Falls es Menschen gibt, die's interessiert, noch ein kleines Update.

Ich hatte ihn nach dem Gespräch gefragt, ob es für ihn in Ordnung ist, wenn ich ihn nochmal kontaktiere, da ich mir nicht sicher bin, ob ich alles sagen und fragen konnte, was mir auf dem Herzen lag - dem hat er zugestimmt (vielleicht wäre ein guter Zeitpunkt der Start meiner Therapie, schrieb er - hmm).
Ich hatte ihm in der Woche drauf dann noch Dinge von ihm in den Briefkasten geworfen und einen Brief mit meinen Gedanken dazu. Ich habe mich zugegeben etwas aus dem Fenster gelehnt, da ich versucht habe, zu verstehen, was das zwischen uns war.
Zusammengefasst: Ich habe ihm meine Interpretation dazu, warum er mich nicht mit jemand anderes sehen wollen würde, genannt: entweder pures Ego (gern am Haken haben, Option offenhalten wollen ihnen commitment - wäre hart, aber eben nicht ausgeschlossen) oder eben, dass doch mehr Gefühle da waren, denn ich bin ja auch nicht blöd und habe gespürt, dass da etwas da war in den Momenten, in denen wir uns drauf eingelassen haben. Ich habe mich dann auch getraut, meinen Verdacht auf Bindungsangst zu äußern, auf den so Dinge wie kurze Beziehungen, Pseudo-Beziehungen wie das mit mir und sein Interesse an (für ihn) nicht erreichbaren Frauen hindeuten. Zugegeben: Gewagt, aber ich habe eben auch offen gefragt, was es ist, oder ob es vielleicht doch vergeht oder ich nur Projektionsfläche war und ob er das für sich klar hat.
Ich habe aber auch geschrieben, dass ich mich wohl schon in ihn verliebt hatte, das aber immer gedämpft war und solche Gefühle ohne Gegenseitigkeit und commitment auch nicht beständig für mich sind und mich diese "Ablehnung" daher auch nicht verletzt. Da würde ich in Zukunft anders Grenzen setzen - Pärchenverhalten ohne Beziehungsabsicht geht nicht mehr.
Es ist aber eben so, dass das Gefühl, wenn ich mich wirklich auf jemanden einlasse und mich öffne, grundlegend (platonische!) Liebe ist, ich ihm da vertraut und das zugelassen habe und das eigentlich das einzige war, womit er mich hat verletzen können.
Trotzdem ist dieses Gefühl aber beständig und ich habe ihn als Mensch und Kontakt sehr geschätzt, von gemeinsamem Rumalbern über schwere Gespräche, gegenseitige Unterstützung, Vertrauen. Das fehlt mir und ich bin traurig, das nicht mehr teilen zu können, und obwohl ich durch diese Geschichte viel gelernt habe, finde ich den Verlauf unglaublich schade und versteh's nicht - vielleicht könne er mir dazu irgendwann seine Gedanken mitteilen.
Heute kam nach anderthalb Wochen seine Antwort: Mein Brief habe ihn schockiert, ich sei ambivalent aufgetreten, mein Brief sei übergriffig, und mit welchem Recht ich nach einem Kontaktabbruch seine Gefühle in Frage stelle, Beziehungen/Bindungsstil bewerte, Vorwürfe mache. Mein Brief habe ihn traurig und wütend gemacht und er hätte sich gewünscht, in seinen Gefühlen und Bedürfnissen ernst genommen zu werden und das so stehen zu lassen, er wisse, was er gefühlt habe und sei mir keine Rechenschaft schuldig. Dieses Verhalten von mir entspräche nicht seinen Werten und er müsse mir Gegenüber klarere Grenzen setzen (=Löschen und Blockieren aus Selbstschutz). Er wünsche mir aber nur das Beste für die Zukunft.
Tja, wie gesagt: Sicherlich habe ich mich aus dem Fenster gelehnt, im Grunde waren es aber meine Gedanken und Fragen (nachdem er dem ja zugestimmt hatte, dass ich mich nochmals melde - und er mich auch laufend analysiert und meine Gefühle hinterfragt hatte). Ich habe ihm trotzdem viel Wertschätzung entgegengebracht, meine Gefühle offengelegt (so offen von Verliebtheit und Liebe sprechen tue ich nicht leichtfertig). Ich hätte mir tatsächlich einfach etwas mehr Verantwortungsübernahme für die Auswirkungen des eigenen Handelns gewünscht von jemandem, der eine Person angeblich etwas bedeutet, der sie bis zuletzt (trotz der klären Ansage, dass da Gefühle sind) zur Befriedigung seines Nähebedürfnisses nutzt und sich dann mit einem kompletten Kontaktabbruch im wahrsten Sinne des Wortes aus der Affäre zieht und mit jeglichen Fragen allein lässt.
Mir ist durchaus bewusst, dass zu gescheiterten "Beziehungen" immer zwei gehören und ich sicherlich durch meine Unsicherheit und mein Klammern dazu beigetragen habe. Dennoch: Stelle ich einmal seine Aussagen in Frage (was er bei mir so oft getan hat) muss ich "aus Selbstschutz" blockiert werden. Und nein, er MUSS nichts - aber welchen Werten entspricht es, jemanden zwar v*geln zu können, wenige Tage später aber den Kontakt abzubrechen und keine Möglichkeit mehr für Rückfragen zu geben? In meinen Augen macht er es sich sehr leicht, seine Bedürfnisse nach Nähe und Bindung in seinem Rahmen zu erfüllen, negative Gefühle von anderer Seite aber bloß fernzuhalten. Bin gespannt, ob hier noch jemand eine Meinung dazu hat, wollte es aber zumindest für Menschen in ähnlicher Situation mal geteilt haben. Ich vermute, mir hilft seine (in meinen Augen!) sehr egozentrische, kalte Antwort und die völlig fehlende Bereitschaft, mit den Gefühlen des Gegenübers umzugehen (nachdem man dessen Vorzüge bereitwillig genutzt hat - emotional und körperlich), ihn in einem anderen Licht zu sehen und zu erkennen, dass ich da Gefühle für eine Illusion entwickelt habe. Kuscheln, Küssen, Sex und regelmäßige Treffen mit emotionalen Themen gingen, aber wenn es schwierig wird, werden einfach alle Brücken von heute auf Morgen abgerissen, um nicht damit konfrontiert werden zu müssen, was auf anderer Seite los ist, ohne Rücksicht auf Verluste. Ich bin - wie er - traurig und wütend.