Lyrrebird
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Zitat von hexe162:man sieht doch, daß hier einfach 2 Welten aufeinander treffen. Ich soll mich aufregen, wenn der Partner mich wegen seiner Frau verläßt, weil sie mir den "Mann genommen hat"? Ja, was ist er denn? Eine Brieftasche, die mir gehört?Ich habe zB noch einen Menschen als mein Eigentum angesehen, das ist etwas was ich charakterlich verabscheuungswürdig finde. Und ja, ich habe e bei mir auch genauso gesehen, als ich betrogen wurde. Ich hatte nur mehr sehr wenig Interesse gezeigt, mir war Job wichtiger und er hat sich dann eben jemand anderen gesucht. Verantwortlich waren dafü...
Das "Mitschuld"-Eingeständnis am Scheitern einer Beziehung finde ich schon auch sehr wichtig... Deshalb war für mich auch nicht die andere Frau das Schlimme, sondern das Verschleiern und danach noch schlimmer das direkt angelogen werden. Irgendetwas war für meinen Mann in dieser Zeit nicht stimmig, hat ihm gefehlt. Er schwört bis heute Stein und Bein, dass es nicht an mir und unserer Beziehung lag- was mich erst recht rasend (vor Wut) gemacht hat! Da fühle ich mich als Kleinkind behandelt, der man die Wirklichkeit nicht zumuten kann. Niemand betrügt den Partner, wenn alles für ihn perfekt läuft. Und ich will nichtmal perfekt SEIN! Wenn er gekommen wäre und mir "gebeichtet" hätte, dass er sich in die Frau verliebt hätte, hätten wir darüber reden können. Ich wäre in sein Dilemma involviert gewesen. Wir hätten gemeinsam die Lösung suchen können, wie wir damit umgehn. Sowas erwarte ICH von erwachsenen Menschen. Nun- ich wurde eines besseren belehrt.
Was mich nun heute beim hier lesen erschüttert hat, ist in welche Richtung dieser Thread wieder hindriftet...
Eine Affäre ist moralisch gleichzusetzen mit einem Einkauf, der in eine Plastiktüte statt Korb/Jute/Stoffbeutel gesteckt wird? Oder Hühnchen vom Wagen kaufen, die so Bio gehalten werden wie Sardinen in ihrer Dose?
Wer neue Handys kauft, sollte nicht mit Steinen in Glashäuser schmeissen?
Ich kapiere zwar den Sinn... Wer in der heutigen Zeit mit dem heutigen Wissen un-biologisch konsumiert, ist sich darüber bewusst, welchen Schaden er (mit dem Rest derer, die ebenso handeln) der Erde, dem Klima, den Menschen und den Tieren antut. Es ist eigentlich unmöglich, ruhigen Gewissens so zu handeln. Natürlich versuchen wir es soweit es in unserm persönlichen Rahmen geht, anständig zu handeln. Wir tragen unsere Stoffbeutel mit zum Einkauf, kaufen wenn möglich nur noch Bio-Artikel - selbstverständlich auch bei den Tieren, die für uns ihr Leben lassen! Denn wenn sie schon für unsere Nahrung dienen müssen, sollen sie so lange wie möglich ein schönes Leben haben. Das sind wir ihnen schuldig - wir versuchen in normalen Alltag so anständig wie möglich zu konsumieren.
Also den Sinn verstehe ich... Aber es ist trotzdem etwas ganz anderes! Ich selbst kann jeden Tag für mich bestimmen, was ich esse und kaufe. Es ist meine eigene Entscheidung, egal ob moralisch oder nicht. Niemand kauft für mich ein verseuchter Pulli, der durch Kinderarbeit gefertigt wurde... ICH kaufe diesen Pulli. Oder auch nicht. ICH entscheide, ob ich das neueste IPHONE brauche oder nicht! Bin ich ein anständiger, moralisch integerer Mensch, entscheide ich mich für das Richtige. Es ist aber eine Sache, die NICHT über mich hinweg entschieden wird. Diese Entscheidung habe ich als Betrogener Mensch nicht, denn das wird über meinen Kopf hinweg entschieden und gelebt.
Also passt das für mich nicht zusammen... Auch wenn ich den Sinn verstehe.
"Wir" sind diejenigen, deren moralischer Sensor so ausgerichtet ist, dass es wichtig ist sich im Spiegel freundlich lächelnd die Pfote schütteln zu können! Dazu muss man nicht perfekt sein... Nur Ehrlich. Mit sich und dem Anderen. Und bemüht Anstand im Leben zu zeigen.
Anstand - auch so ein "altmodisches" Wort, dessen Vorhandensein anscheinend total aus der Mode gekommen ist.
Was wiederum viel mit Affären zu tun hat... Wenn ich Anstand habe, betrüge ich nicht. Dann besitze ich genau diesen Anstand, zu meinem Partner hinzugehn und ehrlich mit ihm zu reden. Ich muss die Konsequenzen eben tragen- so wie man das eigentlich schon als Kind lernt, bzw lernen sollte.
Dieser fehlende Anstand- das fehlende "Rückgrad" der Ehrlichkeit - ist das was ich bei dem Bertrug meines Mannes mit am dümmsten und schlimmsten finde. Durch das Wissen kann ich ihn nicht mehr so ernst nehmen wie früher...
