendwelcher D*ppen überhäuft, und Männer, die es irgendwo ernst meinen gehen darin unter, und zweifeln mehr und mehr an sich selbst, weil sie ignoriert werden.
und alles dreht sich irgendwo darum, Aufmerksamkeit zu bekommen.
wozu?
ich für mich selber kam mir irgendwann blöd vor. da wische ich und swipe, und wühl mich durch hunderte Profile und Bilder und sortiere aus, weil ich irgendwie auf der Suche nach der Einen bin, aber was geb ich da eigentlich für Signale?
ich erdreiste mich Menschen auszusortieren? was bin ich eigentlich? die Rampe?
jeder dieser Menschen hat Aufmerksamkeit verdient, und keiner ein Urteil!
und hab ich dann mal eine gefunden, die ich interessant und anziehend fand, kam eigentlich nie eine Antwort.
ich habe zwar ein wenig Hemmungen Frauen anzusprechen, aber keine wesentlichen, und online schon zehnmal nicht.
und ich war nie irgendwo platt, oder hab nur dämliches Zeug geschrieben.
und wurde trotzdem bis auf ein einziges Mal komplett ignoriert.
und da muss ich sagen: ich bin mehr wert. und auch wenn's für eine Frau nicht passt, dann ist das okay.
im echten Leben könnten das einfach nette Begegnungen sein, die auch nette Begegnungen bleiben. die meisten Menschen können nett sein.
nur im OnlineDating wohl eher nicht.
dazu kommt dann auch die Zwanghaftigkeit von Partnersuche.
im echten Leben kann man jemanden suchen, sich aber auch einfach nur freundlich unterhalten, ohne sein Gegenüber gleich daraufhin abzuchecken, ob er die ästhetischen und finanziellen Voraussetzungen für eine Familiengründung mit sich bringt.
im OnlineDatingBusiness funktioniert das aber nicht.
und ich hab mich auch nie auf den Profilen von Männern herum getrieben, um von denen zu lernen, wie ich mich selbst besser in Szene setzen kann. wozu?
ich bin ganz okay, so wie ich bin.
aber irgendwann fingen mich die ganzen Bilder und Texte der Frauen auch an zu langweilen.
oh, was für eine schicke Sonnenbrille! ah, da warst Du irgendwo am Strand! ja, das Abendkleid steht Dir gut!
einen treuen Mann suchst Du? hmm ja.
und für nichts auf der Welt würdest Du Deine Kinder hergeben?
Schätzchen, ich bin selbst Papa! und würdest Du für irgendwas Deine Kinder hergeben, ich würde Dich nicht mal mit dem A. angucken.
oder der Klassiker:
finde es selbst heraus!
ach, geschminkte Schönheit... wenn Du so kess bist, mir oder anderen zu überantworten heraus zu finden, was Du willst und wer Du bist... dann finde ich das so ansprechend wie Lottoscheine auszufüllen, dann sei bitte irgendjemand anderes Hauptgewinn, der seine Freude daran hat, das für Dich heraus zu finden.
Ernsthaft: OnlineDating ist wie Fernsehen mit Wiederholungen oder Zeug bei Chinesen kaufen nur weil's einem billig vorkommt. es ist einfach nur Konsum und schlecht für das Selbstwirksamkeitsempfinden der Beteiligten. und wenn's nicht nur krank macht, dann ist es förmlich magnetisch für Leute, die ohnehin schon psychische Probleme haben, und sich davon Heilung erhoffen.