Was geht denn hier ab. . . Dating, Verführung, Prost., Wechseljahre

Ich versuche mal, die Hauptaussagen aus @Opal s letzten zwei Beiträgen (#166 und #170 auf Seite 12) rauszuschreiben, weil ich denke, dass das eine Art Kurzzusammenfassung ergibt, die ihre Situation gut beschreibt:
Zitat von Opal:Ich weiß, dass er attraktiv für andere Frauen ist.
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durch seine humorvolle Art ist er ein guter Flirtpartner
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Er ist einfach gut. Ruht in sich. Hat ein Standing für sich und sein Leben und das steht wie eine 1000Jährige Eiche.
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Bin ich mir seiner zu sicher?
Gerade eigentlich überhaupt nicht.
Denn ich WEISS, wenn es so weiter läuft wird er gehen.
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Nach der Theorie müsste ich dann eigentlich ja wässrig sein, wie ein Kieslaster. Bin ich aber nicht.
Hier lese ich folgendes raus: Opal weiß, dass sie einen tollen Mann hat, der auch schnell wieder eine andere Frau finden würde, aber es wäre ihr egal, wenn es so kommen würde. Falls das wirklich so ist, finde ich dass wir es hier mit einer ganz typischen "Bruder-Schwester-Konstellation" zu tun haben. Ich liebe meine Schwester auch, muss sie aber nicht jede Woche sehen und auch nicht ständig an sie denken. Und auf ihren Freund bin ich auch nicht eifersüchtig. Klingt komisch, aber darauf läuft es hinaus.
Auch diese Zitate von Opal aus einem Beitrag weiter vorne zeigen in die selbe Richtung:
Zitat von Opal:mein Mann und ich waren in den vergangenen Jahren sicherlich keine verklemmten Missionare. Wir haben viel ausprobiert.
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Was anders war? Wenn er mich angefasst hat, geküsst hat, war ich eben erregt und hatte Lust auf ihn.
Das ist aber eben nicht mehr so.
Das sagt im Endeffekt aus, dass sich ihre Liebe zu ihm gewandelt hat, von romantisch-leidenschaftlicher Verliebtheit (ist normal, dass das weggeht) hin zu
geschwisterlicher Liebe (nicht
partnerschaftlicher, was ein großer Unterschied ist).
Generell finde ich, ihr Mann macht alles richtig was man nur richtig machen kann, denn er legt sämtliche Kriterien an den Tag, die für Frauen attraktiv sind: Er
will sie (daran zu erkennen, dass er mit ihr weiterhin eine feste Beziehung und 6 will), aber er
braucht sie nicht (siehe Opals Aussage oben "er hat ein Standing für sich und sein Leben und steht wie eine 1000jährige Eiche"). Zusätzlich kommt er bei vielen Frauen gut an und hat einen eigenen Freundeskreis, mit dem er auch viel unternimmt, ohne Opal jedoch zu vernachlässigen. Kurzum: Ein Traummann.
Jetzt kommen aber zwei Dinge ins Spiel, die so in den Anziehungslehrbüchern oft nicht zu finden sind:
- Wir wissen ganz oft einfach nicht, warum Dinge so sind, wie sie sind. Vieles von dem was uns bewegt und was unsere Gedanken kreisen lässt, wird vom Unterbewusstsein gesteuert, und unser ganzes Gefühlsbrimborium ist einfach viel zu komplex, als dass man es wirklich durchschauen und begreifen könnte. Nicht immer ist es der "Alpha-Mann" oder die hübsche junge Dame mit dem tollen Körper, die unser Interesse wecken (was es "normalerweise" ja sein müsste), sondern mitunter sind es auf den ersten Blick eher unscheinbare Personen. So kann man auch erklären, warum verschiedene Menschen, die wir attraktiv finden, oftmals wenig gemein haben und sich zum Teil deutlich voneinander unterscheiden. Oder von der anderen Seite her betrachtet: Oft ist es so, dass man sich bei zwei
ähnlichen Personen des anderen Geschlechts (ähnliches Aussehen, Alter, Verhalten, Sprache, Mimik, Gestik, Humor, Interessen, Intelligenz) zu der einen Person stark hingezogen fühlt, zu der anderen aber kaum bzw. gar nicht. Meist fällt einem das gar nicht auf dass es so ist, aber wenn man sich mal nüchtern hinsetzt und verschiedene Personen aus seinem Umfeld analysiert, wird man solche Beispiele finden.
- Egal wie toll ein Mensch ist und wie attraktiv er als Partner sein mag, er ist und bleibt nur ein Mensch. Irgendwann kennen wir ihn in- und auswendig und er verliert an Reiz, die Leidenschaft erlischt. Nicht immer hat man das Glück, dass sich anfängliche Begeisterung für den anderen über die Zeit hinweg in eine in den wichtigen Kernbereichen stabile und gesunde Partnerschaft entwickelt, sondern oft gehen die Wege einfach auseinander.
Diese beiden Sachen können also erklären, warum man oft "alles richtig" machen kann (wie ihr Mann) und es trotzdem nicht mehr passt.
So, jetzt noch ein anderes Thema, das in eine andere Richtung geht. Und zwar Opals grundsätzliches Verlangen nach Intimität:
Zitat von Opal:Zur SB: ich werde mal drauf achten, in welchen Situationen ich das tue (wobei das jetzt auch nicht super häufig vorkommt).
An andere Männer oder Frauen denke ich dabei nicht.
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Ich habe auch seit bestimmt 10 Jahren keinen anderen Mann mehr getroffen, den ich in irgendeiner Form so anziehend gefunden hätte, dass ich Lust auf ihn bekommen hätte.
Ist das nicht generell ein bißchen komisch bzw. ein bißchen "wenig"? Das wäre ein anderer Erklärungsansatz, warum es so läuft wie es läuft, dann würde das von mir oben Geschriebene eher nicht zutreffen, sondern Grund wäre mehr die (zumindest aktuell) sehr geringe Libido von Opal. In diesem Fall würde es evtl. auch bei einem anderen Mann nicht "besser" sein.
Wie auch immer, jetzt nochmal ein wichtiger Satz aus dem Eingangspost:
Zitat von Opal:Das letzte Mal ist so 10 Monate her
Ganz ehrlich, ich finde das kann man drehen und wenden wie man will und die genauen Gründe sind dann gar nicht mehr so entscheidend, denn 10 Monate ist wirklich sehr lange und das wird wohl keine halbwegs normale Beziehung auf Dauer aushalten, falls sich das nicht wieder ändert.
Oder auch bei solchen Aussagen gehen bei mir viele Alarmglocken an (auch wenn sie vielleicht ein klein wenig aus dem Zusammenhang gerissen sind):
Zitat von Opal:Ich verbringe immer noch gerne Zeit mit meinem Mann.
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Ich finde ihn nicht abstoßend oder so.
Wirkliche Liebe hört sich finde ich anders an.
Die TE sucht ja vor allem Möglichkeiten, wie sie das körperliche Interesse zu ihrem Mann wieder entfachen kann (und ich denke dass sie da auf jeden Fall weiter dranbleiben sollte) und nicht diese Art von Meinungen, die auf den ersten Blick eher entmutigen. Aber ich finde, dass es schon wichtig ist, auch diese Seite zu betrachten. Wir haben es hier halt mit dem "Problem Nummer 1" zu tun: Die Gefühle sind weg und da was zu machen ist leider immer seeehr schwierig.
