Zitat von Opal:Wir vertrauen einander, haben Spaß miteinander und streiten sehr sehr selten.
Ich sehe hier eigentlich den Kern des Ganzen. Eine gute Beziehung besteht ja aus dem richtigen Maß an Komfort/Sicherheit und Anziehung (die wiederum durch Dissonanz/Distanz entsteht). Opal und ihr Mann führen eine gute Beziehung, nach dem, was man hier lesen kann. Aber es ist einfach ZU viel Komfort und zu wenig Distanz, dadurch geht eben die Anziehung flöten. Männern passiert das auch, nur ist die männliche Libido diesbezüglich wesentlich toleranter als die weibliche, und beim Mann passiert das erst dann, wenn eine Frau sich stark emotional abhängig zeigt (was Opal nicht ist, daher hat er natürlich auch noch Lust auf sie). Frauen brauchen aber etwas mehr emotionale Distanz, um Lust auf einen Mann zu haben. Ich denke, da liegt der Hase im Pfeffer, weil ihr Mann durch zu viel Sicherheit zu wenig Anziehung erhalten konnte. Krankheit und sonstige Krisen kamen noch obendrauf, und schwupp ist es passiert.
Krankheit und Krisen sind jetzt vorbei, was gut ist, denn darauf kann man aufbauen. Jetzt müsste eben ihr Mann ein bisschen mehr Diskomfort erzeugen, um seine Anziehung wieder zu erhöhen. Die Nummer mit der Konkurrenz kann funktionieren, ist aber meist heikel, das kann auch leicht in die falsche Richtung kippen. Und letztlich ist es nur eine Möglichkeit von vielen, und obendrein nicht mal die beste.
Mein Vater z.B. handhabt das seit über 45 Jahren so - er weiß genau, auf welche emotionalen Knöpfe er bei meiner Mutter drücken muss, um sie innerhalb von Sekunden von 0 auf 180 zu bringen

und wenn er merkt, dass ihr grad ein bisschen "langweilig" ist und sie ihn nicht mehr so wirklich doll wahrnimmt, dann macht er das und drückt. Sie geht dann auch tatsächlich hoch wie eine Rakete und schimpft und regt sich auf, er lacht dann irgendwann, bevor er sie in den Arm nimmt, küsst und sie wieder beruhigt. Das haben die zwei schon immer so gemacht, seit ich denken kann, und ich glaube, er macht das nicht mal bewusst oder absichtlich. Aber es ist eben so, als würde man ein Steinchen in stehendes Wasser werfen. Das schlägt dann kurz Wellen, und es kommt wieder Bewegung rein.
Manchmal spielen sie sich auch Streiche

und sie flirten immer noch miteinander, nach so vielen Jahren noch. Sie streiten auch regelmäßig, das ist immer heftig, aber kurz. Nach zehn Minuten ist der Streit beigelegt, das war immer eine "goldene Regel" bei uns zu Hause.
Das ist sicherlich kein Patentrezept, aber streiten gehört zwingend zu einer guten Beziehung dazu. In ausnahmslos allen Beziehungen, die ich wegen Unlust beraten habe hörte ich den Satz "nein, wir führen eine gute Beziehung, wir streiten nie ...". Die Beziehungen, in denen zu viel (ständig) gestritten wird, kenne ich auch. Aber zumindest gab es da nie Klagen über das 6leben. Also hier eine gute Mitte zu finden und eine gute Streitkultur miteinander zu erarbeiten, halte ich für den Königsweg, um eine Beziehung auch für viele Jahre sowohl sicher und komfortabel als auch 6uell belebt zu halten. Ein Feuer entfacht man durch Reibung, wenn man sich aber in einer Beziehung nicht mehr aneinander reibt - bleibt das Feuer halt irgendwann aus.
Dazu ist natürlich eine gute gemeinsame Kommunikationsbasis nötig, und wenn die fehlt, ist die Beziehung eigentlich irgendwann zum Scheitern verurteilt. Die muss halt passen, aber wenn die passt, dann klappt es mit der Beziehung und obendrein auch im Bett, weil 6 auch nur eine Form der Kommunikation ist. Wer zu
still ist (wie der Mann von Opal, der weder streitet noch in Gefühlsdingen ein großer Redner ist, wie sie sagt, oder jemand, der konfliktscheu oder harmoniesüchtig ist und deshalb jeder Auseinandersetzung aus dem Weg gehen möchte), wird halt irgendwann nicht mehr gehört. Und damit auch nicht mehr gesehen - als Partner für den kommunikativen 6.
"Früher" wurde nach meinem Empfinden häufiger gestritten in Beziehungen. Manchmal wirkt es so, als ob viele Menschen heutzutage zu konfliktscheu, zu ängstlich und zu harmoniesüchtig sind
