pferdediebin
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Dieses Forum ist ein tränengefüllter Pool. Mit der ganzen unerwiderten Liebe, die hier verpufft, könnte man gesammelt locker den Weltfrieden bewerkstelligen. Und die, die es eigentlich angeht, haben nicht die leiseste Ahnung von der Liebe, die ihnen hier gewidmet wird. Und vom Kampf gegen die Liebe, gegen die Sehnsucht und für sich selbst.
Ich frage mich, ob es an unserer beschleunigten Zeit liegt, daß die Menschen einander nicht mehr so widmen können oder wollen. Das fängt schon bei den Kindern an. Welcher Haushalt kann mit einem Gehalt überleben?
(Vor allem seit es den Euro gibt. ), Mütter UND Väter sind also eingespannt und überfordert, Kinder werden "ausgelagert" in div. Einrichtungen. Gleichzeitig sind die Ansprüche gestiegen, man jagt dem immer neuesten Modell von weißichwas hinterher. Und ohne 2x Urlaub ist das sowieso kein Leben. Und weil es schnell gehen muß, verschuldet man sich halt. Und überall Defizite, überall unerfüllte Sehnsüchte. Ich glaube, meine Generation, die 68er
Meine gewagte Theorie, oder vielleicht eh schon ein alter Hut. Unsere Defizite leiten uns zu genau dem Menschen an dem wir lernen, sie mal überhaupt zu sehen. Sie schaffen Konflikte, die uns unseren Mangel deutlich aufzeigen.
Wir können an dem Gegenüber verzweifeln, aber wir werden wachsen. Denn nur in der Liebe öffnen wir uns wirklich, also kann nur der in unserer Seele umrühren, den wir reinlassen. Und manche Schmerzen sitzen tief, von Irrwegen und Ablenkungsmechanismen geschützt, da käme nicht mal Indiana-Jones hin. Kommen aus einer Zeit, wo es noch kein Verstehen gab, sondern NUR Bedürfnisse.
Die Beziehung treibt uns vielleicht bis zum Äußersten, aber nur weil wir es auch zulassen. Eigentlich haben wir es in der Hand wie weit wir den gehen lassen, den wir als Folterknecht erwählt haben. Und der Folterknecht bekommt, voila, Einsicht in seine Abgründe und Defizite, und muß damit umgehen, wie weit er geht. Und wenn das Opfer gelernt hat und gewachsen ist, Ängste überwunden hat, sich dem Folterknecht stellt, dann dreht sich das Blatt, auch der Folterknecht hat die Gelegenheit sich mit seinen Defiziten auseinanderzusetzen. Und im Idealfall haben beide genug über sich gelernt, daß echte Erfahrung draus wird, die bleibt. Im gegenteiligen Fall werden die Rollen mit neuen Personen besetzt, und die Dramen, die folgen, sind das reinste Deja-Vu. Man hat noch nicht den richtigen Folterknecht gefunden, oder die Abwehrmechanismen haben Indiana-Jones gekillt.
Wenn man verletzt wird, sieht man sich die Wunde an, sucht Hilfe und Trost, und tut alles, damit das heilt.
Seelische Wunden bemerkt man erst, wenn sie spürbar bluten, und man hat keine Ahnung, wo die Hilfe ist oder wie man sie heilt. Das lernt man ganz langsam, indem man die Schmerzen übersteht. Im Schmerz kümmern wir uns endlich um uns selbst, und wir lernen, daß wir ihn überleben. Wir füllen unser Defizite selbst. Also verliert er seinen Schrecken, und wir haben weniger Angst. Und suchen irgendwann keine Folterknechte mehr.
Ich glaube, jetzt habe ich Tao te king verstanden