@Butterblume63
Jeder Mensch ist individuell. Manche Menschen können z.B. Sex und Gefühle trennen. Andere nicht. Manche können sich vorstellen, zwei Menschen gleichzeitig zu lieben, während andere das nicht können. Manche können blind vertrauen, während andere eine Menge Hintergrundinformationen brauchen. Und manche fühlen sich (zumindest erst mal) wohler, wenn sie Details unter den Teppich kehren, während andere besser vertrauen können, wenn sie in alle für sie bedeutsamen Details eingeweiht sind.
Warst du überhaupt schon einmal in der Situation, dass dich dein jahrzehntelanger Partner kaltherzig hinterging? Ich meine nicht einen Liebhaber von einigen Monaten, sondern einen Menschen, mit dem du ein Leben aufgebaut hast, der in deinen Familien- und Freundeskreis integriert ist, mit dem du vielleicht sogar Kinder hast? Jemanden, den du besser kennst als jeden anderen, dem du alles anvertraut hast, was du hast?
Die meisten Menschen denken, sie wüssten genau, was sie brauchen, denken, fühlen und wie sie auf eine solche Situation reagieren würden. Aber ich bin alt genug und erfahren genug, um zu wissen, dass das meiste, bis es passiert, hypothetisch ist.
Es ist manchmal schwierig, sich vorzustellen oder nachzuvollziehen, wie andere Menschen denken und handeln. Ähnlich wie du sagen sie: "Wenn ich es wäre, würde ich dies oder jenes nicht denken oder fühlen oder verlangen oder brauchen." Oder "ICH würde sie auf die Straße setzen, und die Schlösser austauschen!" "ICH würde sofort gehen und nie mehr zurückblicken." Hypothetisch gesehen, ist das vielleicht so. Und ich bin mir sicher, dass in der Realität einige tatsächlich so reagieren. Andere tun das jedoch nicht.
Wer sind wir, dass wir darüber urteilen, was eine andere Person braucht, um wieder Vertrauen zu fassen? Wenn Leonardo nachts nicht schlafen kann, ohne z.B. die Form und Größe des AP-Pimmels zu erfahren, wer sind wir, darüber zu urteilen? Offenbar wurde er in ein absolutes Chaos gestürzt, die Details seiner Beziehung, wie er sie kannte, machten keinen Sinn mehr. Vielleicht hat er das Gefühl, dass er seine Partnerin überhaupt nicht mehr kennt. Vielleicht hat sie ihm jahrelang erzählt, dass sie auf große Dödel steht, aber jetzt stellt sich heraus, dass sie sie kleiner mag? Ihre Bereitschaft, sich ihrer eigenen Scham zu stellen und ihm zu sagen, was er wissen will, gibt ihm vielleicht das Gefühl, dass er sie wirklich noch kennt. Oder dass sie bereit ist, ihn wissen zu lassen, wer sie ist. Dass sie ihm gegenüber jetzt wieder loyal ist.
Meiner Meinung nach sollte Leonardo, wenn er tief im Inneren das Gefühl hat, dass er bestimmte Details wissen muss, um das Puzzle dieser Affäre zusammenzusetzen, dann sollte seine Partnerin seine Bedürfnisse respektieren und sich dem fügen - das heißt, wenn sie ihn als Partner behalten will.