Liebe Arjuni!
Ich könnte mich gerade in den Hintern beissen, ich habe auf deinen Beitrag geantwortet, und anscheinend doch nicht weggeschickt, aarrrggghh.
Ich probier's nochmal!
Wenn ich noch an etwas glaube, dann an Gerechtigkeit, und zwar auf Grund dieser Geschichte:
Meine kleine Kousine war spät dran, hat gerade noch den Zug erwischt.Sie steigt ein, sieht ein Kontrolleur (bei uns heissen die Schwarzkappler) ist unterwegs, geht sofort auf ihn zu, und erklärt ihm, warum sie keine Zeit hatte, einen Fahrschein zu kaufen.
Er schaut sie kalt an, und sagt:" Des mocht 90, Fräulein..!" Sie appelliert noch einmal an sein Mitleid, aber er lässt sich nicht erweichen, sie war damals noch Schülerin.
Monate später, sie ist wieder in dem Zug, taucht der Kontrolleur auf, tut seinen Job, sie hatte diesmal einen Fahrschein,er wendet sich an einen afrikanisch aussehenden jungen Mann und fragt:" Wos is, Bimbo, homma an Fohrschain..?" Der schaut ihn an, zieht einen Ausweis und sagt trocken: "Grüß Sie, Kriminalpolizei, kommens amal mit!"
So stellen wir uns Gerechtigkeit vor, und am liebsten möchten wir zuschauen. Aber leider läuft's selten so, deshalb haben die Menschen in früheren Zeiten Andere gern gleich mit ihren gesamtem zukünftigem Nachkommen verflucht. Zur Sicherheit.
Man hat das Gefühl, daß die Ar. immer gewinnen, daß immer die Falschen Glück haben. Daß nie das da ist, was man gerade braucht (there where 10.000 spoons, when i needed a knife...). Banalitäten und gut Gemeintes
helfen einem da nicht weiter, frustrieren noch mehr. Die einzigen Werte, die echte Erkenntnis bringen sind Wahres und Echtes. Und die spüren wir.
Und nicht mittendrin, in der großen Verzweiflung, kommt der Sinn, sondern viel, viel später. Wenn genug Ruhe da ist, um ihn überhaupt zu begreifen.
Wenn wir 150 Jahre zurückschauen, sehen wir, daß wir den Traum der damaligen Menschen leben. Wenn wir uns 1000 Jahre im Überblick anschauen, dann sehen wir, wir wiederholen; wir schaffen Dramen, wir zerstören und bauen wieder auf. Wir wollen im Sinn das Ende einer positiven Entwicklung sehen, aber wie oft braucht es das Negative dazu? Wenn ich keinen Schmerz kennen lerne, werde ich nie wissen, was ich verursachen kann. Wenn mich niemand in Frage stellt, werde ich mich nie ganz kennenlernen. Wenn mich alle hätscheln, pfeiff ich auf meine Defizite.
Unsere ganze Zivilisation ist aus Blut, Schweiß und Tränen entstanden, um immer wieder etwas besseres hervorzubringen. Und es geht so langsam, daß immer erst die nächsten Generationen die Früchte ernten, nur, die haben inzwischen schon wieder größere Träume, und sie sehen die großartige Entwicklung gar nicht.
Vielleicht habe ich das Alter, um allmählich Gerechtigkeit zu erkennen, weil man sie manchmal nur sieht, wenn man schon einen zeitlichen Überblick hat

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Alles, alles Gute Dir
pferdediebin