Zitat von sphynx:Jetzt bin ich wieder innerlich so angekratzt vom Schreiben. Eure Rückmeldungen bestätigen mich noch mehr in meiner Angst völlig daneben zu sein.
Hm, also ich jedenfalls finde dich überhaupt nicht "völlig daneben", sondern lese einen jungen Menschen der es allein schon aufgrund der geschlechtlichen Identität und zudem noch der s*xuellen Orienterung viel schwerer hat als andere, sich selbst zu finden, und zudem noch gesundheitliche Beeinträchtigungen hat. Völlig daneben fände ich es zum Beispiel, wenn du dies ignorieren und wissentlich anderen Schaden zufügen würdest, oder rücksichtslos in Beziehungen gingest usw... davon liest man hier im Forum zur Genüge.
Was du tust, ist mit dir selbst zu hadern, und damit tust du dir in erster Linie selber weh. Das ist schade und ich würde dir wünschen, dass du einen besseren Weg findest mit dir selbst ins Reine zu finden. Du scheinst sehr streng mit dir zu sein und dich selbst sehr wenig annehmen und lieben zu können.
Zitat von sphynx:Aber irgendwie geht es mir dadurch so schlecht gerade und ich verliere die Hoffnung.
Es liegt in der Natur der Sache, dass einem die eigene Situation immer besonders ausweglos vorkommt. Ist sie aber meistens, und auch bei dir, nicht, ich habe es so oft erlebt dass Menschen sich, wenn sie wirklich bereit sind an sich zu arbeiten, ganz toll entwickeln und einen für sie guten, neuen Weg finden. Das kannst du bestimmt auch.
Zitat von sphynx:In meiner Familie stehen alle der psychischen Gesundheit sehr kritisch gegenüber. Ich komme aus einem orthodoxen Elternhaus (russisch) und solche Themen werden immer verschwiegen, vor allem wenn es um die Transsexualität geht.
Ja, das kann ich mir vorstellen. Du hast es wirklich nicht leicht im Leben, und das meine ich ganz ernst. Vielleicht hilft es dir bei der Selbstwertschätzung, dir gegenüber einfach mal anzuerkennen, dass du mit ziemlich vielen Baustellen und Schwierigkeiten in deinem jungen Leben konfrontiert bist, die den meisten anderen Menschen erspart bleiben. Du hast in der Hinsicht sicher schon eine ganze Menge leisten und bewältigen müssen und dafür viel Energie aufgewendet, die andere Leute nicht aufbringen müssen, weswegen sie natürlich auch viel mehr Zeit und Kraft in andere Dinge wie die Entwicklung ihrer Beziehungsfähigkeit etc. stecken konnten. Verstehst du was ich meine?
Zitat von sphynx:Irgendwie kriegen es ja alle anderen hin , eine Beziehung aufzubauen trotz psychischer Störungen etc.
Nein, lieber sphynx, alle anderen kriegen das nicht hin, auch nicht alle ohne Störungen kriegen das hin. Du bist nicht der einzige der sich damit schwer tut und du bist auch sicher nicht der einzige, bei dem Beziehungen gelingen, wenn er anfängt mit der Beziehung zu sich selbst ins Reine zu kommen.
Wie schaut es denn nun bei dir aus, mit Therapie? Eine Diagnose hast du ja schon, das ist ein guter erster Schritt aber es nützt dir ja nichts, wenn nicht weitere Schritte folgen. Hast du kompetente, auf deine Probleme spezialisierte Ansprechpartner und bist du denn willens und bereit, dir helfen zu lassen?
Denn ich fürchte, ohne Unterstützung wird sich dein Leiden nicht verringern, sondern weiter im Kreis drehen. Schau, es ist keine Schande sich helfen zu lassen - mit einem gebrochenen Bein oder einem rätselhaften Knoten unter der Haut oder andauernden körperlichen Beschwerden würdest du doch auch zum Arzt gehen und dir helfen lassen. Es ist das gleiche mit psychischen Problemen. Viele Krankheitsbilder lassen sich heutzutage gut und effektiv behandeln.