Moin,
Zitat von WeisseKatze: Ich verstehe hier eher ein "Du hast in einem Alptraum gelebt, sei froh, dass es vorbei ist"
ich verstehe ehrlich gesagt eher, dass wir alle empfinden, dass das, was Du an negativen Elementen erleben musstest, ziemlich heftig und erschreckend war, das hat uns alle nachhaltig beeindruckt. Und Dich ja nun auch.
Zitat von WeisseKatze: Ich weiß, dass viel nicht gut lief, aber insgesamt war ich auch sehr oft glücklich. Jetzt geht es mir nur noch schlecht, es ist alles leer. Mir ist bewusst, dass dieser extreme Schmerz vorbeigehen wird, dass ich aus dem tiefen Loch rauskommen werde und dafür kämpfe ich auch. Die richtige Panik bekomme ich, wenn ich an das "danach" denke.
Ich glaube Dir das.
Du hattest sicherlich Gründe, in dieser Beziehung zu bleiben, und Du leidest jetzt nicht, weil Du so misshandelt wurdest, sondern weil alles jäh für Dich aufgehört hat. Eben auch das Schöne. Und die Hoffnung darauf, dass es wieder werden könnte, ist vermutlich gleich mitgegangen.
Dass Deine Freundin Dich nicht versteht, scheint Dich ziemlich zu belasten, aber eigentlich sind diese unterschiedlichen Sichtweisen ziemlich wichtig für einen selbst, weil sie nicht nur zeigen, dass man mit seiner Sicht auf die Dinge vermeintlich allein dasteht, sondern weil sie auch zeigen können, dass es andere Sichten gibt. Sichten, die man selbst vielleicht mal für sich selbst übernehmen kann, wenigstens in Ansätzen.
Deine Freundin ist nicht emotional betroffen und steckt nicht in Deiner Gefühlswelt drin, sie hat nicht das erlebt, was Du erlebt hast und es fällt ihr vermutlich schwer, sich in Dich hineinzuversetzen. Freunde und Familie wollen einfach auch oft, dass es einem wieder besser gehen möge und deshalb kommen häufig solche Sprüche wie "wird wieder" oder gar "sei doch froh". Das fühlt sich in einer Situation, in der man so verloren zu sein scheint, echt miserabel an, hilft null weiter und ist nur ein weiteres Problem, das man bekommt.
Deshalb ist es auch sicherlich gut, dass Du hier im Forum schreibst, weil hier eben durchaus viele verstehen können, wie Du Dich fühlst oder warum sich manche Dinge für Dich so darstellen wie sie es tun - ich zum Beispiel. Wie gesagt: mir ging es eine Zeit lang tatsächlich mal genauso, die entsprechenden Textteile, die ich besonders gut nachempfinden kann, hatte ich in meinem letzten Post erwähnt.
Du solltest als erstes zusehen, dass Deine Stimmung sich verbessern kann, das hatte ich zuletzt schon gesagt. Hol Dir da Hilfe, es gibt Möglichkeiten, das zu bewirken (sicher auch in Österreich und ohne Therapie). Es gibt übrigens auch die Möglichkeit, während der Wartezeit auf einen Therapieplatz eine Betreuung in einem Gruppenangebot zu erhalten, in dem man gut unterstützt wird. Ich deute das nun nur so an, melde Dich gern, wenn Du nähere Infos dazu haben möchtest.
Ich denke, dass Du ohne eine Stimmungsaufhellung nicht in der Lage sein wirst, Dich in Deinem Leben so zu orientieren, dass irgendetwas für Dich einen Sinn macht. Und ohne Sinn wird es schwer, Ziele zu setzen, die Du aber dringend brauchst, um Dich zu positionieren und dauerhaft zu stabilisieren.
Ich rate Dir daher nochmal dringend, Dich an Deinen Allgemeinarzt zu wenden und ihm davon zu berichten. Er kann Dir weiterhelfen, für den Moment und für die erste Zeit. Und das könnte schon einen entscheidenden Ausschlag zu einer Verbesserung Deiner Situation geben.